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Bern die Hauptstadt mit Charme

Allmend

Die Allmende
Gemeinschaftseigentum der Bewohner einer Dorfgemeinde an der landwirtschaftlichen Kulturfläche (besonders an Weide, Wald und Ödland). Die Allmende wurde meist gemeinschaftlich genutzt und war Merkmal einer fast 1000-jährigen Bodenordnung bis ins 19. Jahrhundert.

www.wissen.de



  • Allmend
  • Nutzungs- und Gestaltungskonzept Allmenden
  • Allmend (HLS)
  • Allmende (Wikipedia)
  • Abbildungen



    Allmend

    Nahrungsquelle der Stadt

    Erste Hinweise auf gemeinschaftlich genutzte Wiesen und Weiden finden sich im Schenkungsbrief von 1269. Die Stadt Bern stellte einem Dominikanerorden ein Gelände nordwestlich der Stadt zur Verfügung. Im Brief werden die Gebiete als Allmend («communitatem pertinens, vulgartiter Allmenda») und private Gärten mit Sommerlaube («horti sive loca hortorum») beschrieben, wie es im Geschichtsband «Berns mutige Zeit» heisst. In den Gärten zogen die Stadtbürger Gemüse und Früchte, was einen grossen Teil ihrer Ernährung ausmachte. In Bern existierten zwei Allmendgebiete. Wer unter der Kreuzgasse wohnte, trieb sein Vieh auf die rechte Seite der Aare (in Fliessrichtung), die Oberstädter liessen ihre Tiere links des Flusses weiden.

    Während des gesamten Spätmittelalters behielt die genossenschaftliche Nutzung der Allmenden ihre wichtige ökonomische Bedeutung. Auch für das Gewerbe: Metzger und Gerber konnten nahe der Stadt grössere Viehherden halten, verkauften die Tiere oder führten sie in die Schlachthöfe.

    Die Fläche, auf der sich heute die Kleine und Grosse Allmend befindet, war bis Mitte 19. Jahrhundert unbebautes Weideland – und wurde «Siechenfeld» genannt. Abgeleitet vom im 15. Jahrhundert bei der Waldau erbauten Siechenhaus für Leprakranke. Einzig die beiden 1758 angelegten Hochalleen zogen sich durchs freie Feld. Die nächste Zerstücklung fand um 1860 durch den Bau der Eisenbahnlinie Bern - Thun statt, welche das Wankdorffeld und die Allmenden durchquerte. Letzter Zeuge der Zuglinie war das schmucke Bahnwärterhäuschen, das vor eineinhalb Jahren abgerissen wurde.

    Notlandung eines Nazi-Fliegers

    Durch den Bau der angrenzenden Militärkaserne am Ende des vorletzten Jahrhunderts nahm die Armee die Allmend für ihre Zwecke ein. Die Hügel und Gräben, die einst als Manövrierfeld genutzt wurden, dienen heute Mountain-Bikern als Sprungschanzen. Mit dem Militär kam auch die Fliegerei, die Allmend wurde zum bevorzugten Start- und Landeplatz von Ballonen und Flieger. Nahe der Wankdorfkreuzung stand eine grosse Ballonhalle. Am 13. Juli 1913 startete der Fliegerpionier Oskar Bider auf der Grossen Allmend mit seiner Bleriot-Eindecker zur ersten Alpenüberquerung. Der 22-jährige Bider wurde in Domodossola als Held empfangen, noch Jahre später stand sein Name für die Fliegerei schlechthin. Ab 1910 diente die Allmend als Start- und Landeplatz für Flugzeuge und Ballone. Das Gelände erwies sich aber als ungeeignet für den Flugverkehr, die Behörden suchten bald nach einem neuen Standort und wurden auf dem Belpmoos fündig. Auf dem Flugplatz, 1929 eröffnet, steht übrigens noch heute der denkmalpflegerisch bedeutende Bider-Hangar – die letzte Bogenbinderhalle der Schweiz.

    Vergessen dagegen der Name eines deutschen Piloten, der seinen Messerschmitt-Jagdflieger in der Zeit des Zweiten Weltkriegs auf der Allmend sicher notlandete –trotz den Stacheldrahtverhauen zur Abwehr einer Luftlandung.

    Noch während des Kriegs kam erneut die Idee auf, auf der Allmend einen Flugplatz zu erstellen –doch dem Vorhaben erwuchs so viel Widerstand, dass der grosse Flughafen nicht hier gebaut wurde, sondern in Kloten bei Zürich.

