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Berühmte Berner Künstlerinnen und Künstler

Rolf Iseli

22.1.1934 Bern

1950 bis 1954 Lithographenlehre und Besuch der Kunstgewerbeschule in Bern. 1955 Aufenthalt in Paris, 1962 in New York, Reisen 1967 nach Moskau, 1976 nach China. Lebt in Bern und St. Romain im Burgund. Wird als informeller und Farbfeld-Maler bekannt, letzte Ölgemälde 1966. Beginnt 1965 zu lithographieren, erste Kupferstiche. 1967 farbige Holzreliefs und hölzerne Farbkörper. 1969 Gusseisen-Objekte. Ab 1971 Materialmalerei mit Sand, Erde, Binsen, Nägeln. Seit 1975 grossformatige Druckgraphik: Kaltnadelarbeiten, Lithographien und Kombinationen beider.



  • Rolf Iseli
  • Rolf Iseli (Wikipedia)
  • Rolf Iseli (SIKART)



    Rolf Iseli

    Die künstlerische Laufbahn Rolf Iselis (1934) hatte in den Jahren 1950 bis 1954 mit dem Besuch der Kunstgewerbeschule und mit einer Lehre als Farblithograph in Bern begonnen. Das Handwerk war ihm also vertraut, als der Künstler fünfzehn Jahre später, 1965, wieder zu lithographieren begann. Inzwischen war er als Maler bekannt geworden. Sein Stil war zuerst ein gestisch offenes, dann aber beruhigtes, fast monochromes Informel. Dabei war das Wesentliche zuletzt nicht mehr der Duktus beim Farbauftrag gewesen, sondern wie Farbe Raum formen kann, und zwar frei von jeder anekdotischen Erinnerung und ohne Zuhilfenahme illusionistischer Mittel. Mitte der sechziger Jahre hat Iseli die Malerei auf Leinwand aufgegeben. Als Bildträger dient ihm seither Papier, er hält es für den lebendigeren Malgrund.

    Funktionen der Farbe als Materie oder als Gestaltungsmittel von Volumen nachzugehen blieb auch noch die Triebfeder für den Lithographen. Mit dem Lithostein steht dem Künstler eine Bildfläche zur Verfügung, auf der er mit geeigneten Stiften und Tuschen zeichnen und malen kann, wie er es auf dem Papier gewohnt ist. Aber erst eine längere Bearbeitung bereitet die Matrize für einen reichen und unverwechselbaren Druck vor. Rolf Iseli präpariert einen Stein nicht nur aus seiner Kenntnis der herkömmlichen Möglichkeiten dafür. Er geht, und das macht seine Stärke aus, während des Arbeitsvorgangs auf unvorhergesehene Konditionen auf unvorhersehbare Art und Weise ein. Manchmal kann ein solcher Zufall die ursprüngliche künstlerische Vorstellung in eine andere Richtung lenken; das gehört zum Abenteuer auf den Etappen zum Werkziel. Die Zwischenschritte werden in Zustandsdrucken verfolgt. Damit schafft sich Iseli ein Bildinventar, das er modifizieren kann oder das, wie er sagt, eben auch umgekehrt seine künstlerischen Absichten modifizieren kann. Da die Farbe die Hauptrolle innehat, zeigen sich derartige Richtungsänderungen oft in einer Reihe von Farbvarianten zu einem Motiv.

    Der Lithostein druckt vielerlei Zwischentöne aufs Papier, vom scharfen Umriss zur verwischten Flächentönung. In so feiner Abstimmung ermöglicht dies keine andere druckgraphische Technik. Manchmal unterscheidet man in einer einzigen Komposition dichte und poröse Flächen und Striche von Pinsel und Kreide, Ätztropfen, Schabspuren vom Bimsstein, von der Stahlbürste oder gar Kratzer von einem spitzen Werkzeug. Solcherart durchgearbeitete Flächen bieten selbst im einfarbigen Druck nuancenreiche Qualitäten, und die die Frage von Opazität und Transparenz oder die der Räumlichkeit der Farbgebung wird so je unterschiedlich beantwortet.

