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Kunst - Glossar Robert Filliou 1926 Sauve (Frankreich) - 1987 Chanteloube (Dordogne) 1943-45 Teilnahme am französischen Widerstand, Eintritt in die kommunistische Partei; 1946 Auswanderung in die USA; 1946-48 tätig für die Coca-Cola-Company, USA; 1948-51 Studium an der University of California, Los Angeles (Master of Economics); 1951-54 Aufenthalt in Korea, Tätigkeit für die United Nations Korean Reconstruction Agency; 1954-58 als freier Schriftsteller wechselnder Aufenthalt in Japan, Ägypten, Spanien, Dänemark, Frankreich. 1959-60 Aufenthalt in Dänemark und Paris, wo er Daniel Spoerri kennenlernt. Beginn der Arbeit als Künstler. 1967-74 lebt er in New York und Düsseldorf; 1980 Gastprofessur, Hochschule für bildende Künste Hamburg; 1982 Kurt-Schwitters-Preis, Hannover Robert Filliou Als «Spezialist des Schlechtgemachten» hat Robert Filliou sich einmal selbst bezeichnet - dieser Ausspruch bezieht sich auf die rein handwerkliche Ausführung seiner Arbeiten. Er stellt seine Ideen mit den einfachsten Alltagsgegenständen dar: Karton, Notizzettel, Bindfäden, Holzlatten und Fotos sind seine bevorzugten Materialien und ergeben in ihrer lockeren und zufällig wirkenden Anordnung Arbeiten von spielerischer Leichtigkeit. Oft finden sich handschrift- liche Anmerkungen auf ihnen, die in Form von humorvollen Wortspielereien und alogischen Gedankengängen das Werk erklären oder auch noch rätselhafter werden lassen. So ist beispielsweise unter einem Objekt einer Wein- und einer Milchflasche, die durch einen gewundenen Draht so miteinander verbunden sind, dass die eine Flasche über der anderen zu schweben scheint, als Titel angegeben: «A bottle of wine dreaming it is a bottle of milk». Robert Fillious Arbeiten sind spontan, spielerisch und durch die lose Anordnung - zum Beispiel durch das Aufhängen an Metallhaken - instabil und unstatisch. Von allen Ismen und Schulen wollte er sich befreit sehen, was schon durch seine erste «Ausstellung» gezeigt wurde, die er in einem Hut auf seinem Kopf mit sich herumtrug und interessierten Personen an jedem beliebigen Ort vorführen konnte. Kunst und Alltag waren für ihn nicht zwei getrennte Welten; vielmehr war die Kunst einfach eine Art der gedanklichen Mitteilung - nicht mehr und nicht weniger. In einem Gespräch von 1973 sagte er: «Vor ungefähr zehn Jahren entwickelte ich für meine eigenen Absichten das 'Konzept der andauernden Schöpfung'. Es war - zumindest für mich - eine Notwendigkeit, zu jeder Zeit schöpferisch zu sein; nicht von etwas beeinflusst zu sein, auch nicht von meinen vorhergehenden Ideen, immer geöffnet zu sein und in meiner Kunst so spontan, wie ich sein wollte.». Unter diesem Gesichtspunkt der «andauernden Schöpfung» ist es gleichwertig, ob etwas «gut gemacht», «schlecht gemacht» oder «nicht gemacht ist». Dieses «Prinzip der Äquivalenz» zieht sich ebenfalls durch viele Arbeiten, da er sie mit einem Stempel versah, der diese Aufschriften trug. Die einfachsten Dinge - wie zum Beispiel eine rote Wollsocke in einem Holzkästchen - wurden so zum Ausdruck seiner weitgespannten Ideen. Vom Einfachen ausgehend erreichte er das Universelle. Text ist auch unabhängiges Ausdrucksmittel Fillious. Die zahlreichen von ihm verfassten Texte erleichtern es, die poetischen Inhalte seiner Werke zu verstehen, unterstützen die Wirkung spielerischer Frische und den spontanen Charme seiner Arbeiten. Der Titel der in der Artothek im Bonner Kunstverein vorhandenen Arbeit Fillious «art is what makes life more interesting than art» findet sich in einem roten, wellenförmigen Schriftzug auf der Rückseite eines Briefumschlags, der seinerseits auf einen gelben Grund montiert ist. Aus ihm ragt ein blauer handschriftlicher Brief Fillious, der an einen «skywatcher» gerichtet ist. Im Text wird ein neues «project for skywriting» vorgestellt, mit der Aufforderung, sich an den Piloten Benjamin zu wenden, dessen Telefonnummer auf einem kleinen Notizkärtchen beigefügt ist. Die Datierung des Briefes, die Notiz der Telefonnummer und die zufällige Anordnung der kleinen Karte verweisen auf eine wirklich stattgefundene Kommunikation, auf den Alltag und dessen Begebenheiten auf künstlerischem Gebiet. Der Himmelschriftzug thematisiert ebenfalls diesen Zusammenhang zwischen Leben und Kunst; «art» ist eben nicht das gleiche wie «art»... Petra Harenbrock, 3/95 Ausstellungskatalog Städt. Museum. Abteiberg, Mönchengladbach 1969 |