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Berühmte Berner Künstlerinnen und Künstler

Urs Dickerhof

14.12.1941 Zürich

Maler. Buchautor und Direktor der Kantonalen Schule für Gestaltung in Biel. Ausstellungsorganisator. Kunst im öffentlichen Raum, Objektkunst und Druckgrafik. Lebt in Biel und in Südfrankreich.



  • Urs Dickerhof
  • Urs Dickerhof (Lexikon)
  • Ich, Urs Dickerhof, Maler.



    Urs Dickerhof

    Urs Dickerhof wächst in Zürich und ab 1956 in Agarone im Tessin auf. Nach der Mitarbeit im Atelier von Oscar Bölt in Locarno 1957- 59 besucht er bis 1963 die Kunstgewerbeschule in Bern und wirkt daneben am Aufbau und Betrieb des Galerietheaters Die Rampe mit. 1962 Heirat und Gründung einer Familie. Stipendien der Stadt Zürich (1964, 1970), des Kantons Zürich (1965, 1968, 1971), der De Harries Stiftung, Bern (1965), des Kantons Bern (1966, 1967), der Louise Aeschlimann-Stiftung, Bern (1971), sowie Eidgenössische Kunststipendien (1968, 1970, 1971). Sein erstes Art book Ich Urs Dickerhof. Undsoweiter, eine Art Bilderbuch wird mit dem Eidgenössischen Stipendium für angewandte Kunst (1969) und dem Literaturpreis des Kantons Bern (1970) ausgezeichnet. Den ersten Wandmalereien für das Haldenschulhaus in Grenchen 1971 folgen zahlreiche Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum in der Schweiz und in Deutschland. Als Ausstellungsmacher gehört er zu den Organisatoren der 1973 in fünf schweizerischen Museen gezeigten Wanderausstellung Tell 73, der Ausstellung Tatort Bern im Kunstmuseum Bochum 1976 sowie weiterer Veranstaltungen in den Kunstmuseen Bern und Biel. 1976-1984 Mitglied der Kommission für Kunst und Architektur des Kantons Bern. Seit 1979 Direktor der Kantonalen Schule für Gestaltung in Biel. Das Museum Bochum, mit dem er seit 1968 eng zusammenarbeitet, veranstaltet 1975, 1986 und 1991-92 Einzelausstellungen. 1988 Auszeichnung mit dem Künstlerpreis der Schweizer Sportjournalisten. Dickerhof lebt in Biel und in Boisset-et-Gaujac in Südfrankreich.

    Werkwürdigung:

    Nach ersten expressiven Landschafts- und Figurenbildern sowie einer kurzen, von der Auseinandersetzung mit der Abstraktion bestimmten Werkphase gehört Dickerhof in der zweiten Hälfte der 60er Jahre zu jenen Schweizer Künstlern, deren Schaffen entscheidend von der Pop Art geprägt wird. Sein Blick richtet sich dabei vor allem auf Tendenzen des Westcoast-Pop.

    Dickerhofs Interesse gilt zunächst den Stars der modernen Industrie- und Unterhaltungsgesellschaft, deren stereotypes, durch Printmedien, Film und Werbung tradiertes Erscheinungsbild zum Ausgangspunkt seines bildnerischen Schaffens wird. Das von Superman, lonesome Cowboys, den Spielern des American Football, Piloten und Kosmonauten gleichermassen bestimmte Bildmaterial zergliedert er in schablonenhafte Flächen, die puzzleartig zu einer neuen, bunten Bildrealität zusammengefügt werden - ein Akt der Entmystifizierung, der aus den Heroen der modernen Industriegesellschaft Chiffren eines seiner Individualität beraubten Menschen macht.

    Seit den 70er Jahren verschmilzt das präcodierte Bildmaterial der Massenmedien mit der Ebene der persönlichen, sinnlichemotionalen Erfahrungswelt Dickerhofs zu einer komplexen Bildstruktur, in der sich unterschiedliche Realitätsebenen gegenseitig überlagern und durchdringen. Aus diesen Fragmenten entstehen narrative Bildwelten, deren formal offene Kompositionen den nur annäherungsweise entschlüsselbaren Inhalten entsprechen und sich zu einer neuen, höchst subjektiven Bildrealität verbinden, die der Künstler mit Tagebuchseiten oder seinen persönlichen Briefen vergleicht. Ein alle Werkphasen bestimmendes Thema ist die Sexualität, sei es in unverblümter, kühler grafischer Schilderung, in den Text-Bild-Collagen seiner Art books oder in Form einer fotografischen Dokumentation von Kritzeleien in den Höhlen von Les Baux (Ein Journal für bessere Tage, 1973).

