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Kunst - Glossar

Henri Matisse

31.12.1869 Le Cateau-Cambrésis - 3.11.1954 Nizza

Französischer Maler, Grafiker und Bildhauer, ; Schüler von G. Moreau, zunächst beeinflusst von den Impressionisten und P. Cézanne; seit 1905 geistiges Haupt der «Fauves». In seinem fast ausschliesslich vom Leuchtwert der Farbe her konzipierten Bildaufbau in harmonisch abgestimmten Flächen gelangte Matisse zu fortschreitender dekorativer Formvereinfachung, die im Spätwerk zunehmend linearen Charakter annahm. Das Gesamtwerk von Matisse (Landschaften, Stillleben, Akte, figürliche Szenen, Bühnendekorationen) verkörpert die auf Ausgewogenheit und heitere Wirklichkeitsdeutung gerichtete Komponente des Fauvismus.

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  • Henri Matisse
  • Henri Matisse (Wikipedia)
  • Henri Matisse - Biographische Angaben
  • Henri Matisse in Tanger
  • Expressionismus



    Henri Matisse

    Matisse hatte wie Kandinsky zunächst Jurisprudenz studiert, ehe er durch einen Zufall zur Malerei kam. 1891 ging er nach Paris an die Academie Julian, wo die Vorbereitungskurse für die Ecole des Beaux-Arts gehalten wurden. Daneben besuchte Matisse die Abendkurse der Kunstgewerbeschule. Dort begegnete er Albert Marquet, mit dem ihn von nun an eine lebenslange Freundschaft verband. 1895 wurde Gustave Moreau auf Matisse aufmerksam und nahm ihn als Schüler an.

    Im Atelier Moreaus fanden sich zahlreiche Talente zusammen, so Rouault, Camoin, Manguin und später auch Marquet. Der Unterricht Moreaus zielte weniger auf das Handwerkliche, sondern mehr auf die Schulung des Auges. Die Schüler wurden angehalten, im Louvre zu kopieren und auf den Strassen und in den Cafés zu zeichnen. Bis 1899 blieb Matisse dort und gewann schnell die Führungsrolle unter den Kameraden. 1896 war Matisse in den Bannkreis des Impressionismus geraten und auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Farbe aufmerksam geworden, bestärkt durch Begegnungen mit Pissaro und dem Werk Turners in London. 1898 malte Matisse mehrere Monate auf Korsika, wo die Entdeckung des mittelmeerischen Lichtes ihn zur reinen Farbe führte, verbunden mit der Vereinfachung des Bildgegenstandes.

    1899 besuchte Matisse die Academie Carriere, wo er Derain und Puy begegnete. Er beschäftigte sich vornehmlich mit der nackten Figur und arbeitete eine Folge schwarz konturierter, starkfarbiger Akte. Gleichzeitig erlernte er das Modellieren. 1904 zeigte Matisse seine erste Einzelausstellung mit 46 Arbeiten bei Vollard.

    Im selben Jahr gewann er neue Einsichten und Ansatzpunkte durch einen Sommeraufenthalt in Saint-Tropez. Er malte dort gemeinsam mit Signac und Cross.. Sie regten ihn an, die reine Farbe im Sinne des Neoimpressionismus planmässig und überlegt einzusetzen. Doch gerade der Zwang, die reine Farbe in abgestuften Tönen zu setzen, brachte Matisse dazu, sie im Sinne des Ausdrucks zu verstärken und durch Kontraste zu steigern. Auch die Linie wurde nicht in Licht aufgelöst, sondern zur farbigen Arabeske umgedeutet. Auf diesem Wege wurde Matisse bestärkt durch die Gedächtnisausstellungen für van Gogh und Seurat im Salon des Independents 1905, die er als Präsident der Hängekommission mitgestaltet hatte.

    Den Sommer 1905 verbrachte er in Gesellschaft von Derain in Collioure. Hier vollzog sich der Durchbruch zum Fauvismus. Der pointilistische Farbauftrag schloss sich zu Flächen, die durch Komplementärkontraste gesteigert wurden. Die erregte Pinselschrift wurde aber schnell beruhigt. Die Farbe wurde flach aufgetragen - entmaterialisiert und jeder realistischen Bedeutung entzogen -, die Formen durch einen geschmeidigen Kontur rhythmisiert. Vereinfachung und Reinigung führten zu einem dekorativen, flächigen Stil, in dem sich Farbe und Linie zum bündigsten Ausdruck vereinigten. «Wir wollen durch die Vereinfachung der Ideen und des Plastischen heitere Würde erreichen. Ein harmonisches Ganzes ist unser einziges Ideal» (Matisse).

