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Bern die Hauptstadt mit Charme Antonierkirche, Antonierhaus 1444 baute der bereits 1283 in Bern ansässige Spitalorden der Antonier eine Kapelle und ein kleines Ordenshaus. 1492-1505 entsteht die neue Kirche. Baumeister ist evtl. Hans von Münster, ein Gehilfe Erhard Küngs. 1533 Umbau in ein Kornhaus. Nach 1798 dient die Antonierkirche als Werkstätte und Postwagenremise bis 1831, 1839-1843 als Kunstmuseum, 1837-1843 als Historisches Museum. 1843 übernimmt der Kronenwirt J. Krafft die Antonierkirche und baut sie z.T. neugotisch als Stallung und Heubühne um. 1860 kauft die Einwohnergemeinde die Antonierkirche und verwendet sie als Feuerwehrmagazin, dem 1911 noch ein Steigerturm angebaut wird. 1939/40 Umbau unter Ernst Indermühle: Entfernung aller nachreform. Zutaten. Raumaufteilung neu zur Verwendung als Kirchgemeindehaus. Lit.: KDM. 5 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Die ehemalige Spitalkirche des Antoniterordens Versteckt hinter den Lauben der Postgasse Wer nicht gut aufpasst, geht an ihr vorbei! Bei der Nummer 62 verraten jedoch zwei gotische Portale und ein spätmittelalterliches Kreuzgewölbe – im Scheitel ein Wappen mit dem Tau-Kreuz – den Bau, der im Auftrag eines wenig bekannten Spitalordens, der Antoniter, errichtet worden ist. Seither ist viel geschehen, im Kern ist das rund 500 Jahre alte Gebäude aber erhalten geblieben. Die ursprüngliche Funktion des heutigen Antonierhauses Aus Schriftquellen ist zu erfahren, dass die Antoniter, die im Spätmittelalter als Spezialisten in der Behandlung einer furchtbaren Krankheit galten, um 1470 von der Berner Regierung dazu ermuntert wurden, in der Stadt ein Spital einzurichten. Genau genommen handelte es sich eher um ein Behinderten- oder Altersheim, um einen Ort, an dem diejenigen Menschen aufgenommen und gepflegt wurden, die als Folge einer Mutterkornvergiftung zu Krüppeln und damit zu Aussenseitern der spätmittelalterlichen Gesellschaft geworden waren. Die Ursache der Krankheit – verdorbenes Roggenkorn – kannte man jedoch im Mittelalter noch nicht: Die Menschen waren mit einer unerklärbaren, epidemieartig auftretenden und vor allem die arme Bevölkerung befallenden Krankheit konfrontiert. Hoffnungsvoll wandten sie sich an Antonius den Grossen, den frühchristlichen ägyptischen Heiligen, der sich als Einsiedler in der Wüste unermüdlich dem Kampf mit Dämonen gestellt hatte. Von ihm glaubte man, dass er die Krankheit nicht nur heilen, sondern ungehorsamen Menschen auch als Strafe verhängen konnte. Der Antoniterorden war aus einer Laienbruderschaft hervorgegangen, die in einem kleinen Ort in der französischen Dauphiné, wo die Reliquien des Heiligen Antonius verehrt wurden, die kranken Pilger pflegte. Da diese frommer Männer offenbar beeindruckende Heilungserfolge hatten, sie zudem im Laufe de] Zeit grosse organisatorische Fähigkeiten entwickelten, entstand aus der Bruderschaft in kurze] Zeit ein Orden, der Spitäler in ganz Europa unterhielt. Und es ist nicht erstaunlich, dass die Stadt Bern, die im späten 15. Jahrhundert auf der Höhe ihrer Macht stand, unbedingt auch eine solche Einrichtung anbieten wollte. Der Neubau des Spitals um 1500 Den Antonitern wurde von der Stadt eine zwar schmale, aber gut gelegene Bauparzelle in dei Nähe des Ratshauses überlassen. Die bernische Bevölkerung spendete grosszügig