    Werkhinweis:

    Museum Bochum; Staatliche Museen zu Berlin, Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett; Graphotek Berlin; Galerie der Stadt Bocholt; Kunstmuseum Bern; Kunstmuseum Thun; Biel, Centre PasquArt; Kunsthaus Grenchen; Le grand départ, 1983-84, Wandmalerei, Museum Bochum, äusserer Treppenaufgang; L'histoire du ballon, 1984, Wandmalerei, Tavannes, Halle des Sports; Figuren, Malereien und Fahnen, 1984-86, Biel, Altersheim Redernweg; künstlerische Gestaltung, 1987, Saarbrücken, Klinik Sulzbach, Lichthof; Gestaltung, 1987-88, Bern, Kantonale Zeughäuser, Hof; Les hommes mécaniques, 1988-89, Thun, Ausbildungszentrum Seepark des Schweizerischen Bankvereins.

    Literatur:
    - Urs Dickerhof c/o Museum Bochum. Spiegel. Acht Aufsätze zu Urs Dickerhof. Museum Bochum, Kunstsammlung, 1992. [Texte:]
    Guido Bachmann [et al.]. Pieterlen: Editions Clandestin, 1992
    - Urs Dickerhof: Spiegel, Schrift, Bilder. Trilogie. Biel, Bochum, 1991-1993. 3 Bde.
    - Begegnungen im Atelier. Biel, Centre PasquArt, 1990-91. Konzeption: Andreas Meier. Biel: Kunstverein, 1991
    - Urs Dickerhof: Mein linkes Auge ist die Nacht. Basel, Galerie Franz Mäder, 1989. Basel, 1989
    - Fred Zaugg, Alexander Egger: Lokaltermin Atelier. 101 Künstlerinnen und Künstler. Das Louise-Aeschlimann-Stipendium 1942-
    1987. Bern: Bernische Kunstgesellschaft, 1988
    - Die Funktion des Betrachters. Museum Bochum, Kunstsammlung, 1986-87. Texte: Urs Dickerhof [et al.]. Bochum, 1987
    - Urs Dickerhof: Grosse Freiheit Nr. 1. Basel, 1984
    - Urs Dickerhof: Hefte 1-4. Beiträge: Peter K. Wehrli [et al.]. Berlin: Abend Galerie, 1983-1984. 4 Hefte
    - Urs Dickerhof. Schang Hutter. Walter Kohler-Chevalier. Daniel de Quervain. Claude Sandoz & Tobias C. Biancone. Peter Willen.
    Kunstmuseum Thun, 1981. [Texte:] G. J. Dolezal, G. Bachmann. Thun, 1981
    - Urs Dickerhof: Fingerübungen. Bern, 1978
    - Urs Dickerhof. Die Bochumer Drucksache. Museum Bochum, Kunstsammlung, 1975. Texte: Urs Dickerhof, Peter Spielmann.
    Bochum, 1975
    - Urs Dickerhof: Taschenbuch für W. T.. Basel: Edition Katakombe, 1973
    - Urs Dickerhof: Ein Journal für bessere Tage. [Texte:] Peter Bichsel [et al.]. Spiegel-Bern: DG & R-Edition, 1973
    - Tell 73. [Zürich, Helmhaus; Basel, Kunsthalle; Bern, Kunsthalle; Lugano, Villa Malpensata; Winterthur, Kunstmuseum; Genève,
    Musée Rath, 1973]. Text und Redaktion: Peter Killer. Spiegel-Bern: DG&R-Edition, 1973
    Téléphone 2:
    Dickerhof Urs
    - Urs Dickerhof: Mischa und das blaue Feuer. Fotografien: Urs Kohler. Zürich: Arche, 1971
    - D wie Dickerhof. Dokumentation, Drucksache. Basel: Edition Katakombe, 1970
    - Ich Urs Dickerhof. Undsoweiter, eine Art Bilderbuch. Bern: Lukianos, 1969

    Quelle: Collection des beaux-arts de la Ville de Bienne
    Documentation des achats 2000
    www.biel-bienne.ch




    Urs Dickerhof

    Maler, Buchautor und Direktor der Kantonalen Schule für Gestaltung in Biel. * 14.12.1941 in Zürich. Bürger von Zürich.

