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Kunst - Glossar

Ditha Moser

1983 Wien - 1969 in der Nähe von Wien

Ditha Moser, 1883 als Editha von Mautner Markhof in Wien geboren, studierte bei Josef Hoffmann (1870-1956) und Koloman Moser (1868-1918) an der Wiener Kunstgewerbeschule, der heutigen Hochschule für Angewandte Kunst. Beide Professoren gründeten 1903 die Wiener Werkstätte, in der sie die Formvorstellungen der als Sezessions-Stil bezeichneten Wiener Variante des Jugendstils in kunstgewerblichen Objekten konkretisierten. Charakteristisch für diesen Wiener Jugendstil ist eine deutliche Geometrisierung, eine Bevorzugung gerader Linien und einfacher Formen, wie Rechteck, Quadrat, Kreis, Quader und Kugel, und damit eine Vorwegnahme wesentlicher Prinzipien des späteren Bauhauses. Mit den geradlinigen Formen verband sich in den gebrauchsgraphischen Arbeiten häufig eine flächenhafte Farbgebung.



  • Ditha Moser
  • Jugendstil
  • Koloman (Kolo) Moser



    Ditha Moser

    Das Verhältnis Edithas zu ihrem Lehrer Moser entwickelte sich bald über das einer Studentin zu einem Professor hinaus und führte 1905 zur Ehe. Wie Koloman seinen Vornamen zu Kolo, so verkürzte Editha ihren fortan zu Ditha, und wie ihr Mann, unter anderem prominent als Briefmarkenentwerfer, so engagierte auch sie sich für den neuen Stil. Beispielhaft ist ihr 1906 möglicherweise für eine Wohltätigkeitsveranstaltung oder als Weihnachtsgeschenk zunächst in Deckfarben auf Papier im Format 145 x 130 mm entworfenes Kartenspiel, das zweifellos stark von ihrem Mann beeinflusst worden ist, wenn er nicht sogar daran mitgewirkt hat.

    Am deutlichsten drückt sich die Tendenz des Wiener Jugendstils zur Geometrisierung in den Zahlenkarten aus, auf deren Vorderseiten stets elf grössere Quadrate in die auch für die Kartenrückseiten gewählte graue Rastergrundierung eingebaut sind. Sie enthalten entweder die jeweiligen Farbzeichen in Rot oder Schwarz oder als Füllsel kleinformatige Stilisierungen dieser Zeichen in Schwarzweiss. Bei den Figurenkarten und Tarocks sind die lineare Zeichnung der Figuren und deren flächige Farbgebung besonders charakteristisch.

    In den Figurenkarten wirken die historisierenden Neigungen des 19. Jahrhunderts nach. Die Karo-Figuren sind altägyptisch gewandet, die Kostümierung der Pik-Figuren erinnert an den Sagenkreis der Edda, die der Kreuz-Figuren an ritterliche Kreuzfahrer, und die Herz-Figuren schliesslich tragen Kostüme aus der Zeit Ludwigs XVI. Ausser König, Dame (Königin) und Bube (Knappe) ist übrigens noch der aus frühen Tarockspielen bekannte Reiter (Kaval) vertreten. Auf den 22 Trümpfen hat die Künstlerin ausser traditionellen Tarockmotiven noch Kindheitserinnerungen verbildlicht, und zwar Spielzeug und Örtlichkeiten, die sie besonders beeindruckt haben. Dabei hat das Spielzeug seine eigene kleine Vorgeschichte. Dithas Lehrer Hoffmann sah es um die Jahrhundertwende bei erzgebirgischen Holzschnitzern, und da es seinen Stilvorstellungen entsprach, begann er es zu sammeln und schenkte wahrscheinlich einiges der jungen Editha von Mautner Markhof. Auf den Tarocks sind unter anderem Schloss und Park von Schönbrunn (IX), der Hof des Wiener Geburtshauses von Ditha Moser (XVI), Dithas Mutter vor einem Gartenpavillon (XIX), eine Teilansicht der ehemaligen Mautner Markhofschen Brauerei in Wien (XX) und eine Praterszenerie mit dem Riesenrad (XVII) dargestellt.

    Ditha Mosers Spiel stiess, wie so viele progressive Kunstleistungen, offenbar nur auf ein geringes Verständnis bei ihren Zeitgenossen. So liess der damals bedeutende Feuilletonist Ludwig v. Hevesi in einer Besprechung vom 1. Januar 1907 neben Wohlwollen auch eine gewisse Distanz durchblicken: «Diese Kühnheiten der Stilistik sind nicht so leicht zu schlucken, wie der oberflächliche Schlucker denken mag. - Ich darf wohl sagen, hier ist die Quadratur des Tarocks endlich erfunden. - Alles so klar und linear. Und so im rechten Winkel, wo das Glück im Winkel ist; denn wie des Teufels könnte es im unrechten Winkel sein? Darum spielt der rechte Winkel in diesem ganzen Spiel so eine massgebende Rolle.» Es ist mithin kaum verwunderlich, dass nicht einmal die geringe Auflage von wohl höchstens 300 Exemplaren ausverkauft wurde. Noch 1970 fanden sich im Spielkartenarchiv der 1910 von Piatnik aufgekauften Herstellerfirma Josef Glanz Restexemplare.

    Vom weiteren Schaffen der Künstlerin ist anscheinend wenig bekannt. Zwischen 1908 und 1912 gestaltete sie noch ein weiteres streng geometrisches Piquetkartenspiel, das 1910 ebenfalls von der Firma Glanz, diesmal in zweifarbigem Offsetdruck, hergestellt wurde, und im übrigen vier Kalender. Sie starb erst 1969 vereinsamt als Witwe in der Nähe von Wien, rund ein halbes Jahrhundert nach dem Tod ihres Mannes.

    Quelle: Karl Graak - Künstler-Spielkarten des 20. Jahrhunderts

    Ditha Moser, Jugendstiltarock 1906 Ditha Moser, Jugendstiltarock 1906 Ditha Moser, Jugendstiltarock 1906
    Ditha Moser, Jugendstiltarock 1906 Ditha Moser, Jugendstiltarock 1906 Ditha Moser, Jugendstiltarock 1906

    Jugendstiltarock. Österreich, 1906
    54 Blatt, 116 x 56 mm. Entwurf Wien 1906. Hersteller der Farblithographien mit grauem Rasternetz als Rückseite: Albert Berger und Josef Glanz. Limitierte Neudruckauflagen 1972 und 1982 in der Edition Piatnik, Wien.



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