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Kunst - Glossar
Johann Hauser
30.11.1926 Pressburg (Bratislava, Slowakische Republik) - 7.1.1996 Klosterneuburg (Niederösterreich)
Geb. 1926 in Bratislava, übersiedelte er schon in seiner frühen Jugend nach Österreich. Er war seit dem 17. Lebensjahr wegen einer psychischen Krankheit hospitalisiert und lebte seit 1981 im Haus der Künstler. Hauser verwendete von Anfang an stets nur Bleistift und Farbstifte. Sein Stil war gekennzeichnet durch einen klaren, prägnanten Strich. Er zeichnete immer zuerst die Konturen und füllte danach die Fläche mit Farbstiften aus. Dies geschah mit einer derartigen Intensität, dass die Bilder oft den Eindruck von Malereien erwecken. Hauser avancierte in wenigen Jahren zu einem Klassiker der Art Brut. Internationale Ausstellungen machten seine Werke weltweit bekannt, so dass Museen, wie etwa das Setagaya Museum in Tokyo, Werke von ihm ankauften. Auch die Collection de l'Art Brut besitzt eine grosse Sammlung. Hauser starb 69jährig im Jänner 1996.
Haus der Künstler Gugging
Johann Hauser (Galerie Peithner Lichtenfels Wien)
Johann Hauser (Wikipedia)
Leo Navratil: Art Brut und Psychiatrie
Neues Kunstzentrum in Gugging
Art Brut
Art brut im Historischen Lexikon
Collection de l'Art Brut Lausanne
Johann Hauser
Hauser wurde am 30. November 1926 in Bratislava in der heutigen Slowakei geboren. als Flüchlingskind kam er 1943 mit seiner Familie nach Österreich. Er besuchte die ersten zwei Klassen einer Sonderschule, erlernte aber nie das Schreiben, bis auf seinen Namen in Blockbuchstaben. 17jährig wurde er schliesslich wegen seiner psychischen Krankheit hospitalisiert und 1949 in die Niederösterreichische Landes-Nervenlinkik Maria Gugging, Klosterneuburg, aufgenommen. Da seine Mutter und seine beiden Halbschwestern keine Möglichkeit hatten, Johann Hauser ständig zu betreuen, blieb Gugging seine Heimat bis zu seinem Tod im Jahr 1996.
Selbst hätte Hauser sein künstlerisches Talent wohl nie erkannt, wenn nicht der damalige Leiter der Männerabteilung in Gugging Leo Navratil, als neue Therapie seine Patienten zu künstlerischer Beschäftigung angeregt hätte. Hauser begann sich nur langsam dem Medium anzuvertrauen, nahm zuerst Zeichnungen anderer Künstler-Patienten als Vorbild, malte sie nach, kopierte und veränderte sie, bis er schliesslich seine persönlichen Phantasien und Gefühle in die eigene Bildsprache transportierte. Hausers Arbeiten wurden 1965 erstmals veröffentlicht, ab 1979/1980 folgten regelmässig Einzelausstellungen, dazu kamen zahlreiche Beteiligungen an Ausstellungen über die Künstler von Gugging im In- und Ausland.
Navratil nannte die Arbeiten des manisch-depressiven Johann Hauser eine «zustandsgebunde Kunst». Eine Kunst, die also ganz von psychischen Zuständen abhängig ist, einerseits vom Überschwang und der Energie der manischen Periode gekennzeichnet ist, andererseits von einer totalen kreativen Abstinenz und Ideenleere während der depressiven Phase. Der Übergang zwischen den beiden Phasen erfolgt selten abrupt, vollzieht sich zumeist in graduellen Schüben, in denen sich Form und Farbgebung vereinfachen und bis zu äusserster Abstraktion führen. Bei gewissen Themen, wie Frauen, Flugzeugen und Panzern lassen sich diese Wechsel besonders deutlich nachvollziehen.
In Zeiten tiefster Depressionen engt sich die Motivwahl immer weiter ein, alles Komplizierte wird vermieden: einfache Formen wie Herz, Schlange, Kreuz oder nur ein Quadrat bleiben übrig. Johann Hausers Bilder werden immer irritieren, werden jeden, der sich auf sie einlässt, begeistern und wahrscheinlich schwer wieder loslassen. Die Bilder sind zutiefst persönliche Äusserungen des Künstlers, unreflektiert, unzensiert, sie sind der Spiegel der Seele.
Georg Peithner-Lichtenfels
Galerie Peithner Lichtenfels Wien
22.09. - 22.10.2001
Leo Navratil: Art Brut und Psychiatrie
Der Arzt, Psychologe und Anthropologe Leo Navratil gehört zu jenen herausragenden Gestalten der zeitgenössischen Psychiatrie, die sich in erster Linie wegen der Öffnung der engeren Fachgrenzen um ihre Disziplin verdient gemacht haben. Von 1946 bis 1986 war Navratil im Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, Klosterneuburg, als Arzt tätig. Seit 1959 leitete er die Abteilung. Doch Navratil ist weit mehr als ein Psychiater. Er ist der Entdecker und Förderer der sogenannten «Gugginger Künstler» und Initiator des «Hauses der Künstler», das 1981 im dortigen Krankenhaus eröffnet wurde. Die nicht nur in medizinischen, sondern auch in künstlerischen Fachkreisen rasch Aufsehen erregenden Veröffentlichungen Navratils zu «Schizophrenie und Kunst» (1965), «Schizophrenie und Sprache» (1966), zu den Themenkreisen Kunst, Psychose und Kreativität, zur Theorie der Kreativität oder zur Psychodynamik des Künstlers sind längst zu Klassikern geworden und haben bewiesen, dass Leo Navratils Lebenswerk weit über die Grenzen eines Begriffes wie Kunsttherapie hinaus verweist.
Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla sind die wohl prominentesten Gugginger Zeichner und Maler. Dazu kommen Schriftsteller wie Ernst Herbeck. Seit Mitte der sechziger Jahre sind die künstlerischen Arbeiten dieser Patienten nicht zuletzt aufgrund der Kommentierung und der Fürsorge von Leo Navratil einer immer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.
Leo Navratil entdeckte bei immer mehr Patienten ein oft tief verschüttetes künstlerisches Potential, dessen er sich annahm, das er förderte, indem er es zunächst zu Tage förderte. Allen gemeinsam sind Unmittelbarkeit und Ausdrucksstärke, mit denen sie jenseits aller Moden und Ansprüche des Kunstbetriebes aufgrund ihrer eigenen kreativen Möglichkeiten ihre künstlerische Form der Artikulation schufen.
Der vorliegende, mit Fotos der Künstler und ihrer Werke reich illustrierte Band fasst nicht nur das Lebenswerk des herausragenden Psychiaters Navratil, sondern auch das seiner Patienten in übersichtlicher, sorgfältig kommentierter, sogar die Rezeptionsgeschichte berücksichtigender und kunsttheoretisch untermauerter Art und Weise zusammen.
Somit hat das Buch weit mehr als nur dokumentarischen Wert. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis einer humanen Psychiatrie, die den Patienten nicht nur zu sich selbst kommen, sondern ihn auch mit sich selbst und anderen über das Medium des Kunstwerks in Kommunikation treten lässt.
Von Gerhard Köpf
Leo Navratil: Art Brut und Psychiatrie.
Christian Brandstätter Verlag, München 1999.
380 Seiten, 54,70 EUR.
ISBN 3854478763
Neues Kunstzentrum in Gugging
Das Haus der Künstler in Gugging bei Klosterneuburg, von Leo Navratil gegründet und seit 1986 von seinem Nachfolger, dem Psychiater und Bildhauer Johann Feilacher geleitet, zählt zu den international meist beachteten künstlerischen und sozialen Vorzeigeprojekten österreichischer Provenienz.
In Museen und Galerien von New York bis Tokio werden die Arbeiten von August Walla, Johann Hauser, Oswald Tschirtner oder Johann Fischer gezeigt, die Gugginger Künstler sind die wohl bedeutendsten Vertreter der Art Brut heute. Jetzt soll in Gugging das weltweit grösste Art-Brut-Zentrum entstehen.
Integrative Culture-Centrum
Geplant sind ein grosses Museum, ein Zentrum für Theater, Musik, Vorträge oder Kabarett, ein Restaurant und ein Museums-Shop. Mit einem Budget von 3,6 Millionen Euro finanziert vom Land Niederösterreich mit Unterstützung des Bundes wird hier in den kommenden Monaten das weltweit grösste Zentrum der Art brut errichtet, das Integrative Culture-Centrum.
Bereits fertig gestellt ist das Erdgeschoss mit Licht durchfluteten 1.000 Quadratmetern: mit einer Galerie, Arbeitsräumen, Ateliers für die Gugginger Künstler und dem so genannten «offenen Atelier», das Menschen mit Psychiatrieerfahrung kostenlos zur Verfügung steht. Die neue Galerie der Künstler aus Gugging und das neue «offene Atelier» werden am 30. Juni 2005 ihrer Bestimmung übergeben.
Öffnung nach aussen
Durch das neue Art-Brut-Zentrum möchte Gugging sich noch mehr der Öffentlichkeit zuwenden als bisher. Denn eine Öffnung nach aussen hat in Gugging bereits Tradition.
Hatte Leo Navratil die künstlerischen Begabungen seiner Patienten nie ohne Zusammenhang mit ihrer Neurose gesehen, so sind sie für seinen Nachfolger Johann Feilacher Künstlerprofis mit fixem Platz auf dem Kunstmarkt.
Kunst in Gugging
1970 fand die erste Ausstellung der Gugginger Künstler in einer Wiener Kunstgalerie statt, der weitere Präsentationen folgten. 1981 gründete Navratil das Zentrum für Kunst- und Psychotherapie. In dieses lud er die künstlerisch talentierten Patienten ein, und es diente ihnen als Wohnhaus, Atelier, Galerie und Kommunikationsraum. 1986 setzte Johann Feilacher das Engagement seines Vorgängers fort und prägte den Begriff «Haus der Künstler».
Viele Künstler aus Gugging sind international bekannt geworden, vor allem Johann Hauser, August Walla und Oswald Tschirtner. Zu den bereits verstorbenen bedeutenden Künstlern zählen neben Johann Hauser, Philipp Schöpke, Franz Kamlander und August Walla auch Rudolf Horacek, Fritz Koller und Josef Bachler
oe1.orf.at
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