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Kunst - Glossar

Marcel Duchamp

Blainville-Crevon (F) 28.07.1887 - 02.10.1968 Neuilly-sur-Seine (F)

Henri-Robert-Marcel, französischer Maler und Schriftsteller; nahm nach impressionistischen Anfängen unter Einfluss von P. Cézanne 1909 Verbindung zum Kubismus auf, dessen Methoden er mit den Prinzipien des Futurismus in Simultanbewegungsbildern vereinigte; ab 1915 einer der Hauptvertreter des US-amerikanischen Dadaismus. Aufsehen erregten seine «Readymades» (fix und fertige Kunstgegenstände). So stellte er 1913 in Paris ein Fahrrad-Rad und 1914 ein Flaschengestell aus; seit 1923 als Ausstellungsorganisator und Schriftsteller tätig.

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  • Marcel Duchamp
  • Marcel Duchamp Biographie
  • Dadaismus
  • Marcel Duchamp (Wikipedia)



    Marcel Duchamp

    Marcel Duchamp ist der Bruder von Jacques Villon, Raymond Duchamp und Suzanne Crotti. Er ist mit der Gruppe von Puteaux und der Section d'or verbunden. Sein kubistischer Ausdruck in der Bewegung bringt ihm auf der Armory Show mit seinem Nu descendant un escalier (Akt die Treppe hinuntersteigend) viel Erfolg (New York 1913). In einer Umkehrung, die schon die Dadabewegung ankündet, versucht Duchamp, das Malen zu «verlernen» und bezweifelt von nun an die Werte in der Kunst. 1915 begegnet er wieder seinem Freund Picabia in den USA. Im Kreis von Stieglitz (dessen Zeitschrift Camera-Work 1915 den Namen 291 erhält) unterzeichnet Duchamp seine ersten ready-mades: Flaschenständer, Urinoir. Bis 1925 wird er noch etwa zwanzig herstellen.

    Ebenfalls um 1914 beginnt er mit seinem grossen Glas und malt La Mariée mise à nu par ses célibataires, même (Neuvermählte, von ihren Freiern entkleidet); er lässt es 1923 unvollendet. Durch graphische Übertragung der ready-mades auf die Malerei versucht dieses berühmte Werk, das Phänomen der Liebe mechanistisch und zynisch zu interpretieren. Anschliessend widmet sich Duchamp dem Schachspiel, ohne jedoch den Kontakt zu seinen neuen Freunden, André Breton und den Surrealisten abbrechen zu lassen. 1934 sammelt er in La Boîte verte (Die grüne Schachtel) und 1938 in La Boîte en valise (veröffentlicht 1940) die Dokumente, die sein «grosses Glas» vorbereiten und erklären. Dieser Zweifler an der Kunst wird Konservator der schönen Sammlung von zeitgenössischer Kunst (Anonyme Gesellschaft, erstes Museum moderner Kunst, von ihm in New York gegründet) an der Yale University.

    Seine Vorliebe, Gegenstände zu schaffen, und sein organisatorisches Talent konnten in den internationalen Surrealismusausstellungen 1938, 1942, 1947 und 1959 zum Ausdruck kommen. Mit Breton und Ernst war er Co-Direktor der Zeitschrift VVV (1942). Trotz seiner Weigerung, Werke zu schaffen, breitete sich Duchamps Ruhm immer weiter aus. Die jungen Zweifler an der Kunst stehen seit einigen Jahren stärker unter Duchamps Einfluss, und das nicht zuletzt wegen seines intelligenten Humors.

    René Passeron
    Lexikon des Surrealismus
    Somogy Paris


    Robert Lebel: Sur Marcel Duchamp, Paris, Editions Trianon, 1959.
    Walter Pach: Duchamp frères et sœur, œuvres d'art. A family of arttsts, New York, Rose Field gallery, 1952.
    Michel Sanouillet: Marchand du sel, écrits de Marcel Duchamp, Paris, Le Terrain vague, 1959.
    Arturo Schwartz: Duchamp, Paris, Hachette-Fabri, 1968.




    Marcel Duchamp Biographie

    1887
    Henri-Robert-Marcel Duchamp wird am 28. Juli 1887 als Sohn des Notars Justin-Isidor Duchamp (1848-1925) - Eugène genannt - und seiner Frau Caroline Nicolle in Blainville (Rouen) geboren. Er ist der Enkel von Emile-Frédéric Nicolle (1830-1894), Schiffsmakler und zugleich bekannter Maler und Graveur, der zusammen mit Meryon studiert hatte. Auch die beiden älteren Brüder Duchamps waren Künstler. Der eine, Gaston (geb. am 31. Juli 1875, gest. am 12. Juni 1963), gab das Studium der Rechtswissenschaften auf, um sich ganz der Malerei widmen zu können. Er wählte das Pseudonym Jacques Villon, aus Bewunderung für den Dichter François Villon. Duchamps zweitältester Bruder, Raymond (geb. am 5. November 1876, gefallen im Ersten Weltkrieg am 7. Oktober 1918), war einer der bedeutendsten Bildhauer des Kubismus. Sein Pseudonym: Raymond Duchamp-Villon. Marcel Duchamp hatte noch drei Schwestern, Yvonne (geb. 1895), Magdeleine (geb. 1898) und Suzanne (1889-1963). Suzanne, die älteste der drei, war ebenfalls Malerin und heiratete später den Dadaisten Jean Crotti.

    1893-1896
    Duchamp erinnert sich noch recht gut an all die Spiele, die er mit seiner Schwester Suzanne unternahm. Sie bauten zusammen kleine Spielzeugwagen und liessen sie den Abhang in der Nähe ihres Hauses in Blainville hinunterrollen. Im Alter von 9 Jahren erhält Duchamp 1896 von der Schule in Blainville sein Certificat d'études primaires.

    1897
    Der Pfarrer der Gemeinde erteilt dem jungen Duchamp Unterricht in Latein, denn er soll sich für das Lycée vorbereiten. Im Oktober tritt er als Internatsschüler in die Bossuet-Schule in Rouen ein und nimmt am Unterricht des Lycée Corneille teil.

    1902
    Duchamp ist 15 Jahre alt. Er beginnt zu malen. Seine ersten Entwürfe, « Landschaft bei Blainville», «Kirche in Blainville» und «Garten mit Kapelle in Blainville» sind noch stark von der damals herrschenden Richtung in der Malerei, dem Impressionismus, beeinflusst.

    1903
    Er vertieft sich ganz in die Malerei. Es entstehen Skizzen von einzelnen Familienmitgliedern (seiner Schwester Suzanne, seiner Grossmutter) und von Bekannten (Robert Pichon, ein Maler aus Rouen; Pater Noret, sein Lehrer; ein Angestellter seines Vaters usw.).

    1904
    Im Juli erhält er das Baccalauréat de philosophie am Lycée Corneille in Rouen. Im Oktober desselben Jahres geht er zu seinem Bruder nach Paris und lebt mit Jacques Villon in der Rue Caulaincourt 71. Er « studiert» an der Académie Julian ein Jahr bis zum Juni 1905 (da er sich in den Vorlesungen langweilt, geht er statt dessen tagsüber Billard spielen). Er malt das «Porträt von Marcel Lefrançois», Neffe des Dienstmädchens der Familie Duchamp. Es ist die erste Gegenreaktion zum Impressionismus.

    1905
    Duchamp meldet sich freiwillig zum Militär, um ein nur noch für wenige Monate gültiges Gesetz ausnützen zu können, das Doktoren, Rechtsanwälten, Facharbeitern und Handwerkern eine Verkürzung der Militärdienstzeit von drei Jahren auf ein Jahr garantiert. Er tritt deshalb in die Werkstatt eines Graveurs in Rouen ein und bringt es fertig, dass die Militärkommission ihn als Handwerker anerkennt und zurückstellt. Um seine Tätigkeit als Handwerker zu beweisen, benützt er einfach ein paar Radierungen seines Grossvaters.

    1906
    Im Oktober nimmt er das Studium der Malerei wieder auf. Er lebt allein in Paris in der Rue Caulaincourt Nr. 65, später dann Nr. 73.

    1907
    Duchamp hat keine finanzielle Schwierigkeiten, da ihm sein Vater monatlich 150 Franc überweist. Er malt das «Haus unter Apfelbäumen» und das «Haus im Wald». Es sind die ersten Werke, die einen leichten Einfluss der Fauves erkennen lassen. In seinem Bild «Auf den Klippen», das an der Küste der Normandie entsteht, zeigt sich der Einfluss des späten Monet und des Intimismus Bonnards. Duchamp beginnt, Karikaturen an die humoristischen Zeitschriften Le Rire, Le Sourire und Le Courrier français zu schicken. Er arbeitet mit diesen drei Zeitschriften eine Weile zusammen. Für eine Viertelseite erhält er 10 Franc. Er versucht sich in den verschiedensten künstlerischen Richtungen, nur um sich nicht weiter für diese Blätter engagieren zu müssen, da sich diese Tätigkeit finanziell nicht lohnt.

    1908
    Im Juli dieses Jahres zieht er nach Neuilly in die Avenue Amiral-de-Joinville 9. Er bleibt dort bis zum Oktober 1913. Seine Bilder wie z. B. «Pfingstrosen in einer Vase» sind im Stil der «Intmies» gemalt, besonders beeinflusst von Bonnard, Vuillard, Manguin und Othon Friesz, die alle im Salon d'automne ausstellen. In «Rotes Haus unter Apfelbäumen» ist der Einfluss der Fauves vorherrschend.

