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Berühmte Gäste in Bern Napoleon Bonaparte 15. 8. 1769 Ajaccio, Korsika - 5. 5. 1821 Longwood, St. Helena Napoleon I. Kaiser der Franzosen 1804-1814/15, aus der korsischen Familie Bonaparte, Onkel von Napoleon III.; besuchte die Militärschulen von Brienne und Paris und wurde 1785 Artillerieleutnant. Im Auftrage des Konvents schlug er 1795 den royalistischen Aufstand in Paris nieder, wurde Divisionsgeneral und leitete als Oberbefehlshaber 1797 den italienischen Feldzug, mit dem er seinen militärischen Ruhm begründete. 1798 unternahm er die Expedition nach Ägypten, um England entscheidend zu treffen, doch wurde seine Flotte bei Abu Qir geschlagen. www.wissen.de Napoleon Bonaparte Seine welthistorische Grösse ist zwar unbestritten, doch hat seine Persönlichkeit seit je die Geister in zwei Lager geschieden: auf der einen Seite seine Bewunderer, auf der anderen seine Gegner, welche mit Recht auf die vielfältigen Legenden in seiner Biographie hinweisen. Niemand wird die Tatsache bestreiten, dass Napoleon zu den populärsten Gestalten der Geschichte zählt, nicht zuletzt deshalb, weil er stets mit ungewöhnlicher Leidenschaft und grenzenlosem Ehrgeiz für seine Anliegen gekämpft hat. Sein Traum von einer umfassenden, durch ihn gegründeten Weltherrschaft weckte die Phantasie berühmter Dichter und Philosophen wie Chateaubriand, Stendhal, Hugo, Hegel, Nietzsche. Dazu kommt eine schier unermessliche Fülle biographischer Details, deren Sichtung wohl sämtliche bibliographischen Massstäbe sprengen würde. Am Anfang dieses Verwirrspiels steht als Urheber Napoleon selbst mit einer Korrespondenz von 32 Bänden und mit eigenen Memoiren in acht Bänden. In den «Mémoires de Ste-Hélène» diktierte er sein Leben, seine Absichten und Taten genau so, wie sie der Nachwelt überliefert werden sollten, das heisst «authentisch» in seinem Selbstverständnis. Dass hier die Vaterlands- und Freiheitsliebe sowie das Streben nach der höheren Zivilisation der Menschheit Vorrang gewinnen, wird im Hinblick auf das «tragische» Scheitern seiner Laufbahn mehr als verständlich. Am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika geboren, stand Napoleon bereits von Geburt an mitten im Brennpunkt politischer Vorgänge. Nur ein Jahr zuvor hatte Korsika den Besitzer gewechselt, als Genua die Mittelmeerinsel an Frankreich verkaufte. Für Napoleon aber spielte diese französische Identität eine erhebliche Rolle. Auf Betreiben seines Vaters trat er 1779 in die Kriegsschule von Brienne ein, absolvierte 1786 die fachliche Prüfung in Paris und wurde sodann zum Unterleutnant befördert. Der Versuch, mit seinem «Discours sur les véritées et les sentiments qu'il importe le plus d'inculquer aux hommes pour leur bonheur» den Preis der Akademie von Lyon zu erringen, scheiterte. Also verblieb er weiterhin im Garnisonsdienst bis zur Revolution von 1789, deren Ausbruch er als Oberleutnant in Grenoble erlebte. Nach Auflösung der Armee kehrte er nach Korsika zurück und trat als Vorkämpfer der korsischen Freiheit auf. 1792 begab er sich wieder nach Paris, sah mit eigenen Augen den Sturz der Monarchie und erkannte die politische Gunst der Stunde. Nun wechselte er ins Lager der Jakobiner und unternahm im Mai 1793 den vergeblichen Versuch, die von korsischen Patrioten besetzte Zitadelle von Ajaccio zu erobern. Nach diesem Misserfolg dislozierte er