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Bern - die Hauptstadt mit Charme Bern - Bärengraben (seit 2009 Bärenpark) 1) Nachdem schon seit 1480 in den Stadtgräben gelegentlich Bären gehalten worden waren, wurde der erste Bärengraben 1513 am Bärenplatz eröffnet. Aufgehoben und zugeschüttet wurde der erste Bärengraben 1763. Der nördlichste Teil des Bärenplatzes hiess schon im 15. Jh. gelegentlich Tiergraben. Standort: Zwischen den Häusern Bärenplatz 2 und 3, 5 und 7 2) Der zweite Bärengraben wurde 1764 eröffnet und 1825 aufgehoben. In den Jahren 1798-1810 stand er leer. Zugeschüttet wurde er 1830 beim Bau des Grossen Zuchthauses. Standort: Bollwerkpost, Süd-Teil, Bollwerk 25 3) Der dritte Bärengraben wurde 1825 eröffnet und 1857 wegen der Einführung der SCB aufgehoben. Standort: Eisenbahnareal nördlich des Stellwerks, Bollwerk 14 4) Der vierte Bärengraben (Muristalden 4) wurde in den Jahren 1856/57 von Tschiffeli erbaut. 1892 wurde der «Bärenstein» («Erst Bär hie fam») an der Nordseite der Brüstung eingesetzt. Dieser Stein war früher im Portal des Klösterli-Friedhofs eingemauert gewesen. Der hintere, kleine Graben für Jungbären entstand 1924. Die Renovation von 1974/75 brachte einige betriebliche Erleichterungen. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Standort: Grosser Muristalden 4. Vom Bahnhof Bus Linie 12 Richtung Paul Klee Zentrum bis Bärengraben. Zu Fuss Spitalgasse, Marktgasse, Kramgasse und von der Gerechtigkeitsgasse über die Nydeggbrücke. aus gradus. Bärenpark Der neue Bärenpark (Eröffnung Oktober 2009) ist ein rund 6000 Quadratmeter grosses Gehege am Aarehang unterhalb der beiden Bärengräben. In einem 100 Meter langen Wasserbecken können die Tiere ein Bad nehmen. Besucher können die Bären von einem Damm hinter dem Becken aus und von oben her beobachten. Im neuen Park tummeln sich die Bären Fynn und Björk.
Bärengraben Die Überlieferung freilich leitet den Namen der Stadt von ihrem Wappentier ab: Herzog Berchtold habe bestimmt, dass das erste in den Wäldern um die Stadt herum erlegte Tier dieser den Namen gebe, und diese erste Jagdbeute sei ein Bär gewesen. Aber der Bär war in unserer Gegend von jeher ein Tier, dem ein besonderer Kult entgegengebracht wurde; in Muri bei Bern fand man sechs kleine Bronzestatuetten aus römisch-keltischer Zeit, von denen die eine die Dea artio, die Bärengöttin, darstellt. Ein undatierbarer Stein, den man an der Schosshalde fand und der heute in die Umfassungsmauer des Bärengrabens eingelassen ist, meldet in lapidarer Schrift: «erst bär hie fam» - hier fingen wir den ersten Bären - kaum jenen herzoglichen Namenspaten der Stadt, wohl eher den «Stammvater» der Bären, die 1480 ihren ersten Bärengraben beim Käfigturm erhielten; wenigstens wird er 1480 zum erstenmal erwähnt. Die Bären stammten meist aus den waldreichen waadtländischen Vogteien, besonders aus Romainmôtier. Im Jahre 1798 liess General Brune, der eindringende Sieger, die drei vorhandenen Bären nach Paris wegführen, und der Graben blieb zum Leidwesen der Berner zwölf Jahre leer. Dann aber schenkte ein bernischer Burger der Stadt zwei savoyische Bären, und kurz bevor die Eisenbahn nach Bern kam und der Graben nach der Landseite der Nydeckbrücke verlegt werden musste, lieferte der Jardin des Plantes in Paris ein weiteres Paar. Zu verschiedenen Malen gab es neuen