    1909
    Duchamp nimmt an den sonntäglichen Zusammenkünften der Maler und Dichter teil, die im Garten von Raymond Duchamp-Villon in der Rue Lemaître 7 in Puteaux stattfinden. Zu den drei Duchamp-Brüdern kommen Künstler wie Albert Gleizes, Henri Le Fauconnier, Roger de la Fresnaye, Jean Metzinger und andere. Weitere Teilnehmer sind Dichter und Kritiker wie Apollinaire, Gabrielle Buffet, Olivier Hourcade, Pierre Reverdy, Maurice Raynal, Georges Ribemont-Dessaignes und andere. Duchamp malt das «Porträt Yvonne Duchamps», in dem er bereits zu strengeren Farben übergeht. Das Bild darf als Reaktion sowohl auf seine ersten Versuche mit der « Fauves»-Palette als auch als Exkursion in Bonnards Stil aufgefasst werden. Es sind dies zwei wichtige Richtungen, die im darauffolgenden Jahr sein Werk bestimmen werden. In diesem Jahr erhält er auch seine erste Einladung zur Ausstellung des Salon des Indépendants (vom 25. März bis zum 2. Mai). Er steuert dieser Ausstellung zwei Bilder bei, eines davon ist die «Landschaft» (1908). Zur Ausstellung des Salon d'automne (vom 1. Oktober bis zum 8. November) liefert er drei Werke, eines davon ist «Auf den Klippen», das im Jahr zuvor entstanden ist. Das im Katalog des Salon d'automne aufgeführte Werk «Veules (Eglise)» ist wahrscheinlich das heute unter dem Namen « Saint Sébastien» (1909) bekannte Bild, eine Studie in Öl, die eine Plastik an der Kirche von Veules-les-Roses darstellt. Beide Bilder, «Landschaft» und «Saint Sébastien», zeigen ein noch etwas zurückhaltendes Verhältnis zum Stil der Fauves.

    1910
    Duchamp sieht bei Vollard zum erstenmal ein Werk Cézannes und macht sich gleich mit einigen der besten Werke der Fauves vertraut. Im Salon d'automne trifft er im November Picabia, der ihm von Pierre Dumont, einem befreundeten Maler aus Rouen, vorgestellt wird. Apollinaire beginnt mit seiner Kunstkritik für den Intransi-geant. Im Laufe dieser ereignisvollen Jahre malt Duchamp seine wichtigsten frühen Werke. Der bisher noch vorherrschende impressionistische Einfluss verschwindet vollständig, und der Einfluss der Fauves nimmt ständig zu. Duchamp malt ein oder zwei Bilder in verschiedenen Stilarten - à la manière de - in rascher Aufeinanderfolge, um sich in jedem Stil zu üben, bevor er ihn als «gekonnt» betrachtet und aufgibt. «Sitzender Akt in einer Badewanne» zeigt leichte Anklänge an den Fauvismus. In «Akt mit schwarzen Strümpfen», «Porträt Chauvels» und «Roter männlicher Akt» kommt der fauvistische Einfluss stärker zum Ausdruck, besonders im letzten Bild. Verschiedene fauvistische Einflüsse sind auch im «Porträt des Doktor Dumouchel» vorhanden und in «Brunette (Nana) in einer grünen Bluse». Cézanne erscheint in Duchamps beiden Werken «Porträt des Vaters des Künstlers» und «Das Schachspiel». sein bisher grösstes Gemälde. Das «Porträt des Doktor Dumouchel» ist das dritte und zugleich letzte Werk dieser Reihe psychologischer Porträts. Die Tatsache, dass Duchamp nun beim Malen wesentlich kräftigere Farben als die Fauves verwendet, betont nur noch sein geistiges Hin-und-her-Gerissensein. Das «Paradies», in dem Dumouchel als Adam dargestellt ist, stellt den Übergang von den drei psychologischen zu den drei allegorischen Porträts dar, die Anfang des nächsten Jahres entstehen werden.

    1911
    In diesem und dem darauffolgenden Jahr malt Duchamp praktisch alle seine bedeutendsten Werke in der traditionellen Technik Öl auf Leinwand. Während er sich in den Jahren bis 1911 am Stil des Impressionismus, an dem Cézannes und an den Fauves weitergebildet hatte, kehrt er in diesem Jahr zum Kubismus zurück und unterstreicht seine Persönlichkeit als Maler durch die Entwicklung eines individuellen Stils. «Der Strauch», «Taufe» und «Windhauch über einem japanischen Apfelbaum» sind die ersten Werke, die zusammen eine Trilogie bereits alchemistischen Charakters bilden. Diese Trilogie entsteht nur wenige Monate vor Duchamps bedeutendstem Gemälde alchemistischen Charakters: «Jüngling und Mädchen im Frühling». Weitere Bilder dieses Jahres sind: «Sonate», «Die Schachspieler», «Porträt von Schachspielern», «Grazien», «Yvonne und Magdeleine», «A propos kleine Schwester» und «Kaffeemühle». Zwei Selbstporträts beschliessen das für Duchamp so fruchtbare Jahr: «Trauriger Jüngling im Zug» und «Akt, eine Treppe hinabsteigend, Nr. 1», dem einen Monat später, im Januar 1912, das berühmte Bild «Akt, eine Treppe hinabsteigend, Nr. 2», folgt.

    1912
    Im Januar malt Duchamp sein Bild «Akt, eine Treppe hinabsteigend, Nr. 2», im Mai den «König und Königin, von schnellen Akten umgeben», im Juli und August in München den «Übergang von der Jungfrau zur Braut» und die «Braut». Diese vier in rascher Folge geschaffenen Werke bilden den formalen und thematischen Höhepunkt einer ganzen Reihe von Werken, die er ein Jahr zuvor mit «Jüngling und Mädchen im Frühling» begonnen hatte. Die ausserordentliche logische und formale Folge dieser Werke wird erst klar, wenn man sie unter folgendem Aspekt sieht: Der Jüngling des 1911 geschaffenen Bildes stellt einen nackten Mann dar, der die Treppe hinuntersteigt. Der Nackte wird zum König umgewandelt und dieser wiederum zum mystischen Junggesellen im «Grossen Glas». Ähnlich erkennt man auch das Mädchen aus dem 1911 entstandenen Bild in der Königin wieder, die Duchamp zuerst in die Jungfrau und dann in die Braut verwandelt hatte. Sie kehrt wieder in dem Bild der «Braut» und im «Grossen Glas». In diesem Jahr sagt sich Duchamp von der Avantgarde los. Er findet seinen eigenen Stil und sucht nach eigenen Themen. Sein letztes Werk dieses Jahres, die «Braut» nämlich, ist als technisch-thematischer Kulminationspunkt zu werten. Das Bild bildet den Höhepunkt seines bisherigen Schaffens. Nachdem Duchamp nun alle seine Möglichkeiten in der herkömmlichen Art der Malerei erschöpft sieht, beginnt er damit, ein vollkommen neues Konzept der Kunst auszuarbeiten. Er will die Malerei «aufs neue ganz dem Geist unterwerfen». Wenn Duchamp in diesem Zusammenhang das Wort «Geist» gebraucht, so ist dies als «Esprit», d. h. als Intellekt, Geist und Verstand zu verstehen. Er fasst die Malerei als «Ausdrucksmittel auf, keineswegs als Endziel des Lebens. Die Farbe ist lediglich ein malerisches Ausdrucksmittel, mit anderen Worten, Malerei ist nicht nur visuell zu verstehen, sie steht in enger Verbindung mit dem Verstand.» Im Herbst unternimmt Duchamp zusammen mit Apollinaire, Picabia und Gabrielle Buffet-Picabia eine Reise. Er schreibt die Jura-Paris-Strasse, die erste Aufzeichnung einer ganzen Reihe, die 1934 in der Grünen Schachtel gesammelt werden. Diese Anmerkungen enthalten eine völlig neue Konzeption der Kunst. Sie proklamieren eine Kunst, die mehr intellektuell als visuell zu sehen ist. Ihre praktische Ausführung findet sich in den Readymades und im «Grossen Glas» wieder.

    1913
    Duchamp zieht von Neuilly nach Paris in die Rue Saint-Hippolyte. Er wohnt in einem Rohbau. Den Sommer verbringt er bei Hern Bay in England, wo er weitere Entwürfe zu den Readymades und zum «Grossen Glas» macht. All diese Ideen finden ihren Niederschlag in seinem «Erratum Musical», das erste und einzige musikalische Readymade; weiter im «Fahrradrad» und seinen ersten Studien zum «Grossen Glas» (Layout mit Bleistift auf durchsichtiger Leinwand), im «Entwurf» und in «Erhebung», beide in der Sphäre des Junggesellen enthalten, die die untere Hälfte des «Grossen Glases» bildet. Weiter entstehen « Schokoladen-Mühle Nr. 1», die erste Studie zum Zentralelement der Sphäre des Junggesellen. Duchamp entwirft auch die erste Skizze zum « Friedhof der Uniformen und Livreen», dann den «Boxkampf», eine Skizze für einen nicht verwirklichten Ausschnitt aus dem «Gro- ssen Glas». Im Herbst dieses Jahres verhilft ihm Picabias Onkel Maurice Davanne zu ästhetischer Bindung und voller Schaffenskraft, ist es vielleicht nur einem 1 einer Stellung als selbständiger Bibliotheksmitarbeiter in der Bibliothèque Sainte- wie Marcel Duchamp vorbehalten, Mensch und Kuns't miteinander in Einl Geneviève. Guillaume Apollinaire publiziert sein Buch Les Peintres cubistes, in dem er Duchamps Werk als geradezu prophetisch hinstellt.: «Frei von jeglicher Art ästhetischer Bindung und voller Schaffenskraft, ist es vielleicht nur einem Künstler wie Marcel Duchamp vorbehalten, Mensch und Kunst miteinander in Einklang zu bringen.»