    Künstlerische Tätigkeiten:
    Malerei*, Zeichnung*, Bock Art*, Lithographie, Siebdruck, Collage, Objekt, Multiples, Bühnenbild, Wandbild, Baugestaltung.

    Biographische Angaben:
    Schulen in Zürich und Muralto/ TI. Private Malkurse. 1957-59 Mitarbeiter im Atelier Oscar Bölt, Locarno (dabei tätig u. a. für Hans Arp, Ben Nicholson und Julius Bissier). 1959-63 KGS Bern. Seit 1980 Leiter der Kantonalen Schule für Gestaltung, Biel.

    Stipendien, Preise:
    Stipendium der Stadt Zürich 1964 und 1970. Stipendium der De Harris-Stiftung, Bern 1965. Stipendium des Kantons Zürich 1965, 1968 und 1971. Stipendium des Kantons Bern 1966 und 1967. Eidg. Stipendium 1968, 1970 und 1971. Stipendium der Louise-Aeschlimann-Stiftung, Bern 1971. Eidg. Stipendium für angewandte Kunst 1969. Literaturpreis des Kantons Bern 1970.

    Mitgliedschaften:
    GSMBA Bern, Gruppe Olten.

    Galerie:
    Krebs, Bern. Scheidegger, Zürich.

    Kunst in, an, bei Bauten:
    Mehrere Werke im öffentlichen Raum, darunter: Wandmalereien Haldenschulhaus Grenchen/SO 1971/72; 5. und 6. Station Via Crucis S. Abbondio/ TI 1972; Wandmalereien Sekundarschulhaus Meikirch/ BE 1974; Künstlerische Gestaltung Schulanlage Wittigkofen, Bern 1974-76 (zusammen mit Walter Kretz); Wandgestaltungen Psychiatrische Universitätsklinik «Waldau», Bern 1975 und 1977.

    Ausstellungen:
    Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland seit 1964. Bis 1974 siehe Kat. der Einzelausstellung «Urs Dickerhof: Die Bochumer Drucksache», Museum Bochum, Kunstsammlung 1975. Seither mehrere Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter: «Bildende Künstler als Dichter». Kunstmuseum Bern 1975; «Gottfried Keller und einige seiner Schüler», Kunsthalle Bern 1976; «Tatort Bern». Museum Bochum 1976; «SxBern», Kunsthaus Bocholt 1978; «Erotica», Kunstmuseum Bern 1978.

    Eigene Schriften:
    Verfasser verschiedener Publikationen. Bis 1975 siehe «Schweizer Schriftsteller der Gegenwart». Zürich 1978. Seither: U.D./Bernhard Giger: «Tatort Bern», Zvtglogge-Verlag. Bern 1976: U. D.: «Fingerübungen» , Museum Bochum und small size Galerie, Bern 1978.

