g26.ch

HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST

Google
Web g26.ch















Bern die Hauptstadt mit Charme

Kornhausbrücke

Kornhausbrücke
¹ Die Gemeindeversammlung vom 23. Oktober 1892 zieht die schon 1739 geplante Brücke der Waisenhausbrücke (Schütte-Schänzli) vor. Nach knapp drei Jahren Bauzeit wird die von Bell und Simons projektierte K. am 18. Juni 1898 eröffnet. Ihre Länge beträgt 382 m, die Hauptöffnung misst 115 m, die fünf kleinen Bogen je 34 m.
² Café des Pyrenées, Rathausgasse 84 (Kornhausplatz 17). Schon in der ersten Hälfte des 19. Jh. gab es in den Häusern Kornhausplatz 17 und 19 eine Wirtschaft. Seit dem Bau der Kornhausbrücke 1898 heisst das nördliche Restaurant «zur Kornhausbrücke», seit den Sechzigerjahren des 20. Jh. Ringgenberg. Das südliche Restaurant hiess seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jh. bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg Stadthof, dann Pyrenäen, dann Café des Pyrenées.

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Die Kornhausbrücke
  • Eröffnung der Kornhausbrücke
  • «Zwecks Besiedlung des Nordens»
  • Sanierung 1997
  • Kornhausbrücke (Wikipedia)
  • Berner Brücken
  • Ansichtskarte 1914
  • Kindlifresserbrunnen
  • Kornhaus und Kornhauskeller
  • Abbildungen



    Die Kornhausbrücke

    Im Jahre 1719 tauchte erstmals ein Projekt für eine Hochbrücke über die Aare vom sog. unteren Graben (Grabenpromenade) zum Altenberg auf. Es stammte von Oberstleutnant Johann Anton Herrport, der sich in Bellgrad und Würthenberg reiche Erfahrung im Festungsbau angeeignet und unter anderem ein Lehrbuch über «Festivikationsbau» herausgegeben hatte. Das Projekt fand jedoch vor dem Rat keine Gnade, und der kühne Ingenieur wurde mit einer Medaille im Werte von 100 Thalern abgespiesen.

    Die Verbindung des Altenbergs mit der Stadt vermittelte ab 1823 eine Fähre. Sie wurde 1834 durch eine Hohlbrücke ersetzt, für deren Benützung ein Zöllner bis zum Jahre 1847 ein Brückengeld einkassierte. Die heutige Kettenbrücke stammt aus dem Jahr 1857.

    Im Jahre 1827 wurde der Gedanke einer Brücke beim Kornhaus wieder aufgenommen. Der Ratsherr Karl von Lerber und der Ingenieur Albrecht von Sinner untersuchten, wie erwähnt im Zusammenhang mit der Projektierung der Nydeggbrücke, auch verschiedene Varianten stadtaufwärts. Als dann aber die Nydeggbrücke gebaut wurde, nahm eine Gruppe Liberaler unter der Führung von Oberst Buchwalder das Gegenprojekt wieder auf. Um 1833 tauchte der Vorschlag einer steinernen Brücke auf, in der an umfangreichen Pfeilern mehrere Wohnungen Platz gefunden hätten. Beinahe wäre Bern also zu einer Art Ponto Vecchio gekommen. Mit den Wohnungszinsen erhoffte man sich wohl die Bauzinse schneller amortisieren zu können. Sehr ernsthaft dachte man auch an eine Hängebrücke im Zusammenhang mit einem Rathausneubau, und um 1870 herum tauchte gar ein origineller Plan für eine Seilbahn vom Waisenhausplatz zum Schänzli auf.

    Es entbrannte in der Folge ein heftiger Streit um den Standort einer neuen Brücke, der auch in der Presse erbittert geführt wurde. Als man sich in der Standortfrage in der Mitte, nämlich beim Kornhaus, traf, wurde das Land jenseits der Aare, das Mosergut und der Spitalacker aufgekauft, um das Strassennetz im Hinblick auf die neue Brücke zu gestalten. Der jahrelange Kampf um die Kornhausbrücke forderte aber auch seine Opfer. So kaufte ein Architekt schon frühzeitig viel Land am Altenberg und investierte fast sein ganzes Vermögen. Weil die neue Brücke aber sehr lange auf sich warten liess, musste er Stück für Stück mit Verlust vorzeitig verkaufen, was ihn schliesslich zum Bankrott brachte.

