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Kunst - Glossar

Oswald Tschirtner

Geb.1920 in Perchtoldsdorf. Tschirtner studierte 2,5 Semester Chemie, bis er zum Millitär musste. 1946 kam er aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück, da er wegen psychischen Problemen auffällig wurde. Nach verschiedenen Klinikaufenthalten kam er 1954 in die Nervenklinik Gugging, wo er seit 1981 im Haus der Künstler lebt. Oswald Tschirtner begann in den 60er Jahren zu zeichnen und entwickelte dabei einen Stil, der von der Darstellung von Kopffüsslern ausging. Im Laufe der Zeit schuf er völlig eigenständige Varianten und Kombinationen dieses Themas. Er zeichnet sowohl mit Feder und Tusche auf meist kleinen Papieren, als auch mit Edding auf Leinwand. Ebenso fertigt er auch minimalistisch anmutende Arbeiten an. So stellen oft nur einzelne Striche den an den oberen Blattrand geschriebenen Titel dar.

Haus der Künstler Gugging



  • Oswald Tschirtner
  • Oswald Tschirtner (Wikipedia)
  • Leo Navratil: Art Brut und Psychiatrie
  • Neues Kunstzentrum in Gugging
  • Art Brut
  • Art brut im Historischen Lexikon
  • Collection de l'Art Brut Lausanne



    Oswald Tschirtner

    Oswald Tschirtner schliesst 1939 mit der Matura das Priesterseminar ab. Trotz seines Wunsches, Priester zu werden wird er zum Heer einberufen; er nimmt am Russlandfeldzug und an der Schlacht um Stalingrad teil. Mit schweren Angstneurosen - er glaubt, zum Tode verurteilt zu sein - kehrt er in die Heimat zurück.

    1947 wird er in das psychiatrische Landeskrankenhaus Gugging eingewiesen und ist seitdem ständig hospitalisiert. Auf Anregung des ihn behandelnden Psychiaters, Leo Navratil, beginnt er in den fünfziger Jahren zu zeichnen. Meist werden ihm bestimmte Themen aus dem Bereich der Menschen- und Tierwelt vorgeschlagen, die er mit hintergründigem Witz darstellt.

    Gleich einem abgeschlossene System entwickelt Tschirtner eine eigene, minimalistische Formensprache. Tschirtner zeichnet Menschen als eine Art von reduzierten, starren Kopffüssern, deren Körper aus zwei langen Strichen bestehen. In der Reduzierung auf wesentliche Merkmale und in der darin liegenden Typisierung menschlicher Figuren, weisen Tschirtners Arbeiten oft stilistische Elemente der Karikatur auf.

    Tschirtner stellt vorwiegend Tusche-Federzeichnungen her; daneben fertigt er aber auch Radierungen, Kohle- und Filzstiftzeichnungen an. 1979 entstehen Zeichnungen zu Gedichten von Ernst Herbeck, die in dem Band «Bebende Herzen im Leibe der Hunde» veröffentlicht werden. Waren meistens kleinformatige Blätter sein Zeichengrund, so finden in den neunziger Jahre auch grossformatige Leinwände Verwendung. 1990 erhält Tschirtner den Oskar-Kokoschka-Preis der Wiener Hochschule für angewandte Kunst.

    Oswald Tschirtner lebt im «Haus der Künstler» in Gugging. Mit Hauser und Walla zählt er zu den bekanntesten Gugginger Künstlern.

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    Leo Navratil: Art Brut und Psychiatrie

    Der Arzt, Psychologe und Anthropologe Leo Navratil gehört zu jenen herausragenden Gestalten der zeitgenössischen Psychiatrie, die sich in erster Linie wegen der Öffnung der engeren Fachgrenzen um ihre Disziplin verdient gemacht haben. Von 1946 bis 1986 war Navratil im Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, Klosterneuburg, als Arzt tätig. Seit 1959 leitete er die Abteilung. Doch Navratil ist weit mehr als ein Psychiater. Er ist der Entdecker und Förderer der sogenannten «Gugginger Künstler» und Initiator des «Hauses der Künstler», das 1981 im dortigen Krankenhaus eröffnet wurde. Die nicht nur in medizinischen, sondern auch in künstlerischen Fachkreisen rasch Aufsehen erregenden Veröffentlichungen Navratils zu «Schizophrenie und Kunst» (1965), «Schizophrenie und Sprache» (1966), zu den Themenkreisen Kunst, Psychose und Kreativität, zur Theorie der Kreativität oder zur Psychodynamik des Künstlers sind längst zu Klassikern geworden und haben bewiesen, dass Leo Navratils Lebenswerk weit über die Grenzen eines Begriffes wie Kunsttherapie hinaus verweist.

    Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla sind die wohl prominentesten Gugginger Zeichner und Maler. Dazu kommen Schriftsteller wie Ernst Herbeck. Seit Mitte der sechziger Jahre sind die künstlerischen Arbeiten dieser Patienten nicht zuletzt aufgrund der Kommentierung und der Fürsorge von Leo Navratil einer immer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

    Leo Navratil entdeckte bei immer mehr Patienten ein oft tief verschüttetes künstlerisches Potential, dessen er sich annahm, das er förderte, indem er es zunächst zu Tage förderte. Allen gemeinsam sind Unmittelbarkeit und Ausdrucksstärke, mit denen sie jenseits aller Moden und Ansprüche des Kunstbetriebes aufgrund ihrer eigenen kreativen Möglichkeiten ihre künstlerische Form der Artikulation schufen.

    Der vorliegende, mit Fotos der Künstler und ihrer Werke reich illustrierte Band fasst nicht nur das Lebenswerk des herausragenden Psychiaters Navratil, sondern auch das seiner Patienten in übersichtlicher, sorgfältig kommentierter, sogar die Rezeptionsgeschichte berücksichtigender und kunsttheoretisch untermauerter Art und Weise zusammen.

    Somit hat das Buch weit mehr als nur dokumentarischen Wert. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis einer humanen Psychiatrie, die den Patienten nicht nur zu sich selbst kommen, sondern ihn auch mit sich selbst und anderen über das Medium des Kunstwerks in Kommunikation treten lässt.

    Von Gerhard Köpf
    Leo Navratil: Art Brut und Psychiatrie.
    Christian Brandstätter Verlag, München 1999.
    380 Seiten, 54,70 EUR.
    ISBN 3854478763




    Neues Kunstzentrum in Gugging

    Das Haus der Künstler in Gugging bei Klosterneuburg, von Leo Navratil gegründet und seit 1986 von seinem Nachfolger, dem Psychiater und Bildhauer Oswald Feilacher geleitet, zählt zu den international meist beachteten künstlerischen und sozialen Vorzeigeprojekten österreichischer Provenienz.

    In Museen und Galerien von New York bis Tokio werden die Arbeiten von August Walla, Oswald Tschirtner, Oswald Tschirtner oder Oswald Fischer gezeigt, die Gugginger Künstler sind die wohl bedeutendsten Vertreter der Art Brut heute. Jetzt soll in Gugging das weltweit grösste Art-Brut-Zentrum entstehen.

    Integrative Culture-Centrum

    Geplant sind ein grosses Museum, ein Zentrum für Theater, Musik, Vorträge oder Kabarett, ein Restaurant und ein Museums-Shop. Mit einem Budget von 3,6 Millionen Euro finanziert vom Land Niederösterreich mit Unterstützung des Bundes wird hier in den kommenden Monaten das weltweit grösste Zentrum der Art brut errichtet, das Integrative Culture-Centrum.

    Bereits fertig gestellt ist das Erdgeschoss mit Licht durchfluteten 1.000 Quadratmetern: mit einer Galerie, Arbeitsräumen, Ateliers für die Gugginger Künstler und dem so genannten «offenen Atelier», das Menschen mit Psychiatrieerfahrung kostenlos zur Verfügung steht. Die neue Galerie der Künstler aus Gugging und das neue «offene Atelier» werden am 30. Juni 2005 ihrer Bestimmung übergeben.

    Öffnung nach aussen

    Durch das neue Art-Brut-Zentrum möchte Gugging sich noch mehr der Öffentlichkeit zuwenden als bisher. Denn eine Öffnung nach aussen hat in Gugging bereits Tradition.

    Hatte Leo Navratil die künstlerischen Begabungen seiner Patienten nie ohne Zusammenhang mit ihrer Neurose gesehen, so sind sie für seinen Nachfolger Oswald Feilacher Künstlerprofis mit fixem Platz auf dem Kunstmarkt.

    Kunst in Gugging

    1970 fand die erste Ausstellung der Gugginger Künstler in einer Wiener Kunstgalerie statt, der weitere Präsentationen folgten. 1981 gründete Navratil das Zentrum für Kunst- und Psychotherapie. In dieses lud er die künstlerisch talentierten Patienten ein, und es diente ihnen als Wohnhaus, Atelier, Galerie und Kommunikationsraum. 1986 setzte Oswald Feilacher das Engagement seines Vorgängers fort und prägte den Begriff «Haus der Künstler».

    Viele Künstler aus Gugging sind international bekannt geworden, vor allem Oswald Tschirtner, August Walla und Oswald Tschirtner. Zu den bereits verstorbenen bedeutenden Künstlern zählen neben Oswald Tschirtner, Philipp Schöpke, Franz Kamlander und August Walla auch Rudolf Horacek, Fritz Koller und Josef Bachler

    oe1.orf.at

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