g26.ch

HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST

Google
Web g26.ch















Bern - die Hauptstadt mit Charme

Weltpost-Denkmal

Weltpost-Denkmal
Am internationalen Preisausschreiben des Weltpostvereins in den Jahren 1903/04 gewann René de St. Marceaux (Paris) den 1. Preis. Sein Entwurf wurde 1908 in Bronze ausgeführt und am 4. Oktober 1909 auf der Kleinen Schanze eingeweiht.

Kleine Schanze
Die Kleine Schanze ist der südliche Teil des Westabschlusses der 4. Stadtbefestigung. Es waren 4 Bastionen geplant, von denen aber bis 1642 nur Christoffel und Wächter ausgeführt wurden. Die Bastion Felsen (Vannazhalde) blieb unvollendet, und Marzili wurde gar nicht begonnen. 1817/18 wird die Kleine Schanze nach «englischem Geschmack» von von Luternau in eine Promenade umgewandelt. Die heutige Anlage der Kleinen Schanze, des Überrests der Bastion Wächter, stammt zur Hauptsache aus der Zeit des Umbaus in den Jahren 1873/74, dessen Pläne der deutsche Gartendirektor Goethe begutachtet hat. Warum die Kleine Schanze 1856 als Junkernschanze bezeichnet wird, ist unklar. Der Alpenzeiger des Topographen Imhof wurde 1881, die Vase von Etienne Perincioli 1921 aufgestellt.
Lit.: Hofer, Wehrbauten

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)



  • Weltpost-Denkmal
  • Chronologie
  • Abbildungen
  • Äusserer Stand
  • René de Saint-Marceaux (Wikipédia; französich)
  • UPU - Offizielle Homepage (englisch, französisch



    Weltpost-Denkmal

    Der Weltpostverein

    Der grosse Saal im ersten Stock des Rathauses des Äusseren Standes an der Zeughausgasse war geschmackvoll eingerichtet, als sich dort am 15. September 1874 Abgeordnete aus 22 Ländern zu einem Internationalen Postkongress vereinigten. Der Generalpostmeister des Deutschen Reiches, Heinrich von Stephan, der das Postwesen seines Landes in mustergültiger Weise entwickelt hatte, war der eigentliche Initiant der Konferenz..Sein Ziel war es, auf internationaler Ebene durch vertragliche Abmachungen unter Staaten eine Ermässigung der Posttaxen herbeizuführen und den Zustelldienst von Postgütern zu vereinfachen. Der Postkongress, der vorn schweizerischen Bundesrat Eugène Bord, dem Vorsteher des eidgenössischen Postdepartements, präsidiert wurde, benötigte dank der guten Vorarbeit Stephans bloss 14 Sitzungen, um sich zum «Allgemeinen Postverein» zu finden und sich über einen Vertrag zu einigen, der bereits auf den ersten Juli des folgenden Jahres in Kraft trat.

    Die Fortschritte in. der Technik und- besonders im Eisenbahnwesen brachten in rascher Folge eine Zunahme der Mitglieder des Postvereins, der im Jahr 1878 zum «Weltpostverein» umbenannt wurde. Bern hatte schon 1874 die Ehre, zum Sitz der Institution gewählt zu werden, die 1985 mit 168 Mitgliedstaaten die grösste internationale Organisation überhaupt darstellt.

    Eine Apotheose an das Leben

    Und weltumfassend gross ist der Gedanke, dem das enthüllte neue Denkmal gilt. Hier schwindet zwischen Volk und Volk die Schranke. Und als ein bildgewordner Hymnus schwillt Gen Himmel dieses schwesterliche Halten Der um die Kugel schwebenden Gestalten.»

