|
g26.ch HOME EVENTS MUSEEN GALERIEN BIOGRAPHIEN G26.CH NEWS BLACKBOARD BERN INFO KUNST |
Bern - die Hauptstadt mit Charme Das Gotthelf-Denkmal Rosengarten Das 1751 als Ersatz für den obern Teil des Klösterlifriedhofs erworbene Areal diente 1765-1877 (und vereinzelt bis 1880) als Friedhof der untern Stadt. 1830 entstanden Umfassungsmauer und Gittertor, 1874 folgte die Promenade längs der Westmauer. Seit 1913 ist der Rosengarten eine öffentliche Gartenanlage mit Rosen (seit 1917) und einer Teichanlage mit den beiden Monumentalgruppen «Europa» und «Neptun» von Karl Hänny (fertiggestellt 1918). Seit der Neugestaltung von 1956 ist die Gotthelf-Büste von Arnold Huggler (1937 geschaffen) beim Pavillon mit der Mundartbücherei aufgestellt. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Das Gotthelf-Denkmal Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius, 1797-1854) Der Name Jeremias Gotthelf - Pseudonym des Dichterpfarrers von Lützelflüh, Albert Bitzius - ist untrennbar mit dem Emmental und seinem Bauerntum verbunden. Die Romanfiguren Ueli der Knecht, Anne Bäbi Jowäger, Hagelhans sind, nicht zuletzt durch die Filme von Franz Schnydcr, fast jedermann ein Begriff. Hier im Emmental, dem Schauplatz seiner meisten Romane und Erzählungen, welche in die Weltliteratur eingegangen sind, wirkte Albert Bitzius in der zweiten Lebenshälfte als Seelsorger, Fürsprecher der Armen und Schulinspektor. Seine praktischen Erfahrungen, verbunden mit einem sittlich-religiösen Erziehungswillen, hat er mit ungeheurer dichterischer Kraft in seinen unvergänglichen Werken zum Ausdruck gebracht. Weniger bekannt ist wohl, dass der grosse Dichter des Emmentals selbst nicht aus dieser ländlichen Gegend stammte; die Bitzius sind ein altes Burgergeschlecht der Stadt Bern. Geboren wurde Albert Bitzius am 4. Oktober 1797 in Murten, wo sein Vater als Pfarrer amtete. Hier und später in Utzenstorf verbrachte er seine Kindheit. In seine Vaterstadt an der Aare kam der Jüngling im Jahre 1812. Während der folgenden acht Jahre besuchte Albert das Gymnasium und studierte anschliessend Theologie. In dieser Zeit lernte er das gesellschaftliche Leben der Hauptsiadt kennen und wurde durch seine Verwandten in manches Burgerhaus eingeführt. «Die Gesellschaft und namentlich die weibliche nahm mich mehr in Anspruch als die Wissenschaft», erinnerte er sich später. Die Vikariatszeit Gotthelfs in Utzenstorf bei seinem Vater und danach in Herzogenbuchsee endete 1829 gegen seinen Willen; er hatte sich mit dem Oberamtmann von Wangen überworfen und wurde deshalb nach Bern versetzt. Die anderthalb Jahre als Vikar an der Heiliggeistkirche fielen in eine Zeit politischer Umwälzungen. Das patrizische Regiment ging seinem Ende entgegen. Die Liberalen forderten einen demokratischen Verfassungsstaat; Albert Bitzius stellte sich aus Oberzeugung auf ihre Seite. Am Neujahrstag 1831 verliess Gotthelf seine Vaterstadt, welche er in einem seiner spätem Werke mit einem «Edelstein in wunderschöner Einfassung» verglichen hat. Er zog seinem neuen Bestimmungsort Lüt.zeltlüh zu, den er bis an sein Lebensende nicht mehr verlassen sollte. Der andere, der städtische Gotthelf In Lützelilüh hatte das Emmental, seine zweite Heimat, Gotthelf bereits 1889 einen Erinnerungsstein errichtet. Fast achtzig Jahre nach seinem Tod war es endlich an der Zeit, dass auch die Stadt Bern ihrem berühmten Sohn ein