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Kunst - Glossar

Alexej von Jawlensky

13.3.1864 Torschok - 15.3.1941 Wiesbaden

Russischer Maler und Grafiker; anfänglich von P. Cézanne, V. van Gogh und später von H. Matisse beeinflusst, entwickelte Jawlensky durch eine kräftige Farbgebung und gewollt primitive Zeichnung eine expressive Variante des Fauvismus; gehörte zum Kreis des Blauen Reiters. Nach dem 1. Weltkrieg folgte er religiösen Inspirationen.

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  • Alexej von Jawlensky
  • Alexej von Jawlensky (Wikipedia)
  • Der Blaue Reiter



    Alexej von Jawlensky

    Jawlensky, als Sohn eines russischen Obersten geboren, war wie selbstverständlich für eine militärische Laufbahn bestimmt. 1877 trat er in die Moskauer Kadettenschule ein und bezog 1882 die Alexander-Militärschule. 1884 wurde er Leutnant in einem Moskauer Infanterieregiment. Er verkehrte mit Malern und begann in der Tretjakoff-Galerie zu kopieren. 1887 bewarb er sich um Aufnahme in die Akademie in St. Petersburg. Da er aus wirtschaftlichen Gründen den Dienst nicht quittieren konnte, musste er sich nach St. Petersburg versetzen lassen, was 1889 gelang.

    1890 begegnete er dem damals bedeutendsten russischen Maler Ilja Repin, der ihn mit Marianne von Werefkin zusammenführte, die Privatschülerin Repins und als Malerin bereits bekannt war. 1896 nahm Jawlensky im Range eines Hauptmanns den Abschied und übersiedelte mit Werefkin nach München. Sie besuchten die Azbe-Schule, wo sie Kandinsky begegneten. Für Jawlensky war bald klar, dass allein die Farbe das ihm gemässe Ausdrucksmittel war, mit dem er harmonische Wirkungen zu erzielen trachtete.

    1903 reiste er in die Normandie und nach Paris und beteiligte sich an den Ausstellungen der Münchner und der Berliner Sezessionen. Für die Arbeit mit dem Mittel der bewegten Farbe wurde ihm van Gogh vorbildlich, und er erwarb 1904 ein Bild des Holländers. 1905 malte Jawlensky in der Bretagne starkfarbige, grob pointillistische Bilder, die er im selben Jahr zusammen mit den Fauves im Salon d'Automne zeigte.

    Es war ihm bewusst, dass die Farbe nicht zur Darstellung eines Gegenstandes zu dienen habe, sondern der Gegenstand der Anlass für farbige Gefüge zu sein habe, in denen sich die Empfindungen des Malers und die «Seele der Dinge» offenbaren. Die Farben mussten sich zu einer von Dissonanzen durchzogenen Harmonie Verbinden, um «die Dinge wiederzugeben, die da sind ohne zu sein» (Jawlensky). Diese Überzeugung entsprach genau dem Wollen der Fauves, von dem Jawlensky durch die Begegnung mit Matisse Kenntnis hatte.

    1906 stellte Jawlensky erneut im Salon d'Automne aus und kam 1907 wieder nach Paris, um im Atelier von Matisse zu arbeiten. In München wurde im selben Jahr die Freundschaft mit Kandinsky erneuert. Im Sommer 1908 ging man gemeinsam zum Malen nach Murnau. In diesem Sommer gewann Jawlensky aus der Strenge der Komposition seine grosszügigen Landschaften. Leuchtende Farbmassen, dunkel konturiert, bilden ein streng flächiges Gefüge. Diese Bilder sind raumlos und ohne Anekdote, wie es auch die gleichzeitigen Stilleben sind. Die Motive sind beliebig austauschbar, haben für sich kaum noch Bedeutung. Die Form entstand aus der Synthese von Eindrücken der äusseren Welt mit den Erlebnissen der inneren Welt des Malers.

    Bei den Bildnissen brauchte Jawlensky etwas mehr Zeit. Aber ab 1911 gelang ihm auch im Figurenbild die Vereinfachung des Gegenständlichen. Die Darstellung konzentrierte sich im Bildausschnitt mehr und mehr auf den Kopf, in dem die Augen zum beherrschenden Motiv wurden. So wurde die Form monumentalisiert und zum Zeichenhaften getrieben.

    1909 gehörte Jawlensky zu den Mitbegründern der Neuen Künstlervereinigung München, deren Mitglied er auch nach dem Austritt von Kandinsky und Marc blieb. Deswegen war er nicht an den Ausstellungen des «Blauen Reiter» in München beteiligt, was jedoch weder menschlich noch künstlerisch einen Bruch bedeutete. Ab 1912 stellten sie wieder gemeinsam aus.

    Jawlensky reiste 1911 zum letzten Male nach Paris und traf mit Matisse und van Dongen zusammen. Den Sommer dieses Jahres hatte er in Prerow an der Ostseee verbracht, wo gleichzeitig Heckel malte. Hier entstanden Landschaftsbilder aus einer inneren Ekstase heraus, die im Ausdruck den Arbeiten Noldes vergleichbar sind, wie Jawlensky selbst empfand. Eine weitere Steigerung der «sinnlichen Malerei» war Jawlensky nicht möglich.

    1914 musste er Deutschland verlassen und übersiedelte nach St. Prex am Genfer See. Hier meditierte er fortan in kleinen Formaten und in zahllosen Variationen über ein Landschaftsmotiv und das menschliche Gesicht und formte darin einen ruhigen Ausdruck von Religiosität und Verinnerlichung.

    C. Weiler: «Alexej von Jawlensky», Köln, Verlag Dumont Schauberg, 1959.

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