zur Belagerungsarmee nach Toulon, wo er als Bataillonschef mit dem Oberbefehl betraut wurde. Dank seiner Strategie glückte hier am 18. Dezember 1793 die überraschende Attacke, worauf die Stadt kapitulierte und die englische Flotte abziehen musste. Der Sieger, ein 24jähriger, kleinwüchsig hagerer Offizier namens Bonaparte, wurde am 6. Februar 1794 zum Brigadegeneral befördert. Als aber fünf Monate später der mit ihm befreundete Robespierre trotz dessen Allmacht auf der Guillotine endete, stand auch Napoleon im Verdacht verräterischer Umtriebe. Er wurde verhaftet, gleich wieder freigelassen, dann aber vorübergehend aus den Listen der Armee gestrichen. Am 5. Oktober 1795 erhielt er jedoch den Befehl, den Aufstand der Royalisten niederzuwerfen. Nachdem deren Ansturm auf die Tuilerien abgewehrt werden konnte, durfte sich Napoleon als «Retter des Konvents, der Republik und des Vaterlands» feiern lassen. Am 23. Februar 1796 folgte seine Ernennung zum «Géneral en chef de l'armée d'Italie». Hier aber setzte er sich mit einem glänzenden Feldzug in Szene, siegte Schlag auf Schlag in spektakulären Gefechten über österreichische und piemontesische Heere und zwang mit raschen Vorstössen sowohl den Papst als auch den König von Sardinien zum Friedensschluss. Napoleons Stärke kam indessen nicht allein in seiner militärischen Begabung, sondern vielmehr in seiner propagandistischen Genialität zum Ausdruck. Gleich zu Beginn des Feldzugs gründete er mit dem «Courrier de l'armée d'Italie» seine eigene Zeitung, liess dann, finanziert durch Kriegsbeute, ein zweites Blatt, «La France vue de l'armée d'Italie», folgen und scheute sich nicht, mit dem «Journal de Bonaparte et des hommes vertueux» seine Propaganda abzurunden. Im Mittelpunkt all dieser Zeitungen stand sein eigenes Feldherrengenie: «Napoleon vole comme l'éclair et frappe comme la foudre. Il est partout et il voit tout...» Solche Lobgesänge, welche jetzt mit grosser Auflage zirkulierten, sollten gezielt einer heroischen Legendenbildung Vorschub leisten. Gleichzeitig erschienen massenhaft Bilder, welche die Porträtköpfe Bonapartes und seiner Gemahlin Josephine mit römisch-klassischen, d.h. italienischen Gesichtszügen zeigten. Zuhanden des Direktoriums empfahl sich der kunstsinnige Eroberer mit wertvollsten Kunstgütern, die er als Kriegsbeute nach Paris transportieren liess. Ausserdem bewies er am 17. Oktober 1797 Verhandlungsgeschick im Friedensvertrag von Campo Formio, welcher die Gründung der Cisalpinischen und Ligurischen Republik bestätigte. Nun erhielt Napoleon die Aufgabe, auch den Frieden mit dem deutschen Reich zu garantieren. Auf dem Weg nach Rastatt wählte er den kürzesten Weg durch die Schweiz. Über den Mont Cenis gelangte er am 21. November 1797 nach Genf. Im Waadtland wurde er als berühmter Feldherr, Befreier und Friedensstifter gefeiert, in Bern aber, wo er, mit Kanonensalut begrüsst, am 23. November zu später Stunde eintraf, stumm und neugierig angestarrt. Die Höflichkeitsvisite beim Schultheissen überliess er General Junot. Und da ihm Bern «unausstehlich» war, beschloss er nach kurzer Rast im «Falken», seine Kutschenreise ohne Aufschub fortzusetzen. Ob er damals schon an die Erbeutung des berühmten Berner Staatsschatzes gedacht hat, kann nur vermutet werden. Fest steht, dass wenige Wochen später französische Invasionstruppen in die Westschweiz vordrangen und im März 1798 Bern zur