    1914
    Die Arbeiten in diesem Jahr betreffen entweder die Readymades oder das «Grosse Glas». Duchamp ersteht in einem Geschäft für Malartikel in Rouen drei Reproduktionen von Winterlandschaften eines, unbekannten Künstlers von «der miesen Art» (Duchamp). Er fügt den Bildern zwei kleine Figuren hinzu, eine rote und eine grüne, und bezeichnet sein Werk als «Apotheke». Auf diese Weise entsteht das erste Readymade. Im Basar des Hôtel de Ville in Paris kauft er einen Flaschentrockner. In den unteren Rand des Gestells ritzt er einige Worte, signiert und datiert sein Werk. Es ist das erste voll entwickelte Readymade. Er nennt es «Flaschentrockner». Weiter vollendet er seine «Drei Standardmuster», die er bereits im vorigen Jahr begonnen hatte. Er notiert seine Ideen und zeichnet Skizzen zum «Grossen Glas», wählt aus einem Manuskript eine Zeichnung und 16 Aufzeichnungen aus, die er dann photographiert, um drei vollständige Sätze von je 17 gleichen Gegenständen zu erhalten. Dann bewahrt er sie in einer Schachtel für Photoplatten auf. So entsteht seine « Schachtel aus dem Jahre 1914». Er bringt weiterhin zwei wichtige Entwürfe zu Ende, die als Vorstudien zur Sphäre des Junggesellen im «Grossen Glas» gelten. Es handelt sich dabei um die «Schokoladen-Mühle Nr. 2» und um das «Netz der Stoppagen». Er macht seine zweite Studie zu « Neun männische Formen» : « Friedhof der Uniformen und Livreen Nr. 2», weiter « Draft Piston», eine Photographie für ein Detail der Überschrift, die im Bereich der Braut in der oberen Hälfte des «Grossen Glases» erscheint. Der Erste Weltkrieg bricht aus. Duchamp wird aufgrund eines Herzfehlers vom Kriegsdienst freigestellt. Er entwirft Pläne für eine Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika.

    1915
    Die ersten sechs Monate des Jahres verbringt Duchamp in Paris, wo er auch seine ersten zwei Werke auf Glas malt: «Neun männische Formen» und «Schlitten, eine Wassermühle aus ähnlichem Metall enthaltend». Beide Werke sind Details zur Sphäre des Junggesellen im «Grossen Glas». Im Juni schifft er sich auf der Rochambeau in Bordeaux ein und erreicht am 15. Juni New York. Auf dem Schiff lernt er Walter Pach kennen, der ihn dem Ehepaar Walter und Louise Arensberg vorstellt. Es sollte eine lebenslange Freundschaft werden. Zuerst wohnt Duchamp im Doppelappartement der Arensbergs in der 33 West 67th Street, dann einen Monat in einem Lagerhaus auf dem Beekman Place. Schliesslich findet er ein Studio auf dem Broadway, wo er dann auch ein paar Jahre bleibt. Er kauft zwei grosse Glasplatten, um mit den Arbeiten am «Grossen Glas» beginnen zu können. Dazu fertigt er seine beiden ersten in Amerika entstandenen Readymades an: «An vier Nadeln gezogen» (der Ventilator eines Kamins aus Weissblech) und «Gebrochener Arm, verlängert» (eine galvanisierte eiserne Schneeschaufel). Im Laufe der Zeit begegnet er auch anderen französischen Emigranten: Picabia, Jean Crotti, Albert Gleizes und anderen. Erstes Treffen mit Man Ray und anderen amerikanischen Künstlern und Dichtern. Duchamp gibt sein erstes Interview: A Complete Reversal of Art Opinions by Marcel Duchamp, Iconoclast (Eine vollständige Revision aller bisherigen Anschauungen über die Kunst von Marcel Duchamp, dem Bilderstürmer). Es erscheint in der Zeitschrift Arts and Decoration, New York, V, Nr. 11 (September), S. 427 und 442. Alfred Kremyborg und Frederick Macmonnies machen weitere Interviews mit Duchamp. Sie erscheinen im Boston Transcript, im Current Opinion (New York) und in der New York Tribune. Duchamp nimmt an einer Gruppenausstellung in der Carrol Galery in New York teil.

    1916
    Duchamp setzt weitere vier Readymades zusammen: «Kamm», «Mit verborgenem Lärm» (Geschenk für das Ehepaar Arensberg), «Schlachtszene» (eine Wand im Café des Artistes in New York, die Duchamp signiert) und «Traveller's Folding Item». Duchamp wird Gründungsmitglied der Society of Independent Artists In New York. Nixola Greeley-Smith macht ein Interview mit Duchamp und Crotti, das in The Evening World in New York am 4. April 1916 auf Seite 3 erscheint. Duchamp nimmt mit vier Bildern und zwei Readymades an der Exhibiton of Modern Art teil, die in der Bourgeois Gallery in New York vom 3. bis zum 29. April stattfindet.

    1917
    Duchamp zieht in die 33 West 67th Street. Er bewohnt ein kleines Studio in dem Haus, in dem auch die Arensbergs leben, und bleibt dort bis zum Juli 1918. Er setzt vier weitere Readymades zusammen: «Apolinère Enameled», bereits im Vorjahr begonnen, «Brunnen», «Die Falle» und «Huthalter». Er konstruiert eine vollkommen ungewöhnliche «Reiseplastik», indem er verschiedenfarbige Bademützen in kleine Streifen schneidet, sie aufs Geratewohl zu Bändern zusammenklebt und diese in den Ecken seines Studios aufhängt. Diese Art von Struktur sollte als raumfüllend gelten. Duchamp tritt aus der Society of Independent Artists aus, als man seinen « Brunnen», der mit dem Pseudonym R. Mutt signiert ist und als Beitrag zur Ausstellung gilt, einfach ablehnt. Er veröffentlicht zusammen mit Henri-Pierre Roché und Beatrice Wood die ersten beiden amerikanischen protodadaistischen Publikationen: «The Blind Man» (in zwei Ausgaben erschienen, April und Mai) und « Rongwrong».

    1918
    Während der ersten sieben Monate des Jahres malt er in New York sein letztes Ölbild mit dem Titel «Tu m'». Es ist für die Bibliothek von Katherine Dreier bestimmt. Am 13. August fährt er auf der Crofton Hall nach Buenos Aires und kommt dort Mitte September an. Er kann sich jetzt nur noch in ein neutrales Land flüchten, das au-dessus de la mêlée liegt. Er spielt intensiv Schach und zeichnet Schachspieler. Es entstehen weitere detaillierte Studien auf Glas für das «Grosse Glas»: « Mit einem Auge fast eine Stunde lang aus der Nähe zu betrachten».

    1919
    Die ersten sechs Monate des Jahres verbringt Duchamp in Buenos Aires. Er vollendet eine Gruppe von Schachspielern und seinen «Handgemachten Stereooptischen Schlitten». Am 14. April heiratet seine Schwester Suzanne den Dadaisten Jean Crotti. Duchamp sendet seiner Schwester als Hochzeitsgeschenk nach Neuilly die Anleitung für den Zusammenbau seines Readymade «Das unglückliche Readymade». Am 22. Juni schifft er sich auf der Highland Pride ein und fährt von Buenos Aires nach London, dann weiter nach Paris und Rouen. Im November wird der Waffenstillstand unterzeichnet, im Dezember kehrt Duchamp nach New York zurück. In Paris traf er noch einmal Picabia, Pierre de Massot und Georges Ribemont-Dessaignes. Hier lernte er auch zum erstenmal André Breton und andere Dichter aus dem Dadaistenkreis kennen: Louis Aragon, Paul Eluard, Philippe Soupault und Jacques Vaché, die sich alle regelmässig in der Bar Cintra trafen. Benjamin Péret und Jacques Rigaut sollte er im nächsten Jahr kennenlernen. Während seines kurzen Aufenthaltes in Paris arbeitete er drei weitere Variationen zum Thema der Ready-mades aus: « L.H.O.O.Q.» (eine Reproduktion der « Mona Lisa», derer mit Bleistift einen Schnauz- und Spitzbart hinzugefügt hatte), dann den «Tzanck-Scheck» (ein vergrösserter Scheck, den sein Zahnarzt von ihm als Honorar erhielt) und «Pariser Luft» (eine Glasampulle mit Pariser Luft als Inhalt; er brachte sie Walter Arensberg als Reisegeschenk mit). In Paris entstand auch die Photographie «Tonsur 1919», das erste Beispiel «körperlicher Kunst» und ein Selbstporträt, eine Ergänzung zu «L.H.O.O.Q.». Diese Werke gehen dem femininen Pseudonym «Rrose Sélavy» voraus, das er im folgenden Jahr annehmen wird.

    1920
    Duchamp kommt in den ersten Januartagen in New York an. Er lebt ungefähr sechs Monate lang im Lincoln Arcade Building in der West 73rd Street. Er gründet zusammen mit Katherine Dreier und Man Ray am 20. April die Société Anonyme, die im Museum of Modern Art ausstellt (bis 1939 fanden dort 84 Ausstellungen und zahlreiche Lesungen statt; 1941 wurde die ganze Sammlung der Yale University Art Gallery übergeben). Duchamp nimmt das Pseudonym Rose Sélavy an. Mitte des nächsten Jahres fügt er dem Wort Rose noch ein zweites «r» hinzu und wandelt es in Rrose um. Er arbeitet zwei verschiedene Variationen in bezug auf die Readymades aus: «Fresh Widow» und «Staubzucht» (eine Photographie des «Grossen Glases», das horizontal liegt und voll kleiner Staubwolken ist). Er baut seinen ersten motorgetriebenen optischen Apparat zusammen: «Rotierende Glasscheiben (Präzisionsoptik)». Weiter entwirft er «Augenzeugen» auf der Rückseite von Kohlepapier, das er dazu benutzt hatte, Zeichnungen auf das «Grosse Glas» zu pausen. Er tritt in den Marshall Chess Club ein, wo er jede Nacht, wenn er sich in New York aufhält, beinahe vier Jahre lang Schach spielt. In der zweiten Hälfte des Jahres kehrt er nach Paris zurück.

