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Kunst - Glossar Amedeo Modigliani 12.7.1884 Livorno - 25.1.1920 Paris Italienischer Maler und Bildhauer; ab 1906 in Paris; verband in melancholisch gestimmten Bildnissen und Akten einen das Gegenständliche begrenzenden Linienstil mit flächiger, von P. Cézanne angeregter Farbgebung. www.wissen.de Amedeo Modigliani Modigliani entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Er begann seine Ausbildung 1898 an der Kunstschule in Livorno. Krankheit zwang ihn 1901, das Studium zu unterbrechen, das er 1902 an der Akademie in Florenz bei Fattori fortsetzte. 1903 ging er an die Akademie in Venedig. 1906 übersiedelte Modigliani nach Paris, wo er bald in Beziehung zu Max Jacob, Apollinaire und Picasso trat. 1908 stellte er erstmais im Salon des Indépendents aus. Von Anfang an war das Porträt sein eigentliches Thema, später trat als Motiv der weibliche Akt hinzu. Die frühen Arbeiten sind von Toulouse-Lautrec und vom Fauvismus beeinflusst. 1909 begegnete er Brancusi und begann auf dessen Anregung als Bildhauer zu arbeiten. 1912 stellte er seine Skulpturen im Salon d'Automne aus. Anregungen der Negerplastik und Cézannes wiesen ihm den Weg, mit Hilfe der Deformation der Empfindung starken Ausdruck zu geben. 1916 war der Stil Modiglianis mit seinen Überlängungen und Verzerrungen ausgeprägt. 1917 zeigte die Galerie Berthe Weill die erste Einzelausstellung. 1918 reiste Modigliani nach Cannes und Nizza, wo er sich in der Landschaftsmalerei versuchte. Doch blieb er der in der Farbigkeit verhaltenen, lyrischen Figurenmalerei verhaftet. A. Salmon: «La vie passionnée de Modigliani», Paris, Seghers, 1956 C. Roy: «Modigliani», Genf, Skira, 1958 G. Diehl: «Modigliani», Paris, Flammarion, 1971 F. Cachin, A. Ceroni: «Tout l'oeuvre peint de Modigliani», Paris, Flammarion, 1972. Amedeo Modigliani Amedeo Modigliani wird am 12.7.1884 in Livorno als Sohn eines immer wieder vom Ruin bedrohten Finanzmaklers geboren. Stets von labiler Gesundheit, studiert er seit 1902 Malerei an den Kunstakademien von Florenz und Venedig. Bereits 1906 siedelt er nach Paris über, wo er zeitlebens als Künstler arbeitet, unterbrochen allein von kürzeren Aufenthalten in seiner Heimatstadt. 1918/19 verbringt er schliesslich mehrere Monate an de Côte d'Azur, um seine Tuberkulose auszuheilen. Sein Lebensweg weist romanhafte Züge auf und ist über weite Strecken von Armut und Erfolglosigkeit, Krankheit und Alkohol geprägt. Sein Schicksal scheint beispielhaft das Klischee des zu Lebzeiten verkannten und erst posthum gefeierten Genies zu illustrieren. In Paris findet Modigliani schnell Eingang in den Kreis der internationalen Avantgarde um Picasso und Apollinaire. Seit 1914 fördert ihn der junge Kunsthändler Guillaume, der gleichzeitig auch als erster Galerist von de Chirico tätig ist. Mit Apollinaire und dessen Freunden teilt Modigliani die Faszination für die seinerzeit summarisch als «Negerkunst» bezeichneten Skulpturen aus Afrika oder Ozeanien. Die praktische, durch Brancusi angeregte Auseinandersetzung mit diesen formal reduzierten, «primitiven» Ausdrucksformen spiegelt sich in einer Reihe von Skulpturen, die zwischen 1911 und 1913 entstehen. Die bildhauerischen Erfahrungen des Autodidakten fliessen unmittelbar in seine Malerei ein, der er sich seit 1914 wieder ausschliesslich zuwendet. Stark von Cézanne und den Kubisten geprägt sowie von der leuchtenden Farbigkeit der Fauvisten beeindruckt, entwickelt Modigliani innerhalb kurzer Zeit seinen höchst individuellen Stil: «Ein in seiner spröden Lässigkeit betörendes und zwingendes Formbewusstsein.» (Otto Schürer, 1926) Das zentrale Thema ist die menschliche Gestalt in ihrer konkreten Erscheinung. Nahezu ausschliesslich widmet er sich zwei Motivkreisen, die beide von einem melancholischen Grundtenor durchzogen sind: Den maskenhaft stilisierten und spirituell verklärten Porträts mit ihren gelängten Gesichtern stehen Figurendarstellungen gegenüber, bei denen der weibliche Akt dominiert. Charakteristisch sind dabei einige lang auf einem Bett hingestreckte Frauengestalten, mit denen ein Sujet aufgegriffen wird, dessen Tradition über die Olympia von Manet zu Velàzquez und weiter zu Tizian und Giorgione reicht. Stets verbinden sich ausdrucksstarke Linien mit einem warmen Kolorit, in dem mediterrane Farbtöne vorherrschen. «Ein genialer Funke ist lebendig in den spielerisch-eleganten Formulierungen dieses der Dekadenz mit Haltung verfallenen zarten Malers.» (Josef Welti, 1927) Zu den spätesten Gemälden von Modigliani gehört das Sitzende Mädchen (Die Blumenverkäuferin) von 1919. Die Dargestellte trägt zwar porträthaft-individuelle Züge, bleibt aber eine anonyme Figur. Sie ist eine jener jungen Frauen, die Modigliani in Kneipen oder auf der Strasse ansprach, um sie als Modell zu gewinnen. Die schwarze Kleidung setzt sich wie ein Block vor dem expressiv verzerrten Grund eines in rot-orangefarbenen Tönen gemalten Innenraums ab, dessen Farbigkeit in der Haut und im Haar des Mädchens wieder aufgegriffen wird. Allein das helle Blaugrau der Augen, in Spuren auch beim Unterhemd verwandt, setzt einen kühlen Akzent. Mit sparsamsten Mitteln schafft Modigliani eines jener Werke, die «eine musikalisch durchsichtige Anmut und weltschmerzlerische Harmonie besitzen» (Hermann Ganz, 1927, in: Kunst und Künstler, Rezension Zürich). 1917 veranstaltet die Pariser Galerie Berthe Weill die erste Einzelausstellung des in Künstlerkreisen mittlerweile geschätzten und in seiner Bedeutung erkannten Malers. Sie verursacht jedoch einen öffentlichen Skandal, sodass einige der Aktdarstellungen auf polizeilichen Befehl wieder abgehängt werden müssen. 1918 stellt der Italiener - neben Picasso und de Chirico - in der Galerie Paul Guillaume einige seiner Werke erneut dem französischen Publikum vor; der erhoffte Erfolg bleibt jedoch wiederum aus. Modigliani stirbt am 25.1.1920 in Paris. Lit.: Osvaldo Patani, «Amedeo Modigliani». Catalogo generale, Mailand 1991 Werner Schmalenbach (Hrsg.), «Amedeo Modigliani - Malerei, Skulpturen, Zeichnungen» (Ausstellungskatalog Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf), München 1991 Gerd Roos Der kühle Blick. Realismus der Zwanzigerjahre in Europa und Amerika Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung Münschen vom 1.6. - 2.9.2001 Prestel Verlag - ISBN 3-7913-2513-2 |