Kapitulation zwangen. Der gewonnene Staatsschatz aber diente Napoleon, der am 5. Dezember 1797 nach Paris zurückgekehrt war, zur Finanzierung seiner Expedition nach Ägypten. Dieser gegen englische Interessen gerichtete Feldzug begann am 19. Mai 1798 mit der Ausfahrt aus Toulon. Am 30. Juni landete Napoleons Heer in Alexandria, besiegte am 6. Juli die «Mameluken» bei den Pyramiden von Gizeh und hielt am 25. Juli seinen Einzug in Kairo. Wie schon in Italien behändigten die Sieger kostbare Kunstschätze. Als wenig später die französische Flotte bei Abukir durch englische Schiffe versenkt wurde, rückte Napoleon im Februar 1799 gegen Akka vor, das aber, von Türken und Engländern verteidigt, alle Attacken abwehrte. Der Ausbruch der Pest zwang dann die Angreifer, sich nach Abukir zurückzuziehen. Dort aber erschien ein türkisches Landungsheer, das am 25. Juli 1799 in die Flucht geschlagen wurde. Die politischen Nachrichten, die Napoleon jetzt aus Paris erhielt, bewogen ihn dazu, am 22. August Ägypten zu verlassen. Mit zwei Fregatten gelang es ihm, sich, unbemerkt von seinen eigenen Truppen und von den englischen Schiffen, mit wenigen Vertrauten abzusetzen. Nach der Landung in Frejus am 9. Oktober wurde er vom französischen Volk als Retter der Nation begrüsst, in der Hoffnung, er sei imstande, die Staatskrise zu beenden. Der Staatsstreich vom 18. Brumaire [9. November 1799) brachte, nachdem das Direktorium aufgelöst, der Rat der Alten und der Fünfhundert mit Waffengewalt lahmgelegt und vertagt worden war, Napoleon die Alleinherrschaft. Die kritische Phase am 10. November überstand er jedoch nur dank gütiger Mithilfe seines Bruders Lucien, welcher an diesem Tag die Deputiertenkammer präsidierte. Im dreiköpfigen Konsulat, dessen Vollmacht hierarchisch aufgeteilt wurde, erhielt Napoleon nun für zehn Jahre den Titel eines Ersten Konsuls mit neuem Wohnsitz in den Tuilerien. Hier aber führte er nicht nur ein glänzendes Hofleben, vielmehr erzwang er ein auf ihn allein zugeschnittenes Regime, dessen Stärke durch einen gnadenlosen Polizeiapparat und durch eine rigorose Zensur abgesichert war. Gleichzeitig wurde das Rechtswesen mit dem «Code Napoleon» reformiert und die Verwaltung bürokratisch zentralisiert. Diese von ergebenen Funktionären administrierte Herrschaft stiess im Volk auf wenig Widerstand. Der unermüdliche Staatslenker, welcher am 24. Dezember 1800 einem Attentat entgangen war, konnte sich nämlich auch in der Aussenpolitik erfolgreich durchsetzen. Im Sommer 1800 überstieg er mit seinen Truppen den Grossen St. Bernhard und besiegte die Österreicher am 14. Juli in der Schlacht bei Marengo. Am 9. Februar 1801 schloss er den Frieden von Luneville, am 15. Juli das Konkordat mit dem Papst und am 1. Oktober die Vereinbarung mit dem Osmanischen Reich. Schliesslich folgte am 27. März 1802 der Friede von Amiens, womit der Krieg mit England beendet wurde. Mit dem Lorbeer des Friedensstifters konnte Napoleon am 11. Mai 1802 das Wagnis eingehen, sich als Konsul auf Lebenszeit durch ein Plebiszit bestätigen zu lassen. Als Stifter der Ehrenlegion verschaffte er sich zudem die Möglichkeit, mit diesem Orden einen neuen, auf ihn verpflichteten Adel heranzubilden. Ob in der Innen- oder Aussenpolitik, überall setzte allein der Erste Konsul die Akzente, so z.B. für die Helvetische Republik, deren Krise nach verschiedenen Staatsstreichen nun durch Napoleon