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Bern die Hauptstadt mit Charme Untertorbrücke Untertorbrücke Die 1255/56 erbaute Holzbrücke wird nach einem Hochwasser von 1460 abgebrochen. Der 1461 begonnene Bau der Untertorbrücke dauert bis 1490. Die Marienkapelle auf dem stadtseitigen Pfeiler wird aber schon 1467 geweiht. Nach der Gesamterneuerung durch Ritter und Sprüngli (1757/59) werden die Torbauten bis 1764 neu erstellt. 1818/19 ersetzt Osterrieth die steinerne Brüstung durch das heutige Eisengeländer und baut die spitz-ovalen Pfeilerkanzeln. Nach dem Verkauf der Felsenburg wird der äussere Torbogen abgebrochen. Die Länge der Untertorbrücke beträgt 52 m, die Bogen messen 13,5 m, 15,6 m und 13,9 m. Lit.: KDM. 1 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Die Untertorbrücke Bis zum Jahr 1256 besass Bern noch keinen festen Aareübergang. Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass schon in gallorömischer Zeit unterhalb der heutigen Untertorbrücke so etwas wie eine Brücke oder ein Steg bestanden hat. Nähere Angaben darüber fehlen, aber bei der grossen Dürre im Jahre 1717, in der das Aarebett praktisch austrocknete, traten Fundamente zutage, die diese Vermutung zu bestätigen scheinen. Überdies wird die Untertorbrücke im Jahre 1239 als Ausstellungsort dreier Urkunden mit dem Namen «obere Brücke» genannt, was ebenfalls auf eine untere Brücke schliessen lässt. Mit Sicherheit kann aber nichts nachgewiesen werden. Ein Wandbild beim restaurierten Ländtetor zeigt, wie es früher in der Nydegg ausgesehen haben muss. Schiffe von nah und fern legten an der Ländte an und löschten ihre Ladung. Zahllose Wasserräder klapperten und trieben die einfachen Mühlen an. Es herrschte ein emsiges Kommen und Gehen. Wer in die Fremde ziehen musste, liess sich flussauf- oder abwärts rudern. Eine erste einfache Holzbrücke entstand im Jahre 1256 im Zusammenhang mit den Freiburger Kriegen unter der kräftigen Mithilfe des Grafen Peter von Savoyen und gegen die Opposition des Grafen von Kyburg. Für den Brückenbau hat man die Häuserreihe unterhalb des Ländtetores durchbrochen. Man wollte wahrscheinlich einer allfälligen Belagerung durch die Freiburger zuvorkommen und das andere Ufer unter Kontrolle behalten. Der Chronist Bendicht Tschachtlans hat diesen Brückenschlag in einem lustigen Bild festgehalten. Graf Peter von Savoyen soll der Überlieferung nach selber den ersten Balken über dem Wasser gelegt haben. Es handelte sich wahrscheinlich nur um einen einfachen Holzsteg. 1265 wird er erstmals urkundlich erwähnt. Mehrfach ist die Rede von einem «Wighaus», was soviel bedeutet wie Wachthaus auf der Brückenmitte, das wenigstens im Kriegsfall besetzt gewesen sein soll. Wie der Chronist Justinger berichtet, ist der Graf von Kyburg eingeschritten, als man die Joche bis zur Flussmitte schlug, weil der Obstgarten am anderen Ufer auf seinem Boden lag. Die Stadt habe ihm darauf diesen Garten abgekauft. Schon im Jahre 1288 hatte die Brücke die erste Feuerprobe, nämlich die Belagerung durch König Rudolf von Habsburg, zu bestehen. Im Jahre 1335 wird erstmals die Felsenburg erwähnt, die bis ins 17. Jahrhundert der Brücke als Tor gedient hat. Bei der ersten Untertorbrücke handelte es sich nur um eine ganz einfache Brückenanlage, wie schon erwähnt wohl eher um einen Steg. Sie fiel im Jahre 1460 einem Hochwasser zum Opfer. Mit einem Brief vom 2. Dezember 1460 ersuchten der Schultheiss und der Rat der Stadt Bern den Rat der Stadt Baden, er möge ihnen den Zürcher Werkmeister, der dort die Pfeiler und die Brücke über die Limmat erstellt hatte, zur Instruktion ihrer Leute überlassen. Am 21. November 1461 fand dann die Grundsteinlegung für den ersten Pfeiler einer neuen Brücke statt und anfangs März 1462 für den zweiten. Aber der Bau der Brücke verzögerte sich offenbar beträchtlich, ja es gab sogar einen Stillstand von mehr als zwei Jahren. Im Jahre 1461 ersuchte der Rat der Stadt Bern beim Kapitel zu Lausanne um Einwilligung zur Weihe der Brückenkapelle «unserer Lieben Frau», denn es war zu dieser Zeit üblich, eine Brücke dem Schutze eines Heiligen anzuvertrauen, indem man diesem eine Kapelle weihte. Um 1487 wurden die Brückengewölbe vollendet, aber erst drei Jahre später