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Kunst - Glossar Edward Hopper 22.7.1882 Nyack, N.Y. - 15.5.1967 Greenwich Village US-amerikanischer Maler; stellte isoliert stehende Gebäude und verloren wirkende Menschen mit harten Lichtkontrasten dar. www.wissen.de Edward Hopper Der am 22.7.1882 in Nyack im Staat New York geborene Edward Hopper zeigt schon früh künstlerische Begabung und besucht Kurse an einer New Yorker Schule für Gebrauchsgrafik, ehe er bis 1906 in der New York School of Art bei Robert Henri, Kenneth Hayes Miller und William Merrit Chase studiert. In den folgenden Jahren reist er drei Mal nach Europa und hält sich vorwiegend in Paris auf, wo er sich nicht mit den avantgardistischen Fauves oder Kubisten, sondern mit Manet und vor allem Degas beschäftigt, dessen Prinzip des willkürlichen, schnappschussartigen Bildausschnitts ihn nachhaltig beeindruckt. Zurück in New York, wo er nun für den Rest seines Lebens bleiben wird, arbeitet er zunächst als Illustrator und Grafiker für Werbefirmen. Dennoch wird er eingeladen, auf der berühmten Armory Show 1913 auszustellen. Er kann sich aber als Maler noch nicht etablieren und beschäftigt sich daher ab 1915 mit druckgrafischen Techniken. Seine Radierungen finden weite Verbreitung, und als 1920 der Whitney Studio Club seine erste Einzelausstellung zeigt, beginnt er als Künstler wahrgenommen zu werden. Ab 1924 lebt er ausschliesslich von der Malerei und heiratet im gleichen Jahr seine Kollegin Josephine Nivison, genannt Jo, mit der er ein Haus in Truro an der Atlantikküste baut, wo sie fortan jeden Sommer verbringen. Im Jahr darauf entsteht das Bild Haus an der Eisenbahn. Es zeigt ein herrschaftliches Anwesen im Stil des zweiten amerikanischen Empire mit Türmchen und Mansardendächern und einer von antikisierenden Säulen getragenen Vorhalle. Völlig allein in der Landschaft steht es leicht schräg zu den horizontal das Bild durchschneidenden Bahngleisen im Vordergrund. Als Betrachter unterhalb dieses Bahndamms sieht man in leichter Untersicht auf das in dieser Perspektive gegen den Morgenhimmel aufragende Gebäude. Die schräg von hinten einfallende Sonne spiegelt sich in einigen Fenstern, während die repräsentative Fassade mit der Vorhalle im Schatten des Gegenlichts liegt. Bis auf die rot blitzenden Kamine und den dunkelbraunen Grund der Eisenbahntrasse ist dieses Bild eine subtile Studie in Grau- und Blautönen. Die völlig lapidare Ansicht lässt dennoch keinen Betrachter unberührt. Es ist das erste Gemälde Hoppers, das in die Sammlung des Museum of Modern Art aufgenommen wird. Es hat sicherlich das kollektive Bildgedächtnis des 20. Jahrhunderts, zumindest in der westlichen Welt, geprägt. Wie die Biografin des Künstlers, Gail Levin, 1995 bemerkt «... gibt [es] keine bildnerische Kraft die uns «amerikanischer» vorkommt als die Hoppers». Und kein Land hat das vergangene Jahrhundert stärker geprägt als die USA. Hopper setzt der zur Abstraktion aufgebrochenen Kunst mit seinen Bildern eine Alternative entgegen. Die Hoffnung der Moderne auf die ständige Erneuerung lehnt er mit seinem Verharren in der Gegenständlichkeit offen ab. Er findet mit seinem Realismus jedoch einen Weg, die neuen Erfahrungen und Gefühle, mit denen die Menschheit angesichts der technischen Errungenschaften konfrontiert ist, in eine adäquate Bildwelt zu übertragen. So steht sein einsames Haus sicher nicht zufällig an den Gleisen einer Bahnlinie, steht doch die unaufhaltsame Kraft der Lokomotive in den Vereinigten Staaten für die Eroberung des Westens und somit für den Fortschritt durch Technik schlechthin. Hopper zeigt in seinen Bildern nicht die Eisenbahn, sondern gleichsam den