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Bern - die Hauptstadt mit Charme Bernfest Bärnfescht 1976 Programm 4. September 1976 Anmerkung: Aus heutiger Sicht ist es geradezu traumhaft, wieviele unterschiedliche Institutionen, Vereine, Parteien usw. sich an diesem Fest beteiligten - mit den horrenten Standgebühren und Auflagen der Gewerbepolizei sind solche Feste schon lange nicht mehr möglich. Zum Glück haben wir wenigstens noch die Kebab- und Frühlingsrollenverkäufer. Bühnen mit ernster und heiterer Unterhaltung
Ausstellungen, Vorführungen, Wettkämpfe und anderes
Grussbotschaften Stadtpräsident Reynold Tschäppät Eine Weltstadt könnte ein solches Fest nicht durchführen, weil sie zu gross wäre. Wir führen ein grosses Fest durch - aber ein bernisch grosses - was genauer gesagt heisst: jeder kann und soll mitmachen, und zwar auf den Plätzen, Strassen und Gassen, die er kennt und die er als sein Eigen empfindet, weil er sich auch sonst dort aufhält. Es gibt Miteidgenossen, die uns für verschlossen, misstrauisch und unbeweglich halten. Diese Beurteilung ist natürlich falsch. Wir mögen zwar eher zurückhaltend sein, aber verknorzt sind wir nicht, und wir haben in der stolzen Geschichte Berns oft genug bewiesen, dass wir Feste feiern können, die echt fröhlich und gemütlich, und nicht nur laut sind. Deshalb Ihr Berner, bleibt Euch auch beim Festen treu, stolz und bescheiden zugleich, aber auch aufgeschlossen und ohne falsche Vorurteile! Viel Vergnügen! Bundespräsident Rudolf Gnägi Sich selber zu einem gelungenen Fest verhelfen In diesen Tagen bedaure ich es, dass ich nicht in der Stadt Bern wohne, wo ich zuhause mit den Bernern ihr Fest feiern könnte. Als «Pendler», der in einer Nachbargemeinde wohnt und doch den grössten Teil des Tages in der Stadt verbringt, ist es mir ein Anliegen, den Bernern für ihr grosses «Bärnfescht 1976» gutes Gelingen und viel Vergnügen zu wünschen. Ganze 18 Jahre sind es her seit dem letzten Bernfest. Ich glaube nicht, dass die Vorbereitungen für das bevorstehende Fest so lange gedauert haben. Sicher ist aber, dass eine grosse Arbeit geleistet wurde und bis zum Fest noch geleistet wird. Möge sie die verdienten Früchte tragen. Das Bernfest 1976 ist ja mehr als ein Jahrmarkt-Vergnügen, an dem man sich von Dritten unterhalten lässt. Die als Stimmungsmacher und Unterhalter auftreten, sind die Berner selber. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen Konsument und Produzent. Das Fest wird so gut wie seine Teilnehmer sind. Ich möchte wünschen, dass die Bernerinnen und Berner ausgiebig von der Gelegenheit Gebrauch machen, sich selber zu einem gelungenen Fest zu verhelfen. Andere Städte sind Fest-verwöhnter als Bern. Wir haben keine Fasnacht; um vom Winter Abschied zu nehmen, verbrennen wir keinen Böögg, und wenn in Bern tonnenweise Zwiebeln aufgefahren und verkauft werden, ist es Spätherbst geworden, in dem es meist schon nass und kalt ist. Jetzt aber ist Spätsommer, und wenn Petrus auch diesmal seine Liebe zu den Bernern zeigt und ihnen schönes Wetter beschert, dürfte einem gelungenen «Bärnfescht 1976» nichts im Weg stehen. Jung und alt stehen fröhliche Feststunden bevor, zu denen ich allen Bernern viel Spass und Freude wünsche. Regierungspräsident Werner Martignoni Freude um der Freude wille ist Seelenbalsam Wer in diesem dürren Sommer an Wochenenden offiziell an Festivitäten wie Murten, Grandson, Jodeln, Blasen, Hornussen und Schwingen teilnahm und dann bei der Hin-und Rückfahrt noch durch viele weitere girlandengeschmückte Festdorfschaften fuhr, erhielt einen recht umfassenden Einblick in des Schweizers heimliches Laster, das Festen im organisierten Stil. Da haben eifrige OK's während Monaten gewirkt, der Präsident mit einer mächtigen Rosette garniert, die Unterausschuss-Präsidenten ihrer Würde und Verantwortung bewusst. Und bald kam der grosse Tag, der dann im Hintennach im Lokalblatt als der unvergessliche Volksanlass gefeiert wurde. Denn jedermann freute sich ob der guten Organisation, die Festwirte rieben sich die Hände, und alle Menschen wurden Brüder. Habe ich einen sarkastischen Ton angeschlagen? Das war keineswegs meine Absicht! Nicht nur weil ich nicht als Anti-Fest-Muffel abgestempelt