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Bern - die Hauptstadt mit Charme Das Denkmal für den Bau des Aargauerstaldens Aargauerstalden 1750-1758 nach dem Projekt des Piemontesen Mirani, nachmals Inspektor der bernischen Strassen, unter teilweiser Abtragung und Aufschüttung der Sandfluh erstellt. Gleichzeitig wird die Papiermühlestrasse bis zur Gemeindegrenze in der heutigen Breite gebaut. Anfangs hiess der Aargauerstalden Neuenweg oder Äusserer Stalden. 1941 wird die Fahrbahnwölbung stark gemildert, und die tiefen Abzuggräben werden ausgefüllt. Lit.: KDM. 1 Alter Aargauerstalden Vor 1603 gebaut. In der Folge konnte die Haspelgasse für den Fahrverkehr gesperrt werden. Der nicht ausbaufähige Alte Aargauerstalden wurde 1758 durch den Aargauerstalden als Ausfallstrasse abgelöst. Lit.: KDM. 1 Aargauerstalden-Denkmal Ästhetisch befriedigte das 1761 aus Sandstein errichtete Denkmal zur Vollendung des Aargauerstaldens nie. Seine Form trug ihm den Populärnamen Kaffeemühle ein. 1815 wurde es durch den roten Granitfindling ersetzt, wobei der Text unverändert übernommen wurde. Lit.: KDM. 1, Howald, Brunnen 2 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Standort: am Aargauerstalden, oberhalb der Einmündung Oranienburgstrasse Das Denkmal für den Bau des Aargauerstaldens Nationalstrassenbau im 18. Jahrhundert Als um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Vorläuferin der heutigen Untertorbrücke erbaut wurde, war damit zwar die Stadt im Aarebogen mit dem jenseitigen Ufer verbunden; aber die topographisch ungünstige Beschaffenheit des Aarehangs stellte den mittelalterlichen Strassenbauern Hindernisse in den Weg. Hatte zunächst der steile Haspelweg den Ostzugang zur Stadt gebildet, so brachte zwar schon der Alte Aargauerstalden (vor 1603 erbaut) eine Verbesserung, aber auch dieser war für Lastkarren und Kutschen nur mit Mühe befahrbar. Erst im 18. Jahrhundert setzte dann ein «moderner» Strassenbau im Staate Bern ein. Ein Memorial Friedrich Gabriel Zehnders, «Inspector der Strassen obenaus», gab 1740 den Anstoss: «Die schönen, guten und sicheren Landstrassen», führte Zehnder aus, «zieren nicht nur das ganze Land, sie erleichtern und befördern auch das Commercium den gemeinen Handel und Wandel, sondern dienen allen grossen und kleinen Staaten ebenso wohl zur Zierd und Ruhm, als die prächtigen Gebäu derselben.» Und Zehnder hatte Erfolg! Mit fast unbernischem Elan wurde ab 1742 unter der Leitung der Zollkammer - denn vom guten Zustand der Strassen versprach man sich mehr Transitverkehr und damit mehr Zolleinnahmen - das Hauptstrassennetz vom Waadtland über Aarberg beziehungsweise Bern bis in den Aargau hinunter so mustergültig ausgebaut, dass Berns «Kunststrassen»europäisches Aufsehen erregten. «Die Wege sind nur so lange gut, als man auf bernischem Boden reist», meinte der deutsche Professor Christoph Meiners, sein Landsmann Christian Cajus Lorenz Hirschfeld pries 1776 die «sichern, bequemen und anmutigen Wege, die sich vornehmlich im Kanton Bern auszeichnen». Es versteht sich, dass in diesem Zusammenhang auch die Ostzufahrt zur Hauptstadt verbessert werden musste. 1749 wurde der italienische Ingenieur Antoine Marie Mirani, der sich im Waadtländer Jura erste Lorbeeren geholt hatte, nach Bern gerufen und konsultiert, «wie das Werk am kumlichsten zu incaminieren und zu dirigieren sei». Miranis Projekt war eine grosse Leistung: seine Trasse-Wahl genügt ja noch den heutigen Anforderungen! Mit Felssprengungen, hohen Stützmauern, Einschnitten und Aufschüttungen machte er den «äussern Stalden» (wie der Aargauerstalden damals genannt wurde) zu einer Prachts-Chaussee. Das Werk wurde 1750 begonnen und war 1758 beendet. Ein Monument für die Nachwelt Im Manual der Zollkammer findet sich unterm 27. August 1760 der Eintrag: «[Es] haben dieselben dero Aufmerksamkeit gerichtet auf die schönen und namhaften Werck, welche seit einichen Jahren sowohl dies- als jenseits des Unteren Thors von Seiten des hochen Standes sind angelegt, durch deren künstliche Verfassung das Ansehen der Hauptstadt umb vieles vermehrt, deren hiebevor so beschwärliche Zugänge aber so bequem als angenehm gemacht worden. Diese so wichtige Veränderungen finden Meine hochgeachte Herren die ZollDirectores von solcher Würdigkeit, dass der merkwürdige Zeitpunkt derselben wohl verdienet durch irgendein Monument der Nachwelt bekannt gemacht zu werden». Schon am 12.Dezember 1760 konnte die Zollkammer mit Genugtuung davon Kenntnis nehmen, dass eine vom Professor der Rechte Sigmund Ludwig Lerber (1723-1783, Redaktor der erneuerten bernischen Gerichtssatzung von 1762 )verfasste lateinische Inschrift vom Bildhauer, Johann Friedrich Funk in eine Marmorplatte eingemeisselt worden sei, die nun an einem Sandsteinmonument auf dem Aargauerstalden angebracht werden solle, und zwar dort, wo der Fussweg von der Untertorbrücke her in die neue Strasse mündete. Damit hatte die Stadt Bern ihr erstes freistehendes Denkmal erhalten. Aber anstatt sich darüber zu freuen und stolz zu sein, nahmen die Berner Anstoss an der Form des Denkmals und nannten es bald einmal «Kaffeemühle»! Als man daher zu Beginn des 19.Jahrhunderts am Aargauerstalden Korrekturarbeiten vornahm, liess man das bespöttelte Monument verschwinden und ersetzte es - etwas weiter staldenaufwärts - 1815 durch einen Findlingsblock. Dieser Block war auf der Allmend von Utzigen auf Veranlassung von Stadt-Polizeidirektor Albrecht Rudolf von Steiger aus einem Findling (Grimsel-Granit) herausgehauen und nach Bern geführt worden. Der Text der alten Inschrift wurde auch an dem neuen Denkmalstein angebracht und um den Stein herum eine kleine Anlage gestaltet, die der Verschönerungsverein 1905 instandstellte. Seither (Regierungsratsbeschluss vom 20. April 1951) ist der Gedenkstein unter Schutz gestellt worden - als Findling. Wir haben also die eigenartige Situation, dass die heutige Fassung des ersten stadtbernischen Denkmals nicht als Kunst- sondern als Naturdenkmal unter Schutz steht. Was tut's? Wichtig ist, dass es erhalten bleibt ... und dass die Passanten angeregt werden, über die Kunst der Strassenbauer des 18. Jahrhunderts nachzudenken! Karl F. Wälchli Bernische Denkmäler Ehrenmale in der Gemeinde Bern und ihre Geschichte Karl F. Wälchli, J. Harald Wäber, Peter Martig, Peter Hurni Bearbeitet vom Staatsarchiv des Kantons Bern Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |