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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Casinoplatz

Vollmond
Eine Pintenwirtschaft am alten Casinoplatz (heute Bundesplatz), die vor der Mitte des 19. Jh. zum Neumond hiess.
Lit.: Howald, Brunnen 3

Feuerwehrkaserne
Viktoriastrasse 70. 1935 von Hans Weiss erbaut. An der Südfassade «St. Florian» von M. Perincioli (1943). Die Brandwache befand sich von ihrer Gründung 1811 an bis 1902 im Polizeigebäude (südlich des Hauses Casinoplatz;, dann bis 1907 in der Hauptwache (Theaterplatz 13) und hernach bis 1936 in der nachmaligen Stadttheater-Direktion (Nägeligasse 1
Lit.: A. Riser, Die Feuerwehr der Stadt Bern, Bern 1936

Polizeigasse
Seit der Mitte des 19. Jh. bis 1881 offizieller Name des früheren Hotelplatzes, der Gasse zwischen dem Polizeigebäude und dem Hôtel de Musique.
Standort: Südlich des Hauses Casinoplatz 2

Polizeigebäude
¹ Seit 1798 diente der Münsterwerkhof als Sitz der Stadtpolizei und der Städtischen Polizeidirektion. Das 1860 ausgebaute Gebäude wurde 1908 abgebrochen.
Standort: Vor dem Westausgang der Herrengasse, südlich des Hauses Casinoplatz 2
² Predigergasse 5. Erbaut in den Jahren 1905/07 an Stelle des Kommerzienhauses.
Lit.: KDM. 3
Münsterwerkhof, auch Münsterbauhütte,
innerer Werkhof oder (innere) Hütte genannt. Für die Zwanzigerjahre des 16. Jh. ist ein Standort des M. an der Herrengasse bezeugt. Von 1535 bis 1577 befindet er sich am Platz der früheren Barfüsserkirche, dann im Neubau westlich des Barfüsserfriedhofs, der nach dem Übergang (1798) zum Polizeigebäude wird.
Standort 1577-1798: Vor dem Westausgang der Herrengasse vor dem Haus Casinoplatz 2
Lit.: KDM. 3

Casino
¹ Nach Plänen von Ludwig Friedrich Schnyder 1820/21 an Stelle des Ballenhauses erbaut. Seit 1832 im Besitz der Stadt dient es bis 1848 verschiedenen Zwecken. 1848-1858 ist es Sitz des Nationalrates. 1895 für den Bau des Parlamentsgebäudes abgebrochen.
Standort: Westflügel des Parlamentsgebäudes
Lit.: KDM. 2
² Herrengasse 25. An Stelle der alten Hochschule in den Jahren 1906/08 von Lindt und Hofmann für die Burgergemeinde erbaut. 1967/69 im Innern renoviert.

Lateinschule, Pädagogium oder Untere Lateinschule
Schule 1581 wurde die L. vom Haus Herrengasse 1 ins 1577/82 von Hans Ganting an Stelle der 1535 abgebrochenen Barfüsserkirche erbaute Schulhaus verlegt. 1777 wird auf Niklaus Emanuel Tscharners Betreiben eine Kunstschule von der L. abgetrennt. Das Gebäude der L., das um 1805 eine markante Achteckhaube als Dach des Treppenturmes erhält, weicht 1906 dem Neubau des Casino. Von 1885 an beherbergt es die Hochschulbibliothek bis zu ihrer Vereinigung mit der Stadtbibliothek 1903. Im 19. Jh. hiess die L. nach der Farbe der Schüleruniformen auch Grüne Schule.
Standort: Nordostecke des Casinos, Herrengasse 25, und nördlich davon
Lit.: Gruner, Deliciae; KDM. 3

Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976)



  • Vom Gerberngraben zum Casinoplatz
  • Plan



    Vom Gerberngraben zum Casinoplatz

    Das Gebiet des heutigen Casinoplatzes hat im Laufe seiner Geschichte zweimal eine vollständige architektonische Neugestaltung erfahren.

