g26.ch

HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST

Google
Web g26.ch




Kunst Glossar

Helmuth Viking Eggeling

12.10.1880 Lund (Schweden) - 19.5.1925 Berlin

Arbeitet seit 1897 in Deutschland als Buchhändler, anschliessend als freier Künstler in Paris; während des 1. Weltkriegs Lehrer für Zeichnen und Gymnastik in Zürich, wo durch den Kreis der Dadaisten erste Entwürfe für Bildrollen und musikalische Malerei entstehen; 1920 erste Filmexperimente und Zusammenarbeit mit Hans Richter; Umzug nach Berlin 1921 und 1925 Uraufführung der «Diagonal-Symphonie».



  • Helmuth Viking Eggeling (Sprache der Geometrie)
  • Notizen
  • Von der Malerei zum bewegten Bild
  • Viking Eggeling (Wikipedia)



    Helmuth Viking Eggeling

    Am 12. Oktober 1880 in Lund, Schweden, geboren. Er verlässt mit 17 Jahren das väterliche Musikgeschäft und zieht als Buchhändler nach Deutschland. Längere Aufenthalte in Frankreich und Italien. In Paris entschliesst er sich, freischaffender Künstler zu werden. Während dem 1. Weltkrieg Aufenthalt in der Schweiz. Ab 1915 bemüht sich Eggeling in seinen Studien um ein Vokabular von abstrakten Formen.

    Zwischen 1915 und 1917 entstehen in Ascona erste Entwürfe der Rollen, die seinen späteren Filmen als Vorlagen dienen. Er arbeitet an einer Methode der Malerei, die der des Kontrapunktes in der Musik vergleichbar ist («Generalbass der Malerei»). Kubistische Überlegungen führt er konsequent weiter zu seinen linearen Bildrollen. 1918 arbeitet er in Zürich als Lehrer für Zeichnen und Gymnastik. Kontakt mit den Dadaisten. Er begegnet Hans Arp und Hans Richter, mit dem er in den nächsten Jahren zusammenarbeitet.

    Ab 1920 in Berlin erste Filmexperimente. Aus Eggelings zweitem Rollenbild «Diagonal-Symphonie» entsteht 1921 sein erster kompletter Film, einer der bedeutendsten des frühen abstrakten Filmschaffens. Mit den in Bewegung versetzten geometrischen Figuren wird im Film eine Art visueller Symphonie geschaffen. Am 19. Mai 1925 in Berlin gestorben.

    Die Sprache der Geometrie
    Hans Christoph von Tavel
    Kunstmuseum Bern
    17. März bis 13. Mai 1984




    Notizen

    «Eggelings Dynamik des Kontrapunktes, den er «Generalbass der Malerei» nannte, umfasste grosszügig und ohne Unterschied jede mögliche Beziehung zwischen Formen, einschliesslich der Horizontalen zur Vertikalen. Seine Vorgehensweise, methodisch bis hin zur Wissenschaftlichkeit, führte ihn zu der analytischen Untersuchung des Verhaltens von Formelementen unter verschiedenen Bedingungen. Er versuchte herauszufinden, welchen «Ausdruck» eine Form unter den verschiedenen Einflüssen von «Gegensatzpaaren» annehmen würde und könnte: klein gegenüber gross, hell gegenüber dunkel, eins gegenüber vielen, oben gegenüber unten, und so weiter.»
    (Hans Richter über Viking Eggeling)
    Aus: Zürich 1982, S. 29


    «Ich traf ihn 1917 in Zürich wieder. Er war auf der Suche nach den Regeln eines bildnerischen Kontrapunktes und komponierte und zeichnete dessen erste Elemente. Er quälte sich dabei fast zu Tode. Auf grossen Papierrollen hatte er eine Art hieratischer Schrift gezeichnet, mit Hilfe von Figuren von seltener Ebenmässigkeit und Schönheit. Diese Figuren wuchsen, teilten, vervielfältigten und bewegten sich, verschlangen sich miteinander, verschwanden und kamen teilweise wieder zum Vorschein und gestalteten sich zu einem eindrucksvollen Gebilde aus pflanzenartigen Formen. Dieses Werk nannte er eine «Symphonie». »
    (Hans Arp über Viking Eggeling)
    Aus: Zürich 1982, S. 28