    Mit diesen nicht gerade atemberaubenden Versen, die aus einem längeren Gedicht stammen, feierte ein Anonymus in einer beimischen Tageszeitung die Einweihung des Weltpost-Denkmals. Die Geschichte des Monuments beginnt im Juli des Jahres 1900. Damals trafen sich die Delegierten des Weltpostvereins in Bern zu einem Kongress, um das 25jährige Jubiläum der internationalen Institution zu feiern. Dabei beschlossen die Abgeordneten im Nationalratssaal des Bundeshauses, und zwar auf Anregung des Delegierten Deutschlands, dem Gedanken, der zur Gründung der Vereinigung geführt hatte, auch einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen und in Bern ein Weltpost-Denkmal zu errichten.

    Der Bundesrat wurde mit allen Vorkehrungen zur Ausführung des Planes betraut. Er ernannte im folgenden Jahr ein Preisgericht von 11 Mitgliedern - mehrheitlich Bildhauer und Architekten aus den verschiedensten Ländern Europas -- und schrieb einen Wettbewerb aus, an dem Künstler aus der ganzen Welt teilnehmen konnten. Er gewährte grösste Freiheit, was Art und Materialien des Denkmals betraf, und schrieb einzig vor, dass das Monument «deutlich an die Gründung des Weltpostvereins erinnern» müsse. Der Standort für das Denkmal war bereits bestimmt, wobei dem neben der Kleinen Schanze gelegenen Steinhauerplatz der Vorzug vor dem Waisenhausplatz gegeben worden war.

    Der Wettbewerb stiess auf ein grosses Echo, wurden doch ganze 122 Projekte eingereicht. Am 26. September 1903 prämierte das Preisgericht daraus sechs Entwürfe, die von drei deutschen, zwei französischen und einem Tessiner Künstler stammten. Sämtliche eingelangte Projekte wurden darauf während der Dauer eines Monats in der städtischen Reitschule ausgestellt. Es waren Arbeiten von sehr unterschiedlicher Qualität. Sie zeigten die verschiedensten Formen, wobei einzelne Motive wie die Erdkugel, die fünf Weltteile und bildliche Darstellungen der Post gehäuft auftraten. Es gab aber auch Modelle, die «ans Groteske ... streifen», und was beispielsweise ein Wildschwein, die abgeschlagene Turmspitze einer Kathedrale oder «eine Brunnenheilige, der das Wasser aus den Fingern strömt», mit der Idee des Weltpostvereins verband, blieb unklar.

    • Die im ersten Preisausschreiben prämierten sechs Künstler wurden aufgefordert, ihre Entwürfe für den zweiten, engeren Wettbewerb noch genauer auszuarbeiten. Dies geschah, worauf das Preisgericht am B. August 1904. aus den im Bibliothekssaal des Parlamentsgebäudes aufgestellten wenigen Modellen seine definitive Wahl treffen konnte. Sie fiel auf den Entwurf «Autour du monde», in dem die Jury «a reconnu ... une œuvre de grand talent, qui frappe par son originalité et l'heureux équilibre de ses proportions».

    «Ein alter Mann mit weissem Spitzbart» hatte das Modell geschaffen, der ebenso charmante wie vermögliche Pariser René de Saint-Marceaux, der die Bildhauerei nicht zum Broterwerb, sondern aus Liebe zur Kunst betrieb und es dabei in seinem Land zum gesuchten Künstler gebracht hatte. Seine Konzeption des Denkmals zeigt die Weltkugel, um die herum, als Allegorien der Erdteile, fünf Frauengestalten schweben, sich Briefe weiterreichend. Neben dem Erdball wacht die mit einer Mauerkrone geschmückte, sitzende Berna in wallendem Gewand und stützt mit der rechten Hand einen Schild, der das Bernerwappen trägt.

