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Alberto Giacometti und Eberhard W. Kornfeld

Sammlung ehrt den Sammler

Der Auktionator Eberhard W. Kornfeld ist ein grosser Sammler. Und ein diskreter. Als Hommage zu dessen 80. Geburtstag zeigt das Kunstmuseum Bern ab morgen Abend nun erstmals das Giacometti-Kapitel.

«EWK»:Diese drei Buchstaben bezeichnen bei wichtigen Ausstellungen wichtige Bilder. Sei's in Davos oder in Mailand: «EWK» lautet die schlichte Abkürzung für den Leihgeber, bei Kirchner-Ausstellungen etwa oder bei Giacometti-Ausstellungen. Drei Buchstaben, die für Qualität bürgen, drei Buchstaben, hinter denen sich niemand verstecken will.

Gesicht einer Sammlung

«EWK» genügt als Siegel der Qualität. Zudem liebt es der bekannte Berner Kunsthändler und -auktionator nicht, seine Kunstwerke einfach als Renommierstücke zu präsentieren - obwohl unzweifelhaft ist, dass es eine bedeutende, eine grosse Kollektion ist. Zu ihr gehört eine in sich geschlossene Giacometti-Sammlung, die nun ab morgen Abend im Kunstmuseum Bern zu sehen ist - Zeichen des Vertrauens, das Kornfeld in das Haus an der Hodlerstrasse hat. Das Kunstmuseum ehrt damit umgekehrt den Kunstkenner, den Förderer, Berater und Mäzen, der Ende dieses Monats 80 wird - was man kaum glaubt, wenn Kornfeld durch «seine» Ausstellung geht, da und dort etwas erklärend, vor allem aber erzählend, mit seinem Witz, mit seinem stupenden Gedächtnis.

Es ist, selbstverständlich, eine erlesene Sammlung. Sie erzählt viel über die Künstlerfamilie Giacometti, vor allem über Alberto -und viel darüber, wie Kornfeld sammelt: mit Sinn für Zusammenhänge und mit Sinn für Feinheiten, die sich etwa in der frühen Silberstiftzeichnung «Kopf von Greti» von Alberto Giacometti zeigen. Kommt noch etwas hinzu, was bei weitem nicht bei allen Kunstsammlern und -händlern der Fall ist: Viele der Künstler, die Kornfeld sammelte und sammelt, kennt er auf sehr persönliche, ja freundschaftliche Weise. Das war etwa bei Picasso der Fall und bei Sam Francis -und eben auch bei Alberto Giacometti und dessen Bruder Diego.

Geschichte der Kunst

All das verdichtet sich in der Ausstellung aufs Schönste. Eine persönliche Geschichte verbindet sich mit der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Um das zu verstehen, geht der Blick zurück in die 50er-Jahre. Er geht zurück in die Kunsthalle Bern, an die Herrengasse, nach Stampa und nach Paris. 1948 zeigte die Kunsthalle Bern in einer Gruppenausstellung erstmals Werke von Alberto Giacometti. Kornfeld, damals Volontär in der Kunsthandlung Klipstein, hatte eine kurze Begegnung mit dem Künstler: «Auf die Frage, ob ich seine Bedeutung schon voll erkannt habe, muss ich ehrlicherweise mit ‹Nein› antworten», sagt er heute im aufschlussreichen, der Kunst und dem Künstler nahen Katalog-Gespräch mit Kunstmuseumsdirektor Matthias Frehner.

Das sollte sich bald ändern. Ab 1952 besuchte Kornfeld Alberto Giacometti regelmässig in Paris, nach der grossen Giacometti-Retrospektive 1956, wiederum in der Kunsthalle, wurde aus der Bekanntschaft eine Freundschaft: Kornfeld gehörte zum kleinen Kreis von Leuten, die Giacometti akzeptierte, die den Künstler in seinem kargen Pariser Atelier besuchen durften - oder gar in Stampa, Giacomettis Mutter-Ort im Bergell.

Die Sammlung ist ein facettenreicher Spiegel dieser Beziehung. Fünf Mal porträtierte Giacometti Kornfeld, vier Zeichnungen sind in der «Hommage» präsent. Vier Mal Kornfeld, gezeichnet in der vibrierend suchenden, plastischen Handschrift des Künstlers. Und dann ein Skizzenbuch, in das Giacometti auf einem Blatt eine erstaunliche Bemerkung notierte: «Abandonné par ordre de Kornfeld. . . » Die Zeichnung entstand bei einem gemeinsamen Besuch in Burgdorf, und Kornfeld forderte den Zeichner auf, aufzuhören, damit er die Zeichnung nicht durch ständiges Korrigieren zum Kippen bringe.

So geht das in dieser beinahe intimen Kunstgeschichte weiter, mit Stillleben und Frauenporträts, mit markanten Skulpturen und Ölgemälden. Das ist ein ganzer Giacometti-Kosmos. Denn zu den aktuellen Werken, die Kornfeld in Paris regelmässig auswählte und kaufte, kamen auch Frühwerke hinzu, eine Kinderzeichnung etwa oder eben der feine «Kopf von Greti». Werke von Albertos Vater Giovanni ergänzen die Sammlung. Und Möbel, die Diego Giacometti speziell für Kornfelds Wohnungen an der Herrengasse oder im Rothaus in Bolligen entwarf und schuf, bezeugen die enge, ja alltägliche Verbundenheit zwischen Bern, Stampa und Paris.

Gesten der Nähe

Die letzten, eindrücklichen Fotografien, die es von Giacometti gibt, machte der Künstlerfotograf Kurt Blum in Bern an der Herrengasse 23. Auf Drängen Kornfelds hatte dieser der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Bern doch noch zugestimmt. Die Ehrung war Ende November 1965. Am Abend ein Essen bei Kornfeld. Giacometti, von einer Operation geschwächt, sitzt, wie immer rauchend, am Tisch, neben ihm Eberhard W. Kornfeld: Die Fotografie dokumentiert eine nachdenkliche Verbundenheit, die man in der «Hommage an Eberhard W. Kornfeld» zu spüren meint. Und diese wiederum gibt ganz augenfällig den drei Buchstaben EWK eine zweite, an sich längst bekannte Bedeutung: einfach wichtige Kunst.

Ausstellung: Kunstmuseum Bern, Hodlerstrasse 8-12. bis 14. Dezember. Di 10-21 Uhr, Mi bis So 10-17 Uhr. Führungen: 9. /16. September, 18. November und 9. Dezember, jeweils 19 Uhr; 9. November um 11 Uhr.

Berner Zeitung, Konrad Tobler 04.09.2003



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