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Bern - die Hauptstadt mit Charme Die Theodor-Kocher-Denkmäler Kocher-Denkmal Die Bronzebüste des Berner Chirurgen und Nobelpreisträger Theodor Kocher (1841-1917) beim Inselspital schuf Karl Hänny 1927. Kocher-Gasse Die Kochergasse hiess bis 1740 Judengasse nach dem Judentor, dann bis 1917 Inselgasse nach dem an ihr gelegenen Inselspital 1). Den heutigen Namen erhielt sie bald nach Theodor Kochers Tod. Kocher-Spital Schlösslistrasse 11. Der am Ende der Dreissigerjahre des 19. Jh. erbaute Landsitz Ilmenhof, seit 1888 im Besitz der Familie des Medizinprofessors Theodor Kocher, wurde 1940 vom Burgerspital erworben und als Dependenz des Hauptgebäudes eingerichtet. Der Ilmenhof war in den Jahren 1839-1844 Sitz der franz. Botschaft. Lit.: NBTb 1930 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Die Theodor-Kocher-Denkmäler Standorte: 1. neben dem Hauptportal des Inselspitals 2. im Kocherpark Theodor Kocher (1841-1917) «Auf dieser Welt kann Ihnen nur Kocher helfen; hilft er nicht - so hilft niemand». Auf diese Empfehlung hin reiste nach einem Zeitungsbericht im Sommer 1906 ein im russisch-japanischen Krieg schwer verwundeter Geologe aus Ostasien nach Bern. Als Dank für seine Heilung benannte die kaiserlich-russische geographische Gesellschaft einen Vulkan in der Nordmandschurei nach dem berühmten Arzt. Was könnte das Ansehen des Berner Chirurgen besser dokumentiern als die Anschrift auf dem Umschlag des Briefes, mit dem sich der erwähnte Wissenschaftler bei Theodor Kocher angemeldet hatte?: «Europa. Kocher». Theodor Kocher wurde am 25. August 1841 in Bern geboren. Nach seinem Medizinstudium bildete er sich an den Universitäten von Berlin, London und Paris weiter. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderen Virchow und Langenbeck. Mit 31 Jahren wurde Kocher zum Nachfolger Georg Albert Lückes als Ordinarius für Chirurgie und Direktor der Inselklinik in Bern gewählt. Seine Forschungsgebiete als Mediziner und Lehrer waren vielfältig. Am bekanntesten sind seine Untersuchungen der Funktionen der Schilddrüse und des Kropfes. Als Chirurg verschaffte sich Kocher weltweiten Ruhm. Besonders geschätzt waren in Fachkreisen seine fast sprichwörtliche Vorsicht und Sorgfalt. «Nihil nocere primum» hiess sein Wahlspruch. Die wissenschaftlichen Ehrungen für seine Verdienste blieben nicht aus: Kocher wurde unter anderem Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. 1909 erhielt er für seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Heilkunde den Nobelpreis für Medizin. Theodor Kocher blieb seiner Vaterstadt Bern zeit seines Lebens treu. Während 45 ,Jahren unterrichtete er an der hiesigen Universität. Der Tod riss den «hervorragendsten Chirurg seiner Zeit» am 27. Juli 1917 mitten aus seinem arbeitsamen Leben. Treue zur Insel Theodor Kocher und Bern, zwei Namen, die untrennbar miteinander verbunden sind! Ein Menschenalter lang wirkte und lehrte der berühmte Arzt in seiner Vaterstadt. Glänzende Berufungen an andere Universitäten fanden bei ihm kein Gehör. Bern dankte seinem treuen Sohn damit, dass sein Name bis zum heutigen Tage geehrt und hochgehalten wurde und wird. Wer kennt nicht die Kochergasse, den Köcherpark, das Kocher-Institut? Die Familie selbst schuf sich ein Denkmal durch die Errichtung einer Kocher-Stiftung und eines Kocher-Preises. Professor