    Im Jahre 1892 war endlich das Projekt des Stadtbaumeisters von Linden und des Ingenieurs Menzi baureif. Die Firma Bell & Co. AG wurde mit der Ausführung betraut. Aber auch der Bau dieser Brücke brachte seine Probleme. So waren für den rechten Pfeiler nicht weniger als 432 Pitchpivpfähle notwendig (harzreiches Holz der Pechkiefer Pinus Palustra aus den USA), die an die 33 Meter tief in den Boden gerammt werden mussten.

    Die Bauzeit dauerte 3 Jahre. Im Jahre 1898 wurde die neue Brücke mit einem grossen Volksfest eingeweiht. Tausende und aber Tausende von Leuchtbecherchen säumten am Abend die Bogen und alt und jung vergnügten sich mit Gesang und Tanz. Ein interessantes Detail: Die Fahrbahn der neuen Brücke wurde im Gegensatz zur gekiesten Kirchenfeldbrücke aus wasserabstossenden Eucalyptusstöckchen erstellt.

    Christoph Nil, Lang Druck AG, Liebefeld-Bern



    Eröffnung der Kornhausbrücke

    Gelesen im «Bund» vom 19. Juni 1898

    «Die Stadt Bern hat sich für die Eröffnung der Kornhausbrücke festlich geschmückt oder sie hat dies auch nicht getan, je nachdem man's nimmt. An den Häusern des Kornhausplatzes freilich sind alle Fenster mit Tüchern ausgeschlagen und von den Giebeln wehen die Fahnen und Flaggen, auch die anschliessende Zeughausgasse hat reich dekoriert; in die Metzger- und Kesslergasse, die Neuen- und Aarbergergasse aber reicht's schon nicht mehr, während im übrigen die Hauptstrassen und die öffentlichen Gebäude beflaggt haben.

    Die Ersinner des Festzuges und seiner Marschroute haben nicht lauter Ruhm geerntet. In der oberen Stadt haben sich besonders die Aarbergergasse und die Neuengasse zu beklagen, da sie leer ausgegangen sind, während die Spitalgasse zwei Züge, den Festzug und den Kinderzug, erhalten hat. Infolgedessen hat man sich in den vom festlichen Gewoge umgangenen Quartieren durch stillschweigendes Übereinkommen der Dekoration möglichst enthalten. Es allen Leuten recht zu machen, ist freilich eine Kunst, die keiner kann; wenn aber gar das Streben darnach zu mangeln scheint, so ist's anderseits keine Kunst, die halbe Bürgerschaft in Missstimmung zu bringen.

    Vortrefflich nimmt sich der Eingang zur Brücke auf dem Kornhausplatz aus. Freitag abends und Samstag morgens stunden da die Leute in Scharen, um die freigelegte Brückenbahn hinanzusehen. Samstag früh wurden dort die Rednerbühne aufgeschlagen und die letzten Kränze um Postament und Fahnenstangen geschlungen. Bei der Velofahrschule bilden eingesetzte Tännchen die Dekoration. Die Brücke ist mit Papierlaternen für die abendliche Beleuchtung mit zahlreichen Fahnenstangen, auf denen Wimpel in den eidgenössischen und Bernerfarben flattern, reich besetzt. Auf dem Schänzli, wo der Mittagstisch gedeckt wurde, flattern grosse Fahnentücher, weissrot und schwarzrot im Sonnenglanz zwischen den dichten Laubkronen. Auch der Saal des Sommertheaters ist einfach, aber geschmackvoll ausgeschmückt. Man verspürt hier einen freudigen Hauch aus der hellern Zukunft, welcher diesem unvergleichlichen Hochsitz durch die Kornhausbrücke bereitet ist.»

    ebund.ch



    «Zwecks Besiedlung des Nordens»

    Kornhausbrücke / Über seine eigentliche Brücken-Funktion hinaus bildete der Aareübergang beim Kornhaus Teil einer politischen und städtebaulichen Auseinandersetzung, deren Ziel es war, den Norden der Stadt verkehrstechnisch auszubauen und damit als Wohngebiet interessanter zu machen.