    Rolf Iselis erste Lithographien aus den Jahren 1965 und 1966 nimmt man in diesem Sinn als Farbräume wahr, so vertieft und intensiv tritt das Blau, das er damals bevorzugt einsetzte, in Erscheinung - zum Beispiel in Polure Blau. Ganze Partien sind mehrmals überdruckt, entweder mit verschiedenen Tönen derselben Farbe oder, seltener, mit verschiedenen Farben. In grundsätzlichem Unterschied zum einfarbigen Druck betrifft Mehrfarbigkeit nicht nur den technischen, sondern auch den schöpferischen Prozess. Denn Mehrfarbigkeit erfordert nacheinander verschiedene Abdrucke von mehreren Steinen - für jede Farbe einen - auf dasselbe, mehrmals durch die Presse geführte Blatt. Dies verlangt neben strengem Handwerk ein aussergewöhnliches Vorstellungsvermögen. Um das anspruchsvolle Geschäft des Druckens nicht zur Routine werden zu lassen, sind die Auflagen niedrig, auch wenn gerade die Lithographie eine grössere Anzahl gleichwertiger Abzüge erlaubte. Gedruckt hat Iseli gelegentlich auf einer eigenen Handpresse, arbeitet aber in der Regel im Atelier eines Steindruckers mit einem Fachmann des Gewerbes zusammen. So einen zu finden war in den sechziger Jahren nicht leicht. Im Gefolge des technischen Fortschritts waren die meisten traditionellen Steindrukkereien aufs Offset-Verfahren umgerüstet worden. Grosse Lithosteine waren rar geworden. Wohl war, was in der Schweiz nach dem zweiten Weltkrieg im allgemeinen als Künstlergraphik galt, von der Farblithographie dominiert. Doch bot sie nichts anderes als Malerei-Ersatz und fristete ein Dasein als Wandschmuck im Wechselrahmen. Die Betrachtung an der Wand forderten wohl auch Iselis Drucke nach Format und Form von Anfang an; nur ist hier die Lithographie vom Reproduktionsmittel wieder zur Kunst erhoben worden.

    War der Bildraum zuerst durch die ungebundene Präsenz von Farbe geformt, so sind es später Objekte, in denen die Farbe sich konzentriert, um Körperlichkeit und Gewicht auszudrücken. Nach und nach erfüllen ihre Formen das Format von Rand zu Rand und drängen noch darüber hinaus. Die Malstruktur tritt noch weiter zurück, dafür gewinnt die Kontur, die die Fläche begrenzt, an Bedeutung. Ab 1967 hatte Iseli nach einer Schreinerlehre und einem Metallgiesserkurs damit begonnen, farbig bemalte Holzreliefs und vollplastische Objekte sowie gusseiserne Freiplastiken herzustellen: Zopfbrote, monumentale Fünfer und Wäscheklammern. Dieselben Objekte und Dinge des Alltags sind auch in den Lithographien dieser Jahre dargestellt. Die Kunstform tritt grundsätzlich in Konkurrenz zur Naturform.

    Bildgegenstand von sechs 1968 in der StockhornMappe versammelten farbenprächtigen Variationen ist das Berner Stockhorn. Eröffnet wird die Blattfolge mit einer Exposition des Motivs. Allein die Farben, ein schweres Rot und ein leichtes Blau, unterscheiden die Elemente und das Gewichtsverhältnis von Erde und Luft. Plan ragt die Silhouette des Berges in den Himmel ohne atmosphärische Illusion. Wenig später nahm die Erde, der Boden, in Iselis Kunst eine chtonisch-eigene Gestalt an. Die Bestellung seines Weingartens im burgundischen Saint Romain seit 1971 brachte dem Künstler die Erfahrung von Naturnähe, die ihn zu einer ganz neuen Thematik leitete, unter anderem zu Erdbildern.

    Grosser Kuchen (1971) ist eine Köstlichkeit aus jener Zeit, von delikater Farbmischung und besonders reich an graphischen Feinheiten. Wir servieren ihn gleichsam als Dessert. Denn das Blatt beendet eine Arbeitsphase Iselis und eröffnet zugleich die neue Wendung von Saint Romain. Diese Druckgraphik variiert nämlich eine Materialmalerei aus Quarzsand und Erde. Der Sand erinnert an die vergangene Arbeit in der Giesserei, die Erde weist auf die neu aufgenommene im Weinberg.

    Literatur
    Iseli 1975: Rolf Iseli 1975. CEuvre gravé. Das druckgraphische Werk. Cabinet des estampes Genf, Kunstmuseum Bern
    1975-Rolf Iseli. Ausstellungskatalog Kunsthaus Zürich 1978-Rolf Iseli. Ausstellungskatalog Musée cantonal des beaux-arts Lausanne 1990

    Quelle: Gegendruck - Graphische Sammlung der ETH Zürich

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