werden möchte. Vielmehr wollte ich besagten Spezies den Wind aus den schlaffen Segeln nehmen. Denn ein Volksfest ist ja wirklich nur für diejenigen bestimmt, die daran teilnehmen wollen. Die andern sollen es sein lassen, das ist ihr gutes Recht. Aus zweierlei Gründen halte ich eine Festivität - und gar erst eine so ungezwungene und durch das Stadtbild schön gerahmte wie das Bärn-Fescht - für gegeben: Einmal erleben und erfahren wir in unserer heutigen Zeit aus allen Winkeln der Welt so viel Aergerliches und Trauriges, dass die Freude um der Freude willen Seelenbalsam bedeuten kann. Seien wir glücklich und dankbar, dass wir frei sind, an solchen Anlässen teilzunehmen oder nicht, frei sind, ob des Gewühls zu schimpfen oder sich zu freuen, frei sind, unseren Gefühlen, Wünschen, Launen und Möglichkeiten freie Bahn zu lassen. Das ist bei weitem nicht in allen Teilen der Welt denkbar. An vielen anderen Orten sind solche Volksanlässe indoktriniert und kommandiert. Und ein zweites: statt das Vergnügen passiv zu konsumieren, kann es aktiv gelebt werden. Auch dieser Gesichtspunkt scheint mir wichtiger denn je. Nein, ich bin ganz und gar nicht gegen Feste (unter der Voraussetzung allerdings, dass ich nicht an jedem Anlass als offizieller Gast teilnehmen muss ...). Ich wünsche gutes Gelingen und viel unbeschwerte Freude. Festpräsident Kurt Schweizer Bedauerlich, dass alles nur einen Tag dauert... Es braucht viel Begeisterung für ein Fest wie das bevorstehende: die Organisatoren müssen überzeugt sein von der Fest-Idee; dann gilt es, Festträger zu finden und mitzureissen; und schliesslich müssen - und das ist entscheidend - die Festbesucher vom Festfieber angesteckt werden. Die beiden ersten Voraussetzungen sind erfüllt: die «Festbauer» haben mit grossem Einsatz und viel Freude die Vorbereitungsarbeiten hinter sich gebracht. Das trifft nicht minder für die unzähligen Festträger, die Aktiven, zu. Dies ist durchaus wörtlich zu verstehen: die vielen aktiven Vereine, Parteien, Geschäfte und Privaten tragen das Fest, sie sorgen für Stimmung und Unterhaltung. Die spontane Bereitschaft so vieler Bernerinnen und Berner, dieses Fest mitzugestalten, ist für mich denn auch von grosser Bedeutung. Offenbar lässt sich der oft als Festmuffel verschrieene Berner durchaus für eine aktive Mitarbeit an einem Fest gewinnen. Diese Tatsache macht das Bärnfescht jetzt schon zu einem unvergesslichen Anlass. Ueber die Vielzahl der Darbietungen kann sich jeder am Samstag selber ein Bild machen. Das Band der Beiträge könnte nicht breiter sein! Bedauerlich ist höchstens, dass alles nur einen Tag dauert... Einen kleinen Vorgeschmack gibt ja bereits die Festzeitung. Das führt uns zu einem weiteren «Festereignis»: die von den bernischen Tageszeitungen in Zusammenarbeit mit den Festorganisatoren herausgegebene Fescht-Zytig. Diese gemeinsame 40seitige Beilage ist in der bernischen Zeitungsgeschichte erstmalig. Der Umfang der Zeitung zeigt übrigens deutlich, dass sowohl die Idee, eine gemeinsame Festzeitung zu schaffen, als auch das Fest-Konzept auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Ein letztes Wort zum unvermeidlichen Thema Geld: die Organisatoren haben sich zum Ziel gesetzt, wenn irgend möglich eine ausgeglichene Schlussrechnung zu präsentieren. Dieses anspruchsvolle Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn das Abzeichen und die offiziellen Souvenirs alle verkauft werden können. Darf ich Sie deshalb im Namen des Gemeinderates bitten, mit Ihrem Kauf etwas an einen guten Abschluss beizutragen? Allen, die mithalfen, ein unvergessliches und grosses Volksfestau «bauen», sei bereits jetzt herzlich gedankt. Die Organisatoren und vor allem die vielen Festträger sind überzeugt, dass der zündende Funke auch auf die zahlreichen Festbesucher überspringen wird! Georges-André Chevallaz Un conseiller fédéral romand est-il à Berne une «personne déplacée», un exilé ou un otage en terre alémanique attendant impatiemment l'heure de la libération et du retour au Pays? Je n'en ressens pas l'impression. Sans doute ne se détache-t-on jamais des rives de son lac ou de ses vallées montagnardes. Mais Berne est agréable à vivre. Elle engage tout pour nous faire oublier