    Es ist noch früh. Gemächlich spaziert sie in den noch frischen Morgen, am Kursaal vorbei, und denkt wie so oft eine kleine Weile darüber nach, was Leute wohl dazu bewegt, sich die Zeit mit Glücksspielen zu vertreiben. Auf der Höhe des Beau-Site angelangt, werden ihre Gedanken jedoch von einer seltsamen Kraft erfasst und abgelenkt. Ihr Blick richtet sich vom Grau des Asphalts hoch, schweift kurz über die Brücke, über das Geländer, über die Dächer der Altstadt, wird in der Ferne wie eben ihre Gedanken aufgefangen, von der sinnbetäubenden Ansicht der Berge, die sich aus dem frühmorgendlichen Dunst erheben, eingenommen. Erst als sie beim Restaurant Pyrénées abbiegt, ist sie bereit, den Tag zu beginnen, sich dem Leben der Stadt zu ergeben. Es ist tatsächlich so, wie Paul Nizon einmal schrieb: dass mitten auf den Brücken Berns die Landschaft beginnt.

    In alten Zeiten

    Wollte der Berner Müller Matter Mehlvergleiche auf dem Thuner Markt anstellen, blieb ihm bis ins 13. Jahrhundert keine andere Wahl, als mit dem Fährmann im Aareknie zwischen Matte und Altenberg überzusetzen. So entstand in der jungen Stadt mit blühendem Handel bald der dringende Wunsch, das schnell fliessende Gewässer auf Höhe der Innenstadt zu überbrücken, was damals zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Herrschaften führte. Der Zwist wurde jedoch rasch begraben; der Bau der hölzernen Untertorbrücke im Jahre 1256 war der erste Streich und zugleich der Auftakt zur Geschichte des Berner Brückenbaus. Der neunte Streich, aus dem die Kornhausbrücke erwachsen sollte, ward listig geplant und weist eine lange, ereignisreiche Vorgeschichte auf.

    Zur Belebung des Nordens

    Der tiefe Graben, den der Aarelauf mit den Jahrhunderten in die Erde frass, hinterliess beidseitig steile, hohe Uferböschungen, die nur mühsam zu erklimmen waren. Sicherlich mit ein Grund, warum die «Felder» im Norden der Stadt nur dünn besiedelt wurden. Die Regierung unternahm verschiedentlich Versuche, diese Tatsache zu ändern. So verlegte man beipielsweise im 18. Jahrhundert die Kaserne ins Beundenfeld, was zwar den teilweisen Ausbau von Strassen brachte, aber noch keine Bau- und Wohnwilligen anlockte. Der Altenberg hingegen war bereits ein recht belebtes Quartier, als der Grosse Rat 1833 «zwecks Bevölkerung der Hochebene im Norden» beschloss, die dortige Fähre, die über die Aare führte, durch einen Steg zu ersetzen.

    Die Rote Brücke

    In diesem Sinne wurden in den 40er und 50er Jahren dieses Jahrhunderts auch die Nydeggbrücke und die Rote Brücke gebaut. Diese klassizistische Eisenbahnbrücke, auf welcher Fuhrwerke, Fussgänger und Züge sich kreuzten und die deswegen auch «Würgengel» genannt wurde, musste wegen der immer schwerer werdenden Züge 1941 abgebrochen werden. Aber auch einige Jahrzehnte nach dem Bau dieser Übergänge wurde deutlich, dass nicht genug Anreiz geschaffen worden war, um die Menschen ins Breitenrain- und Spitalackerquartier zu locken. Lediglich die Lorraine war damit belebt worden. Doch der Druck war erheblich gewachsen, seit Bern 1848 Bundesstadt geworden war: Der Stadtkern platzte aus allen Nähten. Die Eröffnung der Kirchenfeldbrücke 1883 und der Beginn der Überbauung der «Campagne» lösten erneut Diskussionen aus. Die Forderung nach einer Überbrückung «à niveau» auch auf der Nordseite der neuen Bundesstadt wurde noch lauter. Wo jedoch das Bauwerk genau zu stehen kommen sollte, gab Anlass zu heftigen Auseinandersetzungen.

    Das Wie und das Wo

    Ein Bericht der Baukommission des Gemeinderates behandelte 1888 folgende fünf Varianten: eine Verbesserung der Verhältnisse der Roten Brücke, eine Parallelbrücke dazu, eine beim Kornhausplatz, eine beim Waisenhausplatz oder aber ein Übergang beim unteren Schlachthaus. Das Rennen in der Vorausscheidung machten die Projekte beim Waisenhaus und beim Kornhaus. Die Verbesserungen der Roten Brücke wurden zugunsten eines Neubauprojektes immer wieder verschoben. Es wurden ein Kornhaus- und ein Waisenhaus-Comité gegründet. Die Waisenhausbefürworter argumentierten, dass ihre Brücke die beiden bestehenden ersetzen würde, die Kornhäusler, dass ihre Brücke die natürliche Verlängerung der Kirchenfeldbrücke wäre. Ein wahrer Wahlkampf ging los, in welchem die konkurrierenden Komitees gar Zeitungen in ihrer Sache herausgaben. Ob diese oder jene Brücke, das Land auf der anderen Aareseite war nicht Eigentum der Stadt, sondern der Burgergemeinde, welche schon länger damit haderte, dass man das Land dort nicht zu angemessenen Preisen verkaufen konnte.

