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Bern die Hauptstadt mit Charme

Nydeggbrücke

Nydeggbrücke
Im März 1836 gründen einige Bernburger eine Aktiengesellschaft zum Bau der Nydeggbrücke Sie erhalten im Mai 1838 die Baubewilligung und das Zollrecht. Anfangs August 1840 beginnt der Bau nach Karl Emanuel Müllers Plänen unter Leitung von Rudolf von Wurstemberger nach einem Projekt von Ferry. Einsetzung des Schlusssteins am 15. September 1843; nach dem Bau der vier Zollhäuschen feierliche Eröffnung am 23. November 1844. Bei der Aufhebung der Brückenzölle am 1. März 1853 übernimmt der Staat die Brücke und entschädigt die Aktionäre zum grössern Teil. Länge: total 190 m, Mittelstück 124,3 m Bogenweiten: Nebenbogen 16,5 m, Hauptbogen 46 m. Bis gegen 1890 gab es in Europa keinen grösseren Steinbogen.
Lit.: KDM. 1

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Die Nydeggbrücke
  • Brückenbau und Reiterdenkmal
  • Brückenbau und Münsterturm
  • Nydeggbrücke (Wikipedia)
  • Bärengraben
  • Berner Brücken
  • Abbildungen



    Die Nydeggbrücke

    Anfangs des 19. Jahrhunderts kam mehr und mehr das Verlangen nach einem Aareübergang à niveau, (auf gleicher Höhe), besonders um die im Süden der Stadt immer weiter zunehmenden Landsitze, die sogenannte Campagnen, bequemer zu erreichen. Aber auch für den allgemeinen Verkehr nach Norden und Süden war der Abstieg in die Matte, zur engen Untertorbrücke und vor allem zum steilen Stalden ein grosses Hindernis. Aus dem Jahre 1825 stammen die ersten Studien des Stadtingenieurs von Lerber und des Architekten von Sinner, die wegen ihrer Tätigkeit bald einmal den Spottnamen «die Brückenstudierer» trugen.

    Ähnlich wie Jahrhunderte zuvor in der Matte unten beim Bau der Untertorbrücke musste auch für die neue Nydeggbrücke eine alte Häuserreihe durchbrochen werden, um einer wie mit dem Lineal gezogenen Gasse Platz zu machen. Noch besteht die krumme und abschüssige einstige Hauptgasse, die in der Gründerzeit der Stadt den topographischen Gegebenheiten angepasst worden war. Die Häuserreihe, die hier weichen musste, umfasste einige ganz originelle Bauten wie die vier Häuser des Morlotläubleins, das Interlaknerhaus und das Frienisberghaus. Das war wohl der erste schwere Eingriff ins Stadtbild zu Beginn der modernen Zeit. Dem aufmerksamen Beobachter wird sofort auffallen, dass die Häuserreihe, die südlich am stadtseitigen Brückenkopf entstanden ist, im Stadtbild einen Fremdkörper darstellt. Ihre unverhältnismässig hohen Lauben wirken steif und unbeholfen, wenn man sie in Anlage und Proportion mit den herkömmlichen Lauben der Altstadt vergleicht.

    Am 31. März 1831 wurde eine Aktiengesellschaft zum Bau einer Nydeggbrücke gegründet. Es zeichneten zahlreiche Privatpersonen, aber auch Behörden und Zünfte. Die Baubewilligung wurde im Jahre 1838 erteilt, aber erst ein Jahr später endlich das Projekt des Ingenieurs Ferry von Wurstenberger zur Ausführung gewählt. Am vorangegangenen Projektwettbewerb hatten sich fast nur ausländische Ingenieure beteiligt. Im Frühling 1840 wurden die Arbeiten ausgeschrieben.

