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Kunst - Glossar Peter Thomas Blake 25. 6. 1932 Dartford, Kent englischer Maler, Hauptvertreter der englischen Pop-Art, stilisiert einen aufdringlichen Realismus. Er schuf u. a. die Coverillustration für die Beatles-Schallplatte «Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band». www.wissen.de Peter Blake Geboren 1932 in Dartford, Kent. 1946 bis 1951 besucht er das Gravesend Technical College and School of Art. 1950 bis 1956 studiert er am Royal College of Art in London. 1951 bis 1953 absolviert er seinen Militärdienst bei der Royal Air Force. Er erhält ein Forschungsstipendium zum Studium der Volkskunst in Europa. Ab 1959 collagiert er Pin-up-Photos, Star-Images, Poster, LP-Covers und triviale Images. Er lehrt von 1960 bis 1962 an der St. Martin's School of Art, London, und von 1962 bis 1964 an der Walthamstow School of Art. 1961 bekommt er den ersten Preis in der Ausstellung bei John Moore in Liverpool für «Selbstportrait mit Ansteckern». Er heiratet 1963 Jann Haworth und reist nach Los Angeles, um Zeichnungen für die «Sunday Times» auszuführen. 1964 bis 1976 lehrt er am Royal College of Art, London. 1969 widmet ihm die City Art Gallery in Bristol eine erste Retrospektive. Er zieht nach Wellow, Avon, und wohnt dort bis 1979.1973 und 1974 Retrospektiven in Amsterdam, Hamburg, Brüssel und Arnheim. 1974 wird er zum ausserordentlichen, 1981 zum ordentlichen Mitglied der Royal Academy ernannt. 1975 gründet er mit Jann Haworth und anderen die «Brotherhood of Ruralists», die 1976 erstmals in der Royal Academy ausstellt. Er trennt sich 1981 von Jann Haworth und kehrt nach London zurück. 1983 findet eine grosse Retrospektive seiner Werke in der Tate Gallery, London, und in der Kestner-Gesellschaft, Hannover, statt. Stand 1989 Peter Thomas Blake Es sind gerade die konventionelle Gestaltung und die Bildmittel, mit denen Peter Blake Aussen- und Innenwelt im Spiegel des einzelnen ausdrückt. Die konservative Form seiner Bilder rührt aus ethischen und kulturellen Traditionen. Seine Einfachheit wirkt naiv, volkstümlich, wehrlos, unbeholfen. Sie vermittelt ein scheinbar intaktes, beruhigtes Lebensgefühl, das durch äussere Einwirkungen überrascht und aufgeweckt ist. Das Nebeneinander, auch der Konflikt zwischen schädlichen Umwelteinflüssen und einem nahezu kindlichen Gefangensein des einzelnen in dem Schutz seiner Persönlichkeit wird deutlich. Die Welt der Traum- und Wunschvorstellungen, die von den Massenmedien verbreitet wird, hat den Platz der Wirklichkeit eingenommen. Die Menschen sind einer bislang nicht gekannten Flut von Klischees, Bildern und Informationen aus aller Welt ausgeliefert. Die detailreiche Malerei Blakes zeigt die «neue Welt» nicht als fremde Welt. Die modernen Images wirken wie aufgesetzt, wie etwas das auf alte Muster aufgestickt wurde: Träume, Hoffnungen, Sehnsüchte, Märchen und auch Kunstwerke scheinen wie um neuartige zivilisatorische Erscheinungen erweitert. So wie Blake die Wechselwirkungen des einzelnen und der Menge, der Mode und der Konvention, der Modernität und der Tradition porträtiert, verzichtet seine realistische Malerei auf jegliche Zeitstile und die Bildersprache der Informationsmedien. Mit dem Porträt seiner Schwester wurde Blake 1950 am Royal College in London zugelassen, wo er 1953 nach seinem Militärdienst Malerei zu studieren begann. Das Royal College war das Zentrum für die Ausbildung einer jungen Künstlergeneration von abstrakten wie realistischen Malern, die hier gleichermassen zu Hause waren. Blake blieb ein Einzelgänger. Er gehörte nicht zu der Independent Group, die seit 1952 in London Künstler, Architekten