Blick des Reisenden, des modernen Menschen aus dem Zug heraus, und so tauchen immer wieder Gleise in seinen Landschaftsbildern auf. Der Künstler erzählt 1960 in einem Interview, dass er immer gern gereist sei, um sich im Zug den Städten zu nähern: «... es fällt mir schwer zu beschreiben, welche Gefühle das auslöst, aber sie sind rein menschlich und haben nichts mit ästhetischem Empfinden zu tun. Man spürt ein wenig Angst oder Anspannung und zugleich ein grosses visuelles Interesse an dem, was man sieht...» Hopper gelingt es, solch eine unbestimmte, ambivalente Anspannung und das höchst subjektive Gefühl von etwas Unheimlichen zu visualisieren. Der Regisseur Alfred Hitchcock bediente sich des Bildes, um den Ort des Geschehens in seinem Thriller «Psycho» zu lokalisieren. 1933 veranstaltet das Museum of Modern Art eine erste Retrospektive Hoppers, der in den folgenden Jahren viele weitere in New York und anderen amerikanischen Städten folgen. 1952 vertritt er mit drei weiteren Künstlern die Vereinigten Staaten auf der Biennale in Venedig und wird fast jedes Jahr mit neuen Preisen und Ehrungen gewürdigt. Edward Hopper stirbt am 15.5.1967 in seinem Atelier in New York. Lit.: Gail Levin, Edward Hopper. A Catalogue Raisonné, 4 Bde., New York, London 1995 Christiane Lange Der kühle Blick. Realismus der Zwanzigerjahre in Europa und Amerika Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung Münschen vom 1.6. - 2.9.2001 Prestel Verlag - ISBN 3-7913-2513-2 Biografie 1882 22. Juli, Edward Hopper in Nyack, New York, geboren, als Sohn von Garrett Henry Hopper und Elizabeth Griffiths Smith Hopper. 1888-99 Besuch der Privatschule am Ort; Reifeprüfung an der Highschool in Nyack. Als Knabe baut er sich ein kleines Segelboot; das Holz dazu hatte ihm der Vater gegeben. 1899-1900 Studiert Illustration an der Correspondence School of Illustrating, einer Schule für Gebrauchsgraphik in New York City, 114 West Thirty-Fourth Street. 1900-06 Studiert Illustration an der New York School of Art bei Arthur Keller und Frank Vincent DuMond, dann Malerei bei Robert Henri, William Merritt Chase und Kenneth Hayes Miller. 1906 Arbeitet als Illustrator für C. C. Phillips & Company in New York, 24 East Twenty-Second Street. Oktober: Lebt in der Rue de Lille 48 in Paris in einem Haus, das der Eglise Evangélique Baptiste gehört. Weiterhin Freundschaft mit Patrick Henry Bruce. 1907 27. Juni: Verlässt Paris, um nach London zu reisen, wo er die National Gallery, die Wallace Collection und Westminster Abbey besucht. 19. Juli: Bricht von London nach Holland auf. Besucht Amsterdam und Haarlem, wo Robert Henri einen Sommerkurs für amerikanische Studenten leitet. Ankunft in Berlin am 26. Juli. 1. August: Ankunft in Brüssel. Zwei Tage später Rückkehr nach Paris. 21. August: Schifft sich nach New York ein. Arbeitet als Gebrauchsgraphiker in New York. 1909 über Cherbourg nach Paris, wo er am 18. März eintrifft. Mai: Malt häufig im Freien an der Seine. Besuch in Fontainebleau. Juni: Ausflug nach Saint-Germain-en-Laye. 31. Juli: Reist per Schiff mit der Holland-Amerika-Linie nach New York, wo er am 9. August ankommt. 1910 Mai: Rückkehr nach Paris. 26. Mai: Aufbruch von Paris nach Madrid. In Spanien besucht er Toledo und einen Stierkampf. Rückkehr nach Paris am 11. Juni. 1. Juli: Einschiffung nach New York. Richtet sein Atelier in New York, 53 East Fifty-Ninth Street ein. Beginnt seinen Lebensunterhalt mit Gebrauchsgraphik und Illustrationen zu verdienen. Malt in seiner Freizeit und während des Sommers. 1912 Sommer in Gloucester, Massachusetts, wo er mit Leon Kroll malt. 1913 Tod des Vaters. 