    Die Ausführung wurde schliesslich dem Altdorfer Ingenieur Karl Emanuel Müller (Erbauer der Teufelsbrücke und der Gotthardstrasse) übertragen. Noch im gleichen Herbst wurden die Fundamente für die Widerlager in Angriff genommen. Mehrere Hochwasser behinderten indessen die Arbeiten, aber im Herbst 1841 konnten die beiden Widerlager hochgeführt werden, und im Sommer und Herbst 1842 entstanden die beiden Seitenbogen. Zu Beginn des Winters wurden zwei provisorische Flusspfeiler für das Leergerüst erstellt. Endlich im Sommer 1843 begann die Hauptarbeit, der Bau des grossen Bogens. Dieser besteht aus Granitsteinen, die aus einem mächtigen Findling im Lammi, der kleinen Passhöhe am Kirchet zwischet Meiringen und Innertkirchen, gehauen und auf Flössen die Aare herab transportiert wurden.

    Man kann sich vorstellen, wie lange diese Fahrt auf dem Fluss und durch die beiden Seen gedauert hat. Am 14. und 15. September erfolgte unter Kanonendonner das feierliche Einsetzen des Schlusssteines, anschliessend gab es im Klösterli ein Festessen mit Ansprachen. Im Winter 1843-44 konnte das Lehrgerüst wieder entfernt werden, und mit dem Errichten der vier Zollhäuser wurde der Bau der ersten Berner Hochbrücke abgeschlossen. Als am 1. März 1851 die Zölle auf dem Gebiet der ganzen Eidgenossenschaft fielen, übernahm der Staat die Passiven, d. h. die Schulden der Aktiengesellschaft.

    Die neue Brücke machte es möglich, einen neuen Bärengraben, von der Stadt aus bequem erreichbar, anzulegen. Im Jahre 1857 war der von Werkmeister Tschiffeli geschaffene neue Bärenzwinger fertig. Tausende sind seither jährlich zum grössten Anziehungspunkt der Stadt Bern hinüber gepilgert, viele davon haben wohl auch eine Rast im kleinen gemütlichen Kaffee Bärengraben eingeschaltet, das in einem der vier Zollhäuser Platz gefunden hatte. Für wärmere Tage kam in den letzten Jahren zum kleinen Garten noch eine Veranda. Die Gaststätte wurde kürzlich sehr hübsch renoviert und ist zu einem gesuchten Spezialitätenrestaurant geworden. Die anderen drei Zollhäuschen beherbergen jetzt je eine Wohnung. Gelingt es einem im Vorbeigehen von der Strasse aus rasch einen Blick in den kleinen Flur zu werfen, so hat man das Gefühl, es lasse sich dort drinnen, abgesehen vom Strassenlärm, recht gut wohnen.

    Bern - Untertorbrücke

    Die Häuserreihe, welche der neuen Nydeggbrücke weichen musste

    Legende:
    • a, b, c und d sind die vier Häuser des Morlotläubleins und gehörten schon im 18. Jahrhundert dem Welschseckelmeister Morlot. Zurzeit als die neue Brücke gebaut werden sollte, waren noch c und d im Besitz zweier Schwestern Morlot.
    • e Das Interlaknerhaus war das Haus der Augustiner Herren von Interlaken und gehörte vor der Reformation dem Abt von Erlach.
    • f Das kleine Haus mit dem Rebgarten dahinter gehörte um 1500 dem Venner Caspar Wyler und um 1840 dem Müller Benteli.
    • g Das Frienisberghaus wurde 1810 vom Kanton der städtischen Armendirektion übergeben und als Versorgungsanstalt für alte und gebrechliche Dienstboten eingerichtet. Im oberen Stockwerk war damals eine Hebammenschule und Entbindungsanstalt.
    • h Das Haus des Denis von Rougemont. Dieses Haus ist an der Papiermühlestrasse 9 wieder aufgebaut und heute noch gut zu erkennen.
    • i Das heutige Eckhaus Junkerngasse-Nydeggasse war das Haus des Herrn von Büren von Worblaufen.
    • k Die Lage der heutigen Brücke.
    • l Das Haus mit dem Klapperläublein.
    Christoph Nil, Lang Druck AG, Liebefeld-Bern


    Bern Nydeckbrücke, Untertorbrücke; in Hintergrund die sog. Bundesratshäuser; links die Nydeckkirche.  Foto: Kevin M. Matulef
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