und andere Interessenten vereinigte und einen neuen Kunst- beziehungsweise Kulturbegriff des Pop prägte, sei es durch Theorie oder durch Aktionen. Blake hat sich, wie auch mancher seiner amerikanischen Kollegen, intensiv für traditionelle Volkskunst interessiert. Mit Hilfe eines Forschungsstipendiums konnte er sie im Ausland studieren; so entstanden nach 1959 die sogenannten Postcards. Blake drückt sein Zeitbild vor allem im Porträt aus. Schon in einem frühen Selbstporträt, das er vor seiner Studienzeit im Jahr 1952 begonnen hatte, steht er in Harlekinhosen vor einer Plakatwand; 1954 malte er Comics lesende Kinder. Die Trivialliteratur als Lebens- und Phantasiewelt junger Menschen steht am Anfang seiner künstlerischen Entwicklung, wobei sein Stil noch nicht das Generationsgefühl der Pop Art trifft.Ab 1955 bedient sich Blake einer Mischtechnik aus Zeichnung, Collage und Assemblage. Er bezieht banale Ebenen direkt in die Arbeiten ein, die mehr und mehr Relief-,teilweise sogar Objektcharakter erhalten. Figuren der Zirkuswelt, Catcher, Ringer, Striptease-Tänzerinnen, Pin-up-Girls, Tätowierte, Stars der Sub- und Rockkultur sind seine Themen. Obwohl er, im Vergleich zu Paolozzi und Hamilton, einer jüngeren Generation Londoner Künstler angehört, schafft Blake schon weit vor 1960 seine Schlüsselwerke. Wie Selbstporträt mit Ansteckern ist Auf dem Balkon (1955 bis 1957), Blakes Abschlussarbeit am Royal College, ein Schlüsselbild für seine Inhalte. Brav stillhaltende, biedere Kinder sitzen und stehen auf einerArt (Lebens-)Bühne, sind wie zugedeckt und zugleich unberührt von einer unübersehbaren Anhäufung von Bildern sowohl der Hochkunst wie der Subkultur: Manets Balkon, zweimal die königliche Palastloge, Spielzeug, Zeitung, moderne Idole, Souvenirs, Relikte von Verpackungen, englische Malerei (Bilder von Robyn Denny, Dick Smith, Leon Kossoff) sowie eine Arbeit seines Bruders. Neue und altbekannte Zeichen der Epoche vereinigen sich in einer «Collage-Komposition», die in akademischer Malweise Reproduktionen imitiert. Seit 1959 entstanden nach Foto- und Postervorlagen Gemälde, Collagen, Assemblagen mit den neuen Idolen der Zeit: Rock- und Filmstars wie Elvis Presley, Cliff Richards, Frank Sinatra, Bo Diddley, die Beatles, Marilyn Monroe und Jean Harlow. Blakes Bilder werden aufdringlicher, plakativer, perfekter, denn sie simulieren «Fehlerstellen», unvollständige und unvollendete Partien. Das Porträt der Beatles,1963 begonnen und 1968 vollendet, widmete Blake dem Gründungsjahr der Gruppe 1962. Diese Zahl steht im Zentrum des Bildes. 1967 «inszenierte» Blake mit seiner Frau Jann Haworth das Schallplatten-Cover für «Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band». Blake arrangiert die Gruppe wie für eine Plakatkomposition und stilisiert sie zu einer Ikone der neuen Generation. Der naive Ausdruck in den Gesichtern und die klaren, unverstellten Blicke kontrastieren mit den modebewussten Kostümen. Zurückhaltende Individualität erschliesst sich hinter der farblich aufdringlichen, herausfordernden Wirkungsweise des plakativen Bildes. Unterhaltung und Kunst sind nicht mehr zu trennen. Die Pop-Musik, die neue Volksmusik zum Beispiel der Beatles, entspricht in ihren Ausdrucksebenen der Hochkultur und Subkultur, dem Trivialen und dem Besonderen. 1963 heiratete Blake Jann Haworth, die bedeutende amerikanische Popkünstlerin, mit der er 1963 die USA bereiste. 1969 zog er mit seiner Familie aufs Land, 1975 gründete er dort «The Brotherhood of Roralists», die Bruderschaft der Landschafter. Blake kehrte seitdem mehr und mehr zur reinen Malerei zurück. Tilman Osterwold Pop Art Benedikt Taschen Verlag ISBN 3-8228-0394-4 |