persönlich mit der Mediationsakte vom 30. November 1802 beendet wurde. Als «Médiateur de la Conféderation hélvetique» wahrte er vor allem seine militärischen Interessen, um so mehr, als sich Frankreich unter seiner Führung inzwischen zur reinen Militärdiktatur entwickelte. Nachdem er im März 1804 eine royalistische Verschwörung niedergeschlagen und den Herzog von Enghien als vermeintlichen Rivalen kaltblütig beseitigt hatte, liess er sich auf Antrag des Senats am 20. Mai zum erblichen Kaiser der Franzosen proklamieren. Am 2. Dezember 1804 konnte dann, wiederum abgesichert durch ein Plebiszit, die in der Kirche von Notre-Dame de Paris inszenierte, vom Papst assistierte Kaiserkrönung stattfinden. Damit nicht genug, denn wenige Monate später folgte im Dom von Mailand seine theatralische Krönung mit der Lombardenkrone. Mit der Prägung «römischer» Goldmünzen hatte der «ler Consul» bereits 1803 die neue klassizistische Stilrichtung vorweggenommen. Die feierliche Überhöhung, welche die Formen der römischen und ägyptischen Kunst aufnahm, fand jetzt im höfischen EmpireStil seine Vollendung. Von Paris aus sollte dieser napoleonische Stil auf ganz Europa ausstrahlen, als Kunstform, die sich ganz in den Dienst ruhmvoller Selbstbestätigung stellte. Napoleon war sich bewusst, dass er seinen Triumphzug nur diesem, auf militärische Siege gegründeten Ruhm zu verdanken hatte. Um an der Macht zu bleiben, sah er sich also aufgefordert, seine Eroberungspolitik hemmungslos fortzuführen. Sein neues Angriffsziel hiess England. Dort nämlich war «Little Boney» ehrenrührig als «korsische Pest» und als Bannerträger der französischen Revolution in zahllosen Karikaturen von James Gillray verspottet worden. Im Frühjahr 1805 wurden im Hafen von Boulogne erste Vorbereitungen für eine Invasion getroffen. England aber gelang es, im August mit Österreich, Russland und Schweden eine Koalition zu schliessen. Nun rückte Napoleon mit 200'000 Mann gegen Süddeutschland vor und besetzte am 17. Oktober die Stadt Ulm. Wenige Tage später wurde die französische Flotte bei Trafalgar an der spanischen Südküste durch englische Schiffe vernichtet. Dieser Rückschlag konnte Napoleon auf seinem Feldzug nicht aufhalten. Am 13. November zog er in Wien ein, siegte am 2. Dezember über die Österreicher und Russen in der Schlacht von Austerlitz. Ein halbes Jahr später versetzte er, mit der Gründung des Rheinbundes, dem alten deutschen Reich den Todesstoss. Blieben noch die Preussen, welche er am 14. Oktober 1806 bei Jena besiegte. Am 27. Oktober hielt Napoleon Einzug in Berlin. Hier erliess er gegen England das handelspolitische Dekret der «Kontinentalsperre» und führte den Krieg weiter Richtung Polen. Dort leisteten die Russen zwar erbitterten Widerstand, doch auch sie unterlagen am 14. Juni 1807 bei Friedland. Die Entscheidung schien gefallen, als er am 25. Juni auf der Memel bei Tilsit mit Zar Alexander 1. zusammentraf und dabei seine Machtansprüche für Westeuropa präsentierte. Um den Zaren für ein Bündnis zu gewinnen, musste er zwar auf Polen verzichten, konnte dafür aber im Gegenzug Preussen annektieren. Nun stand alles bereit, England mit der Waffe des Handelskriegs in die Knie zu zwingen. Als sich hierauf die Portugiesen weigerten, ihre Häfen für englische Waren zu sperren, liess Napoleon sogleich das Land besetzen. Dieser Eroberung folgte 1808 die Einverleibung Spaniens. Doch hier