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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bollwerkpost - Alte Hauptpost

Bollwerkpost, vor 1965 Hauptpost. Bollwerk 25. An Stelle des Grossen Zuchthauses errichteten die Architekten Jost und Baumgart 1903/05 das Hauptpostgebäude als Ersatz für die Postlokale im Hotel du Boulevard.
(Anm. Heute im Volksmund: Alte Hauptpost)

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)

Standort: Bollwerk 25. Gleich beim Bahnhof.



  • Bollwerkpost - Sanierung 1993-1998
  • Welche Architektur braucht der Bundesstaat?
  • Die Stadt Bern von 1870-1920
  • Beat Fischer von Reichenbach und die Fischerpost
  • Glossar
  • (Neue) Hauptpost-Schanzenpost
  • Karte



    Bollwerkpost - Sanierung 1993-1998

    Die Bollwerkpost (Bollwerk 25) wurde 1900 bis 1905 von den Architekten Eugen Jost und Ernst Baumgart als Hauptpost in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof errichtet. Der mächtige, mit gigantischen Formen gegliederte späthistoristische Baukörper hat von seiner Monumentalität nichts eingebüsst, obschon ein Brandfall 1933 zum Anlass genommen wurde, die charakteristischen historisierenden Turmaufbauten zu beseitigen und das Dach stark vereinfacht wieder aufzubauen. Aufgelaufener Unterhalt, Veränderungen in der Betriebsorganisation und nicht zuletzt eine geschwärzte, wenig präsentable Fassade haben zur Planung diverser Sanierungsvorhaben geführt. Die Sanierung der Gebäudehülle wurde in fünf Etappen von 1993 bis 1998 durchgeführt mit dem Ziel, dem markanten ehemaligen Hauptpostgebäude seine städtebauliche Präsenz wieder zu verschaffen.

    Wo es ästhetisch vertretbar war, achtete man darauf, verwitterte Werkstücke mit Überarbeitungsmassnahmen halten zu können. Stark beschädigte Stücke, wie Fensterbänke, Brüstungselemente im ersten Obergeschoss oder auch Schlusssteine, wurden ersetzt. Auch dekorative Elemente, die eine Überarbeitung nicht zuliessen, wie viele Triglyphen, wurden vollständig ersetzt. Die Oberflächenreinigung wurde mechanisch durchgeführt. Bei den bildhauerischen Elementen, insbesondere beim Blattwerk, den Kapitellen, den Ranken und dem figürlichen Schmuck, regte die Denkmalpflege Alternativen zur Schonung der Substanz an. Versuche mit Lasuren führten nicht zur gewünschten Wirkung, so dass schliesslich auch diese Partien vom Bildhauer mechanisch gereinigt und nachgezeichnet wurden.

    Wo die originalen Fenster noch vorhanden waren, wurden sie repariert und dunkelgrün gestrichen. Auf den Nachbau historischer Fenster wurde mit Ausnahme derjenigen der Hauptschalterhalle aus Kostengründen verzichtet, so dass eine grosse Anzahl eloxierter Aluminiumfenster bis auf weiteres erhalten bleibt. Die mächtigen Fenstergitter des Erdgeschosses wurden neu gestrichen. Der 1933 in Kunststein ausgeführte Dachausbau über der Hauptfront wurde lediglich gereinigt. Die vollständige Erneuerung der Dachhaut ermöglichte es, die Gestaltung der Lukarnen zu verbessern und von Kupfer- zu grauem Kupferzinkblech zu wechseln. Die Verwendung von Naturschiefer anstelle von Eternit bei der Neueindeckung des Steildachs hat sich ausserordentlich positiv auf die Erscheinung des gesamten Gebäudes ausgewirkt. Die Umbauarbeiten im Innern, die Restaurierung des alten Haupteingangs und die Renovation der Hauptschalterhalle, begleitete der Denkmalpfleger für bundeseigene Bauten. Die Städtische Denkmalpflege betreute die Umgestaltung des Nebeneingangs an der Genfergasse. Eine neue Sicherheitsschleuse zur Regelung der Zutrittsberechtigung und die damit verbundene Verlegung der Portiersloge boten Gelegenheit, das Entrée wiederherzustellen. Der auf dem Gipsplafond aufgedeckte, handgemalte dekorative Fries, vermutlich von Otto Haberer, wurde sorgfältig freigelegt und restauriert.

    Die Renovationsarbeiten am Äussern und im Innern der Hauptpost haben, 90 Jahre nach der Fertigstellung, dem Monumentalbau am Bollwerk im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten wieder einen guten Teil der lange vermissten Ausstrahlung zurückgegeben.

    Quelle: Historischer Verein des Kantons Bern - J.K.



    Welche Architektur braucht der Bundesstaat?

    «Die Post der Bundeshauptstadt», erläuterte Daniel Lanter im Fachheft «aktuelles Bauen» 10/84, «sollte alle bisher gebauten Postgebäude an Reichtum und Herrlichkeit übertreffen.» Der Bau entstand um die Jahrhundertwende nach den Plänen der Architekten Jost und Baumgartner. Im Rahmen eines internationalen Architekturwettbewerbs schlugen sie im Stil der französischen Renaissance ein Gebäude vor, dessen Fassaden mit Elementen des Barock reich verziert und - in Anlehnung an den Käfigturm - mit wuchtigen Türmen versehen war. Die bis zur Jahrhundertwende zelebrierte Formenvielfalt wurde bereits wenige Jahre später nicht mehr verstanden. Auch bei den Post-Verantwortlichen machte sich, ganz dem Trend der Zeit folgend, ein Unbehagen gegenüber den üppigen Monumentalbauten breit. Man begann Zweckbauten vorzuziehen, die regionale Motive abbildeten und bescheidener strukturiert waren. 1934 wurde in Bern durchgegriffen, indem man bei der Hauptpost die Türme ganz einfach entfernte. Die spielerisch-sinnliche Architektur war endgültig verpönt, und formale Strenge, Rationalität und Funktionalität waren gefragt.

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    Glossar

    Bollwerkpost, vor 1965 Hauptpost
    Bollwerk 25. An Stelle des Grossen Zuchthauses errichteten die Architekten Jost und Baumgart 1903/05 das Hauptpostgebäude als Ersatz für die Postlokale im Hotel du Boulevard.
    (Anm. Heute im Volksmund: Alte Hauptpost)

    Grosses Zuchthaus
    In den Jahren 1826/30 nach Plänen von Joh. Daniel Osterrieth erbaut. Hauptwerk des Spätklassizismus in Bern. 1834 Übersiedlung der Sträflinge. Eingerichtet für 460 Insassen war diese grösste Strafanstalt der Schweiz von Anfang an mit 500-700 Sträflingen überbelegt. 1893/94 abgebrochen. Standort: Bollwerkpost, Bollwerk 25

    Zweiter Bärengraben
    Der zweite Bärengraben wurde 1764 eröffnet und 1825 aufgehoben. In den Jahren 1798-1810 stand er leer. Zugeschüttet wurde er 1830 beim Bau des Grossen Zuchthauses. Standort: Bollwerkpost, Süd-Teil, Bollwerk 25

    Quelle: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern
    von Berchtold Weber (1976)



    Aus der Sicht von 1908 'Das neue Postgebäude'. Heute die alte Hauptpost oder Bollwerkpost (geschlossen)
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