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Berühmte Berner Künstlerinnen und Künstler Ferdinand Hodler Ferdinand Hodler: Landschaften Kunsthaus Zürich 5. März – 6. Juni 2004 Seit den sechziger Jahren gab es hierzulande keine Ausstellung, die sich mit dem Landschaftswerk des Gründervaters der modernen Schweizer Malerei befasste. Umso erstaunlicher, als die Landschaftsbilder derjenige Teil von Hodlers Schaffen sind, welcher eine bis heute ungebrochene und sich stets erneuernde Wertschätzung geniesst. Die Ausstellung Ferdinand Hodler. Landschaften ist eine Koproduktion des Kunsthauses mit dem Musée d'Art et d'Histoire in Genf und dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, das zur Zeit den Gesamtkatalog der Gemälde Ferdinand Hodlers erarbeitet. Sie umfasst rund siebzig Gemälde und sie zeichnet die Bedeutung nach, welche der Landschaftsdarstellung innerhalb der künstlerischen Entwicklung des grossen Schweizer Malers zukommt. Die Ausstellung in Zürich wird unterstützt von der Vontobel-Stiftung und der Baugarten Stiftung Zürich Landschaften als Anfang und Ende Im Kunsthaus Zürich beginnt eine Ausstellung mit 72 Landschaftsbildern von Ferdinand Hodler Ferdinand Hodler im Kunsthaus Zürich, das ist ein Ereignis, das es seit 40 Jahren nicht mehr gegeben hat. Ab heute sind im Bührle-Saal 72 Landschaftsbilder des wichtigsten Schweizer Malers um 1900 zu sehen. Mit dieser Werkschau geht das Kunsthaus kein Risiko ein: Die Hodlerschen Landschaften sind, im Gegensatz zum übrigen Oeuvre, weitgehend unbestritten. Zu Lebzeiten war Ferdinand Hodler ein weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannter und anerkannter Künstler. Dann setzten seine Allegorien und Historienbilder doch etwas Staub an, auch wenn der markige Holzfäller und die Frauengruppen mit anmutig gespreizten Händen immer noch zum festen Bestand des schweizerischen Kunstverständnisses gehören. Hodlers Landschaftsbilder bleiben auch bei konträren Bewertungen weitgehend unangetastet; sie behaupten sich als ein Residuum der Unbestreitbarkeit. Auch wenn der Kurator der Kunsthaus-Ausstellung, Tobia Bezzola, diese Beurteilung relativiert, wenn er recht pointiert anmerkt, es gebe nur fünf bis sechs wirkliche Landschaften von Hodler und damit auf die Schaffensphase nach 1900, die «Zeit der Reife», verweist. Bildchen für die Touristen Landschaften stehen ganz am Anfang von Hodlers Schaffen, und Landschaften zeigen auch seine allerletzten Bilder. Eines der ersten Werke in der nach zehn Themenkreisen gegliederten Ausstellung im grossen Bührle-Saal des Kunsthauses ist zwar eher ein Kuriosum: Das «Chalet in Hilterfingen» würde jedem Flohmarkt gut anstehen. Das anspruchslose Bild-chen entstand 1871, als der 1853 in Bern geborene Hodler nach Erfahrungen als Malergehilfe erste künstlerische Versuche in der Manufaktur für Souvenirbilder des in Thun wohnenden Vedutenmalers Ferdinand Sommer machte. Der dort gelernte schablonisierte Zugang zur Landschaftsmalerei bleibt für Hodler bestimmend. Trotz seinem offensichtlichen Hang zu elementaren geometrischen Formen, zur Symmetrie und Reihung erstarrt Hodlers Werk aber nie zum Schema. Er arbeitet durchwegs deduktiv und bleibt in der Wiedergabe eines Motivs weitgehend dem Naturvorbild treu. Akzentuiert werden Hodlers Landschaften durch die Mittel des Atmosphärischen - Lichtführung, Farbe, Nebel, Wolken - und durch den Verzicht auf nebensächliche Details. Thematische Gliederung Die Zürcher Ausstellung - eine CoProduktion mit dem Musée d'art et d'histoire in Genf und dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft - gliedert Hodlers Schaffen thematisch, von der Frühzeit bis zum Todesjahr 1918. Die anfänglich tonigen, weichen Farben der frühen «Paysages intimes» werden im Laufe der Jahre kräftig und klar. Für seine «Salève»-Ansichten verwendet er bereits die Komplementärfarben Gelb und Violett, Blau und Rot und lässt Vorder- und Hintergrund durch satte Tonwerte als gleichwertig erscheinen. Bäche und Steine Fast scheint es, als ob Hodler sich zuerst an Steinen und Steinbrocken versuchte, ehe er begann, Berge zu malen. Charakteristisch für die Bachlandschaften ist ihr zweidimensionales Erscheinungsbild und eine extreme Nahsicht. Es sind eher dekorativ angeordnete und durch schwarze Konturen akzentuierte Farbflächen als Ansichten von Bachlandschaften. Bäume, Gewässer und Steine sind bisweilen so ineinander verflochten, dass die Bewegtheit des Wassers und die Formen der Steine, Licht und Schatten zu einem Ganzen zusammenfliessen. Berge und Seen Berühmt wurde Hodlers Landschaftsmalerei vor allem durch seine Berge und Seen. Die fast porträthaften Ansichten berühmter Schweizer Gipfel, sehr deutlich nach einem pyramidalen Komposi-tionsschema angelegt, zeigen die Berge nicht als Panoramaansichten, sondern in Nahaufnahmen und in fast totaler Reduktion. Hier