    1921
    Duchamp verlässt Paris, um wieder nach New York zurückzufahren. Weitere Variationen zum Thema der Readymades entstehen: «Belle Haleine, Eau de Violette» (es handelt sich dabei um eine Photocollage für das Etikett einer Parfümflasche. Duchamp hatte es zusammen mit Man Ray entworfen) und «Why not Sneeze Rrose Sélavy». Ebenfalls zusammen mit Man Ray veröffentlicht er im April die einzige Ausgabe von «New York Dada». Im Mai kehrt er bereits wieder nach Paris zurück (er wohnt in der Rue La-Condamine), wo ihn am 14. Juli auch Man Ray erreicht. Duchamp arbeitet an der «Schlacht bei Austerlitz», einer Variation der «Fresh Widow». Er signiert Picabias Bild « L'Eil cacodylate» mit einem Wortspiel, aus dem auch das doppelte «r» bei Rrose Sélavy herrührt. Er zeichnet für das dadaistische Manifest Dada soulève tout, das das Datum des 12. Januar 1921 trägt. Seine ersten Wortspiele werden in Picabias 391, Paris, Nr. 15, Juli 1921, auf Seite 4 publiziert.

    1922
    Im Januar fährt Duchamp wieder nach Amerika. Er setzt die Arbeiten am «Grossen Glas» fort. Er vertieft sich noch mehr ins Schachspiel und wird Mitglied des Marshall Chess Team und Champion der Metropolitan League. Am 29. November spielt er gegen Capablanca. Duchamp plant den Entwurf einer Sammlung von Kunstkritiken durch Henry McBride: Some French Moderns Says McBride («Einige französische Moderne, sagt McBride»). Er experimentiert mit dem Wahrscheinlichkeitsgesetz bei Zahlen im Hinblick auf seine « Obligation für das Roulette von Monte Carlo» (1924). André Breton veröffentlicht den ersten grundlegenden Essay über Duchamp in der Oktoberausgabe der Littérature (Paris, Nr. 5). In der Dezemberausgabe der Littérature publiziert Breton einen weiteren wichtigen Aufsatz, der sich mit Duchamps Wortspiel Les Mots sans rides beschäftigt. Im Dezember erscheint in 1 Manuscripts in New York Duchamps Darstellung «Can a Photograph Have the Significance of Art?» (« Kann eine Photographie auch Kunst sein?») (Nr. 4, Dezember 1922, S. 2). [m Laden der Druckerei, wo er an Some French Moderns Says McBride arbeitet, lernt er Mary Reynolds kennen, die ab 1923 zu seiner lebenslangen Freundin und Begleiterin wird.

    1923
    Er beschliesst, das «Grosse Glas» im «Zustand der Nichtvollendung» aufzugeben. Um den seltsamen Aspekt, unter dem ihn die Künstlerwelt betrachtet, noch zu unterstreichen, zeichnet er sein Readymade «Wanted-

    2000 Reward». Im Februar fährt er auf der Zeeland nach Brüssel. Dort sucht er den örtlichen Schachklub auf und wird Mitglied. Er nimmt an den ersten bedeutenden Turnieren in Europa teil. Nach Paris zurückgekehrt, bleibt er dort bis zum 26. Oktober. Er wohnt im Hotel Istria in der Rue Campagne-Première und dann in einem Studio in der Rue Froidevaux. Nebenbei unternimmt er gelegentlich Reisen in andere europäische Länder, wo er wiederum an Schachturnieren teilnimmt. Er zeichnet seine «Spiraltragenden Platten», Vorstudien zu den fünf der insgesamt zehn «Optischen Scheiben», die dann in dem Film Anémic Cinéma (1925-1926) auftauchen. Am 28. April heiratet seine Schwester Yvonne Duchamp.

    1924
    Im Januar tritt er in den Schachklub von Rouen ein. Er nimmt an einigen Ausscheidungskämpfen und Turnieren teil. lm August ist er in Strassburg, da dort die französischen Meisterschaften stattfinden. Im September steht er in Rouen an erster Stelle der Haute-Normandie-Meisterschaften. Er arbeitet an «Obligation für das Roulette von Monte Carlo» für die Unterstützer seines Roulettesystems, bei dem man «weder gewinnt noch verliert», weiter an seinem «Projekt für eine rotierende Halbkugel», eine weisse Gouache auf schwarzem Papier. Er spielt zusammen mit Man Ray in René Clairs Film Entracte mit und tritt in Picabias Ballett Relâche auf. Veröffentlichung von 16 Wortspielen - der grössten Sammlung bisher - in The Wonderful Book - Reflections - on - Rrose Sélavy durch Pierre de Massot (gedruckt in Paris durch Imprimerie Ravilly).

    1925
    Duchamp zeichnet das Plakat für die französischen Schachmeisterschaften im September in Nizza. Im Laufe einer der Partien gewinnt er den Titel eines Meisters der französischen Schachvereinigung. Von Nizza aus reist er nach Italien, zuerst nach Florenz, dann weiter nach Rom und Anticoli Corrado, einem internationalen Künstlerdorf. Er vollendet seinen zweiten optischen Apparat, die « Rotierende Halbkugel». Tod der Mutter und des Vaters im Januar und Februar dieses Jahres.

    1926
    Im Januar nimmt er an einem Turnier zwischen den beiden Mannschaften Nôtre-Dame und Rouen teil, im September tritt er in Nizza gegen seine drei Gegner Renaud, Halberstadt und Reilly an. Es entsteht der Film Anémic Cinéma in Zusammenarbeit mit Man Ray und Marc Allegret. Im November geht Duchamp nach New York zurück, um die erste Brancusi-Ausstellung zu organisieren. Er bleibt bis zum Februar 1927. In der Zwischenzeit unternimmt er eine Reise nach Chicago, um auch dort im Arts Club of Chicago eine Brancusi-Ausstellung zu eröffnen. Von November 1926 bis zum Januar 1927 stellt er zum erstenmal das « Grosse Glas» in der International Exhibition of Modern Arts im Brooklyn Museum aus. Auf dem Rücktransport wird das «Grosse Glas» schwer beschädigt. Erst im Frühjahr 1936 macht sich Duchamp an die Ausbesserungsarbeiten. Es erscheinen 80 Picabias mit einem Vorwort, das mit Rrose Sélavy unterzeichnet und auf ein loses Blatt gedruckt ist. Es wird dem Katalog beigelegt, der Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Francis Picabia enthält, die sich im Besitz Duchamps befanden. Am 8. März 1926 wird die Sammlung auf einer Auktion im Hôtel Drouot in Paris versteigert.

    1927
    Im Frühjahr kehrt Duchamp nach Paris zurück. Picabia stellt ihn Lydie Levassor-Sarrazin vor, die er am 8. Juni heiratet. Bereits im Januar des nächsten Jahres lassen sich beide wieder scheiden. Duchamp zieht in das Studio in der Rue Larrey 11, das er schon im Vorjahr gemietet hatte. Er konstruiert die «Tür», welche man zugleich öffnen und schliessen kann.

    1928
    Die nächsten sechs Jahre beschäftigt Duchamp sich fast ausschliesslich mit dem Schachspiel. Im Januar gewinnt er die Hyères-Partie, im Juni nimmt er an den Internationalen Pariser Turnieren teil und spielt gegen Tartakower unentschieden. Im Juli und August spielt er als Mitglied der französischen Mannschaft bei der Zweiten Schacholympiade in Den Haag und wird Zweiter. Im September tritt er in Marseille für die Sechsten Französischen Meisterschaften an und wird Siebter.

    1929
    Zusammen mit Katherine Dreier besucht Duchamp im Februar und März Spanien. Im Juni spielt er auf dem Internationalen Pariser Schachturnier.

    1930
    Im Februar beteiligt er sich an den Internationalen Schachturnieren in Nizza und wird Neunter. Im Mai spielt er in Paris, im Juli in Hamburg, wo er als Mitglied der französischen Mannschaft der Dritten Schacholympiade beiwohnt. Der Mannschaft gehört auch Alekhine an, einer der zu dieser Zeit besten Schachspieler.

    1931
    Im März spielt Duchamp bei einem Turnier in Nizza. Im Juli reist er zur Vierten Schacholympiade nach Prag, zusammen mit Alekhine und der französischen Mannschaft. Duchamp wird Mitglied des Komitees des Französischen Schachverbandes und geht als Delegierter zur Internationalen Vereinigung der Schachspieler (FIDE), wo er sieben Jahre lang diese Stellung bekleidet.

    1932
    Duchamp schreibt gemeinsam mit Vitaly Halberstadt einen Essay, der als wichtiger Beitrag zur Schachliteratur gilt. Der Essay behandelt insbesondere die Schlussphasen des Spiels und trägt den Titel Opposition and Sister Squares Are Reconciled (« Gegen- und Schwesterfeld werden miteinander vereint»). Auch die Zeichnungen auf dem Einband stammen von Duchamp. Das Buch wird bei Edmond Lancel in Brüssel verlegt. Im Mai beteiligt sich Duchamp mit der Mannschaft des Pariser Schachklubs an einem Turnier gegen den Schachklub von Buenos Aires. Das Spiel wird auch im Rundfunk übertragen. Im August gewinnt Duchamp das Pariser Turnier gegen Znosko-Borovsky, einen der besten Schachspieler des damaligen Europa. Im September wird er Vierter bei den Französischen Meisterschaften in La Baule. Im Café de la Régence begegnet er Raymond Roussel. Das Café de la Régence ist der bekannte Treffpunkt aller Pariser Schachspieler.

