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Bern - die Hauptstadt mit Charme Die Aarehänge in der Stadt Bern Aare Der Name des Flusses, in dessen südlichster Schleife die Altstadt von Bern liegt, ist keltisch und hat vermutlich «Ära» gelautet. Belegt ist die gallo-römische Namensform Arura. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Die Aarehänge in der Stadt Bern Vom erhöhten Aussichtspunkt beim Rosengarten erscheint die Altstadt mit ihren geschlossenen Mauern, steilen Dächern, hochragenden Türmen und Kuppeln dem fremden Besucher wie eine riesige, mittelalterliche Burganlage, wie ein zu Stein erstarrtes Monument. Bei längerer, eingehender Betrachtung erfasst er dann auch die tief eingeschnittene Flussschleife und die steilen, grünen Aarehänge. Sie umrahmen als dynamische Naturelemente das steinerne Monument und prägen es zum einmaligen Stadtbild. In Jahrtausenden haben Gletscher und Fluss den Untergrund geschaffen, auf dem im Mittelalter die Stadt Bern gegründet werden sollte. Und diese Stadtgründer zeigen mit ihrer Wahl dieser hochliegenden Flusshalbinsel als Standort für die befestigte Marktstadt einen weitsichtigen Blick auch auf die Möglichkeiten der weiteren städtebaulichen Entwicklung. Auf drei Seiten von Fluss und steilen Talhängen gegen mögliche feindliche Angriffe geschützt, genügten auf der einzigen offenen Westseite ein verhältnismässig kurzer Graben, Mauer und Torturm, um die Stadt voll zu schützen. Die Topografie der steilen Flusshalbinsel bestimmte aber auch die einzig mögliche Entwicklungs- und Erweiterungsrichtung nach Westen. Die Aarehänge waren zu steil, der Untergrund rutschgefährdet und zu wenig standfest, um mit handwerklichen Bautechniken zu überbauen. Dagegen boten sie aber Möglichkeiten für eine vielseitige gewerbliche Nutzung. Auf der sonnigen Südseite unterhalb der Herren- und Junkerngasse entstanden kunstvolle Terrassen-,Obst- und Ziergärten, in früher Zeit auch Rebgärten. Auf der schattigen Nordseite entsprangen die wenigen Hangquellen, die seit des Stadtgründung in Brunnstuben gefasst wurder und allen Bewohnern zugänglich waren: der Stettbrunnen unterhalb der Brunngasse, der Lehnbrunnen unterhalb der Postgasse. Unten in der Nydegg wurde der Stadtbach nach Norden in die Aare abgeleitet, nachdem das Gefälle vorher in Mühlen und Wasserwerken genutzt wurde. Spätestens nach dem grossen Stadtbrand von 1405 diente die steile Brunngasshalde auch als bequeme und naheliegende Müll- und Schuttkippe. Seit dem Untergang der Alten Republik verloren die Aarehänge ihre wehrtechnische Bedeutung. Vor allem auf der Nordseite der Brunngasse bot sich die Gelegenheit, die Hinterhäuser und Werkstätten von der Landseite zu erschliessen. Aber erst 1827 baute man von der Grabenpromenade her der Hangkante entlang einen schmalen Strassenzug (seither Brunngasshalde), vierzig Jahre später mit Aufschüttung nach Osten erweitert und verlängert. Dank den bescheidenen Ausmassen dieser reinen Erschliessungsstrasse blieb damals noch der Zusammenhang der nördlichen Stadtkrone mit der klassizistischen Terrassenanlage beim Rathaus und mit dem grünen Aarehang erhalten. Schwerwiegende Eingriffe am nördlichen Aarehang erfolgen erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Damals nahm der motorisierte Durchgangsverkehr durch die Altstadt sprunghaft zu, der Ruf zum Ausbau der Schüttestrasse immer dringender. Eine weitere Aufschüttung kam nicht in Frage, eine Verbreiterung nur mit einem aufwändigen Lehnenviadukt auf Pfählen möglich. Gleichzeitig erstellte man anstelle der RathausTerrassenanlage eine mehrstöckige unterirdische Einstellhalle. Diese beiden technischen Grossbauwerke haben die prekäre geologische Situation am nördlichen Aarehang eindeutig überfordert. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass nach vierzig Jahren weitgehende Sanierungsmassnahmen nötig sind. Seit der Stadtgründung im Mittelalter und während der langen städtebaulichen Entwicklung über acht Jahrhunderte sind die wichtigen Aarehänge bis heute von schweren Eingriffen verschont geblieben. Auch der Bau der Hochbrücken und die Erschliessung der rechtsufrigen Siedlungsgebiete im 19. Jahrhundert haben dieses komplementäre Bezugssystem zwischen dichter Altstadtkrone und unüberbauten, begrünten Aarehängen nicht wesentlich verändert, im Gegenteil: es ist auf die rechtsufrigen Talhänge erweitert und durch besondere Vorschriften in der Bauordnung geschützt worden. Diese lange und konsequente städtebauliche Planung wurde auch von der UNESCO gewürdigt, als sie vor 20 Jahren die Altstadt von Bern in die Liste der Weltkulturgüter aufnahm. Wir erkennen aber auch, dass in den letzten 50 Jahren - bedingt durch Bevölkerungswachstum in der Region, durch rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung - sich der Druck auf die Altstadt und die Aarehänge stark erhöht hat. Mit neuen bautechnischen Methoden und schweren Baumaschinen sind heute Eingriffe