wie dort regte sich, zusammen mit englischer Truppenhilfe, der Widerstand. Noch wähnte sich Napoleon auf dem Weg zur Weltherrschaft, als er im Herbst 1808 sein Bündnis mit Zar Alexander in Erfurt erneuern konnte. Die Misserfolge in Spanien zwangen ihn jedoch, hier mit 80 000 Mann die Revolte selbst niederzukämpfen. Als er aber vernahm, auch die Österreicher rüsteten zum Krieg, eilte er mit 300 000 Mann «mit gewohnter Energie und Schnelligkeit» nach Süddeutschland, trieb die Österreicher bei Regensburg nach verlustreichen Kämpfen nach Böhmen zurück und zog am 13. Mai 1809 erneut in Wien ein. Der Sieg bei Wagram am 5./6. Juli und mehr noch der am 14. Oktober abgeschlossene Friede von Wien bestätigten seine hegemonialen Ansprüche. Alle Warnungen seiner Ratgeber waren vergeblich. Auch das am 12. Oktober gescheiterte Attentat eines deutschen Jünglings blieb für Napoleon unverständlich. Seine Herrschsucht führte vielmehr zu weiteren Annektionen. So wurden 1809 der Kirchenstaat und 1810 Holland sowie die Republik Wallis dem Kaiserreich einverleibt. Das napoleonische Imperium umfasste jetzt, von der Ostsee bis zu den Ionischen Inseln, 130 Departemente mit über 100 Millionen Menschen. Um dieses Reich dynastisch an einen Nachfolger vererben zu können, liess sich Napoleon nun, nach Scheidung seiner kinderlosen Ehe mit Josephine, am 1. April 1810 mit Erzherzogin Marie-Louise vermählen. Die Tochter Kaiser Franz I. gebar ihm denn auch am 20. März 1811 einen Sohn, dem sogleich der Titel eines Königs von Rom verliehen wurde. Damit war der Dynastie Bonaparte, Napoleons königliche Brüder und Schwäger miteingeschlossen, auch der familiäre Zugang zum europäischen Hochadel erschlossen - kein Wunder, dass nun die alte Hofetikette wieder eingeführt wurde. Solche fürstliche Harmonisierung konnte Zar Alexander 1. nicht hindern, Ende 1810 aus der Koalition mit Napoleon auszubrechen und dessen einschneidende Kontinentalsperre aufzuheben. Diese Herausforderung aber führte, nach wechselseitigen Affronts, zum Russlandfeldzug. Um den Gegner einzuschüchtern, liess Napoleon im ganzen Kaiserreich eine gewaltige Masse von Soldaten rekrutieren. Die «Grande Armee», welche am 24. Juli 1812 in Russland einrückte, zählte 300'000 Franzosen, 180'000 Deutsche, 90'000 Polen, 33'000 Italiener, Spanier und Portugiesen sowie 9'000 Schweizer. Nachdem die Russen am 17. August bei Smolensk und am 7. September bei Borodino in die Flucht geschlagen wurden, konnte Napoleon am 14. September in Moskau einziehen. Tags darauf ging die Stadt in Flammen auf. Die «Grande Armee» verlor damit ihre Lebensmittel und ihre Winterquartiere. Napoleon aber, der den Zaren mit Friedensangeboten umwarb, wartete vier Wochen lang vergeblich auf dessen Antwort. Am 19. Oktober musste er den Rückzug antreten, ständig verfolgt von russischen Truppen und mehr noch geschwächt von «General Frost», d.h. vom frühzeitigen Einbruch des Winters. Unter ungeheuren Verlusten erreichte die Armee am 9. November Smolensk, überquerte am 25.