an der Kirchenneubau: Auf diese Weise hoffte jedermann selbst und mit allen Nachkommen von dei schrecklichen Krankheit des «Antoniusfeuers>, verschont zu sein. In der Forschung wird angenommen, dass der Neubau eine Spitalkirche war; dass also die Menschen in der Kirche selbst untergebracht, so dem heiligen Altar nahe waren und der Messe auch von den Betten aus beiwohnen konnten. Neben der körperlichen Pflege, die nicht viel mehr als ausreichende Ernährung umfasste, wurde bei den Antonitern die Pflege der Seele gross geschrieben. Dazu dienten einerseits die regelmässigen Gottesdienste. Die versehrten Menschen hatten aber darüber hinaus viel Zeit, um sich mit der für sie vorbildlichen Lebensgeschichte des Ordens- und Kirchenpatrons Antonius auseinander zu setzen. Zu diesem Zweck wurden in den Jahren um 1500 vierundsechzig Bilder in je vier Registern an die Längswände des Chores gemalt. In erstaunlicher Ausführlichkeit schildern diese Szenen das Leben des Antonius, seinen Tod und schliesslich die Wiederentdeckung der Reliquien in der ägyptischen Wüste. Für die gebildeten Betrachter war zusätzlich allen Bildern ein kurzer Text angefügt, der die entsprechende Stelle aus der Antoniuslegende zitierte. Die Ausstattung wurde 1520 durch einen neuen Hochaltar ergänzt, der Auftrag dazu erging an den damals berühmtesten Berner Maler Niklaus Manuel. Die wechselvolle Geschichte seit der Reformation Die Kirche war nur wenige Jahre auf diese Weise in Gebrauch: 1528 wurde in Bern die Reformation eingeführt und die Antoniterbrüder mussten Bern verlassen. Wie in allen Kirchen der Stadt wurden die beweglichen Ausstattungsstücke entfernt (glücklicherweise in unserem Falle nicht verbrannt: einige Gemälde von Niklaus Manuel kamen in Frankreich wieder zum Vorschein und werden heute im Kunstmuseum Bern aufbewahrt), der Wandmalereizyklus seinem Schicksal überlassen. Unterschiedlichste Nutzungen – so war das Gebäude zeitweise Remise für die Kutschen der angrenzenden Fischerschen Post – haben dazu geführt, dass die Malereien schon bei ihrer ersten Freilegung 1888 sehr schlecht erhalten waren. Als man 1939 das gesamte Gebäude renovierte, entschlossen sich die damals Zuständigen entgegen der ursprünglichen Absicht einer Zerstörung der Wandmalereien, die Reste zu fotografieren, sowie zusätzlich die gut erhaltenen Teile abzulösen. Heute befinden sich alle konservierten Bildfelder wieder in der Liegenschaft Postgasse 62, allerdings nicht mehr im Kirchenraum, sondern in einem Raum im ersten Stock. Dank einem Vergleich mit ähnlichen Aufträgen des Ordens ist es nun auch gelungen, die einzelnen Teile der Geschichte wieder zu verstehen. Dass dies beim schlechten Zustand der Wandmalereifragmente nicht selbstverständlich ist, wird jedem klar, der sie betrachtet. Deshalb ist der Druck einer Broschüre mit Rekonstruktionszeichnungen in Vorbereitung. Sie soll dazu dienen, die Malerei zu verstehen und zu schätzen, handelt es sich doch um den wohl umfangreichsten erhaltenen Wandmalereizyklus zum Leben des Heiligen Antonius. Die Berner dürfen also stolz sein auf diese malerischen Zeugen aus einer Zeit, da Bilder noch eine andere Funktion hatten als heute: Sie erzählten dem vielfach leseunkundigen Betrachter eine vorbildliche Geschichte und halfen ihm vielleicht, sein schwieriges Leben leichter zu akzeptieren! Brunne Zytig Charlotte Gutsche 24.11.2006 ![]() |