    Über die Wahl des Preisgerichts herrschte nicht eitel Freude, und sowohl in der Fachwelt als auch in einer weiteren Öffentlichkeit erhoben sich kritische Stimmen. Bildhauer glaubten nicht an die Realisierung des kühnen Entwurfs in den Grenzen der Plastik und des Materials, doch auch der Nationalismus der Zeit manifestierte sich in Kritik, die deutsche und französische Kunstauffassung gegeneinander ausspielte. So waren es vor allem «die Freunde der ... im deutschen Kunstgebiete herrschenden Richtung», die sich für den Entwurf nicht erwärmen konnten. Die Schweizerische Bauzeitung beispielsweise meinte, es sei schwer zu begreifen, «warum die Jury der spielenden Grazie des Franzosen vor andern wirklich monumentalen [deutschen] Lösungen den Vorzug gegeben» habe. Eine bernische Tageszeitung kolportierte dabei sogar das Gerücht, dies sei geschehen, da Saint-Marceaux sich «an einflussreicher Stelle besonderer Sympathien erfreute». Auch Kritiker, die der Denkmalidee des Parisers die monumentale Wirkung absprachen, mussten allerdings «das Verführerische ihrer Konzeption» anerkennen.

    Zwei Jahre wurden Saint-Marceaux zugestanden, um das Denkmal zu schaffen, doch es verstrichen aus verschiedenen Gründen deren fünf, bis die mehreren Teile des Monuments auf rund 60 Wagen in Bern eingetroffen und auf dem vorgesehenen Platz aufgestellt waren.

    Die Einweihungsfeier wurde auf den 4. Oktober 1909 angesetzt, und der Bundesrat lud sämtliche Regierungen, deren Länder Mitglied des Weltpostvereins waren, ein, sich dabei vertreten zu lassen. Die meisten kamen der Aufforderung nach, und 63 Delegierte aus 52 Staaten fanden sich an besagtem Montag um halb elf Uhr zusammen mit dem diplomatischen Corps und zahlreichen weiteren Gästen (der Bundesrat erschien in corpore) im Nationalratssaal ein, wo die Festlichkeiten ihren Anfang nahmen. Es war als Folge der Tenuevorschritten «eine ernste Gesellschaft, die da zusammentritt. Das Schwarz beherrscht den Ton in der Farbe dieses Bildes. Keine Uniform, kein Diplomatenfrack - alles im steifen Gehrock». Immerhin hatte das Publikum, das die Tribüne füllte, im Ober-Post-, Telegraphen- und Telephon-Direktor von Äthiopien, Ato Denkou, seine optische Attraktion, war dieser doch eine ausgesprochene «Prachtsgestalt» eines Afrikaners, die grosses Aufsehen erregte.

    Nach einer Begrüssungsrede Bundesrat Ludwig Forrers, des Vorstehers des Postdepartements, begab sich die Festgemeinde auf die Strasse, bildete einen Zug und schritt zum nahegelegenen Denkmal. Da das Monument seiner Grösse wegen nicht verhüllt war und dementsprechend auch keine Enthüllung stattfinden konnte, beherrschten die von Musik umrahmten, getragenen Worte zweier R( den die. Feier, und Bundesrat Forrer durfte das Monument, das Postbeamte in Uniform umstanden, in die Obhut der Eidgenossenschaft übernehmen. Anschliessend begab man sich zum Hotel Bernerhof, und für die nächsten zweieinhalb Tage hatten die Gäste aus dem Ausland und weitere Geladene vor allem mit kulinarischen Aufgaben zu kämpfen, indem sie «von Bankett zu Privatdiners und wieder zu Bankett geschleppt» wurden, zum Abschluss allerdings auch noch den Genfersee besuchten.

    Wer nicht zu diesen offiziellen Gästen gehörte und in Bern wohnte, war über die Art und Weise, wie das Weltpost-Denkmal aus der Taufe gehoben worden war, nicht sehr begeistert, wie in der Presse publizierte «Nachklänge zur Einweihung» zeigten. Es wurde nämlich kritisiert, dass «man sich <oben> keine Mühe gegeben hatte», ein genaueres Programm der Feier zu veröffentlichen, so dass «die Exklusivität ... zu weit getrieben wurde» und die bernische Bevölkerung an der Einweihung kaum Anteil nahm, mithin «im Lande der fortgeschrittensten Demokratie das Volk <Nebensache>» war.