15. Februar bis 15. März: Ausstellung eines Ölbildes in der «Armory Show» in New York; es bringt 250 Dollar; es ist sein erstes verkauftes Bild. Dezember: Zieht am Washington Square North Nr. 3 in New York ein, wo er bis zu seinem Tod lebt. 1914 Sommer in Ogunquit, Maine. 1915 Beginnt zu radieren. Zweiter Sommer in Ogunquit, Maine. 1916-19 Sommer auf Monhegan Island, Maine. 1918 Oktober: Hoppers Plakat Smash the Hun (Vernichtet die Hunnen) gewinnt den ersten Preis in dem USA-Wettbewerb «Citizen's class», veranstaltet von der National Service Section of the United States Shipping Board Emergency Fleet Corporation. 1923 Besucht die Abendzeichenklasse des Whitney Studio Club und macht zahlreiche Zeichnungen nach lebendem Modell. Sommer in Gloucester, Massachusetts. Macht seine letzte Radierung. Beginnt regelmässig zu aquarellieren. 7. Dezember: Verkauft The Mansard Roof (Das Mansarddach) für 100 Dollar an das Brooklyn Museum. 1924 Heirat am 9. Juli mit Josephine Verstille Nivison in der Eglise Evangélique in New York, West Sixteenth Street. Guy Pène du Bois ist Trauzeuge bei der Hochzeit. Sommer in Gloucester, Massachusetts. 1925 Aufenthalt von Juni bis Ende September in James Mountain, Colorado, und Santa Fe, New Mexico. 1926 Reise per Eisenbahn nach Eastport, Maine, wo er sich sieben Wochen aufhält, später weiter nach Gloucester, Massachusetts. 1927 Kauf eines Autos. Sommer in Two Lights, Cape Elizabeth, Maine. Besucht in Two Lights Mrs. Summer und auf der Rückreise Mrs. Catherine Budd in Charlestown, New Hampshire. Exkursion über den Connecticut River nach Vermont. 1928 20. Januar: Letzte Druckgraphik, eine Kaltnadelradierung, Portrait of Jo. Sommer in Gloucester, Massachusetts. Ausflug nach Ogunquit, Maine, um Annette und Clarence K. Chatterton am Vassar-College zu besuchen. Reise durch New Hampshire und Vermont, bevor er nach New York zurückkehrt. 1929 1. April bis 11. Mai: Reise nach Charleston, South Carolina. Sommer: Besuch in Topsfield, Massachusetts, wo Mr. und Mrs. Samuel A. Tucker wohnen. Zweiter Aufenthalt in Two Lights, Cape Elizabeth, Maine. Ausflüge nach Essex und Pemaquid Point. 1930 Besuch bei Grace und Edward Root am Hampton-College in Clinton, New York, bevor er nach South Truro, Massachusetts, auf Cape Cod geht. Mietet A. B. Cobbs Haus auf einem Hügel, «Bird Cage Cottage» («Vogelkäfig-Hütte»). 1931-32 Sommer im «Bird Cage Cottage» in South Truro, Massachusetts. 1932 März: Wahl zum ausserordentlichen Mitglied der National Academy of Design, die er zurückweist, da die Akademie in den vergangenen Jahren seine Gemälde abgelehnt hatte. Erweitert sein Atelier am Washington Square North Nr. 3 in New York. 1933 Besucht Murray Bay in der Provinz Quebec, Kanada; geht dann nach Ogunquit und Two Lights, Maine, anschliessend nach Boston. Rückkehr nach South Truro, Massachusetts, in das Haus «Bird Cage Cottage». 1. Oktober: Erwirbt Land in South Truro und kehrt im selben Monat nach New York zurück. 1934 Geht Anfang Mai nach South Truro, Massachusetts. Wohnt im Haus Jenness, während er in South Truro ein Atelierhaus baut. Verbringt in diesem Atelierhaus mit Jo die Zeit bis Ende November und fast jeden der folgenden Sommer. 1935 März: Tod der Mutter. Ausflug von South Truro nach East Montpelier, Vermont. 1936 Besucht Plainfield, Vermont. 1937 September: Besucht South Royalton (White River Volley), Vermont. 1938 September: Besucht South Royalton während eines Hurrikans. Bleibt in South Truro, Massachusetts, bis Ende November. Erwirbt ein Atelier für Jo am Washington Square North Nr. 3, nach hinten gelegen. 1939 Frühe Rückkehr nach New York nach dem Sommer in South Truro, um nach Pittsburgh, Pennsylvania, zu reisen, wo er in der Jury am Carnegie Institute mitwirkt. In diesem und dem nächsten Jahr entstehen keine Aquarelle. Statt dessen malt Hopper Ölbilder in seinem Atelier in South Truro. 