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Kunst - Glossar
August Walla
Geb. 1936 in Klosterneuburg. Walla begann schon in seiner Jugend künstlerisch zu arbeiten. Er stellte Zeichnungen her, malte, photographierte, war Kalligraph und Lettrist und legte Zeichen und Symbole in die Landschaft. Er gestaltete seine Umgebung, indem er auch Häuser, Strassen und Bäume beschriftete, und schuf sich seine eigene Mythologie mit bekannten und selbsterfundenen Göttern und Wesen. Die Figuren seiner polytheistischen Philosophie finden sich in allen seinen Werken. August Walla lebte seit 1983 im Haus der Künstler und war einer der vielseitigsten Art Brut Künstler der Gegenwart. Er starb 65jährig im Juli 2001.
Haus der Künstler Gugging
August Walla (Sammlung Essl Klosterneuburg bei Wien)
August Walla (Wikipedia)
August Walla (Galerie Susanne Zander Köln)
Neues Kunstzentrum in Gugging
Art Brut
Art brut im Historischen Lexikon
Collection de l'Art Brut Lausanne
August Walla
Der 1936 geborene Künstler August Walla zählte neben Johann Hauser und Owald Tschirtner zu den bekanntesten Gugginger Künstlern.
Bereits früh entwickelte er seine eigenen «Welten» - den Schrebergarten in Klosterneuburg, in welchem er mit seiner Mutter die Sommermonate verbrachte, gestaltete und bemalte er nach seinen Vorstellungen. Er trug Gegenstände aus seiner unmittelbaren Umgebung zusammen, beschriftete, bezeichnete und bemalte sie. Die Arbeiten von August Walla wirken sehr ornamental, erzählerisch und zeichenhaft. Nicht-naturalistische Formen und Figuren, kombiniert mit Schriftzeichen bedecken zweidimensional und flächenfüllend die Malträger. Für seine Werke brauchte er keine Vorlagen, Walla wusste immer, was er gerade darstellen wollte.
Neben dem Kosmos seiner Götterfiguren und den ornamentalen Zeichen spielen Schrift und Sprache eine wichtige Rolle in Wallas Werk. Die Schriftzeichen in seinen Arbeiten wirken auf den Betrachter meist rätselhaft und unverständlich. Er verwendete nicht nur bekannte Wörter, sondern auch Wortschöpfungen und Wörter aus fremden Sprachen, Walla besass mehrere Fremdwörterbücher. Selbst die einzelnen Buchstaben, die er immer wieder abwandelte, waren für ihn von besonderem Interesse - er selbst spricht von «heiligen Zeichen». Wallas «Alphabet» bestand auch aus Symbolen, wie Kreuz, Hakenkreuz, Hammer und Sichel, deren Bedeutungen jedoch verschoben sind.
1955 wurde Walla mit Beschluss vom Bezirksgericht Klosterneuburg entmündigt und seine Mutter als Vormund eingesetzt. Ab 1970 kam er immer wieder für kürzere Krankenhausaufenthalte in das Niederösterreichische Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie nach Maria Gugging. Dort entdeckte Primar Prof. Leo Navratil das künstlerische Talent Wallas. Ab 1983 lebte Walla ständig im Haus der Künstler in Maria Gugging. Dort schuf Walla sein eigenes Reich: Er bemalte die Wände seines Zimmers sowie die Nordseites des Hauses, veränderte Möbelstücke und hinterliess seine Spuren auch an Wegen, Bäumen, Strassen, Parkbänken und anderen Gegenständen.
Die Arbeiten von August Walla wurden erstmals 1970 gemeinsam mit anderen Gugginger Künstlern in der Galerie nächst St. Stephan in Wien gezeigt. Das Ehepaar Agnes und Karlheinz Essl sammelt seit Mitte der achtziger Jahre Kunst aus Gugging - August Walla ist mit 20 Werken in der Sammlung vertreten. 1999 fand eine grosse Ausstellung der Kunst aus Gugging («CAROM») im Schömer-Haus statt.
Der Künstler schuf seine eigene Mythologie mit bekannten und selbst erfundenen Göttern und Wesen. Diese Figuren finden sich in all seinen Werken, wie unter anderem in seiner späten Leinwandarbeit «Götter» von 1999. Grossformatige Leinwände dienten dem Künstler als transportable Wand. Zum Bestand der Sammlung Essl gehört auch die mit Bleistift, Kugelschreiber und Acryl gemalte «Tischdecke» von 1993. Wie in vielen seiner Bilder nimmt er hier Bezug auf seine Heimatstadt Klosterneuburg.
In seinen Arbeiten verfluchte der Künstler oft den Tod, gleichzeitig identifiziert er sich mit ihm. Sich selbst nannte er «Welt-all-ende-tod Walla». Höher als Gott Sabaoth sei nur der All-ende-tot. Walla schreibt: «Allendegott der ich bin.» (Leo Navratil, 1991, S. 343)
August Walla ist am 7. Juli 2001 einem Krebsleiden erlegen.