    1933
    Im Juni nimmt Duchamp an seinem letzten wichtigen Schachturnier teil. Als Mitglied der französischen Mannschaft, zu der auch Alekhine, Betbeder, Kahn und Voisin gehören, fährt er zur Fünften Schacholympiade nach Folkstone. Er übersetzt Znosko-Borovskys klassischen Beitrag zur Schachliteratur ins Französische: «Comment il faut commencer une partie d'échecs» («Wie man eine Schachpartie beginnen muss»). Im Oktober fährt er nach New York, um eine zweite Brancusi-Ausstellung vorzubereiten, die dann am 17. November in der Brummer Gallery eröffnet wird. In Art News erscheint ein Artikel von Laurie Eglington: «Marcel Duchamp, back in America, Gives Interviews» (Art News, New York, XXXII, Nr. 7, 18. November 1933, S. 3/11).

    1934
    Im Frühjahr fährt Duchamp wieder nach Paris zurück. Er publiziert sein Werk «La Mariée mise à nu par ses célibataires, même». Es sind eine farbige Platte und 93 Dokumente (Zeichnungen und Anmerkungen), die er bei der Ausarbeitung des «Grossen Glases» gemacht hatte.

    1935
    Duchamps «Rotoreliefs (Optische Scheiben)», ein Satz von sechs auf jeder Seite mit farbigen Zeichnungen bedruckten Pappscheiben, werden gesammelt und im Oktober beim Concours Lépine ausgestellt. In der Winterausgabe des Minotaure erscheint André Bretons «Phâre de la Mariée» («Leuchtturm der Braut»), die erste Analyse von Duchamps «Grossem Glas». Duchamp zeichnet das Layout für den Einband. Für Alfred Jarrys König Ubu entwirft er ebenfalls den Umschlag. Er nimmt als Kapitän der französischen Mannschaft an der Ersten Internationalen Schachkorrespondenz teil, die sich über vier Jahre hinzieht und mit Duchamps Sieg endet. Er bleibt mit der höchsten Punktezahl ungeschlagen (9 von 11 zu erreichenden Punkten). Im selben Jahr gewinnt er auch bei der Korrespondenz der Schachmeister den ersten Platz, ohne auch nur ein einziges Spiel zu verlieren (9 Punkte von 11 Punkten). Dieses Spiel ist zugleich das letzte einer ganzen Reihe an internationalen Turnieren in Europa. Von nun an zieht sich Duchamp vom Schachspiel zurück.

    1936
    Duchamp zeichnet den Einband zu Georges Hugnets Gedichtband La Septième Face du Dé und zu einer Sonderausgabe der Cahiers d'Art (Paris, XI, Nr. 1-2). Er bricht nach New York auf. Im Hause von Katherine Dreier macht er sich an die Restaurierung der 1927 beschädigten Teile des «Grossen Glases». Er unternimmt eine kleine Reise nach Kalifornien, um die Arensbergs in Hollywood zu besuchen. Im September kehrt er nach Paris zurück. Mit sechs seiner Werke beteiligt er sich an der Ausstellung « Phantastic Art, Dada, Surrealism», die Alfred H. Barr jun. im Museum of Modern Art in New York organisiert.

    1937
    Ab März schreibt Duchamp die Schachspalte für die Tageszeitung Ce Soir, die von Aragon geleitet wird. Zugleich malt er die Glastüre für André Bretons Galerie Gradiva und entwirft den Umschlag für die Winterausgabe des Transition in New York. Erste Ein-Mann-Show im Arts Club in Chicago.

    1938
    Duchamp plant das Layout und entwirft die Deckendekoration « 1200 Kohlensäcke, an der Decke über einem Ofen hängend» für die Exposition internationale du surréalisme in der Galerie des beaux-arts in Paris, die im Januar und Februar stattfindet. Zu seinen ausgestellten Werken gehört auch « Rrose Sélavy», eine lebensgrosse weibliche Schaufensterpuppe, die Kleider Duchamps trägt.

    1939
    Er veröffentlicht Rrose Sélavy (Paris : GLM), die erste Anthologie seiner Wortspiele. Er zeichnet den Umschlag zu Giorgio De Chiricos Hebdomeros und zu André Bretons Anthologie de l'Humour noir («Anthologie des Schwarzen Humors»). Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Duchamp in Südfrankreich (Palavas-les-Flots). Er kehrt sofort nach Paris zurück.

    1940
    Die meiste Zeit widmet Duchamp der Vollendung eines Werkes, mit dem er bereits 1935 begonnen hatte: «Von oder mit Marcel Duchamp oder Rrose Sélavy», das unter dem Namen « Die Schachtel im Koffer» bekannt geworden ist. Es handelt sich dabei um ein transportables Duchamp-Museum, das Miniaturkopien und Farbreproduktionen seiner bedeutendsten Werke enthält. André Breton veröffentlicht seine Anthologie de l'Humour noir (Paris, Editions du Sagittaire), in der ein kurzer Essay eine Einführung in ausgewählte Wortspiele und Aphorismen Duchamps gibt.

    1941
    Im Mai zeichnet Duchamp «Schnauz- und Spitzbart von L.H.O.O.Q.», ein «Pochoir» für ein Gedicht von Georges Hugnet. Sein transportables Museum «Von oder mit Marcel Duchamp oder Rrose Sélavy» wird veröffentlicht. Er fährt nach Sanary-sur-Mer.

    1942
    Im Mai reist Duchamp von Marseille aus über Casablanca nach New York. Er verbringt drei Wochen in einem Durchgangslager in Casablanca, wo er auf dem Boden des Badezimmers schläft. Von Casablanca fährt er auf einem portugiesischen Dampfer weiter nach New York. Kurzer Zwischenaufenthalt auf den Bermudas. Im Juli kommt er in New York an. Peggy Guggenheim und Max Ernst empfangen ihn in Staten Island. In New York trifft er viele mit ihm befreundete Surrealisten, mit denen er von nun an zusammenarbeitet. Zusammen mit Breton organisiert er die Ausstellung «First Papers of Surrealism» («Erste Dokumente des Surrealismus»), die vom 14. Oktober bis zum 7. November stattfindet. Weiter plant er das Layout für die Ausstellung «Sixteen Miles of String» («Sechzehn Meilen Schnur»). Er gestaltet auch den Einband des Katalogs und arbeitet dafür eine Collage «in der Art Delvaux'» aus.

    1943
    Duchamp entwi ft das Layout für die Auslage von Denis de Rougemonts La Part du Diable in Brentanos Buchladen. Weiter zeichnet und fertigt er sein «Taschenschachspiel» an und gestaltet den Einband für die surrealistische Zeitschrift VVV, die Breton und Max Ernst gemeinsam herausgeben (VVV, New York, Nr. 2-3, März 1943). Er arbeitet an der Collage «Allegorisches Genre (George Washington)», die für einen Wettbewerb gedacht ist, den die Zeitschrift Vogue für ein Porträt George Washingtons ausgeschrieben hatte. Am 28. Mai unterzeichnet er zusammen mit André Breton, Charles Duits, Max Ernst, Matta, Yves Tanguy und weiteren 18 Surrealisten das Manifest La Parole est à Péret («Das Wort hat Péret»), als Präsentation von B. Pérets Vorwort zur Anthologie des Mythes, Légendes et Contes populaires d'Amérique («Anthologie der Mythen, Sagen und Volkserzählungen Amerikas»), die Péret zusammenstellte. Das Buch erscheint erst 1960 bei Albin Michel in Paris.

    1944
    Erste Ausstellung der Duchamp-Brüder in der Yale University Art Gallery. Duchamp zeichnet sein «Taschenschachspiel mit Gummihandschuh».

    1945
    Duchamp entwirft die Einbände zur Marcel-Duchamp-Sondernummer der Zeitschrift View (New York, V, Nr. 1, März 1945) und für den Katalog der Man-Ray-Ausstellung in der Julien Levy Gallery im April 1945. Er zeichnet das Layout für die Auslage von Bretons Arcane 17 in der Buchhandlung Gotham und für Bretons Le Surréalisme et la Peinture («Der Surrealismus und die Malerei») in Brentanos Buchladen.

    1946
    Duchamp beginnt mit den Arbeiten an « 1. Der Wasserfall. 2. Das Leuchtgas», heute im Philadelphia Museum of Art, das den grösseren Teil seiner kreativen Aktivität der folgenden zwanzig Jahre absorbieren wird. Im Februar geht er zum London Terrace Chess Club. Er zeichnet zwei weitere Umschläge für den Katalog Temptation of St. Anthony («Die Versuchung des heiligen Antonius») und für Bretons Gedichtsammlung Junge Kirschbäume, gegen Hasen geschützt (New York, View Editions, 1946). Im Sommer kehrt er nach Paris zurück, wo er in Zusammenarbeit mit Breton die Ausstellung «Le Surréalisme en 1947» in der Galerie Maeght organisiert. Er gestaltet auch den Katalog. Vor der Eröffnung der Ausstellung reist er nach New York. Interview mit James Johnson Sweeney unter dem Titel «Eleven Europeans in America» («Elf Europäer in Amerika»), das im Museum of Modern Art Bulletin erscheint (New York, XIII, Nr. 4-5, 1946, S. 19-21).

    1947
    Duchamp verbringt das Jahr mit der weiteren Ausarbeitung seines Werkes «1. Der Wasserfall. 2. Das Leuchtgas».

    1948
    Layout für den Katalog Through the Big End of the Opera Glass («Durch die grosse Öffnung des Opernglases»). Der Katalog ist für eine Gruppenausstellung mit Werken von Joseph Cornell, Marcel Duchamp und Yves Tanguy gedacht, die am 7. Dezember in der Julien Levy Gallery eröffnet wird. Duchamp erreicht den ersten Platz in der A-Klasse des Schachverbandes des Staates New York.