auch im Untergrund möglich, die mit den früheren handwerklichen Verfahren gar nicht zu denken waren. Diese neuen Baumethoden sind auf Grossbaustellen in Neubaugebieten sicher wirtschaftlich und zweckmässig. In der kleinteiligen Altstadt und an den geologisch unstabilen Aarehängen sind sie fehl am Platz und zerstören ein über Jahrhunderte gewachsenes Gleichgewicht. Es ist deshalb Aufgabe der Baubehörden, bei Bauprojekten in der Altstadt alle Vorsicht zu wahren. Als Bewohner der Altstadt und Besucher der Aarehänge wollen wir diesem einzigartigen Öffentlichen Raum die gebührende Aufmerksamkeit und Fürsorge entgegenbringen. Hans Haltmeyer Brunnezytig 23.06.03 Schütte – Rathauspromenade Der baumbewachsene Nordhang der Berner Altstadt besteht aus der Rathauspromenade und der Schütte. Er gehört zusammen mit der historischen Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seine Entstehung ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden. Spätestens nach dem grossen Stadtbrand von 1405 diente der steile Hang als bequeme und nahe liegende Abfallhalde – daher der Name «Schütte». Im Lauf der Zeit verschob sich der Hang immer weiter Richtung Aare. 1740 wurde an Stelle des Badergrabens die Grabenpromenade aufgeschüttet und als barocke Anlage mit Linden gestaltet. Von 1782 bis 1786 folgt der Bau des Knabenwaisenhauses – mit hohen Stützmauern direkt in den Hang hinein. Die geplante Vergrösserung des Rathauses auf der Fläche der kurz zuvor abgebrannten «Alten Münzstatt» brachte weitere Veränderungen mit sich, wenn auch nicht so wie ursprünglich gedacht. Den Architekturwettbewerb – einer der ersten seiner Art – gewann der Architekt J.-D. Antoine aus Paris. Eine dreiteilige Terrassenanlage im Aarehang sollte als Fundament für das neue Gebäude dienen. Doch dann ergriff die Französische Revolution auch Bern, das Ancien Régime wurde gestürzt und die Helvetische Republik ausgerufen. In der Folge verzichtete man auf die Vergrösserung des Rathauses. 1806 wurden die Bauarbeiten an den Terrassenanlagen wieder aufgenommen und 1814 abgeschlossen. Nun diente die Promenade auch dem Volk und war nicht mehr nur der Obrigkeit vorbehalten. Nach und nach kamen östlich und westlich der Terrassenanlage die Kreuzwege mit den begleitenden Bäumen hinzu. Während des Baus der Kornhausbrücke (1895–98) wurde der grösste Teil der Grabenpromenade abgebrochen – nur zwei der ursprünglichen Linden stehen heute noch dort. Im Zuge der Aarekorrektion von 1912 bis 1918 entstand durch Verbauung und Aufschüttung eine neue Uferlinie mit Linden. Die Rathauspromenade selber blieb rund 150 Jahre lang unverändert. Wegen der Zunahme des motorisierten Verkehrs durch die Altstadt wurde die Schüttestrasse in den 1960er-Jahren mit einem aufwändigen Lehnenviadukt verbreitert. Gleichzeitig entstand im Aarehang ein mehrstöckiges, unterirdisches Parkhaus. Damit verschwand das Herzstück der Rathauspromenade – die für Bern einmalige Terrassenanlage. Heute lädt der verwilderte, eher unbekannte Ort mit den riesigen Platanen zu stillen Spaziergängen ein – und zur Suche nach Spuren der Zeit. Die jahrhundertealten, riesigen Platanen sind die letzten lebenden Zeugen der einstigen Terrassenanlage. Der Nordhang im Schatten der Altstadt fristet zweifellos ein Mauerblümchendasein. Mit verschiedenen Massnahmen nach Vorgaben des Parkpflegewerks Schütte-Rathauspromenade wird diese einzigartige Anlage in den nächsten Jahren aufgewertet. Die Kreuzwege sollen auf attraktive Weise die Altstadt mit der Aare verbinden. Es werden Aussichtspunkte erstellt und die Zugänge verbessert. Bereits realisiert wurden erste Baumpflanzungen entlang der Kreuzwege. www.nike-kultur.ch Lehnenviadukte Postgasshalde / Brunngasshalde Die 1968 am Schüttehang erstellten Lehnenviadukte Postgasshalde / Brunngasshalde dienen zur Umfahrung der Unteren Altstadt. Nach 35 Betriebsjahren weisen die beiden Bauwerke schwerwiegende Schäden auf. Nötig und dringend ist ihre Instandstellung vor allem im Hinblick auf die Sanierung von Gerechtigkeits- und Kramgasse, da dann der 12er-Bus temporär über die Brunngasshalde/Postgasshalde geführt werden muss. Die Umleitung der schweren Busse wäre beim heutigen Zustand der Lehnenviadukte nicht zu verantworten. Durch die vorgesehenen Verstärkungs- und Erhaltungsmassnahmen, die 4.9 Mio. Franken kosten, wird am grundsätzlichen Konzept der Lehnenviadukte nichts geändert. Auf Schutt gebaut... Das mittelalterliche Bern wurde von mehreren Bränden heimgesucht, wovon derjenige von 1405 der weitaus verheerendste war. Damals wurden über 600 Häuser zerstört und mehr als hundert Menschen starben. Der Brandschutt wurde auf der Nordseite der Stadt Bern gegen die Aare hin entsorgt - so entstand die Schütte. Die Tiefe der Schuttschicht beträgt zum Teil 20m. Der steile Hang ist seit jeher in einem labilen Zustand. Die Schütte bewegt sich immer noch leicht und wird deshalb seit Jahrzehnten periodisch überwacht. ![]() ![]() ![]() |