-28. November die Beresina und gelangte mit 15'000 Mann nach Wilna. Die «Bulletins de la Grande Armée» erklärten diese Katastrophe mit dem Hinweis auf die unvorhersehbare Kälte. Die Meldung, dass die Gesundheit ihrer Majestät nie besser gewesen sei, sollte über das Gerücht hinwegtäuschen, wonach in Paris ein Staatsstreich vorbereitet werde. Dort traf dann der geschlagene Kaiser tatsächlich am 19. Dezember ein, um hier sofort eine neue Aushebung zu befehlen. Bereits im April 1813 kehrte er mit einer halben Million Soldaten auf den Kampfplatz in Sachsen zurück und besiegte die verbündeten Russen und Preussen in den Schlachten bei Grossgörschen und Bautzen. Damit zwang er die Widersacher am 4. Juni zum Waffenstillstand von Poischwitz. Hier beging er, nach eigener Einschätzung, die «grösste Dummheit meines Lebens», indem er viel zu stolz das ehrenvolle Friedensangebot der Österreicher ablehnte. Statt dessen bildete sich eine grosse europäische Koalition, welche nun den Kampf gegen ihn mit vereinten Kräften fortsetzen wollte. Die Niederlagen, welche die Alliierten bei Grossbeeren, Katzbach, Kulm und Dennewitz den französischen Truppen beibrachten, bewirkten, dass Napoleon, trotz seines Sieges bei Dresden am 26./27. August, nach Leipzig zurückweichen musste. Hier kam es am 16.-19. Oktober 1813 zur Entscheidung in der Völkerschlacht, welche auf beiden Seiten über 200'000 Tote und Verwundete kostete. Napoleon unterlag zwar der Übermacht der Alliierten, konnte aber mit 100'000 Mann geordnet den Rückzug antreten. Mit dieser Truppe besiegte er wenig später ein bayerisch-österreichisches Heer bei Hanau. Der Zusammenbruch war indessen nicht aufzuhalten, da die alliierten Heere weiter vorrückten und Anfang 1814 in Frankreich eindrangen. Die Armee von 70 000 Mann, über die Napoleon jetzt noch verfügte, war dem Ansturm der Feinde nicht gewachsen. Sie wurde am 1. Februar 1814 bei Rothiere geschlagen, errang aber, dank Napoleons strategischer Überlegenheit und Tatkraft, unerwartete Erfolge in den Gefechten von Champeaubert, Montmirail, Etoges und Vauchamps. Nach unglücklichen Schlachten bei Laon und Arcis-sur-Aube versuchte er in kühnem Zug an den Rhein zu gelangen, musste dann aber, als die Alliierten Richtung Paris vorrückten, in Vitry umkehren. In Gewaltmärschen näherte er sich Paris, kam aber dennoch zu spät. Am 30. März hatte die Stadt kapituliert. In Fontainebleau vernahm Napoleon, dass der Senat ihn für abgesetzt erklärte. Ein Thronverzicht zugunsten seines Sohnes lehnten die Alliierten jedoch ab, worauf er am 11. April 1814 für sich und seine Erben abdankte. Als Residenz erhielt er nun, immer noch mit dem Titel eines Kaisers, das Fürstentum Elba zugewiesen. Begleitet von 400 Freiwilligen seiner Garde traf er am 4. Mai 1814 auf der Insel ein. Neun Monate später, am 1. März 1815, kehrte er jedoch mit seiner Garde auf das Festland zurück, eroberte die Festung Grenoble und marschierte im Triumphzug über Lyon nach Paris, wo er am 20. März eintraf und dem französischen Volk eine liberale Verfassung versprach. Den ausländischen Mächten versicherte er seine Friedensliebe, doch hatten die Verbündeten bereits am 13. März eine Achtserklärung gegen ihn verhängt und sofort militärische Massnahmen vereinbart. Wollte Napoleon seinen Thron erfolgreich verteidigen, so musste die Entscheidung erneut auf dem Schlachtfeld fallen. Mit einer Armee von 73 000 Mann eröffnete der die Offensive, rückte am 1. Juni in Belgien ein und schlug die Preussen am 16. Juni bei Ligny. Am 18. Juni 1815 schritt er zum Angriff auf die Alliierten bei Waterloo. Als die Truppen Wellingtons nahezu überwältigt waren, wurde Napoleon aber selbst wieder von den Preussen Blüchers attackiert und vollständig besiegt. Von der Niederlage wie betäubt, kehrte er am 20. Juni