    1949
    Duchamp vollendet seine Montage «Das Gaslicht und der Wasserfall», mit der er schon im Vorjahr begonnen hatte. Der weibliche Akt in diesem Werk ist eine Vorstudie zur Braut in «1. Der Wasserfall. 2. Das Leuchtgas». Twentieth-Century-Art-Ausstellung aus der Sammlung von Louise und Walter Arensberg im Art Institute of Chicago, wo auch 30 Werke Duchamps gezeigt werden. Es ist die bis zu diesem Zeitpunkt grösste Sammlung. In der Zeitschrift Modern Artists in America erscheinen Auszüge aus Duchamps Beitrag zum Podiumsgespräch «The Western Round Table an Modern Art» («Westliche Tischrunde moderner Kunst»), erschienen bei Ed. Bernard Karpel, Robert Motherwell, Ad Reinhardt, New York, Wittenborn Schultz, 1951, S. 27-37.

    1950
    In diesem Jahr entsteht die kleine Plastik «Das ist kein Schuh», eine Studie für die Skulptur «Keuschheitsgürtel» (1954). Als Man Ray nach Paris fährt, gibt Duchamp ihm als Reisegeschenk eine galvanisierte Gipsplastik mit: «Weibliches Feigenblatt». Am 14. September fährt Duchamp selbst auf der Queen Mary nach Frankreich, um in Paris seine alte Freundin Mary Reynolds wiederzusehen, die im Oktober dieses Jahres stirbt. Duchamp geht wieder nach New York zurück. Er schifft sich am 24. Oktober wiederum auf der Queen Mary ein. Veröffentlichung der Collection of the Société Anonyme: Museum of Modern Art, 1920. Die Publikation umschliesst 33 kritische Beiträge, die in den Jahren zwischen 1945 und 1949 verfasst wurden und sich zum Grossteil mit den Künstlern beschäftigen, die in dieser Sammlung vertreten sind.

    1951
    Duchamp widmet seine ganze Zeit dem Werk « 1. Der Wasserfall. 2. Das Leuchtgas». « Objet-Dard», eine galvanisierte Gipsplastik in der Form eines Phallus. Diese Plastik steht zwischen dem Found-Objekt und dem Readymade. Sie war ursprünglich ein Teil der «Braut» in « 1. Der Wasserfall». Die Form wurde jedoch von Duchamp zerbrochen, als er seine Idee verwirklicht sah. Ein Teil der Bruchstücke veranlasste ihn dazu, es als «Kunstobjekt» zu erklären. Kurzer Aufenthalt in Syracuse, wo er im August beim Schachturnier des Staates New York mitspielt.

    1952
    Am 30. August hält Duchamp im Schachklub des Staates New York einen kurzen Vortrag über die drei Hauptaspekte des Schachspiels. Einen Ausschnitt dieses Vortrags gibt Arturo Schwarz in seinem Buch The Complete Works of Marcel Duchamp auf Seite 68 wieder. Eleanor Bitterman führt in ihrem Buch Art in Modern Architecture (New York, Reinhold, S. 152) einen Brief Duchamps über das «Grosse Glas» an. Tod von Duchamps langjähriger Freundin Katherine Dreier.

    1953
    Duchamp entwirft das Layout für den Katalog der Ausstellung «Dada 1916-1923», die vom 15. April bis zum 9. Mai in der Sidney Janis Gallery in New York stattfindet. Er verbringt den Sommer in Basswood (Minn.), wo auch das Bild «Mondlicht über der Bucht von Basswood» entsteht. Es ist eines der beiden Landschaftsbilder auf dem Hintergrund von « 1. Der Wasserfall». Das andere Landschaftsbild auf dem Hintergrund ist Duchamps erstes Gemälde «Landschaft bei Blainville», 1902 entstanden. In der Zeitschrift La Nouvelle Revue française erscheint Henri-Pierre Rochés Artikel «Souvenirs sur Marcel Duchamp», der zum Teil in einem Gespräch mit Duchamp entstanden ist (in: La Nouvelle Revue française, Paris, I, Nr. 6, Juni 1953, S. 1133-1138). Am 26. November stirbt Louise Arensberg.

    1954
    In diesem Jahr entsteht die Plastik «Keuschheitsgürtel» aus zwei ineinandergefügten Teilen. Sie besteht aus galvanisiertem Gips und aus Zahnfleischkunstmasse. Sie war als Hochzeitsgeschenk für Alexina (Teeny) Sattler gedacht, die Duchamp am 16. Januar heiratet. Diese Plastik ist die dritte einer Trilogie erotischer Objekte. Die ersten beiden sind «Weibliches Feigenblatt» und «Objet-Dard». Duchamp zieht in das ehemalige Appartement von Max Ernst in die 327 East 58th Street. Walter Arensberg stirbt am 29. Januar. Die Sammlung Walter und Louise Arensberg wird im Philadelphia Museum of Art eröffnet. Die Ausstellung enthält auch 43 Werke Duchamps, den Grossteil seiner bedeutendsten, darunter auch das «Grosse Glas». Duchamp stellt in diesem Jahr zum erstenmal in Italien in der Galleria Schwarz in Mailand aus. Veröffentlichung von Michel Carrouges' Les Machines célibataires (Paris, Arcanes). Duchamp gibt Michel Sanouillet ein Interview, das in Les Nouvelles Littéraires unter dem Titel « Dans l'atelier de Marcel Duchamp» erscheint (Paris, Nr. 1424, 16. Dezember 1954, S. 5).

    1955
    James Johnson Sweeney macht im Philadelphia Museum of Art ein Interview mit Duchamp : «A Conversation with Marcel Duchamp». Es erscheint in einem von der NBC produzierten Film, den das amerikanische Fernsehen zum erstenmal in seinem Programm «Old Wise Men» im Januar 1956 sendet. Die Zeitschrift Medium publiziert einen Brief Duchamps an André Breton (Medium, Paris, Nr. 4, Januar 1955, S. 33). In La Parisienne erscheint ein Artikel Henri-Pierre Rochés, der auf ein Gespräch mit Duchamp zurückgeht: «Vie de Marcel Duchamp» (Paris, Nr. 24, Januar 1955, S. 63-69).

    1956
    Duchamp zeichnet den Umschlag für Rudi Bleshs Modern Art USA, der vom Verleger Alfred A. Knopf abgelehnt wird. Das Buch enthält Auszüge aus verschiedenen Interviews mit Duchamp.

    1957
    Duchamp zeichnet den Katalogumschlag für die Ausstellung der Duchamp-Brüder Jacques Villon, Raymond Duchamp-Villon und Marcel Duchamp im Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Im Frühjahr entsteht seine «Weste», eine grüne Wollweste, deren fünf Knöpfe mit den Buchstaben des Namens seiner Frau Teeny bedruckt sind. Im folgenden Jahr entstehen zwei weitere ähnliche Westen, eine für die Frau von Teenys Sohn Paul Matisse, die andere für den grossen surrealistischen Dichter Benjamin Péret. Am 15. April liefert Duchamp seinen Beitrag «The Creative Act» («Der schöpferische Akt») zu einem Podiumsgespräch im Shamrock-Hilton. Moderator ist William C. Seitz. Weitere Teilnehmer des Gesprächs sind: Rudolph Arnheim und Gregory Bateson. Duchamps Text wird in der Zeitschrift Art News veröffentlicht (New York, LVI, Nr. 4, Sommer 1957, S. 28-29). In der Zeitschrift Le Surréalisme, même erscheint ein Interview von Jean Schuster mit dem Titel «Marcel Duchamp, vite» (Paris, Nr. 2, Frühjahr 1957, S. 143-145).

    1958
    Duchamp entwirft den Einband für den Katalog der Ausstellung «Le dessin dans l'art magique» (« Die Zeichnung in der magischen Kunst»), die vom 21. Oktober bis zum 20. November in der Galerie Rive Droite in Paris stattfindet. Er beteiligt sich an der Gestaltung des Buches Sur Marcel Duchamp von Robert Lebel, das in der Edition Trianon 1959 in Paris erscheint. Es ist die umfassendste Monographie über Duchamp. Im gleichen Jahr druckt Le Terrain Vague in Paris das Buch von Michel Sanouillet Marchand du sel, Ecrits de Marcel Duchamp, eine reiche Sammlung von Duchamps Schriften und Stellungnahmen. Unveröffentlichte Dissertation von Laurence S. Gold: A Discussion of Marcel Duchamp's Views on the Nature of Reality and Their Relation to the Course of His Artistic Career (Princeton University, 1958). PAB veröffentlicht Lettre de Marcel Duchamp (1921) à Tristan Tzara. In Verbindung mit Robert Lebels Buch Sur Marcel Duchamp erscheint in Arts ein Interview von Alain Jouffroy : « ... Il n'est pas certain que je revienne à la peinture» (Arts, Paris, Nr. 694, 29. Oktober bis 4. November 1958, S. 12). Die Zeitschrift Art actuel international druckt Jean-Joseph Tharrats Interview « Marcel Duchamp» ab (Art actuel international, Lausanne, Nr. 6, 1958, S. 1).

    1959
    Duchamp zieht nach Greenwich Village in die 28 West lOth Street. Es entstehen die Werke «Hügel», eine Bleistiftzeichnung, die der Saga, die im « Grossen Glas» enträtselt wird, einen neuen Schluss hinzufügt, weiter « Mit meiner Zunge in meiner Wange», ein Selbstporträt in der Art einer gezeichneten Plastik. Er arbeitet an « Stille Qual» und «Ruhende Plastik», zwei Skulpturen, die für ein geplantes Buch von Robert Lebel gedacht sind. Für die Sondernummer des Katalogs der Exposition internationale du surréalisme schafft Duchamp sein «Schürzenpaar einer Wäscherin». Die Ausstellung wird zusammen von André Breton und Marcel Duchamp organisiert und findet von 1959 bis 1960 in der Galerie Daniel Cordier in Paris statt. Die Eröffnung ist am 15. Dezember 1959. Im gleichen Jahr entsteht auch Duchamps Radierung «An vier Nadeln gezogen». Sie ist für eine kleine Auswahl von vier Gedichten seines alten Freundes Pierre de Massot gedacht. Das Werk wird von PAB (Pierre André Benoit) in Ales (Gard) publiziert. Die BBC sendet in ihrem dritten Programm in der Reihe «Art, Anti-Art» ein Interview von George und Richard Hamilton: «Marcel Duchamp Speaks». Charles Mitchell gibt einen kurzen Kommentar dazu.

    1960
    Duchamp zeichnet den Umschlag für den Katalog der Ausstellung «Surrealist Intrusion in the Enchanter's Domain», die in der D'Arcy Gallery in New York stattfindet und von André Breton und Marcel Duchamp geleitet wird. Das Management übernehmen Edouard Jaguer und José Pierre. Die Ausstellung geht vom 28. November bis zum 14. Januar 1961. Unveröffentlichte Dissertation von Lawrence D. Steefel jun.: The Position of «La Mariée mise à nu par ses célibataires, même» (1915-1923) in the Stylistic and Iconographic Development of the Art of Marcel Duchamp (Princeton University, 1960). Interview von Marcel Jean mit Duchamp in The History of Surrealist Painting, erschienen bei Weidenfeld & Nicholson in London. Vom 30. Juni bis zum 28. August findet im Kunstgewerbemuseum in Zürich eine Ausstellung «Dokumentation über Marcel Duchamp» statt. Die Texte im Katalog stammen von Max Bill, Hans Fischli und Serge Stauffer. In London erscheint The Bride Stripped bare by Her Bachelors, Even, die erste vollständige Übersetzung der Green Box. Die Übersetzung ist von George Heard Hamilton (London: Percy Lund, Humphries & Co., New York: Wittenborn).

    1961
    «Anagramm für Pierre de Massot», eine Gouache auf schwarzem Papier, darüber Wachspapier, in das die Konturen einer öffentlichen Bedürfnisanstalt eingeritzt sind. Es wird auf einer Auktion am 17. März 1961 im Hôtel Drouot versteigert. Der Gewinn kommt Pierre de Massot zu. Es entsteht das «Bilderrätsel», eine Radierung für das Buch Surrealism Between the Two Wars. Es ist der zweite Band der Reihe «Vorläufer der Avantgarde». 1965 stellt man es in der Galleria Schwarz in Mailand aus. Am 29. November wird Duchamp von der Wayne State University der Ehrentitel «Doctor of Humanities» verliehen. Es erscheinen: Frank R. Brady: Duchamp, Art und Chess, in Chess Life, New York, XVI, Nr. 6, Juni 1961, S. 168-169, weiter Herbert Crehan: Dada, Auszüge eines Interviews mit Duchamp im Evidence, Toronto, Nr. 3, 1961, S. 36-38. Am 20. März hält Duchamp im Philadelphia Museum College of Art einen Vortrag über das Them «Where Do We Go from Here». Er spricht auch im Museum of Modern Art in New York. Thema des Vortrags: «A propos Ready-made». Veröffentlichung von Katherine Kuhs The Artist's Voice: Talks with Seventeen Artists in New York und Evanston bei Harper & Row. Das Buch enthält ein wichtiges Interview mit Duchamp (S. 81-93).

    1963
    In diesem Jahr entsteht die Rebus-Zeichnung «Aimer tes héros», mit der Duchamp der Saga vom « Grossen Glas» ein weiteres Kapitel hinzufügt. Er zeichnet das Plakat für die Ausstellung zum 50. Jahrestag der berühmten International Armory Show 1913, die vom 6. bis zum 28. April in New York stattfindet. Ausstellung in der Galerie Burén in Stockholm. Die Ausstellung steht in Verbindung mit der Veröffentlichung von Ulf Lindes Monographie Marcel Duchamp. Duchamp entwirft das Plakat und den Katalogumschlag. Diese Ausstellung zeigt zum erstenmal eine Reihe von 114 Werken Duchamps. Sie findet vom B. Oktober bis zum 3. November im Pasadena Art Museum statt. Es erscheinen zwei Interviews mit Duchamp. William C. Seitz: «What's Happened to Art? ...», in: Vogue, New York, Nr. 4, 15. Februar 1963, S. 110-113, und Francis Steegmuller: «Duchamp: Fifty Years Later», in: Show, New York, 111, Nr. 2, Februar 1963, S. 28-29. Man Ray veröffentlicht sein Selbstporträt, das übrigens äusserst interessante Details über Duchamps Leben enthält (Boston und Toronto, Little, Brown and Company, 1963; London, André Deutch). Am 12. Juni stirbt Duchamps Bruder Jacques Villon und am 11. September seine Schwester Suzanne Duchamp.

    1964
    Arturo Schwarz publiziert zusammen mit Duchamp den Katalog Marcel Duchamp - Readymades usw. Er ist für die erste europäische Ausstellung gedacht, die einen Gesamtüberblick über Duchamps künstlerisches Schaffen gibt und bei der 108 seiner Werke gezeigt werden. Die Ausstellung wird am 5. Juni in der Galleria Schwarz in Mailand eröffnet und dauert bis zum 30. September. Weiter wird sie vom 23. Oktober bis zum 29. November in der Kunsthalle in Bern gezeigt, vom Dezember 1964 bis zum Januar 1965 bei Gimpel Fils in London, vom 20. März bis zum 3. Mai 1965 im Stedelijk van Abbe Museum in Eindhoven, vom 6. Juni bis zum 1. August im Museum Hans Lange in Krefeld und vom 7. bis zum 28. September 1965 bei der Kestner-Gesellschaft in Hannover. Aus Anlass des 50. Jahrestages des ersten Readymade zeichnet und veröffentlicht Duchamp in Zusammenarbeit mit der Galleria Schwarz eine signierte und numerierte Ausgabe von 14 seiner bedeutendsten Ready-mades in Originalgrösse. Die Ausgabe entsteht aufgrund von Lichtpausen, die von den Photographien der verlorengegangenen Originale gemacht werden, oder, wo das Original zur Verfügung steht (in genau 7 Fällen), aufgrund von Photographien, Zeichnungen und Informationen, die der Besitzer selbst beisteuert. Die Edition wird auf je 8 signierte Exemplare begrenzt, die von 1/8 bis 8/8 numeriert sind. Zwei nicht zum Verkauf stehende Exemplare werden für Duchamp selbst und für Arturo Schwarz reserviert. Hier die Reihenfolge der 14 von Duchamp ausgewählten Ready-mades: «Fahrradrad», «Drei Standardformen», «Flaschentrockner», «Gebrochener Arm, verlängert», «Senkung», «Mit verborgenem Lärm», «Traveller's Folding Item», «Apolinère Enameled», «Brunnen», «Falle», «Hutständer», «Pariser Luft», « Fresh Widow», «Why not Sneeze Rrose Sélavy». «Vier Ready-mades» und « Certificat de lecture» werden von der Galleria Schwarz veröffentlicht. Es sind zwei Lithographien für eine Gedichtsammlung von Arturo Schwarz mit dem Titel Il reale assoluto. Es entstehen « Retour miroirique» und «An vier Nadeln gezogen», zwei Radierungen nach den beiden Readymades «Brunnen» (1917) und «An vier Nadeln gezogen» (1915). Im letzten Fall ist diese Radierung die einzige noch vorhandene Reproduktion, da dieses Readymade verlorenging, bevor man es photographiert hatte. Für das Bad in seinem Appartement in Cadaqués (Spanien) schafft Duchamp seinen «Bouche-Evier», eine Art Stöpsel für die Dusche. « Uhr im Profil» erscheint in der numerierten Ausgabe von Robert Lebels La Double Vie suivi de l'Inventeur du Temps gratuit, Paris, Le Soleil Noir. Duchamp spielt in dem Film Schachspiel mit Marcel Duchamp mit, den Jean-Marie Drot 1963 für das französische Fernsehen dreht. Der Film gewinnt beim Filmfestival in Bergamo den ersten Preis. Interview Alain Jouffroys mit Duchamp. Es wird im Buch La Révolution du Regard, Gallimard, Paris, veröffentlicht. Otto Hahn publiziert sein Interview mit Duchamp im Express (Paris, Nr. 684, 23. Juli 1964). Louis Goldaine und Pierre Astier veröffentlichen ihr Interview mit Duchamp: Ces peintres vous parlent (Paris, Editions du Temps, S. 46).

    1965
    Es entsteht «Draft Piston», ein Positivabdruck auf Zelluloid nach dem einzigen noch existierenden und von Duchamp 1914 gemachten Photo, um die Form eines der drei « Draft Pistons» im « Grossen Glas» festzuhalten. Duchamp arbeitet an einer Reihe von Radierungen, von denen 7 Einzelheiten und Ausschnitte aus dem « Grossen Glas», zwei das «Grosse Glas» selbst und eine das «Grosse Glas» zeigen, wie es nach seiner Vollendung ausgesehen hätte. Die Radierungen sind für Arturo Schwarz' Buch The Large Glass and Related Works, Band I, bestimmt. Die bedeutendste Gesamtausstellung von Duchamps Werk, die jemals in einer Privatgalerie gezeigt wurde, wird am 15. Januar unter dem Thema « Not Seen and - or Less Seen bf - by Marcel Duchamp - Rrose Sélavy 1904-1964» in der Gallery Cordier & Ekstorm, Inc., in New York, eröffnet. Sie dauert bis zum 13. Februar. Es erscheint Calvin Tomkins: The Bride and the Bachelors: the Heretical Courtship in Modern Art (New York, The Viking Press). Duchamp gibt dem Deutschen Fernsehen ein Interview aufgrund der Ausstellung der Kestner-Gesellschaft in Hannover (vom 7. bis zum 28. September). Dieses Interview wird in dem Film Marcel Duchamp (15 Minuten Spielzeit) als Tonquelle verwendet. Der Regisseur ist Günter Tovar. Der Film wird im Oktober 1965 vom Norddeutschen Rundfunk in Hamburg übertragen. Hans Richter gibt in seinem Buch Dada: Art and Anti-Art einige Interviews mit Duchamp wieder (London, Thames & Hudson, S. 87-99; Köln, DuMont-Schauberg, 1964).

