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Kunst - Glossar

Friedrich Schroeder-Sonnenstern

11.9.1892 Kankehmen - 10.5.1982 Berlin

Deutscher Maler; lebte lange Jahre als Wanderprediger, Gärtner und Wahrsager ohne festen Wohnsitz. Nach der Einweisung in eine Heilanstalt begann er zu malen und wurde durch seine vehementen, farbenfrohen und mit üppiger Sexualsymbolik ausgestatteten Bilder bekannt.

www.wissen.de



  • Friedrich Schroeder-Sonnenstern
  • Friedrich Schröder-Sonnenstern (Wikipedia)
  • Art Brut
  • Art brut im Historischen Lexikon
  • Collection de l'Art Brut Lausanne
  • Museum im Lagerhaus St. Gallen



    Friedrich Schroeder-Sonnenstern

    Führt zunächst ein sehr bewegtes Leben: Erziehungsanstalt, Arbeit als Landarbeiter, Pferdepfleger, Schmuggler und Kurpfuscher, Gefängnis, Asyl. Mit sechzig beginnt er, mit Buntstiften höhnische, lyrische Bildnisse zu malen. 1959 stellt ihn Bellmer den Surrealisten vor, und er beteiligt sich an ihren Ausstellungen EROS (1959) und L'Ecart absolu (Der absolute Abstand, 1965). Seitdem ist er an allen grossen Ausstellungen der phantastischen Kunst beteiligt. Schröder-Sonnerstern ist der typische plötzlich inspirierte Autodidakt.

    René Passeron
    Lexikon des Surrealismus
    Somogy Paris




    Friedrich Schroeder-Sonnenstern

    Nach einem wechselvollen Leben mit Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken, Gründung einer Sekte, Tätigkeiten als Wahrsager und Magnetopath, begann Friedrich Schröder-Sonnenstern mit 57 Jahren zu zeichnen. Innerhalb von drei Jahren entwickelte er einen unverwechselbaren Stil.«Ich produziere die schönsten,ekligsten Bilder der Welt.» Dieses Zitat des Künstlers charakterisiert die ambivalent aufgenommenen Werke. Die Bilder provozierten wegen ihrer analen und sexuellen Thematik in den 50er- und Anfang der 60er-Jahre Skandale.

    Nur mit Grössenfantasien hat Schröder-Sonnenstern sein abenteuerliches Leben meistern können. «Dreifacher Weltmeister aller Künste», so betitelte sich Friedrich Schröder gern selbst und fügte seinem Namen, damit er über allen leuchte, «Sonnenstern» hinzu. Auf vielen Bildern hat er diesen hinzugezeichnet. Wie es für den Künstler typisch ist, so ist auch dieses Bild voller Gegensätze: Lachen und Weinen, oben und unten, Herr und Knecht, «Lebensrichtigkeit und Lebensnichtigkeit».

    Dies sind lebensgeschichtlich verankerte Themen. Entweder war Friedrich Schröder der verarmte, heruntergekommene Heimatlose, der mit Polizei und Gesellschaft in Konflikt geriet – oder er war der Grösste, «Sonnenkönig Eliot I.». Durch die Gestaltung seiner Lebensproblematik im Bild fand er Halt und auch eine sozial akzeptierte Identität als Künstler.

    Auffällig sind die Darstellungen der Nase,des Kinns und des Ohrs: «Das sind Männergeschlechtsteile,das bedeutet: Er hat nur Sinnlichkeit im Kopf.» Diese «Groteskkoppelungen» und andere formale und inhaltliche Eigentümlichkeiten der mit sexuellen,analen und aggressiven Themen aufgeladenen Bilderfindungen haben lange Zeit die Diskussion um «Kunst und Schizophrenie» in Leben und Werk entfacht. Vielen gilt er als herausragender Vertreter einer «Kunst der Geisteskranken»,anderen – wertfreier – als Vertreter einer «Art brut» im Sinne von Jean Dubuffet. Als Aussenseiter hat er einen unverwechselbaren Beitrag zur deutschen Nachkriegskunst geliefert.

    Biografie von Friedrich Schröder-Sonnenstern

    Geboren 1892 in Kuckerneese bei Tilsit. 1906 Einweisung in eine Erziehungsanstalt. Nach abgebrochener Gärtnerlehre und verschiedenen Tätigkeiten ab 1910 mehrere Einweisungen in psychiatrische Kliniken wegen einer schizophrenen Erkrankung. Erste Zeichnungen 1933 bei einem Klinikaufenthalt. Beginn der regelmässigen künstlerischen Arbeit circa 1949.Regelmässige Galerieausstellungen ab 1952, 1967 Kunsthalle Düsseldorf, 1973 Kestnergesellschaft Hannover. Nach dem Tod der Lebensgefährtin «Tante Martha» ab 1964 zunehmender Alkoholmissbrauch mit Abnahme der künstlerischen Schaffenskraft. Gestorben 1982 in Berlin.

    Literatur
    1. Bader A. Geisteskranker oder Künstler? Der Fall Friedrich Schröder-Sonnenstern. Bern, Stuttgart, Wien: Huber, 1972.
    2. Maeder I. Hrsg.: Friedrich Schroeder-Sonnenstern. München: Hirmer Verlag, 1987.


    Hartmut Kraft
    Deutsches Ärzteblatt1 PP1 Heft 71 Juli 2002


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