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Bern die Hauptstadt mit Charme Kirchenfeldbrücke Kirchenfeldbrücke Vertragsgemäss musste die Berne Land Company die Kirchenfeldbrücke errichten. Nach den im Vertrag vorgeschriebenen 21 Monaten Bauzeit wurde die Kirchenfeldbrücke am 24. September 1883 eingeweiht. Der Bau des zweiten Tramgeleises erforderte 1913 Verstärkungen (u.a. Steinpfeiler). Gleichzeitig wurden die Trottoirs angefügt. Erhöhten Anforderungen an die Sicherheit genügt die Kirchenfeldbrücke seit dem Einbau der Leitplanken (1968) und des neuen Geländers (1972). Die Länge beträgt 229 m, die beiden Bogen messen je 87 m. Höhe der Bogen: 37 m über der Aare. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Die Kirchenfeldbrücke Schon in den dreissiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts sprach man von einer Verbindung der Stadtmitte mit dem damals noch unverbauten Kirchenfeld. Vergeblich wurden entsprechende Projekte von Oberst Buchwalder, General Dufour und den Ingenieuren Watt und Lutz vorgelegt. Doch ist vorerst das Projekt Nydeggbrücke verwirklicht worden. Im Jahre 1853 nahm ein gewisser Herr U. Beck mit den Herren Studer und Davinet das Projekt Kirchenfeldbrücke wieder auf. Der initiative Mann starb jedoch unerwartet, und die Pläne verschwanden erneut in der Schublade. Vergeblich versuchte etwas später der Bankier Schmid die Idee wieder aufzugreifen und zum Ziel zu kommen. Erst im Jahre 1870 bildete sich unter dem Präsidium von Herrn Prof. König ein Initiativkomitee für den Bau einer Brücke nach dem Kirchenfeld. Es wurden verschiedene Vorstösse unternommen. Das Präsidium ging in den Jahren 1872-1875 an den Münzdirektor Escher und später an den stadtbekannten Notar Jäggi über. Hausbesitzer und Industrielle liessen sich zur Zeichnung von Aktien gewinnen, auch der Staat erklärte sich zur Teilnahme bereit. Aber erst als sich im Jahre 1879 eine englische Gesellschaft bereit erklärte, den Bau der Brücke zu übernehmen, konnte man daran denken, das Ziel ohne finanzielle Beteiligung der Stadt zu erreichen. Die Burgerschaft entschloss sich in der Folge im Jahre 1881 (sog. Kirchenfeldvertrag), der englischen Gesellschaft des Herrn Philip Wanderbyl unter dem Titel «Bern Land Company» das Terrain des Kirchenfeldes zum Preise von 425'000 Franken abzutreten. Der Staat und die Gemeinde Bern unterstützten das Unternehmen unter der Bedingung, dass die Gesellschaft eine Garantie von 1'000'000 Franken in Bern deponiere und dass sie sich verpflichtete, die Brücke nach den Plänen der Firma G. Ott & Co. in 21 Monaten zu bauen sowie in einigen Jahren das dazugehörende Strassennetz von etwa 5 km Länge herzustellen. Ferner musste sie sich verpflichten, das nötige Land für öffentliche Bauten abzutreten. Endlich am 24. September 1883 konnte die fein ziselierte elegante eiserne Bogenbrücke feierlich eingeweiht werden. Die Kirchenfeldbrücke wurde damals vom Staate Bern übernommen. Erst im Jahre 1953 ging sie gegen eine Loskaufsumme von 450'000 Franken und einen Beitrag an die Unterhaltskosten von 500'000 Franken in den Besitz der Stadt Bern über. Die Bogenöffnungen von 81 m wurden damals nur von derjenigen der Schwarzwasserbrücke (115 m) übertroffen. Das Gesamtgewicht des Eisenwerkes beträgt 1'344'000 kg. Die gemauerten Pfeiler kamen hingegen erst im Jahre 1913 hinzu, als die ins Kirchenfeld führende Strassenbahn angelegt wurde. Das in seiner Art einzigartige und unverkennbare Geländer aus Gusseisen, das auch auf einem bekannten Ankerbild verewigt ist, wurde in den letzten Jahren durch ein sichereres aus Leichtmetall ersetzt. Kurz darauf sorgten Nachtbuben für Schlagzeigen, als sie in der Nähe der Schulwarte ein Stück vom neuen Geländer herausbrachen und durch ein Teilstück des alten Gusseisengeländers ersetzten. Man hat nun das alte Geländerstück an der Stelle