    Im ausgehenden 18. Jahrhundert war am heutigen Casinoplatz rund um den als hässlich empfundenen Gerberngraben ein dichtes Gefüge repräsentativer Staatsbauten entstanden. Die Eröffnung der Kirchenfeldbrücke 1883 erhob den ehemals verkehrstechnisch randständigen Ort zum Brückenkopf und Durchgangsraum. Die Folge war eine fast vollständige Neubebauung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und das Ausebnen des Grabens durch eine mehrstöckige Parkierungsanlage. Verschiedene Umstände verhinderten allerdings, dass aus dem Platz mehr wurde als ein Verkehrsknotenpunkt.

    Umfassende Aufwertung

    Kein anderer Ort in der Stadt Bern hat im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts eine derart umfassende und architektonisch qualitätvolle Aufwertung erfahren wie das Gebiet rund um den Gerberngraben. Die in dieser Zeit errichtete Baugruppe, bestehend aus der Hauptwache (1766/67), der Bibliotheksgalerie (1771-76; abgebrochen) und der Münz (1788-95; abgebrochen), hatte in der Schweiz nicht ihresgleichen.

    Während die beiden erstgenannten als Hauptwerke des Berner Architekten Niklaus Sprüngli gelten, war die Münz ein «Import» aus Paris. Der Architekt Jacques-Denis Antoine, der durch den Bau der Pariser Münzstätte zu internationalem Ansehen gekommen war und für die Berner Obrigkeit bereits ein Projekt für ein neues Rathaus entworfen hatte, liess Dutzende von Plänen in seinem Pariser Grossbüro zeichnen und verschickte sie anschliessend nach Bern. Hier beaufsichtigte ein von ihm ernannter Kontrolleur die dem Steinwerkmeister Sprüngli übertragene Ausführung.

    Weshalb die Obrigkeit im ausgehenden 18. Jahrhundert gerade diesen Ort für repräsentative Staatsbauten bevorzugte, ist nicht unmittelbar einsichtig. Im Gerberngraben standen anspruchslose Wohn- und Gewerbehäuser; der Ort wurde wenig geschätzt und galt als eine Beeinträchtigung des Stadtbildes. Einzig die zentrale Lage in der Stadt zeichnete ihn vor anderen aus. Vielleicht darf gerade in der bis Mitte des Jahrhunderts vorherrschenden Geringschätzung dieses Stadtbereichs der Grund für die kostspieligen Interventionen gesehen werden.

    Nachdem man im frühen 18. Jahrhundert den Stadtzugang beim Obertor und ab der Jahrhundertmitte denjenigen beim Untertor ästhetisch aufgewertet hatte, ging es nun an die Erneuerung der vernachlässigten Zonen im Stadtgefüge selbst. Da die vorwiegend von Wohnhäusern gesäumten Hauptgassenzüge durch die Baulust privater Bauherren bereits eine kontinuierliche Erneuerung erfuhren, brauchte sich die Obrigkeit nicht um diese zu kümmern. Vielmehr befanden sich die städtebaulich als unbefriedigend empfundenen Zonen vorwiegend in den Bereichen der Quergassen und -plätze entlang der ehemaligen Mauergürtel beim Käfig- und Zeitglockenturm.

    Die vier heute als Bären-, Waisenhaus-, Kornhaus- und Theaterplatz bezeichneten Stadträume erfuhren im 18. Jahrhundert denn auch immer wieder Erneuerungen. Dem heutigen Bärenplatz scheint man wenig Bedeutung beigemessen zu haben, einzig mit der Verlagerung und Zuschüttung des Bärengrabens 1763 und der Errichtung des 1841 vor den Holländerturm versetzten Brunnens in den Jahren 1784/85 wird die Absicht einer Aufwertung des Platzes erkennbar. Um so angestrengter suchte man nach Lösungen für den heutigen Waisenhausplatz: Die Obrigkeit vergab nicht nur an zahlreiche Architekten leider nie realisierte Projektierungsaufträge für ein neues Zeughaus, sondern liess auch mit dem Knabenwaisenhaus (1782-86) und dem Spitalkornhaus (1783-88; abgebrochen) zwei stattliche Bauten errichten und damit den Platz gegen Norden und Westen einfassen. Das Kornhaus (1711-18), die Reitschule (1737/38; abgebrochen) und die Bepflanzung des davorliegenden Freiraumes mit Linden (1740) liessen den heutigen Kornhausplatz schon recht früh als hinreichend geschmückt erscheinen.