    Je stärker die Kunst von Matisse zum allgemeinen, monumentalen Ausdruck strebte, um so stärker entzog sie sich den Zeitströmungen. Zwar wurde 1908 auf Bitten des deutschen Malers Hans Purrmann die Academie Matisse gegründet, die bis 1911 bestand und mehr als hundert Schüler hatte. Doch führte das nur zu äusserlichen Nachahmungen. Matisse, der auf seinem Weg eine ganze Generation mitgerissen hatte, zog sich auf sich selbst zurück.

    A. Basler: «Henri Matisse», Leipzig, 1924
    A. Barnes et V. de Mazia: «The art of Henri Matisse», New York, Charles Scribner's Sons, 1933
    G. Dieh1: «Henri Matisse», Paris, Tisné, 1954
    J. Lassaigne: «Matisse», Genf, Skira, 1959
    J. Selz: «Matisse», Paris, Flammarion, 1963
    L. Aragon: «Henri Matisse, roman»», Paris, Gallimard, 1971.


    Lionel Richard
    Lexikon des Expressionismus
    Somogy Paris




    Henri Matisse - Biographische Angaben

    1869

    Henri-Emile-Benoît Matisse wird am 31. Dezember in Cateau-Cambrésis in Nordfrankreich als Sohn von Emile Matisse und Anna Gérand geboren. Im Hause der Familie, einer Getreidehandlung in der Rue de la République, verbrachte er die ersten Jahre.

    1887-1888

    Nach Abschluss der Oberschule im Collège von Saint-Quentin schreibt er sich an der juristischen Fakultät der Sorbonne in Paris ein.

    1889

    Er arbeitet in einer Anwaltskanzlei in Saint-Quentin.

    1890

    Während der langen Rekonvaleszenz nach einer Operation schenkt ihm seine Mutter zum Zeitvertreib einen Tuschkasten : Matisse beginnt zu malen. Er belegt Zeichenkurse der Ecole Quentin-de-la-Tour, bleibt aber berufstätig. Er schmückt das grösselterlichë Haus in Cateau-Cambrésis aus.

    1891

    Matisse überwindet den väterlichen Widerstand, verlässt die Kanzlei und zieht nach Paris, um ausschliesslich Malerei zu studieren. Er schreibt sich an der Académie Julian ein, wo er unter der Leitung von Bouguerau studiert.

    1892

    Er belegt Abendkurse der Ecole des arts-décoratifs und lernt dort Albert Marquet kennen.

    1894

    Seine Tochter Marguerite wird geboren, die Mutter, Amélie Parayre, heiratet er erst 1898.

    1895

    Er verlässt die Académie Julian. Gustave Moreau wird auf ihn aufmerksam und nimmt ihn ohne Aufnahmeprüfung in sein Atelier in der Ecole des beaux-arts auf. Hier lernt Matisse Rouault, Manguin, Camoin, Flandrin, Evenepoël und weitere, jüngere Schüler Moreaus kennen. Im Louvre kopiert er häufig nach alten Meistern, besonders nach Franzosen (Poussin, Watteau, Chardin) und Holländern (van der Heyden, de Heem). Sein Atelier liegt am Quai Saint-Michel 19 neben dem von Emile Wéry. Im Sommer erster Ferienaufenthalt in der Bretagne in Beuzec-Cap Sizun.

    1896

    Zum erstenmal stellt er im Salon der Société nationale des beaux-arts aus. Die «Lesende Frau» wird vom Staat erworben und in der Residenz des Präsidenten aufgehängt. Die Sommerferien verbringt er in Belle-11e in der Bretagne, wo er den Freund der Impressionisten, John Russel, trifft, der ihn Pissaro und Rodin vorstellt.

    1897

    Er stellt wieder im Salon der Société nationale aus. Erneut Sommerferien in Belle-Ile.

    1898

    Er heiratet Amélie Parayre. Reise nach London, um Turner zu studieren. Langer Aufenthalt in Korsika und in der Umgebung von Toulouse.

    1899

    Er stellt zum letztenmal im Salon der Société nationale aus. Als nach dem Tod Moreaus Cormon dessen Atelier übernimmt, verlässt Matisse die Schule und besucht die Académie Carrière. Dort trifft er Derain und Puy. Er belegt Abendkurse an der Bildhauerschule in der Rue Etienne-Marcel. Er kauft sich «Drei Badende» von Cézanne, «Kopf eines Knaben» von Gauguin und einen Gipsabguss nach Rodin. Er liest D'Eugène Delacroix au Néo-Impressionnisme von Signac. Sein Sohn Jean wird geboren.