la rigueur et l'ingratitude du métier. L'élégance historique, exceptionnelle, de la vieille ville, la large ceinture verte agricole et forestière qui semble noyer les concentrations de béton de la périphérie font heureuse diversion au déséquilibre et à l'aridité de nos budgets. L'accueil de la population et de l'autorité bernoise est aussi cordial, plein de chaleureuse bonhomie que courtois et serviable. Roland Dellsperger Ich freue mich, dass wieder einmal ein Bernfest stattfindet. Auch Bern, das mit Volksfesten ohnehin nicht reich gesegnet ist, braucht gewisse Emotionsventile - man denke nur daran, wie es bei unseren Spielen im Allmendstadion jeweils zu und hergeht... Aber nicht nur das: ein Fest ist auch geeignet, sich gegenseitig näherzubringen. Im übrigen freue ich mich nicht nur auf die kommenden Tage, sondern bereits auch auf das Bernfest im Frühjahr - wenn der SCB wieder Schweizermeister geworden ist! Werner Moser Ich bin zum Bernfest positiv eingestellt; es tut unserer Stadt und ihren Bewohnern gut, wieder einmal aus ihrer da und dort doch feststellbaren Lethargie herausgerissen zu werden. Ich freue mich auf das Bernfest und das damit verbundene Jubiläum der SVB (selbst wenn ich in diesen Feststunden arbeiten muss) und hoffe auf grossen Besuch - nicht nur der Stadtberner, sondern auch vieler auswärtiger Gäste. Ruedi Krebs Gedanken zum Bernfest sind bei mir vorerst Erinnerungen an vergangene Feste. Es ist zwar schon lange her, aber ich erinnere mich noch gut an das traurig-schöne Alleinsein in der grossen Menge, an das Gefühl, dort dabeizusein, wo etwas läuft, auch wenn in Wirklichkeit dort gar nichts lief, und trotz allem leidenden Geniessen des Alleinseins erinnere ich mich noch sehr gut an das Allzeit-bereit-Sein, sich einer Schönen, die einem ganz sicher irgendwo begegnen würde, an den schlanken Hals zu werfen, um es dann aber gesittet bleiben zu lassen, oder doch nur in Gedanken zu tun. Und dann sind Gedanken zum Bernfest vor allem Wünsche: dass in allen Strassen auf Asphalt und Pflaster getanzt wird, und dass man eigentlich viel mehr Feste festen sollte. Aber die schönsten Bernfeste waren für mich die autofreien Sonntage. Lilo Pulver Es ist nicht leicht, über ein Fest zu schreiben, das noch nicht stattgefunden hat, deshalb fragte ich meinen Sohn Tell, was er davon halte. Sein Kommentar lautete: «Ich gehe gern zu den Festen, wenn es Attraktionen gibt, zum Beispiel Karussels, den Skilift, der stellt sich schief, oder die Achterbahn, dort ist man froh, wenn man angekommen ist. Ich werde zum Berner Fest nicht hinfahren; es ist zu weit und mich interessiert nur das Eisokky, Penalty schiessen und der Bär. Und ausserdem sind dort zu viel Leute.» Das war Teils Geschoss! Tells Mutter hat dagegen nichts einzuwenden. Martin Trümpler Auf den Plakaten, die für das Bernfest werben, steht der Bär Kopf. Ob das symbolisch für den 4. 9. gemeint ist? Wird auch die Bernerin und der Berner (und alle, die es gerne sein möchten) aus Freude und Begeisterung auf dem Kopf stehen? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Beide sehr solide auf ihren vier respektive zwei Beinen, so dass sie schon ausserordentlich gereizt werden müssen, um ihre sichere Stellung zu verlassen. Als hundertprozenrtiger Berner (mein Heimatort befindet sich zwar im Kanton Zürich, aber das ist schliesslich nicht mein Fehler ...) bin ich überzeugt, dass das Bernfest den Reiz erbringt, der ungeahnte Eigenschaften des Bären/Bernerin/ Berners weckt und den Anlass zu einem bäumigen Fest werden lässt. Denise Schmutz Ich wünsche den Bernern ein richtiges Volksfest, mit viel Gemütlichkeit, ohne Hektik und ohne Gejufel. Ich wünsche den Festbesuchern vor allem aber auch schönes Wetter - und nach dem Fest lauter erfreuliche Erinnerungen. Ich freue mich sehr auf mein erstes Bernfest - obschon ich arbeiten muss; ich hoffe, trotzt meiner Arbeit viel vom Festbetrieb mitzubekommen und bin gespannt auf das ganze Drum und Dran. Christine Kobler Fescht-Zytig Bärn-Fescht 1976 Gemeinsame Beilage des Bund, Berner Tagblatt und Tagwacht 31.08.1976
Landesausstellung 1914 in Bern Berner Zibelemärit Berner Fasnacht Die Ratsprozession am Ostermontag in Bern Zeichen der Freiheit Links |