    Obwohl die Situation beim Gerberngraben ihren Ursprung auch im «Niemandsland» eines ehemaligen Mauergrabens hatte, unterschied sie sich doch grundsätzlich von derjenigen der eben genannten drei Plätze. Hier lag ein gutes Stück des Grabens noch offen und war mit Wohn- und Gewerbehäusern bebaut.

    Zwischen der Herrengasse und der heutigen Kochergasse gab es keine Verbindung; die sonst so klar geordnete Stadt war hier unübersichtlich, eng und kleinräumig verwinkelt. Die Obrigkeit liess die Hauptwache nicht zuletzt direkt vor dem Gerberngraben errichten, um diesen den Blicken zu entziehen, um das «Chaos» hinter einer wohlgeordneten Fassade zu verbergen. Der Dachfirst des für einen anderen Standort entworfenen Gebäudes musste leicht erhöht werden, damit er das dahinter liegende Haus vollständig verbarg. Auch die Fassade der Bibliotheksgalerie war primär als monumentaler Abschluss der Hotelgasse verstanden worden und sollte den davor liegenden Stadtraum abgrenzen und einfassen. Die anspruchsvollen Staatsbauten wollten nicht das Gebiet des heutigen Casinoplatzes aufwerten, sondern es im Gegenteil mit imposanten Schaufronten verbergen.

    Kirchenfeldbrücke

    Bei der Planung und dem Bau der Kirchenfeldbrücke hatte wohl niemand damit gerechnet, dass dieser Eingriff das Gebiet rund um den Gerberngraben in einen mehrere Jahrzehnte andauernden Strudel der Veränderungen reissen würde. Und selbst wenn die Folgen hätten vorausgeahnt werden können, so hätte auf Grund der Topographie wohl kein besserer Standort für eine Hochbrücke gefunden werden können.

    Der ursprüngliche stadtseitige Zugang zu der 1883 eingeweihten Brücke wand sich entlang der Hangkante zwischen der städtischen Polizeiwache und den Gebäuden im Gerberngraben hindurch und kam zunächst ohne Abbruch wichtiger Gebäude aus. Die eigentümliche Schlangenbewegung entlang der seit über einem Jahrhundert als hässlich geltenden Wohnzeile im Gerberngraben bildete jedoch einen kaum zu überbietenden Kontrast zum südlichen, mit zwei Torbauten und sternförmigem Platz monumental inszenierten Brückenkopf.

    Grosszügige Lösung

    Wie ein Übersichtsplan mit zahlreichen projektierten Strassenzügen belegt, war jedoch für Stadtplaner bereits vor der Brückeneröffnung klar, dass auch auf der Altstadtseite ein ästhetisch ansprechender Brückenzugang geschaffen werden musste. Die wichtige Verbindung zwischen Altstadt und dem als Wohnquartier der Oberschicht vorgesehenen Kirchenfeld verlangte nach einer grosszügigen und imposanten Lösung.

    Das Gebiet rund um den Gerberngraben war somit knapp hundert Jahre nach den im Ancien Régime realisierten Repräsentationsbauten erneut zu einer städtebaulichen Problemzone geworden. Die im 18. Jahrhundert gewählte Strategie, die darauf abzielte, den unschönen Ort den Blicken zu entziehen, widersprach der neuen Bedeutung des Ortes als Durchgangsraum und Brückenkopf diametral. Die alten Prunkbauten, obwohl architektonische Meisterleistungen, erschwerten auf Grund ihrer Lage und Ausrichtung die Bewältigung der neuen Situation, schlossen sie doch gerade die Räume ab, die nun geöffnet und architektonisch aufgewertet werden sollten.

    www.ebund.ch
    Dieter Schnell 01.11.1997



    Bern Casinoplatz und Casino
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