    1966
    Duchamp vollendet sein Werk « 1. Der Wasserfall. 2. Das Leuchtgas», an dem er die letzten zwanzig Jahre gearbeitet hatte. Er schafft «Hommage für Caissa», ein hölzernes Schachbrett, das in einer Ausgabe von 30 signierten Exemplaren erscheint. Dore Ashton: «An Interview with Marcel Duchamp» (in: Studio International, London, Bd. 171, Nr. 878, Juni 1966, S. 244-247). Im Juli erscheint in London die Duchamp-Sondernummer von Art und Artists (London, 1, Nr. 4, Juli 1966), die Duchamps A propos Ready-mades (1961) und ein Interview mit Otto Hahn enthält. Erste Gesamtausstellung von Duchamps Werk in England unter dem Titel «The Almost Complete Works of Marcel Duchamp» in der Tate Gallery (vom 18. Juni bis 31. Juli). Tristram Powell dreht den Film Rebel Ready-made für die BBC, die ihn am 23. Juni in ihrem Programm sendet. Am 28. September stirbt André Breton. Duchamp drückt sein Mitgefühl in einem Interview mit André Parinaud aus (in: Arts-Loisirs, Paris, Nr. 54, 5. bis 11. Oktober 1966, S. 5-7). Ein weiteres Interview über Bretons Tod gibt Duchamp Jean Schuster. Es wird am 19. Oktober durch den französischen Rundfunk übertragen.

    1967
    Für die Illustration von Arturo Schwarz' zweitem Band The Large Glass and Related Works arbeitet Duchamp an den zwei Radierungen «Ausgewählte Stücke nach Cranach und Relâche » und «Nach der Liebe», die zu einer Reihe von 9 Radierungen gehören, die er im darauffolgenden Jahr vollendet. Die 18 Radierungen, die Duchamp für die beiden Bände von The Large Glass und Related Works anfertigt, arbeitet er in den folgenden zwei Jahren noch aus. Sie sind sein letztes vollständiges Werk und gelten als reichste Illustrationsreihe, die jemals in einem Buch über Duchamp veröffentlicht wurde. Für den zweiten Band beschäftigt Duchamp sich noch einmal mit dem Thema der Liebenden. In den 9 Radierungen findet man die Fortsetzung der Odyssee von Braut und Junggeselle, die im «Grossen Glas» im entscheidenden Augenblick unterbrochen wurde, gerade dort, wo beide sich eigentlich treffen sollten. Die Beziehung zwischen der Geschichte der Liebenden dieser Serie Radierungen und der Geschichte zwischen Braut und Junggeselle im «Grossen Glas» führt in der letzten Radierung «Ausgewählte Stücke nach Courbet» zum Schlussakt im « Grossen Glas» zurück, wo der Junggeselle sich der Braut nähert. In diesem Augenblick erscheint der Junggeselle als Falke und beobachtet die junge Frau, die sich gerade entkleidet. Eine andere Radierung zeigt die « Nackte Braut». Fünf weitere zeigen die Liebenden in verschiedenen Umarmungen: «Ausgewählte Stücke nach Rodin», «Bec Auer», «Ausgewählte Stücke nach Ingres I und II» und «Nach der Liebe». Die Tatsache, dass nur das Schicksal die Liebenden zusammenführen kann, wird in der Radierung « König und Königin» noch unterstrichen. In der ersten Radierung dieser Reihe, in «Ausgewählte Stücke nach Cranach und » (es ist das Werk, welches diese Reihe beschliesst) finden wir die Liebenden im Paradies wieder. Sie haben sich geliebt, sind sich ihrer Nacktheit bewusst und werden schliesslich aus dem Garten Eden verjagt.
    Erste Gesamtausstellung in Frankreich unter dem Thema «Les Duchamps» im Musée des beaux-arts in Rouen und im Musée d'art moderne in Paris. Der Text im Katalog stammt von Bernard Dorival. Pierre Cabanne: Entretiens avec Marcel Duchamp (Paris, Pierre Belfond ; englische Übersetzung bei Thames & Hudson, London, und The Viking Press, New York, 1971). Weiter erscheint in diesem Jahr das Buch A l'Infinitif, englische Übersetzung von Cleve Gray unter dem Titel The White Box (New York, Cordier & Ekstrom). Es ist die bisher grösste Abhandlung zum Thema des «Grossen Glases». Interview von Robert Lebel mit Duchamp: « Marcel Duchamp maintenant et ici» (in: L'œil, Paris, Nr. 148, Mai 1967, S. 18-23, 77). Im April stellt die Mary Sisler Collection Werke Duchamps in der Art Gallery in Aukland City aus. Die Ausstellung reist auch in andere australische Staaten.

    1968
    In diesem Jahr entstehen «Kaminsims in Cadaqués», zwei stereoskopische Zeichnungen für Duchamps Kaminsims in seinem Haus in Cadaqués, und «Anaglyphisches Kamin», eine stereoskopische Zeichnung mit Blau- und Rotstift. Es sind Duchamps letzte Werke. Am 2. Oktober stirbt er unerwartet in Paris. Publikation von Octavio Paz' Marcel Duchamp ou le Château de la Pureté (Paris, Galerie Givaudan). Artikel von Denis de Rougemont «Marcel Duchamp mine de rien», der eine Reihe von Gesprächen enthält, die Duchamp während seines Aufenthaltes in Lake George (New York) vom 3. bis zum 9. August 1945 mit dem Autor geführt hat (in: Preuves, Paris, XVIII, Nr. 204, Februar 1968, S. 43-47). Weitere Äusserungen Duchamps erscheinen im Journal d'une époque, 1926-1946 (Paris, Gallimard). Anlässlich Arturo Schwarz' Vortrag bei der ICA in London über das Thema The Large Glass und Related Works interviewt Joan Bakewell Duchamp noch am gleichen Abend für das Spätprogramm der BBC (5. Juni 1968).

    1969
    Erste Duchamp-Gesamtausstellung in der Tschechoslowakei, die von Jindrich Chalupecky und Arturo Schwarz in der Galerie Spal in Prag organisiert wird. Veröffentlichung von Etant donné: 1. La Chute d'eau. 2. Le Gaz d'éclairage. Reflections an a New Work by Marcel Duchamp («Gegeben: 1. Der Wasserfall. 2. Das Leuchtgas. Bemerkungen über ein neues Werk von M. D.») von Anne d'Harnoncourt und Walter Hopps, die erste Monographie über das gleichnamige, im geheimen eingerichtete environnement im Philadelphia Museum of Art. Diese Publikation erschien am Tag der Eröffnung des Raumes, der den Zugang zum environnement erschliesst (7. Juli). Es erscheinen The Complete Works of Marcel Duchamp von Arturo Schwarz. Sie werden von Harry Abrams (New York) in Zusammenarbeit mit Thames & Hudson (London) veröffentlicht. Im gleichen Jahr erscheint eine von Arturo Schwarz ausgewählte, geordnete und mit einem Vorwort versehene Ausgabe der Notizen : Notes and Projects for The Large Glass, ebenfalls bei Harry Abrams (New York) und Thames & Hudson (London). Art in America (Nr. 4, Juli-August 1969) bringt eine Charakteristik Marcel Duchamps.

    1971
    Vom 19. März bis zum 1. Mai findet die erste Gesamtausstellung über Duchamps Werk in einem italienischen Museum statt. In der Galleria Civica d'Arte Moderna (Palazzo dei Diamanti) in Ferrara werden Werke Duchamps gezeigt. Den Katalog gestaltet Arturo Schwarz.

    1972
    Erste Duchamp-Gesamtausstellung in Israel von März 1972 bis Mai 1972 im Israel Museum in Jerusalem. Der Katalog stammt von Yona Fischer und Arturo Schwarz. Marcel Duchamp: 66 Creative Years - From the First Painting to the Last Drawing, Katalog zur ersten Ausstellung der Sammlung Vera und Arturo Schwarz (über 260 Werke). Die Ausstellung findet in den Galerien Schwarz und L'Uomo e l'Arte vom Dezember 1972 bis zum Januar 1973 in Mailand statt. R. Lebel: Duchamp, Von der Erscheinung zur Konzeption, Köln, DuMont-Schauberg.

    1973
    Die bisher umfassendste und bedeutendste Duchamp-Gesamtausstellung wurde am 20. September im Philadelphia Museum of Art eröffnet und war vom 3. Dezember an im Museum of Modern Art in New York und vom 3. März 1974 an im Art Institute in Chicago. Kuratoren waren Anned'Harnoncourt und Kynaston McShine. Der Katalog enthält in der Form einer Monographie Beiträge von Anne d'Harnoncourt, Michel Sanouillet, David Antin, Arturo Schwarz, Lawrence D. Steefel jun., Lucy R. Lippard, Richard Hamilton, Robert Lebel, Kynaston McShine, Octavia Paz und John Tancock. In Zürich erscheint im Regenbogen -Verlag die Zitatensammlung Marcel Duchamp Ready Made! - 180 Aussprüche aus Interviews und Briefen, zusammengetragen, ausgewählt und übersetzt von Serge Stauffer, der auch die Einführung verfasste.

    Autor: Arturo Schwarz. Marcel Duchamp - Gestalter unserer Zeit

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