    1900

    Finanzielle Schwierigkeiten. Seine Frau eröffnet ein Modegeschäft in der Rue du Châteaudun. Mit Marquet arbeitet er an den dekorativen Fresken des Grand-Palais. Sein Sohn Pierre wird geboren.

    1901

    Zum erstenmal stellt er im von Signac geleiteten Salon des Indépendants aus. Während der Van-Gogh-Retrospektive lernt er durch Derain Vlaminck kennen («Es bewegte mich, so viele mir verwandte Gedanken bei diesen jungen Leuten wiederzufinden.»). Der Kritiker Roger Marx macht ihn mit der Kunsthändlerin Berthe Weill bekannt. Erholungsaufenthalt in der Schweiz, um eine Bronchitis auszuheilen.

    1902

    Er beginnt bei Weill auszustellen. Den Winter verbringt er bei den Eltern in Bohain.

    1903

    Gründung des Salon d'automne : Matisse beginnt hier regelmässig auszustellen. Er führt die ersten Radierungen aus.

    1904

    Ausstellung bei Vollard, vorgestellt von Roger Marx. Sommerferien mit Signac und Cross in Saint-Tropez.

    1905

    Signac kauft das_vo~-Matisse im Salon des Indépendants ausgestellte Bild «Luxe, Calme -et--Volupté». Den Sommer verbringt Matisse mit Derain in `Collioure. Er lernt Maillol und Daniel de Monfreid kennen. Er stellt im Salon d'automne mit Derain, Manguin, Marquet, Valtat, Vlaminck, Friesz und Rouault «La Cage aux Fauves» aus. Erste Ankäufe von den Steins, die er in ihrem Hause besucht. Dort wird er Picasso kennenlernen.

    1906

    Er stellt «Joie de vivre» im Salon des Indépendants aus und nimmt mit den befreundeten Fauvisten am Salon d'automne teil. Eigene Ausstellung bei Druet. Erster kurzer Aufenthalt in Biskra in Algerien. Den Sommer verbringt er in Collioure. Er führt die ersten Lithographien und Holzschnitte aus.

    1907

    Italienreise : Padua, Florenz, Arezzo, Siena. Er stellt «Le Luxe» im Salon d'automne aus.

    1908

    Auf Anraten Sarah Steins und Hans Purrmanns eröffnet er ein Atelier für Ausländer, zuerst in der Rue de Sèvres, dann am Boulevard des Invalides 33. Den Sommer verbringt er in Bayern. Erste Ausstellungen im Ausland in New York, Moskau, Berlin. Er veröffentlicht die Notes d'un Peintre in der Grande Revue vom 25. Dezember.

    1909

    Erster Vertrag mit Bernheim-Jeune. Er verbringt den Sommer in Cavalière. Er richtet sich in Issy-les-Moulineaux, Rue de Clamart, ein, behält aber sein Atelier in Paris bei. Der russische Sammler Schtschukin gibt ihm zwei grosse Leinwandgemälde in Auftrag.

    1910

    Mit Marquet begibt er sich nach München, um die Ausstellung islamischer Kunst zu sehen. Im Salon d'automne stellt er «La Danse» und «La Musique» für Schtschukin aus. Den Winter verbringt er in Andalusien.

    1911

    Reise nach Moskau, um Schtschukins Gemälde aufzustellen; er interessiert sich für russische Ikonen. Meist arbeitet er in Issy-les-Moulineaux, den Sommer verbringt er in Collioure.

    1912

    Langer Aufenthalt in Tanger mit Marquet und Camoin. Erste Skulpturenausstellung in New York.

    1913

    Im April stellt er seine in Marokko entstandenen Skulpturen und Bilder bei Bernheim-Jeune aus. Er beteiligt sich an der Ausstellung der Berliner Sezession und der Armory Show in New York.

    1914

    Er hat ein Atelier in Paris, am Quai Saint-Michel 19. Nach Kriegsausbruch zieht er mit der Familie nach Collioure, wo er Juan Gris trifft.

    1916

    Die Kriegsjahre verbringt Matisse in Paris und Issy-les-Moulineaux, im Sommer 1915 geht er nach Arcachon bei Bordeaux. Im Herbst 1916 begibt er sich erstmalig nach Nizza, um dort den Winter über im Hotel Beau-Rivage zu wohnen.