    Seilbahn Bärengraben–Allmend

    Neben Flugmeetings fanden Anfang des 20. Jahrhunderts etliche andere Grossanlässe auf der Allmend statt, zum Beispiel das Eidgenössische Schützenfest 1910 – erstmals fungierte damit die Allmend als eine Art Messegelände. Später siedelte sich das Messewesen fest auf dem Gebiet der Allmend an: 1931 fand die Saffa, die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit statt, eine Reihe weiterer Ausstellungen folgten. Älteren «Bund»-Lesern mag die internationale Kochkunstausstellung Hospes von 1954 noch in angenehmer Errinnerung sein –des Sessellifts wegen, der während 39 Tagen vom Bärengraben bis zum Messegelände führte. Schon 1948 wurde die Festhalle gebaut und seit 1951 wird jeden Frühling die BEA durchgeführt.

    Verdrängungsopfer Autostrich

    Im 20. Jahrhundert dehnte sich die Stadt aus und frass sich von den Rändern her in die Allmenden hinein. Mit dem Bau des Fussballstadions, der Messehallen oder des Eishockeystadions 1967 verloren die Gemeinschaftswiesen markant an Fläche. Ihre heutige Form erhielt die Grosse Allmend 1977, nach über zehnjähriger Verschönerungsarbeit. Nötig wurde die Neugestaltung durch den Bau der Autobahn, welche die Kleine von der Grossen Allmend trennt. Mit 500'000 Kubikmeter Aushubmaterial wurden künstliche Hügel erstellt, 700 Schulkinder pflanzten Bäume.

    Ernähren müssen die Allmenden die Berner heute nicht mehr, sie dienen vornehmlich der Erholung, Ertüchtigung und Unterhaltung der Stadtbevölkerung. Grossanlässe finden noch immer auf der ausladenden Wiese statt – wie etwa der Papst-Besuch vor zwei Jahren. Und wenn nicht gerade ein Modellflieger statt auf dem Gras in einer Hundeschnauze landet, laufen die vielfältigen Aktivitäten meist friedlich nebeneinander vorbei.

    Tatsache ist aber, dass der Nutzungsdruck markant zugenommen hat. Und es gibt auch schon ein erstes Verdrängungsopfer zu verzeichnen: den Autostrich. Seit den 60er-Jahren hat er auf der Grossen Allmend stattgefunden. Nun warten die Prostituierten vor der nahe gelegenen Militärkaserne auf Freier, heisst es bei der Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen Xenia. Grund: Die nächtliche Abriegelung der Parkplätze. Dadurch ist der hintere, düstere Teil nicht mehr zugänglich – was sich ungünstig aufs Geschäft auswirkte.

    Der Bund Simon Jäggi 10.02.07



    Nutzungs- und Gestaltungskonzept Allmenden

    Die Grosse und die Kleine Allmend waren ursprünglich grüne Wiesen mit landwirtschaftlicher Nutzung und später Exerzierfeld für die Armee. Sie haben sich im Laufe der Zeit zu vielfältig genutzten Freiflächen gewandelt. So hat sich die Grosse Allmend im nördlichen Teil zu einer beliebten Freizeit- und Sportanlage für unterschiedlichste Mannschafts- und Einzelsportarten entwickelt. Im südlichen Teil wird sie für Ausstellungen der BEA expo bern, den in Bern gastierenden Zirkussen und verschiedene kleinere Anlässe genutzt. Die kleine Allmend ist heute Sport- und Freizeitgelände, Übungsplatz fürs Militär und Parkplatz für Grossveranstaltungen. Ausserdem wird sie von Hornussern, Hunde-Vereinen und einem Schafhirten benutzt.

    Zusätzliche Bedürfnisse wie neue Sportfelder und zahlreiche Bauprojekte in der Umgebung verstärken den Nutzungsdruck auf die Allmenden. Damit diese auch in Zukunft die verschiedenen Ansprüche erfüllen können und weiterhin für die Bevölkerung zugänglich und nutzbar bleiben, muss die Entwicklung sorgfältig geplant werden.

    Im Jahre 2004 wurde deshalb ein Studienauftrag für ein neues Nutzungs- und Gestaltungskonzept Allmenden in Auftrag gegeben. Ziel des Auftrags war es Vorschläge zu erhalten für einen qualitativ hochwertigen, multifunktional nutzbaren und für die Öffentlichkeit weitgehend frei zugänglichen Freiraum mit hohem Identifikationswert. Die Resultate des Studienauftrags zeigen, dass die Allmenden übernutzt sind wenn alle Ansprüche erfüllt werden sollen. Deshalb werden bei der Weiterbearbeitung des Konzepts Prioritäten für die einzelnen Nutzungsansprüche festgelegt und Vorschläge erarbeitet wie die Nutzungsmöglichkeiten verbessert werden können.

    Die überarbeiteten Nutzungs- und Gestaltungskonzepte wurden vom Gemeinderat genehmigt.

    www.bern.ch


    Bern Allmend
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