um 1490 wurde der für die damalige Zeit grosse Bau unter Werkmeister Hübschi zu Ende geführt. Wohl steht auch heute noch die gleiche Untertorbrücke mit den drei Brückengewölben da, aber sie hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedenartige Veränderungen und Erneuerungen erfahren.Im Jahre 1517 erhielt sie eine stark gezinnte Brüstungsmauer links und rechts der Fahrbahn, die zu jener Zeit erstmals auch gepflästert wurde. Bedeutend sind auch die Veränderungen des alten äusseren Turms. Im Jahre 1528 wurden neue Schiessscharten angebracht, und um 1583 malte Hans Rohr das Reichswappen auf die Aussenfront. Um 1630 herum wurde das äussere Brückentor grundlegend umgestaltet. Der Tordurchgang wurde vermauert und der Ausgang an die Nordflanke des Turmes verlegt. Etliche Bauten wie Scheunen und Speicher mussten weichen. Es entstand ein neuer Torbogen samt Fallbrücke, und der Kantgiesser Jakob Wyss lieferte Zinnknäufe für das neue Stadttor. Die zwei ersten genauen Stadtansichten zeigen uns, wie die Brücke am Anfang des 16. Jahrhunderts ausgesehen hat. Kennzeichnend waren zwei rechteckige Pfeiler mit keilförmigen Wellenteilern und Stichbogenjoche. Die Fahrbahn mit zinnenbewehrter Brüstung führte noch durch den Turm. Die Ansichten des 17. und 18. Jahrhunderts zeigen uns die Brücke mit der gezinnten Mauer, die flussabwärts stark erhöht und mit gedecktem Wehrgang versehen ist. Fast scheint es auf den ersten Blick, als wäre die ganze Brücke gedeckt. Dies war indessen ganz eindeutig nie der Fall. Um 1627 wurde der kleine Aargauerstalden angelegt. Vorher konnte der steile Hang nur durch den Graben der Haspelgasse bezwungen werden. Es handelte sich bei der Haspelgasse nur um einen Fussweg. Unter der legendären Haspel, die der Gasse den Namen gegeben hatte, muss man sich eine Art Drehtor vorstellen, das verhindern sollte, dass sich das Vieh oder gar ein unkundiger Reiter in den steilen und schlecht gangbaren Weg hinab verirrte. Einen erheblichen Eingriff in die Brückenanlage am Untertor brachte die Neugestaltung des Aargauerstaldens von 1755 bis 1764. Führende Architekten wie Niklaus Sprünglin und Erasmus Ritter, der eben erst mit vielen neuen Ideen aus Italien und Frankreich zurückgekehrt war, I. E. Zehnder und Niklaus Hebler sowie der Ingenieur A. M. Mirani und auch der Geometer J. J. Brenner beteiligten sich an einem grossangelegten Wettbewerb. Dieser brachte wohl zahlreiche interessante und fantasievolle, aber für die haushälterische Regierung viel zu aufwendige Projektvorschläge. Einer davon sah sogar eine zweigeschossige Brücke vor. 1757 wurde der Gesamtumbau dem im Brückenbau besonders geschulten Erasmus Ritter übertragen. Als Berater wirkte auch Niklaus Sprünglin mit. Bei dieser Gesamterneuerung wurden die Befestigungen, der Wehrgang, die Pfeilertore und die Marienkapelle abgebrochen, die Fahrbahn etwas erhöht und auch die Altenbergwasserleitung eingelegt. Zu dieser Zeit entstanden auch die wundervollen spätbarocken Torbogen, die wir heute leider nur noch auf Abbildungen bewundern können. Das innere Tor wurde schon im Jahre 1820 wieder abgebrochen, obschon sich der grosse Rat zuvor heftig dagegen zur Wehr gesetzt hatte. Das äussere Tor musste um 1860 herum weichen, als die Dohlenburg - so nannte man zu dieser Zeit die Felsenburg der vielen Dohlen wegen, die dort in der Überwachsung und in den Maueröffnungen wohnten - zu einer Mietskaserne umfunktioniert wurde. Ein zwingender Grund bestand sicher nicht, denn mit der Eröffnung der Nydeggbrücke ging der Verkehr auf der alten Untertorbrücke stark zurück. Sie wurde damit zu einem Aareübergang von untergeordneter Bedeutung. Zwischen 1818 und 1819 wurde der innere Brückenpfeiler erneuert, und die stark verwitterte Sandsteinbrüstung musste durch das heutige Eisengeländer ersetzt werden. In den Jahren 1980-1982 hat man abermals dringende Renovationsarbeiten ausgeführt. In Pfeilern und Gewölben wurden zahlreiche morsche Steine ersetzt und in die Fahrbahn der modernen Zeit entsprechend Kanäle für Telefon, Elektrizität und für die Kanalisation verlegt. Bei den Grabarbeiten dazu hat man ein viertes Brückengewölbe unmittelbar vor der Felsenburg freigelegt. Christoph Nil, Lang Druck AG, Liebefeld-Bern ![]() |