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Kunst - Glossar Max Beckmann 12.2.1884 Leipzig - 27.12.1950 New York Deutscher Maler und Grafiker; begann nach dem Studium der Malerei in Weimar (1899-1903) mit impressionistischen Landschaften und Figurenbildern; fand dann, unter dem Einfluss des 1. Weltkriegs, zu einer Gestaltung, die die Vereinzelung des modernen Menschen zum Thema hat: neben expressionistischen Darstellungen mit sozialkritischer Tendenz («Die Nacht» 1918/19) Landschaften, Bildnisse und Stillleben, sämtliche mit stark konturierter Formenwiedergabe. Beckmann emigrierte 1937 nach Paris, 1938 nach Amsterdam; 1947-1949 Lehrer an der Washington University in St. Louis und am Brooklyn Museum, New York. Die seit 1935 entstandenen Werke mit mythologischen Themen, oft als Triptychen gestaltet, bilden Höhepunkte seines Schaffens («Odysseus und Kalypso» 1943; «Blindekuh» 1945; «Die Argonauten» 1950). Beckmann, der auch ein umfangreiches grafisches Werk hinterliess, zählt neben O. Kokoschka und den Malern der Brücke zu den Hauptmeistern des deutschen Expressionismus. www.wissen.de Max Beckmann Beckmann stand den künstlerischen Problemen seiner Generation lange ablehnend gegenüber und führte noch 1912 eine Polemik gegen die junge Kunst mit Franz Marc in der Zeitschrift «Pan». Er versagte sich der radikalen Formerneuerung und suchte vielmehr in bewusster Fortsetzung der Tradition, «der Natur und der Seele der Dinge auf den Grund zu gehen». Beckmann war 1900 an die Akademie in Weimar gekommen, wo er eine solide Ausbildung erhielt. 1903 verliess er die Akademie und ging für ein halbes Jahr nach Paris, wo er einen bestimmenden Eindruck von Manet und den Impressionisten erhielt, aber auch Cézanne für sich entdeckte. Ab 1904 war er in Berlin ansässig. Mit einer grossen Figurenkomposition, die 1906 auf der Künstlerbundausstellung in Weimar gezeigt wurde, errang er den Villa-Romana-Preis, der mit einem Studienaufenthalt in Florenz verbunden war. In Berlin wurde Beckmann Mitglied der Sezession und 1910 in deren Vorstand gewählt. Er versuchte das Drama seiner Zeit mit den Mitteln der Historienmalerei auszudrücken und stellte auf grossen Leinwänden Schlachten, Szenen des Alten und Neuen Testamentes, aber auch aktuelle Ereignisse dar. Daneben entstanden Landschaften und Porträts kleineren Formats. 1913 war er ein weithin anerkannter Künstler, dem bereits eine Monographie mit Oeuvrekatalog gewidmet wurde. Aber Beckmann spürte wohl selbst, dass seine Mittel ungeeignet für den Ausdruck der Seele der Dinge waren. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich zum Sanitätsdienst und kam nach Flandern, wo er Heckel begegnete. In der Nähe von Grauen und Tod fand Beckmann zu sich selbst. 1915 erlitt er einen physischen und psychischen Zusammenbruch, wurde entlassen und übersiedelte von Berlin nach Frankfurt. Angst, Qual und Einsamkeit, «das grenzenlose Verlassensein in der Ewigkeit», versuchte Beckmann nun in seinen Bildern zu bannen. «Äusserste Empfindung ist bereits Gestaltung», notierte er, «Gestaltung ist Erlösung», Die Bilder, die jetzt entstanden, wurden von der Zeichnung her aus scharfwinkligen, das ganze Bildfeld füllenden Formen aufgebaut, und die Farbigkeit wurde auf Lokalfarben reduziert. Beckmann konnte das Leben nur ertragen, weil er es als eine Szene im Theater der Unendlichkeit begriff. So gewann er Distanz, um die Welt als groteskes, freudloses Narrenspiel zeigen zu können. Distanz und strenge Ordnung der Bilder waren die Mittel, mit denen es Beckmann gelang, das drängende Gefühl zu bändigen und die nur auf Expression gerichtete Phase seiner Kunst ab 1923 zu überwinden. Reifenberg, Benno, und Hausenstein: «Max Beckmann», München, R. Piper & Co. Verlag, 1949. Max Beckmann Max Beckmann wird am 12.2.1884 als Sohn wohlhabender Eltern in Leipzig geboren. Während Beckmanns Ausbildung an der Kunstschule in Weimar von 1900 bis 1903 lernt er die Opernsängerin Minna Tube kennen, die er 1906 heiratet und mit der er 1908 einen Sohn bekommt. Im Jahr ihrer Eheschliessung übersiedeln sie nach Berlin. Hier wird Beckmann Mitglied der Sezession und bekommt den Villa-Romana-Preis. Seine erste Retrospektive wird 1913 bei Cassirer gezeigt. Im gleichen Jahr erscheint eine erste Monografie. Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs meldet er sich freiwillig als Sanitäter. Nach einem Nervenzusammenbruch angesichts der entsetzlichen Erlebnisse wird Beckmann 1915 beurlaubt und von seinen Freunden Ugi und Fridel Battenberg in Frankfurt aufgenommen. Hier beginnt er schrittweise die Alltagswelt zu verschlüsseln und in hermetische Bildgefüge zu verwandeln. Das Bildnis seiner Frankfurter Gastgeberin wirkt auf den ersten Blick wie ein einfaches, ruhiges Porträt. Die junge Frau steht in einem engen Innenraum, ein schwarzer Vorhang verhindert den Blick nach draussen. Ein gelber Vorhang, der sich im Spiegel neben der Dargestellten reflektiert, lässt als Pendant dazu eine für Beckmann typische, symbolische Sinnebene des Bildes vermuten. In dieser Frankfurter Zeit entstehen 1922 auch die Bilder Vor dem Maskenball und Der Eiserne Steg. Eine Fussgängerbrücke über den Main verbindet die Frankfurter Altstadt mit Sachsenhausen. Diese kühne Ingenieurkonstruktion des 19. Jahrhunderts durchquert in rasanter Diagonale Beckmanns Bild. Das kalte Grau der Eisenkonstruktion steht in scharfem Kontrast zum Bunt der Fluss- und Uferlandschaft. Fuhrwerke, Ladekräne, Flösse und Dampfer zeigen geschäftiges Treiben, während spielzeugartige Häuser und dampfende Fabrikschlote auf dem anderen Ufer abweisend und menschenleer die Kehrseite der Grossstadt verdeutlichen. Obwohl topografisch richtig, ist das Bild voller perspektivischer Brüche. Es ist nicht naturalistisch, sondern sachlich: Es intensiviert das Wesentliche mit künstlerischen Mitteln. Im gleichen Jahr, 1922, nimmt Beckmann an der Biennale in Venedig teil. Typisch für diese Phase sind geradezu klaustrophobisch wirkende Raumsituationen. Solch drangvolle Enge herrscht auch auf dem Tanzparkett eines mondänen Lokals. Ohne wirklichen Boden oder perspektivischen Halt schieben sich auf dem Bild Tanzbar in Baden-Baden modische Paare in glitzernder Abendrobe durch den Raum. Die Welt im exklusiven Kurort kennt den Mangel der Nachkriegszeit nicht. Die Diskrepanz zwischen dem Elend der Kriegskrüppel und Arbeitslosen auf der einen und den Kriegsgewinnlern auf der anderen Seite prägt die Weimarer Republik. Die kritische Betrachtung jener «goldenen» Seite der Zwanzigerjahre wird auch bei Beckmann zu einem bestimmenden Thema seiner Kunst. Im Gegensatz zu Dix überzeichnet Beckmann jedoch nicht die Welt dieser Neureichen, sondern zeigt uns ihre Kälte und Unmenschlichkeit mittels kühler Palette, strenger Ordnung und extremer Blickführung. 1924, wenige Monate vor der endgültigen Trennung von seiner ersten Frau, entsteht das Bildnis Minna Beckmann-Tube. Die Dargestellte, eine schöne Frau in schwarzem Abendkleid, sitzt auf einem Stuhl vor einem klaren, ruhigen Hintergrund. Einziges Requisit ist ein Spiegel, der sich darin reflektierende Vorhang vielleicht ein Hinweis auf den Beruf der Porträtierten. Der schlichte Bildaufbau und die tonige, zurückhaltende Farbigkeit unterscheidet sich deutlich von der Enge der vorangehenden Frankfurter Bilder und lässt an die monumentalen Frauenbildnisse Picassos denken. Dieser ruhige Neoklassizismus prägt weite Bereiche der Malerei jener Jahre. Nach der Scheidung heiratet Beckmann 1925 Mathilde Kaulbach, genannt «Quappi», die Tochter des Münchner Malers Friedrich August von Kaulbach. Beckmanns Werk wird ab 1924 in nationalen und internationalen Einzelausstellungen u. a. in Basel, Berlin, München, New York, Paris und Zürich gezeigt und durch Ehrenpreise gewürdigt. Obwohl nicht eindeutig dazuzurechnen, werden einige seiner Bilder auf der Mannheimer Ausstellung >Neue Sachlichkeit< ausgestellt. Im gleichen Jahr wird er Professor an der Städelschule, Frankfurt. Die Lehrtätigkeit endet mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Seine Werke werden beschlagnahmt, zehn Bilder in der Ausstellung >Entartete Kunst< gezeigt. 1937 gelingt die Emigration nach Amsterdam, vergeblich bemüht er sich von dort um ein Visum für die USA. Erst nach dem Krieg, 1947 kann er die ihm angebotene Professur in St. Louis annehmen. Er schlägt das Angebot aus, nach Berlin zurückzukehren und unterrichtet in den folgenden Jahren in den Vereinigten Staaten. Internationale Ehrenpreise und Ausstellungen knüpfen an die Vorkriegserfolge an. Beckmann stirbt am 27.12.1950 in New York. Lit.: Erhard und Barbara Göpel, Max Beckmann. Katalog der Gemälde, 2 Bde. Bern 1976 Christiane Lange Der kühle Blick. Realismus der Zwanzigerjahre in Europa und Amerika Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung Münschen vom 1.6. - 2.9.2001 Prestel Verlag - ISBN 3-7913-2513-2 |