Kocher liebte das Aufsehen um seine Person nicht. Wer ihn kannte, wer ihn beschrieb, war immer wieder beeindruckt von seiner Bescheidenheit, seiner Schaffenskraft und seiner Sorgfalt. Und doch ist Theodor Kocher einer der wenigen Berner, denen in ihrer Vaterstadt gleich zwei Denkmäler gesetzt worden sind: Bei beiden handelt es sich um schlichte Porträt-Büsten, beide sind an Stätten aufgestellt, die eng mit dem Namen des Geehrten in Verbindung stehen. Das Kocher-Denkmal vor dem Inselspital Am Nachmittag des 27. Juli 1927, des zehnten Todestages Theodor Kochers, versammelte sich vor dem Iiauptportal des Inselspitals eine kleine Festgemeinde, um zu Ehren und zum Andenken an den grossen Chirurgen ein vom Bildhauer Karl Hänny geschaffenes Denkmal feierlich einzuweihen. Die Büste wurde von der Familie Kocher dem Inselspital geschenkt. Der älteste Sohn des Verstorbenen übergab sie persönlich der Obhut der Inselverwaltung. Sie zeigt das Brustbild des Gelehrten: Aus dem Operationsrnan tel steigt, etwas überlebensgross, das markante Haupt des Arztes auf. Karl Hänny hat das Standbild noch zu Lebzeiten Kochers entworfen und später in Bronze ausgeführt. Der Künstler liess es sich nicht nehmen, sein Werk selber vor der Insel zu enthüllen. Die Büste steht all eirrem Sockel, versehen mit der für Kochers bescheidene Art fast symbolisch schlichten Inschrift: Theodor Kocher 1841-1917, Professor der Chirurgie 1872-1917. Die Bronzebüste im Kocherpark In seiner letztwilligen Verfügung vermachte der 1941 verstorbene Dr. Albert Kocher, einer der Söhne Theodor Kochers, der Burgergerneinde Bern ein Grundstück an der Bclpstrasse. An die Vergabung war die Bedingung geknüpft, dass die Grünanlage zu einem öffentlich zugänglichen Park unter dem Namen «Theodor-Kocher-Park» ausgestaltet werde. Die burgerlichen Behörden gaben das Grundstück. an die Einwohnergemeinde weiter, und der Gemeinderat der Stadt Bern erklärte sich bereit, die Verwirklichung des Projektes an die Hand zu nehmen. Im Park sei, so wurde beschlossen, eine Bronzebüste Theodor Kochers aufzustellen. Nach knapp dreijähriger Planungs- und Ausführungszeit wurden am 19. September 1944 Garten und Denkmal mit einer kurzen und feierlichen Ehrung Kochers eingeweiht. Die vom Bildhauer Max Fueter im Auftrag der Stadt und der Burgergemeinde Bern geschaffene Büste wurde gemeinsam mit der neu gestalteten Gartenanlage der Öffentlichkeit übergeben. Der Kocher-Park entwickelte sich rasch zu einem beliebten Erholungsraum und zum Treffpunkt für ein ganzes Quartier. Rings herum begann sich die Stadt stark zu verwandeln; der Park als grüne Oase blieb. «Wie durch Zauberspruch verdeckte der, wenn auch kahle, dennoch dichte Baumbestand alle die architektonischen Missgriffe, welche das einstmals so schöne Gelände des burgerlichen Waisenhauses in den letzten Jahren als Folge einer verunglückten Spekulationswelle erdulden musste»; solche Worte schrieb der bekannte Berner Künstler Adolf Tièche im Jahre 1944 über den Kocher-Park. Wie würde Tièche wohl heute angesichts der Betonmassen der City-West über den Standort des Kocher-Denkmals urteilen? Peter Martig Bernische Denkmäler Ehrenmale in der Gemeinde Bern und ihre Geschichte Karl F. Wälchli, J. Harald Wäber, Peter Martig, Peter Hurni Bearbeitet vom Staatsarchiv des Kantons Bern Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart ![]() ![]() |