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Kunst - Glossar

Karl Schmidt-Rottluff

1.12.1884 Chemnitz (Ortsteil Rottluff) - 10.8.1976 Berlin

Deutscher Maler und Grafiker, ; einer der Hauptmeister des deutschen Expressionismus, begründete in Dresden 1905 mit E. L. Kirchner und E. Heckel die Künstlergemeinschaft Brücke, ab 1911 meist in Berlin tätig; 1941-1945 Malverbot durch die Nationalsozialisten. Schmidt-Rottluff entwickelte einen stark farbigen, breit konturierenden und formvereinfachenden Stil von elementarer Ausdruckskraft. Schmidt-Rottluff malte meist Landschaften, Figurenszenen, Stillleben und Bildnisse; in seinem umfangreichen grafischen Werk überwiegen Holzschnitte.

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  • Karl Schmidt-Rottluff
  • Karl Schmidt-Rottluff (Wikipedia)
  • Die Brücke



    Karl Schmidt-Rottluff

    Karl Schmidt-Rottluff (Rottluff bei Chemnitz 1.12.1884 - Berlin 10.B.1976). Nach Abschluss des Gymnasiums in Chemnitz hatte Schmidt-Rottluff zunächst, wie Franz Marc, erwogen, Theologie zu studieren, folgte dann aber dem Beispiel seines Freundes Heckel und ging als Architekturstudent nach Dresden. 1901 waren sich die beiden in einem literarischen Zirkel in Chemnitz begegnet. Neben der Neigung zur Dichtung entdeckten sie bald die gemeinsame Liebe zur Malerei und begannen zusammen zu zeichnen und zu malen.

    Als Schmidt-Rottluff 1905 nach Dresden kam, stiess er sogleich zum Kreis Kirchner, Bleyl und Heckel und bildete mit ihnen die Künstlergruppe «Brücke». Den Namen schlug Schmidt-Rottluff vor. Der glühender Nietzsche-Verehrer war wohl angeregt durch die vierte Vorrede zum Zarathustra: «Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.» Schmidt-Rottluff gewann Nolde, den er 1906 auf Alsen besucht hatte, als Mitglied der Gruppe und korrespondierte wegen des Beitritts zur «Brücke» mit Munch. Er war es, der die Lithographie in den Kreis einführte.

    Doch bei aller Aktivität für die Gruppe hielt er sich immer ein wenig abseits. Er besuchte seltener die gemeinsamen Ateliers und nahm auch nicht an den Arbeitsausflügen an die Moritzburger Seen bei Dresden teil. Statt dessen ging er in den Sommermonaten 1907 bis 1912 nach Dangast in Oldenburg, wohin Heckel ihm folgte. Als einziger der Freunde zeigte er 1907 in Braunschweig und 1910 in Hamburg Einzelausstellungen, während die übrigen bis zur Auflösung der Künstlergruppe «Brücke» 1913 nur als Gruppe auftraten. Verschlossenheit und in sich gekehrtes Wesen waren Schmidt-Rottluffs Temperament, waren aber auch notwendig, um die bis zu Einseitigkeit gesteigerte Konsequenz der Arbeit durchhalten zu können. Thematisch bedeutete das eine Beschränkung auf die Landschaft, wobei Schmidt-Rottluff die Darstellung der Grossstadt mied und bis 1912 das Figurenbild, das bei den Freunden so breiten Raum einnahm, nur gelegentlich übte. «Die harte Luft der Nordsee brachte besonders bei Schmidt-Rottluff einen monumentalen Impressionismus hervor», schrieb Kirchner 1913 in der «Brücke»-Chronik. Er bezeichnete damit jene vehemente Pinselschrift, die Ausdruck der grossen Willenskraft ist, mit der Schmidt-Rottluff eine Bildeinheit erzwingt. Doch die dynamische Geste, die noch vom Aufruf van Goghs herkam, wich 1910 einem grossflächigen Farbgefüge, das gleichzeitig als Mittel der Monumentalisierung wie der Reduktion eingesetzt wurde. Einen Höhepunkt bilden die 1911 auf einer Norwegenreise entstandenen Gemälde.

    1911 übersiedelte auch Schmidt-Rottluff, wie gleichzeitig seine Freunde, von Dresden nach Berlin, wo er sein Leben lang ansässig blieb. Hier stiess er auf mannigfaltige künstlerische Anregungen, die ihn zur Auseinandersetzung aufforderten. Doch Annäherungen an die ausdrucksbetonte Abstraktion wie an die kubistische Methode blieben auf wenige Bilder beschränkte Experimente. Vielmehr wurde mit Hilfe von Figurenbildern und Stilleben eine präzisere Definition des Gegenstandes versucht, die Raum und Volumen enthalten sollte und doch die Flächenmalerei nicht zerstören durfte. Die Lösung fand sich 1913 in Nidden auf der Kurischen Nehrung mit dem, was «heraldisch-sinnbildlicher Stil» genannt worden ist. Menschliche Figuren und Landschaftselemente stehen zu Bedeutungszeichen reduziert gleichgewichtig im Bild und fügen sich zur sinnbildhaften Einheit.

    1914 wechselte Schmidt-Rottluff erneut die Landschaft und ging nach Hohwacht an der holsteinischen Ostseeküste. Die Arbeiten, die hier entstanden, konnten den Einklang zwischen Natur und Mensch nicht aufrechterhalten. Die Figuren zeigen erstmals im Werk Schmidt-Rottluffs seelische Bedrängnis. 1915 bis 1918 war der Maler zum Kriegsdienst in Russland eingezogen. Wenngleich der Krieg vom Motiv her keine Spuren im Werk hinterliess - das ja immer das Allgemeine und nie das Aktuelle spiegelte -, so war die Erschütterung nicht zu verbergen. Immer deutlicher empfand er «dieses Gespanntsein zwischen Diesseits und Jenseits», wie er selbst schrieb. So versuchte er in den Jahren nach 1918 eine Relativierung der Wirklichkeit durch die Einbindung des Gegenständlichen in das zuständliche Sein.

    W. Grohmann: «Karl Schmidt-Rottluff», Stuttgart, Kohlhammer Verlag, 1956.

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