    1917

    Den Sommer verbringt er mit Marquet in Chenonceaux, zu Winteranfang trifft er den Freund erneut in Marseille, um anschliessend wieder nach Nizza zu gehen. Mit Bernheim-Jeune erneuert er seinen Vertrag.

    1918

    In Nizza wohnt er im Hotel de la Méditerranée und besucht öfters Renoir in Cagnes.

    1919

    Ausstellungen in Paris und London.

    1920

    Bühnenbilder und Kostüme für Le Rossignol von Strawinski im Russischen Ballett von Diaghilev. Den Sommer verbringt er in London, anschliessend in Etretat.

    1921

    Erneuter Aufenthalt in Etretat. Den grössten Teil des Jahres lebt er in Nizza an der Place Charles-Félix.

    1923

    Achtundvierzig nach der Oktoberrevolution konfiszierte Gemälde und zwei Zeichnungen aus dem Besitz der russischen Sammler Morosow und Schtschukin werden im Museum für moderne abendländische Malerei in Moskau ausgestellt.

    1924

    Ausstellungen in New York und Kopenhagen. 1925 Erneute Reise nach Italien.

    1927

    Er erhält den ersten Preis für Malerei der Carnegie-Stiftung, Pittsburgh.

    1930

    Reise nach Polynesien; Ferien auf Tahiti. Im Herbst reist er ah; Mitglied der Jury des Carnegie-Preises nach Pittsburgh in die Vereinigten Staaten. Albert Barnes beauftragt ihn mit Wandmalereien («Der Tanz») für den Hauptsaal der Stiftung in Merion.

    1931

    In Nizza arbeitet er an dem Gemälde für Barnes. Er radiert Illustrationen für die Poésies von Mallarmé (Skira, 1932)1.

    1932

    Zweite und endgültige Fassung von «Der Tanz» für Barnes.

    1933

    Reise in die Vereinigten Staaten nach Merion, um «Den Tanz» aufzustellen. Auf der Rückreise schifft er sich nach Venedig ein und bleibt für einige Zeit im Veneto.

    1934

    Der Sohn Pierre Matisse organisiert in seiner Galerie in New York eine Serie von Ausstellungen des Vaters.

    1935

    Matisse entwirft einen Teppichkarton für Marie Cuttoli.

    1936

    Er illustriert eine amerikanische Ausgabe des Ulysses von Joyce mit Radierungen.

    1938

    Er zieht ins Hotel Regina in Cimiez bei Nizza. Bühnenbilder und Kostüme zu Rouge et Noir von Schostakowitsch für das Russische Ballett in Monte-Carlo (aufgeführt im Frühling 1939).

    1940

    Nach der Niederlage Frankreichs erwägt Matisse, nach Brasilien überzusiedeln; doch verzichtet er darauf und lässt sich erneut in Nizza nieder.

    1941

    Er unterzieht sich in Lyon einer schweren Operation. Er beginnt Florilège des Amours von Ronsard zu illustrieren.

    1943

    Während sich die Kriegssituation verschärft, zieht er in die Villa «Le Rêve» bei Vence, wo er bis 1948 wohnt.

    1944

    Er arbeitet mit gouaches découpées und papiers collésan den Illustrationen zu Jazz (mit Dichtungen des Künstlers, Verlag Tériade, 1947).

    1945

    Retrospektive im Ehrensaal des Salon d'automne. Zusammen mit Picasso stellt er in London aus.

    1946

    Er führt die Teppichkartons «Polynesien» aus, die dann 1948-1949 in Beauvais gewebt werden.

    1947

    Er wird Ritter der Légion d'honneur.

    1948

    Er widmet sich fast vollständig den Arbeiten für die Rosenkranzkapelle des Dominikanerklosters in Vence.

    1950

    Sonderausstellung auf der XXV. Biennale in Venedig: Er erhält den Grossen Preis für ausländische Künstler.

    1951

    Am 25. Juni wird in Vence die Rosenkranzkapelle eingeweiht.

    1952

    In Cateau-Cambrésis wird ein kleines, nach Matisse benanntes Museum eröffnet.

    1954

    Matisse stirbt am 3. November in Nizza und wird auf dem kleinen Friedhof von Cimiez begraben. Das Grab stiftet die Stadt Nizza.

    Autor: Sandra Orienti - Henri Matisse - Gestalter unserer Zeit

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