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Bern die Hauptstadt mit Charme

Die Monbijoubrücke

Monbijoubrücke
In den Jahren 1960/62 erbaut von Härtenbach & Wenger
Länge: 337,5 m; Breite: 23,5 m.

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Die Monbijoubrücke
  • Die Monbijoubrücke (Wikipedia)
  • Berner Brücken
  • Berner Bäder (Marzili)
  • Abbildungen



    Die Monbijoubrücke

    Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden erneut eine Anzahl Brücken. Das von den Ingenieuren Brandestini, Birkenmeier, Ros und Vogt entwickelte Vorspannverfahren BBRV erlaubte es, viel feinere und elegantere Eisenbetonkonstruktionen bei wesentlich geringerem Materialverbrauch zu erstellen.

    Die erste Aarebrücke dieser Art, die Dalmazibrücke, ersetzte jene aus dem Jahre 1871 und die zweite, wieder eine Hochbrücke, die Monbijoubrücke, stellt die Verbindung des Kirchenfeldquartieres mit dem Mattenhofgebiet her.

    Auf dem Strassenplan zum Kirchenfeldvertrag mit der Bern Land Company ist zu erkennen, dass die Kirchenfeldstrasse vom Thunplatz aus in westlicher Richtung an der Aareböschung wie abgeschnitten aufhört. Zweifellos dachte man schon früher an eine spätere Fortsetzung über die Aare nach Westen.

    Im Jahre 1896 wurde für dieses Gebiet denn auch ein Baulinienplan angenommen, der für die künftige Brückenzufahrt einen Baulinienabstand von 25 m festlegte, wie er zum Teil auch heute noch gültig ist. In einem Wettbewerb über einen allgemeinen Erweiterungsplan für die Stadt Bern wurde die Richtigkeit des Brückenstandortes als Teil eines äusseren Ringes bestätigt.

    Ein erster Entwurf für eine sogenannte Sandrainbrücke stammt aus dem Jahre 1904. Dieser sah eine Brücke mit fünf Stahlbogen zu je 69 m lichte Weite und einer Pfeilerhöhe von 10 m vor. Die Brücke hätte mit zwei Trottoirs von 2,5 m 15 m breit werden sollen. In der Brückenmitte wäre ein mittelalterlich anmutender Turmbau zu stehen gekommen.

    Pläne und Ideen verschwanden indessen für mehr als 40 Jahre in den Schubladen.

    Die Zeit der Eisenbogenbrücken war längst vorbei, als während des Zweiten Weltkrieges ein Wettbewerb zur Erlangung von Projekten für ein Arbeitsbeschaffungsprogramm ausgeschrieben wurde, unter anderen auch Projekte für eine Brückenverbindung Kirchenfeldstrasse-Eigerplatz. Über fünfzig zum Teil namhafte Brückenbauer beteiligten sich an dem Ausschreiben. Es galt damals vor allem auch, auf die erschwerte Materialbeschaffung Rücksicht zu nehmen.

    Auch diesmal schwang noch eine Bogenbrücke obenaus, nämlich eine solche mit vier Bogen aus Eisenbeton. Aber erst drei Jahre nach Kriegsende wurde der Auftrag zur Weiterbearbeitung erteilt, und im Jahre 1952 wurde das fixfertige Projekt mit den Submissionsunterlagen abgeliefert. Mit der Zeit kamen jedoch neue Erkenntnisse im Brückenbau und damit Bedenken gegenüber dem Projekt einer Bogenbrücke. Es wurden Fachleute wie Prof. Lardy und Stüssi beigezogen und in der Folge das Projekt nochmals gründlich überarbeitet. Am 24. Oktober 1958 endlich konnte der Regierungsrat des Kantons Bern ein Projekt für eine vorgespannte Balkenbrücke genehmigen, das aus drei Entwürfen, nämlich Bogenreihenbrücke, Stahl-Balkenbrücke und Massiv-Balkenbrücke, ausgewählt worden war.

    Am Abstimmungswochenende 31. Januar/ 1. Februar 1959 hat auch das Bernervolk zum Brückenprojekt mit 24'036 gegen 4'642 Stimmen ja gesagt und den Kredit von 8'860'000 Franken bewilligt. Am 1. Juli 1960 erfolgte der erste feierliche Spatenstich, und im September darauf begann man bereits das Lehrgerüst aufzurichten. Am 1. Juni 1961 wurden die ersten Längskabel gespannt. Im Herbst darauf, nämlich am 27. Oktober, konnte das Aufrichtetännlein gesetzt werden, und im Dezember/Januar begann man mit der Demontage des Lehrgerüstes. Im Mai/Juni 1962 wurden die Geländer angebracht. Die Belastungsprobe erfolgte am 28. und 29. Juni. Dazu wurden mehrere Panzer der Armee eingesetzt.

    Nach der festlichen Enweihung am 8. August 1962 konnte die neue Brücke am Tage darauf dem Verkehr übergeben werden. In erstaunlich kurzer Zeit von nur zwei Jahren und zwei Monaten ist die Monbijoubrücke ohne nennenswerten Unfall gebaut worden. Der Name der neuen Brücke gab noch einiges zu reden. Seit je hat man in Bern die Brücken nach Ortsbezeichnungen benannt und nicht, wie in andern Städten, nach grossen Persönlichkeiten, die dort gelegentlich so geehrt werden. In Basel finden wir eine Wettsteinbrükke zu Ehren des Bürgermeisters Rudolf Wettstein und in Zürich die Rudolf Brun Brücke in Erinnerung an den unglücklichen Herrscher und Bürgermeister Rudolf Brun. Für die Monbijoubrücke wurden mehrere Namen in Vorschlag gebracht. So sollte sie ursprünglich Gaswerkbrücke, Sulgenaubrücke oder auch Lindenaubrücke heissen. Auch der Name Sandrainbrükke tauchte wieder auf. Es wurde ferner angeregt, sie auch Kirchenfeldbrücke zu nennen.

    Der Gemeinderat der Stadt Bern beschloss jedoch am 22. Juni 1960, die neue Brücke Monbijoubrücke zu nennen. Er konnte sich ja darauf berufen, dass die Brücke ins Monbijouquartier führt und fast in die Mitte der Monbijoustrasse mündet.

    Die Monbijoubrücke sollte ursprünglich die Verbindung vom Oberland und der Ostschweiz zum Welschland herstellen. Nachdem die Autobahn allerdings brutal und äusserst ungeschickt von Muri her mitten durch Wohnquartiere ins Wankdorf und über eine weitere neue Hochbrücke, das Tiefenauviadukt und durch den Bremgartenwald führt, letzteren entzweischneidet und erheblich entwertet, ist die Verbindung mit der Westschweiz gesichert. Die Monbijoubrücke ist damit nur noch von regionaler Bedeutung und würde möglicherweise heute nicht mehr gebaut. Im Westen der Stadt ist ebenfalls für die Autobahn eine neue Hochbrücke entstanden, die viel Staub aufgewirbelt hat. Das Weihermannshausviadukt, das mitten über ein wunderbares Erholungsgebiet, das Weihermannshausseelein und seine schönen Anlagen, führt. Auch das wird heute von vielen Leuten als grober Fehler der Ingenieurkunst oder, präziser ausgedrückt, der Planungskunst angesehen.

    Christoph Nil, Lang Druck AG, Liebefeld-Bern


    Bern - Monbijoubrücke. Photo: www.aaremarzili.ch

    Bern - Monbijoubrücke. Photo: www.aaremarzili.ch
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