Zuwachs, meist aus dem Osten, von Livland, Siebenbürgen, Russland und Kamtschatka, so dass der heutige Bärenbestand einen sehr östlichen Einschlag hat. Wie in früheren Jahrhunderten werden die Bären auch jetzt noch vegetarisch mit Brot und Rübli gefüttert. Der dreiteilige, mit Klettertannen versehene Graben weist meist gegen ein Dutzend der drolligen Wappentiere auf, einmal, vor dem Ersten Weltkriege, waren gar 24 Bären gleichzeitig vorhanden. Der Graben ist das Stelldichein von Tausenden geworden. Schon Felix Platter erzählt von seinem Besuche des Bärengrabens, James Fenimore Cooper wie Alexander Dumas besuchten ihn, Albert Einstein und Lenin sahen sich in ihrer Bernerzeit den Bärengraben an, und königliche Hoheiten aus aller Welt beehrten ihn mit ihrem Erscheinen, der König von Siam wie der deutsche Kaiser. Dann und wann ereignete sich auch ein Unglück, wenn ein Unvorsichtiger in den Graben stürzte, aber das erhöht nur den geheimnisvollen Zauber dieses Ortes, und der Bärengraben mit seinen Wappentieren ist nicht mehr von Bern wegzudenken. Sanierung 1995/96 Seit 1857 befindet sich der Bärengraben an seinem heutigen Standort. Die Anlage gilt als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung. 1995/96 wurde sie umfassend renoviert und im Innern umgestaltet - mit dem Ziel, den Bären ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Die neuen Einbauten - weicher Kies- und Holzschnitzelboden, Sandsteinhügel mit Höhlen, Kletterbaum, Schwimmbecken etc. - können zwar die Elemente der freien Natur nur nachahmen und nicht vollständig gleichwertig ersetzen; aber sie schaffen doch einen Lebensraum, in dem sich die fünf Pyrenäen-Braunbären ganz offensichtlich wohl fühlen. Dazu trägt auch bei, dass die Tiere durch ein neues Betriebskonzept angeregt werden, ihre natürlichen Verhaltensweisen - Bewegung, Futtersuche, Spiel, Erholung etc. - zu pflegen. Für Bern ist der Bärengraben weit mehr als eine Publikumsattraktion. Die historisch und zoogeschichtlich bedeutsame Anlage und deren Bewohnerinnen und Bewohner machen für die Berner Bevölkerung ohne Zweifel einen Teil ihres Heimatgefühls und ihrer Identifikation mit der Stadt aus. Deshalb liegt den Bernerinnen und Bernern das Wohlergehen ihrer Mutzen im Bärengraben sehr am Herzen. International anerkannte Bären-Kenner versichern, dass dieses Wohlergehen mit der kürzlich erfolgten Bärengraben-Sanierung und mit der intensiven Betreuung im Rahmen der Möglichkeiten gesichert ist. Die Berner Bären Zur Zeit leben fünf schon ältere Braunbären in zwei Gruppen im Bärengraben, nämlich Die Bären halten sich täglich im Freien auf: Bärenwärter und Bärenessen 27 Jahre lang, bis im Jahre 2003 war Emil Hänni vollamtlicher Bärenwärter im Berner Bärengraben - bei seinem Stellenantritt löste er damals seinen Vater ab, der seinerseits 24 Jahre lang Bärenwärter war - und in dieser Funktion die zweitwichtigste Person in der Stadt Bern - getreu der Jahrhunderte alten Tradition in der Hierarchie «direkt hinter dem Stadtpräsidenten». Dies hatte sich insbesondere beim jährlich stattfindenden Bärenessen manifestiert, bei dem der Bärenwärter nach dem Stadtpräsidenten die besten Teile - die Tatzen und die Leber - kredenzt bekam.. Die «Nydegg» war eine der ersten Gaststätten von Bern und hatte im 15. Jahrhundert als einziges Lokal in Bern eine Lizenz zum Verkauf