würdiges Denkmal setzte - bisher hatte man in seiner Vaterstadt lediglich eine Quartierstrasse nach seinem Namen benannt. Drei engagierte Exponenten des städtischen Kulturlebens, Stadtbibliothekar Hans Bloesch, Hugo Marti, Feuilletonredaktor beim «Bund», und Walter V anissa, Präsident der Berner Kunstgesellschaft, riefen darum im November 1933 alle Verehrer und Bewunderer des Dichters auf, durch kleine Geldspenden den Wunsch nach einer Gotthelf-Gedenkstätte verwirklichen zu helfen. Durch den Beitrag der Bevölkerung sollte dieser die Gelegenheit geboten werden, so stand im Aufruf geschrieben, «ihrer Verehrung für den grossen geistigen Führer, dessen wir in diesen Zeiten mehr den je bedürfen, Ausdruck zu gehen» - dies angesichts der unheimlichen politischen Führer im benachbarten Ausland! Mit dem gesammelten Geld beabsichtigten die Initianten eine Gotthelf-Büste des in Paris lebenden, 1884 gekorenen Brienzer Bildhauers Arnold Huggler aufzustellen. Das Gipsmodell konnte bereits in der Stadtbibliothek besichtigt werden. Es stelle den Schriftsteller als gebildeten, fast aristokratisch wirkenden Mann dar, und das bäuerisch, urchige Wesen trete in den Hintergrund, urteilte der «Bund». Das Kunstwerk entsprach damit laut «Berner Woche» ganz den Anforderungen an ein Gotthelf-Denkmal für Bern - die Berner sähen eben in Jeremias Gotthelf mehr als den naturalistischen Bauerndichter und polternden Polemiker, nämlich den Idealisten, der die Mitmenschen unablässig zum Guten und Schönen aufrief. Das Sammelergebnis blieb mit 1750 Franken weit unter den Erwartungen, und nur dank beträchtlicher Kostenbeiträge des Kantons und der Stadt Bern konnte das Denkmal schliesslich realisiert werden. Auch die Standortfrage gab einiges zu reden: Hatte das Initiativkornitee sich ursprünglich für den Rosengarten ausgesprochen, schlug es später die Münsterplattform als geeigneten Platz vor. Die freistehende Mauer des Stiftsgebäudes inspirierte den Künstler Arnold Huggler, als Hintergrund der Büste ein Flachrelief mit Figuren aus den Werken Gotthelfs zu entwerfen. Beides, Standort und Relief, vermochte aber schliesslich doch nicht zu befriedigen. Man entschied sich definitiv für den Rosengarten. Den prächtigen Ausblick, den man von dort geniesst, hat Gotthelf selbst in poetischen Worten beschrieben: «über der Stadt ging klar und golden die Sonne zur Ruhe, rötlich wie die Freude auf alternden Wangen schimmerten die Türme ...» Am südlichen Ende der Parkanlage wurde für die Bronzebüste auf grünem Granitsockel eigens eine kleine Terrasse geschaffen. Am 3. Mai 1937 fand unter leichtem Donnergrollen die Übergabe an die Öffentlichkeit durch den sozialdemokratischen Gemeinderat Ernst Reinhard statt, der seiner Hoffnung Ausdruck gab, dass bald auch einem anderen grossen Berner, Rudolf von Tavel, gegenüber am Muristaldcn eine Gedenkstätte gewidmet werde. Die Gotthelf-Büste musste 1960 dem Neubau des Sommerrestaurants weichen, erhielt aber nur unweit davon einen sinnvollen Standort im neugestalteten Lesegarten vor dem Pavillon, welcher eine Bibliothek mit Werken bernischer Schriftsteller beherbergt. Peter Hurni Bernische Denkmäler Ehrenmale in der Gemeinde Bern und ihre Geschichte Karl F. Wälchli, J. Harald Wäber, Peter Martig, Peter Hurni Bearbeitet vom Staatsarchiv des Kantons Bern Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart ![]() ![]() ![]() ![]() |