    «Wertvolle Förderung»

    In einem «Vortrag betreffend der Abtretung des Spitalackerfeldes an die Einwohnergemeinde behufs Unterstützung des Baues der Kornhausbrücke» richtete sich Burgerratspräsident von Muralt am 23. März 1892 an seine Gemeinde. Ausführlich besprach er die «allgemeinen» Interessen an einer «gleichartigen Verbindung (wie die Kirchenfeldbrücke) über das Aaretal nach Norden» und kam zur Überzeugung, das Projekt am Kornhaus sei klar zu bevorzugen. Da die Burgergemeinde zu jenem Zeitpunkt sowohl ans Nationalmuseum wie auch an den Münsterbau erhebliche Beträge ausstehend hatte, kam finanzielle Hilfe für das Projekt nicht in Frage. «Dagegen können wir demselben durch Abtretung von Terrain eine kräftige und werthvolle Förderung angedeihen lassen.»

    Unverblümte Stellungnahme

    Der Ratspräsident brachte in seinem Referat unverblümt die eigentlichen Interessen, die hinter einem Verkauf der benötigten Parzellen standen, zum Ausdruck. Er wies im besonderen darauf hin, dass ein Brückenbau den Ausbau der daran anschliessenden Strassen nach sich ziehen würde, was den Wert der Felder im Norden erheblich steigern würde. Das benötigte Grundstück werde der Einwohnergemeinde jedoch erst überschrieben, wenn sowohl Brücke wie auch Strassen fertiggestellt seien. Von Muralt empfahl seiner Gemeinde sodann die Unterstützung des Kornhausprojektes, und am 23. Oktober 1892 entschied sich auch das Stimmvolk der Einwohnergemeinde für die Variante beim Kornhausplatz.

    Ein Meisterwerk

    Nach Jahren der Sondierungen, Abklärungen und weiteren politischen Auseinandersetzungen stellte die Baudirektion im Januar 1895 den Antrag, am 18. Juni 1898 wurde die Brücke festlich eingeweiht. Stolz konnte Mutter Berna - wie auf der Menukarte der Eöffnungsfeier stand - mit ihren Kindern Spitalacker, Schosshalde, Lorraine und klein Rabbental anstossen. Niemand hätte es dem Nachtwächter auf der Peter-und-Paul-Kirche übelgenommen, hätte er über den Anblick der neuen Brücke vergessen, die Stunde auszurufen.

    Inszenierung des Baus

    Scheinbar schwerelos schwebt die Fahrbahn auf den massiven Kalksteinpfeilern, auf welchen gabelgleich beidseits je zwei Obelisken thronen. Sie markieren Anfang und Ende der eigentlichen Brücke, dienten den Brückenbauern zur Inszenierung des eigentlichen Bauwerks. Auf die nach unten stark verbreiterten Sockel der Hauptpfeiler abgestützt, schwingt sich parabelförmig der eine Hauptbogen über den Fluss. Üblicherweise halten es die Brückenbauer mit den Bogen so, wie die Kavaliere mit den Rosen für die Geliebte: Sie wählen eine ungerade Zahl.

    ebund.ch
    Barbara Comiotto




    Sanierung 1997

    Mit der Gesamterneuerung sollen Tragsicherheit und Lebensdauer für weitere 50 Jahre gewährleistet werden. Vorgesehen sind der Einbau einer neuen Fahrbahnplatte mit elastischer Gleislagerung, die Verstärkung der Tragkonstruktion und ein umfassender Korrosionsschutz. Der Lärmpegel, der von den Tramzügen ausgeht, soll mit neuster Schwingungstechnik eingedämmt werden. Nach Schätzungen der Fachleute könnte der Lärmpegel etwa halbiert werden. Daran dürften vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenbergs und Rabbentals Freude haben: Für sie, die in nächster Nähe der Brücke leben, ist das Lärmproblem ein Dauerbrenner.


    Bern - Kornhausbrücke - Im Hintergrund die alte Eisanbahnbrücke (rote Brücke; abgerissen)
    g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT
  •