von Bärenfleisch. Später wurden auch im «Goldenen Adler» und im «Kornhauskeller» Bärengerichte angeboten. Die Bärenessen wurden Mitte der Neunzigerjahre abgeschafft, und mit der Pensionierung von Emil Hänni beendet die Stadt Bern nun eine weitere Tradition. Es wird künftig keinen vollamtlichen Bärenwärter mehr geben. Der Grund: Die Pläne für einen Bärenpark am Aarehang konkretisieren sich weiter. Wird das Vorhaben dereinst realisiert, ist ohnehin ein neues Betriebskonzept erforderlich. Bärenpark am Aarehang Die Idee des Bärenparks am Aarehang wurde im Frühling 2001 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Die Bären sollen aus ihrem steinernen Graben befreit werden und sich ganzjährig und ganztags in einem über 10'000 Quadratmeter grossen neuen Freiluftgehege unterhalb des Bärengrabens tummeln und im Wasser plantschen dürfen. Der heutige Bärengraben, der sich seit 1856 an seinem jetzigen Standort bei der Nydeggbrücke befindet und im Bundesinventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung sowie in der höchsten kantonalen Schutzkategorie figuriert, soll zu einem Bären-Informationszentrum umfunktioniert werden. Die Ausarbeitung eines Bauprojekts und die Beschaffung der finanziellen Mittel - je nach Art des Projekts wird mit vier bis acht Millionen Franken gerechnet, die vor allem von Sponsoren flüssig gemacht werden sollen - ist für 2004 vorgesehen. Voraussichtlich 2005 würde das Berner Stimmvolk über die für die Errichtung des Parks nötige Umzonung befinden. 2006 schliesslich könnte die «Erlebniszone mit dem Thema Bär» realisiert werden. Vom Gefängnis in den Bärengraben Aufregende Szenen im Berner Bärenzwinger In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag näherte sich ein eben aus der Strafanstalt Thorberg entlassener Sträfling, der nach Bern gekommen war und seine wiedergewonnene Freiheit allzusehr mit dem Becher gefeiert hatte, der Mauer des Bärengrabens. Stille war's ringum. Die zottigen Gesellen der Abteilung für die jungen Bären, die teils auf der Tanne sich schlafen gelegt hatten, wurden durch einen plötzlichen schweren Fall aufgeschreckt. Der Mann hatte sich über die Brüstung gelehnt und war wie ein Kartoffelsack auf den Rücken in den Zwinger hinunter gefallen. Er schaute verwundert um sich. Der letzte der jungen Bären hatte Reissaus auf den Baum genommen, und als der Betrunkene keine Gefahr mehr wahrnahm, legte er sich unter der Tanne zu süssem Schlummer hin. Vor Tagesanbruch erwachte er und erkannte seine gefährliche Lage. Er wendete sich nach dem Gitter am vorspringenden Teil des Gebäudes, kletterte dort auf die Mauer und heulte wie ein Besessener. Wenn die 21 Monate alten Bären im Jugendzwinger nicht blutgierig gewesen waren, so waren es um so mehr die grossen Bären auf der andern Seite des Grabens, welche sich aufrichteten und mit ausgestreckten Tatzen des Opfers begehrten. Die alte, dreiundzwanzigjährige Bärenmutter, die schon einmal, vor etwa sieben Jahren, Menschenfleisch gekostet hat, fletschte mit den Zähnen und all die drei grossen Bestien knurrten wütend. Als Bärenwärter Bigler vom Innern des Zwingers mit der Leiter zu Hilfe kam, da war der Mann beinahe ohnmächtig. Der Wärter holte ihn herunter und schloss ihn ein, um der Polizei Gelegenheit zu geben, sich den Fall etwas näher anzusehen. Der Bund, 5. Oktober 1903 ![]() ![]() |