    Auch die Kritik am Weltpost-Denkmal selbst flackerte mit der Einweihungsfeier noch einmal kurz auf, um dann weitgehend in «Worte der Freude und des begeisterten Lobes» überzugehen. Das Organ des Weltpostvereins sprach unverhohlen von einem «Meisterwerk», und der bernische Architekt Adolphe Tièche meinte: «St.-Marceaux Werk ist eine Apotheose an das Leben und seinen nimmer rastenden Lauf!»

    Jetzt gab sich auch die Schweizerische Bauzeitung überzeugt davon, «dass der originelle Gedanke des liebenswürdigen Franzosen der Gesamtheit der Berner Bevölkerung, deren inneres Stadtbild ja vorwiegend Anklänge aus dem westlichen Nachbarlande aufweist, bald vertraut und heimisch werden wird». - Was ja tatsächlich auch geschehen ist.

    J. Harald Wäber

    Bernische Denkmäler
    Ehrenmale in der Gemeinde Bern und ihre Geschichte
    Karl F. Wälchli, J. Harald Wäber, Peter Martig, Peter Hurni
    Bearbeitet vom Staatsarchiv des Kantons Bern
    Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart




    Chronologie

    1874 Vertreter aus 20 europäischen Staaten, den Vereinigten Staaten von Amerika und Ägypten unterzeichnetet den Vertrag des Weltpostvereines in Bern.

    1901 beschliesst der Bundesrat aufgrund des Antrags des Direktors des Weltpostvereins einen Wettbewerb unter Künstlern international auszuschreiben. Der Bundesrat bestätigte, dass er das Denkmal zu Lasten des von der Postunion zur Verfügung gestellten Kredites von Fr. 200'000.- ausführen lasse.

    1902 bestätigt der Berner Gemeinderat dem Post- und Eisenbahndepartement, das mit der Standortwahl für das Denkmal beauftragt war, dass der Errichtung des Denkmals auf dem Steinhauerplatz (Bauplatz der Bundeshäuser) nichts mehr entgegen stehe. Aufgrund eines Bundesratsbeschluss konnte der Pariser Künstler René de St-Marceaux die Arbeit ausführen. Die Fundierung und die Wasserzuleitung erfolgte durch die Eidg. Baudirektion, eine Vorgängerorganisation des BBL.

    1909 wurde das Denkmal zur Erinnerung an die Gründung des Weltpostvereins im Zentrum der Parkanlage auf der Kleinen Schanze eingeweiht. Aus der Rede des Bundesrates Forrer (Vorsteher des Eidg. Post- und Eisenbahn-Departementes): Ich verspreche, dass die schweiz. Eidgenossenschaft das Werk in treue Hut nehmen und in gutem Stande erhalten wird. Ich erwarte, dass jedermann das Denkmal, wie es unter freiem Himmel steht, respektiert, und nehme für dasselbe auf alle Zeiten und für alle Verhältnisse in Anspruch, dass es auch völkerrechtlich als heiliges Gut anerkannt werde.

    1999 wird eine Gedenktafel zum 125-jährigen Bestehen angebracht.

    Aus Verhandlungen vom 5.10.1906 zwischen der Eidgenossenschaft und der Stadt Bern geht hervor, dass der Unterhalt der fertiggestellten Anlage (mit Ausnahme des Denkmals) die Gemeinde übernimmt. Der Gemeinderat der Stadt Bern betrachtet den Weiher als zum Denkmal gehörend. Für den Unterhalt der Mittelpartie der Anlage, ist die Eidgenossenschaft verantwortlich.


    Weltpost-Denkmal

    Weltpost-Denkmal
    g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT
  •