belassen, gewissermassen als symbolische Erinnerung an die gute alte Zeit. Man mag heute bedauern, dass am südlichen Brückenkopf die Schulwarte und die Kunsthalle gebaut wurden, denn von anderen Städten weiss man, welch erhabenen Anblick ein freier unverbauter Brückenkopf bieten kann. Ursprünglich war geplant, die Brücke in eine grossartige Allee ausmünden zu lassen, in eine Art Champs Elysées, hatte man sich vorgestellt. Die heutige sternförmige Erschliessung des Kirchenfeldes hat schon vor ihrer Entstehung auf dem Papier viele Wandlungen durchgemacht. Christoph Nil, Lang Druck AG, Liebefeld-Bern Kirchenfeldbrücke - Baugeschichte Erste Ideen zum Bau einer Kirchenfeldbrücke gehen ins dritte Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts zurück. Konkrete Studien machte Ingenieur Gosset um 1865 für Brücken gegen den Bärenplatz und in der Achse des Theaterplatzes. Mehrere Konkurrenzofferten um 1870-1875 belegen das ganze Spektrum der damaligen Brückenbaukunst: traditionelle Steinbogen-Konstruktionen, Gitterträger-Eisenbrücken auf Steinpfeilern oder Eisenpfeilern, Bogen-Eisenbrücken; die Firma de Lastre in Virieux-le-Grand offerierte gar eine elegante Bogenbrücke «en Béton de Portland». Nach längeren Diskussionen trat der heutige Standort in den Vordergrund, weil er den Abbruch einer Häuserreihe (anstelle der heutigen Bellevue-Garage) überflüssig machte. Eine der günstigsten Varianten, Pauschalpreis Fr.1'250'000.–, ein Projekt der bernischen Eisenfirma Gottlieb Ott, wurde von der Company ausgewählt und von allen Instanzen gutgeheissen. Die elegante, ursprünglich rein eiserne Konstruktion wurde von den Ingenieuren MORITZ PROBST von Ins und JULES RÖTHLISBERGER von Neuenburg entworfen. Bloss fünf Tage nach der entscheidenden Gemeindeversammlung begann der Brückenbau am 15. Dezember 1881, am 15. September 1883 war die Brücke vollendet. Die Zweibogenbrücke mit einer Spannweite von je 81 m ist 230 m lang und 13,2 m breit. Die Fahrbahn liegt rund 34 m über der Aare. Je zwei Bogenträger aus doppelten, durch Fachwerkstreben verbundenen Gurten überspannen den Aareeinschnitt. Gitterförmige Querverbindungen und Windstreben verklammern die Bogenträger und die darauf abgestellten Eisenfachwerkpfeiler, auf welchen die geraden Hauptfachwerkträger der Fahrbahn ruhen. Die Brücke besass ursprünglich beidseits 2,4 m breite Trottoirs mit dekorativen Gusseisengeländern und Kandelabern. Die Kirchenfeldbrücke darf zu den Hauptwerken der Eisenbaukunst in der Schweiz gerechnet werden. Die «schöne Konstruktion», die «schlanken Glieder» und die «luftige Gliederung» werden bereits 1883 bewundert. In der Tat wirkt die filigrane Gitterkonstruktion im hier besonders weiten Aareraum nicht als Sperre, sondern als eleganter Doppelsprung. Die Leistung ist um so höher einzustufen, als die Niveaudifferenz zwischen Altstadt und Kirchenfeld dazu führte, die Fahrbahn ins Gefälle zu legen, was aber dank der geschickten Gestaltung der Bogenverhältnisse und der aufgelösten Konstruktion die Wirkung nicht beeinträchtigt. Hingegen zwangen der wachsende Verkehr und darauf zurückzuführende Schwingungen 1913 zu Verstärkungsmassnahmen nach Vorschlägen von ARTHUR ROHN: Die zu elastischen äusseren Raumgitter der drei Hauptpfeiler wurden einbetoniert und die Pfeiler als Ganzes mit dünnen Betonwänden ummantelt. Diese Massnahme beeinträchtigt seither die Leichtigkeit und elastische Spannkraft der Brücke und raubt ihr den einheitlichen Ausdruck. Unverständlicherweise entfernte man 1972 die schönen Gusseisengeländer; ein Teilstück wurde am südlichen Brückenkopf nachträglich wieder eingebaut. Bei der 1990 abgeschlossenen Gesamtsanierung der Brücke ist die ästhetische Wirkung für den Fussgänger erneut verschlechtert worden. Aus «Kirchenfeld und Brunnadern in Bern», Jürg Schweizer Schweizerischer Kunstführer ISBN 3-85782-488-3 ![]() |