nach Paris zurück, wo er zwei Tage später erneut abdanken musste. Unschlüssig darüber, nach Amerika in die Vereinigten Staaten auszuwandern, reiste er nach Rochefort, begab sich am 15. Juli 1815 an Bord des englischen Linienschiffs «Bellerophone» und segelte nach Plymouth. Auf Befehl der alliierten Grossmächte wurde er sodann als Gefangener auf die Atlantikinsel St. Helena gebracht. Dort sollte er, abgeschieden und streng bewacht, den Rest seines Lebens auf dem Landgut «Longwood» verbringen. Nun hatte er viel Zeit, sein trauriges Schicksal zu ergründen. Um der Nachwelt die «wahre» Legende seines Lebens mitzuteilen, diktierte er jetzt die berühmten «Mémoires de Ste. Hélène». Der Argwohn seiner Bewacher aber trieb ihn mehr und mehr in die Enge seiner Wohnung. Als ihm der englische Gouverneur Hudson Lowe untersagte, ohne militärische Aufsicht ins Freie zu gehen, zog er es vor, eigensinnig in seinen Gemächern zu verharren. Infolge Bewegungsarmut und mehr noch wegen des feuchten Klimas verschlechterte sich sein Gesundheitszustand derart, dass er nach sechsjährigem Exil am 5. Mai 1821, im Alter von 52 Jahren, an Magenkrebs starb. Seine Memoiren, welche kurz darauf im Druck erschienen, dienten dazu, die «offizielle» Legende Napoleons ins rechte Licht zu rücken: «Comme César il décrit avec soin le théâtre de sa gloire». Im Vordergrund standen nun die von ihm verkündete patriotische Freiheitsliebe und sein Glaube an den zivilisatorischen Fortschritt. Selbst seine Gegner trugen dazu bei, dass die Erinnerung an den korsischen Emporkömmling, dessen Herrschsucht an die 3,5 Millionen Tote und Verwundete gekostet hatte, auf keinen Fall in Vergessenheit geraten konnte. Darüber hinaus gab seine Biographie schon bald Anlass zu romantischen Erzählungen, die selbst wieder zum universellen Nährboden für eine geradezu religiöse Verehrung verwendet wurden. Im Jahre 1840 konnte dieser Kult einen ersten Höhepunkt buchen, als Napoleons sterbliche Überreste durch den Prinzen Joinville in königlicher Mission exhumiert und auf der Fregatte «La belle Poule» nach Frankreich repatriiert wurden. Mit feierlichem Staatsakt fand der grosse Franzose hier im Invalidendom zu Paris seine letzte, grossartige Ruhestätte. Zusammen mit dem imposanten, 1806 von Napoleon selbst begonnenen und 1836 vollendeten «Arc de triomphe» sollte durch diese Denkmäler nicht allein dem Mythos seiner Person, sondern zugleich der «Grandeur» Frankreichs gehuldigt werden. Napoleons Popularität hat sich anderseits auch auf sein unübertroffenes Vorbild soldatischer Schicksalsgemeinschaft berufen können. Diese bis heute fortwirkende Legende bewundert den Aufstieg eines ehrgeizigen Mannes, dessen «Wille zur Macht» grenzenlos, ja «übermenschlich» erscheint. Quelle: Franz Bächtiger Biographien - Bernisches Historisches Museum 1996 Lit.: JEAN TuLARD: L'Anti-Napoleon. Paris 1965. - W. V. GROOTE und KLAUS-JÜRGEN MÜLLER [Hrsg.]: Napoleon 1. und das Militärwesen. Freiburg 1968. - H.D. SIEBERG (Hrsg.): Napoleon und Europa. Köln 1971. - JEAN TULARD: Le Mythe de Napoleon. Paris 1971. - PIERRE LA ROUSSE: Grand Dictionnaire universel du XIX siecle, Tome 11. Geneve-Paris 1982, 817. - Vgl. MAX HASSE: James Gillray 1757-1815. Meisterwerke der Karikatur. Ausstellungskatalog Wilhelm-BuschMuseum Hannover. Stuttgart 1986. - Bibliographie JEAN TULARD in: Encyclopaedia Universalis, Corpus 15. Paris 1992, 1078ff. |