1940 Reist von South Truro nach New York, um sich für die Wahl einzutragen. Verlässt Cape Cod frühzeitig, um in New York für Wendell Willkie zu stimmen, der gegen Franklin Roosevelt antritt. 1941 Im Frühjahr nach Albany, um an einer Ausstellungsjury teilzunehmen. Im Sommer (von Mai bis Ende Juli) Reise nach Colorado und Utah. Mit dem Auto durch die Wüste von Nevada an die Pazifik-Küste und nach Norden durch Kalifornien bis Oregon. Rückreise über Wyoming und Yellowstone Park. Rückkehr in sein Haus in South Truro im späten August. 1943 Im März Reise nach Washington, um bei der Jury der Corcoran Gallery mitzuwirken. Im Sommer erste Reise nach Mexiko mit dem Zug. Besucht Mexico City, Saltillo und Monterrey und kehrt Anfang Oktober nach Hause zurück. Malt vier Aquarelle vom Dach des Guarhado-Hauses in Saltillo und zwei vom Fenster des Monterrey-Hotels aus. 1944 Sommer in South Truro. Fährt nach Boston und Hyannis, um das Auto reparieren zu lassen. 1945 Wird im Mai zum Mitglied des National Institute of Arts and Letters gewählt. 1946 Fährt im Mai mit dem Auto nach Saltillo, Mexiko, und malt vier Aquarelle. Im Juli im Grand Tetons National Park; von August bis Ende November in South Truro. 1947 Im November Reise nach Indianapolis, um bei der Jury für die Ausstellung von Künstlern aus Indiana mitzuwirken 1951 Bricht am 28. Mai zu seiner dritten Reise nach Mexiko auf über Chattanooga, Tennessee. Hält sich einenMonat in Saltillo auf. Auf der Rückreise kurzer Aufenthalt in Santa Fe, New Mexico. Bleibt in South Truro bis November. 1952 Von der American Federation of Arts als einer der vier Künstler ausgewählt, die die Vereinigten Staaten auf der Biennale in Venedig vertreten. Sommer in South Truro. Geht im Dezember nach Mexiko. Bleibt acht Tage in El Paso, Texas. Besucht Posada de la Presa Guanajuato und verbringt einen Monat in Mitla, Oaxaca. Besucht Puebla und kehrt über Laredo nach Hause zurück. 1953 Am 1. März Rückkehr nach New York aus Mexiko, wo er zwei Aquarelle malte. Zusammen mit Raphael Soyer und anderen gegenständlichen Malern Redaktionsmitglied bei der Zeitschrift «Reality». Sommer in South Truro. Besucht am 15. September Gloucester und reist nach Charlestown, New Hampshire, um Mrs. William Proctor zu besuchen. 1955 Vom 31. März bis 1. Mai in Mexiko. Sommer und Herbst in South Truro. 1956 Verleihung einer Fellowship der Huntington Hartford Foundation. Ankunft am 9. Dezember bei der Huntington Hartford Foundation, Pacifie Palisades, California. 1957 Verlässt am 6. Juni die Huntington Hartford Foundation. Vom 22. Juli bis Ende Oktober in South Truro. 1959 Am 15. Juli Aufbruch nach South Truro für den Sommer. Im Oktober Reise nach Manchester, New Hampshire, um im November eine Exklusivausstellung an der Currier Gallery of Art zu eröffnen. Dezember: Die Ausstellung der Currier Gallery wird in der School of Design von Rhode Island gezeigt. Besucht als Gast von Mr. und Mrs. Malcolm Chace Providence, Rhode Island. 1960 Im Frühling Treffen mit jener Gruppe von Künstlern, die die Zeitschrift «Reality» herausgegeben hatte, im Hause John Kochs, um gegen die dominierende Stellung der abstrakten Kunst am Whitney Museum und dem Museum of Modern Art in New York zu protestieren. 1964 Mai: Wegen Krankheit unfähig zu malen. 1965 Am 16. Juli Tod der Schwester Marion in Nyack, New York. Vollendet das letzte Gemälde, Two Comedians (Zwei Komödianten). 1967 Hopper stirbt am 15. Mai in seinem Atelier am Washington Square North Nr. 3. Gail Levin Edward Hopper Südwest Verlag München ISBN 3-517-00901-6 |