    Quelle: Lexikon der zeitgenössischen Schweizer Künstler, 1981
    3-7193-0765-4



    Ich, Urs Dickerhof, Maler.
    Gutgut, sagt der Besucher, gutgutgut.
    Ja Herr Semmering und nein Herr Semmering, verstehen Sie mich nicht falsch
    Herr Semmering, ist mir egal Herr Semmering undsoweiter Herr Semmering.
    Trete ins Atelier, verkleide mich: Bin Maler, erfülle Ansprüche,
    amüsiere mich, komme für meine Familie auf, habe an der Wirtschaft
    dieses Landes teil: Bin Verbraucher.
    Bin Maler und bin dieses und jenes auch noch, will immer mehr, will immer noch anderes,
    kann das nicht ändern, will nicht.
    Gutgut, sagt der Besucher, gutgutgut.
    (Nennt eure Kinder, je nach dem wo ihr wohnt, Josef Jakob Pius Magdalena
    undsoweiter und tauft sie im Namen des heiligen Geistes und denkt daran, davon
    werden sie zwar nicht satt, aber sie haben es leichter in
    der Schule.)
    Ich, Urs Dickerhof, Maler.
    Trete ins Atelier, verkleide mich: Bleibe Maler und erfülle meine Ansprüche so wie
    auch du deine Ansprüche erfüllen solltest, versuche zu unterhalten
    teilsteils, stecke Grenzen ab: Meine Grenzen.
    Gutgut, sagt der Besucher, gut gutgut.
    Versuche also festzuhalten, was mich beschäftigt: Es wären Zeichen aufzurichten. Es wären
    die privilegierten Henker abzuschaffen. Ich kann Zusammenhänge aufdecken,
    kann Stellung beziehen, kann Hintergründiges erklären.
    Ich könnte Einfluss nehmen, vielleicht: Sisyphos-Arbeit. Guernica. Man vermag
    fast alles einzuordnen, aber es ändert sich kaum etwas ausserhalb von
    uns. Unsere Resignation ist die Hoffnung der Autoritären.
    Gutgut, sagt der Besucher, gutgutgut.
    N e i n !
    Wer seid ihr denn, ihr, die ihr mitschwimmt in der wohlfeilen Suppe der öffent-
    lichen Meinung, ihr Christen, ihr wohlgenährten Bürger undsoweiter,
    ihr wohltätigen Spender zum Beispiel: Nicht der Glaube an die gute Tat bringt euch dazu,
    zu spenden, nein, nicht weil in euch eine Stimme nach Recht schreit, nicht
    deshalb ist euch karitativ zu Mute, nein, sondern um vor dem Nachbarn ein guter
    Mensch zu sein, um in einem erhofften zweiten Leben einen Platz an der
    Sonne zu belegen, deshalb seid ihr gut. Ihr, die ihr vor jedem Satz in
    die Runde blinzelt, auf die Ansicht derer nebenan und obenan: Angst habt ihr,
    wenn ihr allein seid, und die Hosen randvoll, ihr Europäer, ihr mit
    eurem Stolz auf Europa, seid stolz, so stolz wie es euren Verdiensten um dieses
    Europa entspricht.
    Ich, Urs Dickerhof, Maler.
    Das kann jeder sagen. Dickerhof könnte ja auch Herr Semmering sein,
    oder sonst einer. Dickerhof ist Name, ist Fassade, bringt ihre Küche zum glänzen, begattet
    sie im Handumdrehen, ist ok, ist es nicht, spielt eine Rolle, ist Familienvater, ist
    ein Begriff, hat Haare, ist auswechselbar, versucht vernünftig zu sein,
    erkennt Sinnloses, ist also entwicklungsfähig, wird angezweifelt, mag nicht
    mehr.
    Ich, Urs Dickerhof, versuche Distanz zu halten.


    Wolf Biermann
    Eine Regierung, die nichts weiter fürchten muss
    als das Volk,
    kann lange dauern
    solange
    das Volk nichts weiter fürchtet
    als die Regierung
    Unsere Resignation ist die Hoffnung der Autoritären. Guernica vermochte die Kriegshetzer
    nicht auszurotten. Das konnte man nicht erwarten. Die potentiellen
    Mörder sind in der Überzahl. Es schützt sie das autoritäre Establishment, das die
    Gewaltlosigkeit immer nur von seinen Gegnern fordert.
    «Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist,
    wenn ich dafür sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht»,
    sagte ein Vertreter der Black-Power-Bewegung.
    Es wird zum Widerstand kommen, wenn die Vertreter der Mehrheit, wenn die Drahtzieher
    der öffentlichen Meinung weiterfahren, mit gezielter und konsequenter
    Manipulation das Volk gegen Minderheiten aufzuhetzen, wenn sie weiterfahren,
    alltägliche Begriffe zu Schimpfwörtern aufzubauschen, wenn sie weiterfahren, zum
    Schutze ihrer Zukunft die Zukunft eines Landes zusammenzuprügeln,
    und wenn es ihnen gelingt, aus einer Mehrheit des Volkes ein Volk von
    Hilfspolizisten zu machen, jederzeit bereit dreinzuschlagen, zu denunzieren, zu schiessen.
    Als Künstler kann ich mich nicht mit einer Partei identifizieren. Aber als
    Künstler muss ich mich jeden Tag für eine bessere Möglichkeit
    entscheiden. Und diese Möglichkeit sehe ich nicht bei den Verteidigern der Macht
    um jeden Preis. Diese Möglichkeit kann nicht autoritär sein.
    Als Künstler muss ich mich für die Freiheit entscheiden.
    Ich, Urs Dickerhof, Maler, möchte ja Herr Semmering oder es ist mir egal
    Herr Semmering sagen ...

    «Ich
    Urs Dickerhof
    Undsoweiter
    eine Art Bilderbuch»
    1969 by Lukianos Verlag Hans Erpf+Co Bern


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