Christine Humpl Sammlung Essl Klosterneuburg bei Wien
August Walla
Geboren 1936 in Klosterneuburg. Er wuchs bei seiner Mutter und der Grossmutter auf. Er besuchte ein Jahr die Volksschule, dann die Sonderschule.
Zusammen mit seiner Mutter lebte er lange in einem Schrebergarten in den Donauauen, und später in einer ehemaligen Kaserne. Seit 1952 erfolgten immer wieder mehr oder weniger lange Aufenthalte in der psychiatrischen Abteilung des Landeskrankenhauses Maria Gugging. Und seit 1983, nach dem Tod der Mutter, lebt er dauerhaft dort im «Haus der Künstler». Walla ist seit seiner Jugend künstlerisch tätig. Er malt, zeichnet, photographiert, ist Kalligraph und Lettrist, legt Symbole und Zeichen in die Landschaft, bemalt Häuser, Bäume und Strassen. Als einer der vielseitigsten autodidaktischen Künstler schuf er sich eine private Mythologie mit Göttern, Teufeln und fremden Wesen aus anderen Galaxien, getragen durch eine eigene Ikonographie aus einfachen Symbolen und Neologismen.
August Walla zählt neben Johann Hauser und Oswald Tschirtner zu den bekanntesten und international renommiertesten zeitgenössischen Art Brut Künstler. Er hatte unter anderem Ausstellungen in der Wiener Sezession (1971), in der Collektion de l'Art Brut in Lausanne (1985) im Museum Moderner Kunst in Wien (1990) und im Philadelphia Art Museum (1995).
Galerie Susanne Zander Köln
Neues Kunstzentrum in Gugging
Das Haus der Künstler in Gugging bei Klosterneuburg, von Leo Navratil gegründet und seit 1986 von seinem Nachfolger, dem Psychiater und Bildhauer Johann Feilacher geleitet, zählt zu den international meist beachteten künstlerischen und sozialen Vorzeigeprojekten österreichischer Provenienz.
In Museen und Galerien von New York bis Tokio werden die Arbeiten von August Walla, Johann Hauser, Oswald Tschirtner oder Johann Fischer gezeigt, die Gugginger Künstler sind die wohl bedeutendsten Vertreter der Art Brut heute. Jetzt soll in Gugging das weltweit grösste Art-Brut-Zentrum entstehen.
Integrative Culture-Centrum
Geplant sind ein grosses Museum, ein Zentrum für Theater, Musik, Vorträge oder Kabarett, ein Restaurant und ein Museums-Shop. Mit einem Budget von 3,6 Millionen Euro finanziert vom Land Niederösterreich mit Unterstützung des Bundes wird hier in den kommenden Monaten das weltweit grösste Zentrum der Art brut errichtet, das Integrative Culture-Centrum.
Bereits fertig gestellt ist das Erdgeschoss mit Licht durchfluteten 1.000 Quadratmetern: mit einer Galerie, Arbeitsräumen, Ateliers für die Gugginger Künstler und dem so genannten «offenen Atelier», das Menschen mit Psychiatrieerfahrung kostenlos zur Verfügung steht. Die neue Galerie der Künstler aus Gugging und das neue «offene Atelier» werden am 30. Juni 2005 ihrer Bestimmung übergeben.
Öffnung nach aussen
Durch das neue Art-Brut-Zentrum möchte Gugging sich noch mehr der Öffentlichkeit zuwenden als bisher. Denn eine Öffnung nach aussen hat in Gugging bereits Tradition.
Hatte Leo Navratil die künstlerischen Begabungen seiner Patienten nie ohne Zusammenhang mit ihrer Neurose gesehen, so sind sie für seinen Nachfolger Johann Feilacher Künstlerprofis mit fixem Platz auf dem Kunstmarkt.
Kunst in Gugging
1970 fand die erste Ausstellung der Gugginger Künstler in einer Wiener Kunstgalerie statt, der weitere Präsentationen folgten. 1981 gründete Navratil das Zentrum für Kunst- und Psychotherapie. In dieses lud er die künstlerisch talentierten Patienten ein, und es diente ihnen als Wohnhaus, Atelier, Galerie und Kommunikationsraum. 1986 setzte Johann Feilacher das Engagement seines Vorgängers fort und prägte den Begriff «Haus der Künstler».
Viele Künstler aus Gugging sind international bekannt geworden, vor allem Johann Hauser, August Walla und Oswald Tschirtner. Zu den bereits verstorbenen bedeutenden Künstlern zählen neben Johann Hauser, Philipp Schöpke, Franz Kamlander und August Walla auch Rudolf Horacek, Fritz Koller und Josef Bachler
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