    «(...) beabsichtigt ist... , konstruktiv mit exakt umgrenzten Formelementen ein Weltgefühl zu verwirklichen. Im Film ist dieses Programm von dem jüngst verstorbenen Viking Eggeling und Hans Richter verwirklicht worden. Geschichte, Handlung, Ereignis kommen im absoluten Film so wenig vor wie der konventionelle Mensch überhaupt. Mit der grundsätzlichen Ausschaltung der Natur ist alles ausgestossen, was an die geschichtliche Welt überhaupt erinnert. Die elementaren geometrischen Formen treten in Beziehungen zueinander und in dieser Komposition entfalten sich die Dramen des Geistigen.»
    Aus: Kurtz 1926, S. 92

    Die Sprache der Geometrie
    Hans Christoph von Tavel
    Kunstmuseum Bern
    17. März bis 13. Mai 1984




    Von der Malerei zum bewegten Bild

    Neben dem malerischen Ansatz Delaunays gab es auch eine Bestrebung, Farbrhythmen real als Bewegung zu komponieren. Leopold Survage (1879-1968) entwarf 1913 über siebzig Studien zu seinem Filmprojekt «Rhythme coloré», einer leider nicht realisierten Farb-Rhythmus-Symphonie. Seine Ziele formulierte Survage 1914 folgendermassen: « Nachdem sich die Malerei von den konventionellen Gegenständen der Aussenwelt befreit hat, erobert sie das Terrain der abstrakten Formen. Nun muss sie ihre letzte und wesentliche Schranke – die Immobilität – überwinden, so dass sie ein ebenso reiches wie subtiles Ausdrucksmittel für unsere Empfindungen werden kann wie die Musik. Alles, was uns zugänglich ist, hat seine Dauer in der Zeit, die sich am stärksten in Rhythmus, Aktivität und Bewegung manifestiert […] Ich will meine Malerei animieren, ich will ihr Bewegung verleihen, ich will in die konkrete Aktion meiner abstrakten Malerei Rhythmus einführen, der meinem inneren Leben entspringt.»

    Neben Survage beschäftigten sich auch der schwedische Maler Helmuth Viking Eggeling (1890–1925) und der Dadaist und Filmpionier Hans Richter (1888–1976) mit diesem Thema. Beide lernten sich 1918 in Zürich kennen, gemeinsam arbeiteten sie über mehrere Jahre zusammen auf der Suche nach einer universellen Sprache. Richter beschrieb diese Zeit folgendermassen: «Für uns beide wurde die Musik zum Modell. Im musikalischen Kontrapunkt fanden wir das Prinzip, das zu unserer Philosophie passte: jede Aktion ruft eine entsprechende Reaktion hervor. So fanden wir in der Kontrapunktfuge das geeignete System, eine dynamische und polare Anordnung gegensätzlicher Energien, und in diesem Modell sahen wir ein Bild des Lebens an sich […] Monat für Monat studierten und verglichen wir unsere analytischen Zeichnungen, die wir auf Hunderten von Papierblättern angefertigt hatten, bis wir schliesslich dazu kamen, sie als Lebewesen zu betrachten, die wuchsen, vergingen […] Nun schienen wir vor einem neuen Problem zu sehen, dem der Kontinuität […] bis wir – Ende 1919 – beschlossen, etwas zu tun. Auf langen Papierrollen verarbeitete Eggeling ein Thema von Elementen zu der ›Horizontal-vertikal-Messe‹ und ich verarbeitete eine der Rollen zu ›Präludium‹.»

    Die Ergebnisse ihrer Formexperimente auf langen Papierrollen führten Richter und Eggeling unmittelbar zum Film. Ihre abstrakten Formstudien wurden Grundlage zu Filmpartituren. Zusammen mit Walter Ruttmann (1887–1941) zählen sie zu den Pionieren des abstrakten Films.

    www.medienkunstnetz.de

    g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT
  •