liegt das Faszinosum der Hodlerschen Landschaftsmalerei, die Ruhe, fast Meditation, die er nach dem immer gleichen Prinzip erreicht: Die Welt bildet sich dem Betrachter frontal dar, im Zentrum steht ein Baum, ein Berg, ein See. Schon kurz nach 1900 malt Hodler Seen, den Thunersee vor allem, aber auch die Engadiner Seenlandschaften, und arbeitet dabei mit dem Mittel der doppelachsigen Symmetrie - die horizonale Entsprechung der Berghänge und deren vertikale Spiegelung im Wasser. Weltschale und Himmelsdeckel Ein «Weltoval» nennt Bezzola die Genfersee-Ansichten aus den späten Jahren Ferdinand Hodlers. Die breit angelegten Seeflächen werden von einer Art «Weltschale und einem Himmelsdeckel» umschlossen. Sind bei den ersten Genferseebildern noch Details wie Häuser, Bäume zu erkennen, fallen diese in späteren Jahren weg - Hodler wird zunehmend abstrakter. An Stelle detaillierter Schilderungen treten monochrome Flächen, Schichtungen. Auch die Farbpalette verändert sich. Arbeitete Hodler zuerst noch mit dem Mittel der Farbe, um seine Landschaften zu öffnen - vor allem Blau evoziert Weite, räumliche Ausdehnung -, beschränkt er sich bald auf drei Grundtöne. Die Begrenzungen durch Horizontlinien verschwinden, Konturen verlieren ihre Funktion, See und Himmel verschmelzen, und der Blick wird immer weiter nach oben verlagert. Tod der Geliebten Der «Sonnenuntergang am Genfersee» markiert eine Wende im Schaffen Hodlers: Das Bild ist fast ganz aus der Farbe heraus gearbeitet, lebt von der horizontalen Schichtung und reduziert die irdische Sphäre auf eine marginale Uferlinie. Dieser Wandel gründet auf einer persönlichen Situation: 1915 stirbt seine Geliebte und Mutter der gemeinsamen zweijäh- rigen Tochter, Valentine Godé-Darel. «Die heutige Wertschätzung seiner Landschaften wäre für Hodler wohl befremdlich», meinte Tobia Bezzola anlässlich der Medienpräsentation der Ausstellung. Landschaftsmalerei sei für Hodler nebensächlich gewesen, eine Zwischenlösung, wenn keine Auftragsarbeiten - und das waren vor allem Historienbilder, Allegorien - anfielen. Und doch habe er in seine Landschaften all das gepackt, was er bei seinen Auftragswerken unterdrückt habe: Humor, Trauer, Melancholie - sein ganzes affektives Leben. Bernadette Reichlin Bis 6. Juni 2004. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10-21 Uhr, Freitag bis Sonntag 10-17 Uhr. Weitere Informationen unter www.kunsthaus.ch Ferdinand Hodler - Biographische Erinnerung Parallel zur Hodler-Ausstellung im Zürcher Kunsthaus erscheint dieser Tage das Buch «Ferdinand Hodler - Biographische Erinnerung». Die ausgezeichnete Sammlung von Zeitgenossenberichten rückt so manches Vorurteil zurecht. Frauenfeind und Weiberheld Ungehobelt und ungebildet soll er gewesen sein, stur, zickig, geizig, ein Weiberheld und Frauenfeind, heisst es immer wieder. Das ist alles nicht ganz falsch und nicht ganz richtig, belegen die Zeugnisse von 16 Künstlern, Autoren und sonstwie Zugewandten, die Beat Sterchi und Cornelia Luchsinger im von ihnen herausgegebenen Band zusammengetragen haben.Vor allem war er eigen - im Sinne von eigensinnig und schräg aber auch im Sinne von originell, innovativ und ganz sich selbst. Das illustrieren im Buch einfache Leute ebenso wie grosse Künstler, simple Anekdoten genau gleich wie elaborierte Werkstattberichte. Cuno Amiet etwa berichtet, wie Hodler, sich an einem Baum festhaltend, mit dem Rad drumherum fuhr. So lernte er einhändig fahren, um auch auf dem Velo Mundharmonika spielen zu können. Im selben Text lesen wir, wie Hodler einer vornehmen Gastgeberin nach der Bitte um eine Zeichnung das Gästebuch vor die Füsse schmiss mit dem Ausruf «Glauben Sie denn, die Kunst sei ein Kinderspiel!».Am aufschlussreichsten - persönlich wie fachlich - sind naturgemäss die Passagen aus der berühmten Hodler-Biografie von Carl Albert Loosli. Doch auch Trouvaillen wie das Zeugnis eines unbekannten «Luisli» sind sprechend: wie «unser Hölderli» «Helgli» an Papeterien verkaufte, wenn er nichts mehr hatte als sein Hemd. Korrektur am eignen Bild Vieles von der kraftvollen Wildheit, die seine Figuren eignen, wird auch dem Maler zugeschrieben: Wenn er nachträglich mit einem Bild nicht zufrieden war, griff er bei einem Besuch beim Sammler schon mal zu Pinsel und Schere, um ein verkauftes Werk zu überarbeiten.Von Hodlers kompromisslosem Verhalten gegenüber Frauen, die er begehrte, wusste die Malerin und Künstlergattin Charlotte Berend-Corinth zu erzählen: Nachdem die Verheiratete seine ehebrecherischen Avancen abgewehrt hatte, bat er sie allen Ernstes um ein Kind. «Kann ich die grosse schon nicht haben, hätt' ich wenigstens eine kleine Charlotte!» Irene Widmer, SFD Hrsg. Beat Sterchi und Cornelia Luchsinger, Ferdinand Hodler - Biographische Erinnerungen. Scheidegger/Spiess, Zürich 2004. 192 Seiten, 39 Franken. Erhältlich ab 15. März. |