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Bern - die Hauptstadt mit Charme Gaskessel Sandrainstrasse 25 Gaswerk Die Gasbeleuchtungsgesellschaft erstellte in den Jahren 1841/43 das erste Gaswerk der Schweiz im Marzili (Weihergasse 1 und 3). Der seit 1860 von der Stadt geführte Betrieb wurde 1876 in den Neubau in der Lindenau (Sandrainstr. 17) verlegt, der 1905 und 1917/18 Erweiterungen erfuhr. Die Einführung des Gasverbunds bedingte 1967 die Einstellung der Produktion und 1968-1971 den Abbruch der alten Hochbauten. Zwei Gasometerfundamente wurden dabei in ein Jugendzentrum umgebaut. Berchtold Weber: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Gaskessel In den späten sechziger Jahren wuchs auch bei der Berner Jugend das Bedürfnis nach einem neuen Jugendzentrum. Dem Engagement des «Aktionskomitees für ein Berner Jugendhaus» schlossen sich die Behörden nach kurzer Zeit an. Schon im August 1968 fassten sie den Beschluss, die nicht mehr benötigten Einrichtungen des Gaswerks für ein Jugendhaus zur Verfügung zu stellen. Mit dem 1843 im Marzili errichteten Gaswerk wurde in Bern, als erster Schweizer Stadt, die Gasfabrikation an die Hand genommen. Schon 1860 ging die Produktion - ebenfalls eine schweizerische Neuheit - von der privaten Gasbeleuchtungs-Gesellschaft an die Gemeinde über. Wegen Platzmangels verlegte die Stadt in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Gaswerk in das im Sandrain gelegene, bis an die Aare reichende Gelände des ehemaligen Lindenauguts. Knapp hundert Jahre stellte dieses Gaswerk die städtische Versorgung sicher. Nach der Stillegung 1967 wurden mehrere Gebäude auf dem Gaswerk-Areal abgebrochen. Von den zwei Niederdruck-Gasometern entfernte man nur die zylinderförmigen Metallkonstruktionen, die sogenannten Teleskope. Die gewölbten Gasbehälter-Innenböden, die sich über den kreisförmigen Betonfundamenten erhoben, wurden als Grundstruktur des Jugendzentrums verwendet. Die Hohlräume unter der Wölbung dienten ehemals als Gerätehallen; sie weisen jeweils einen Durchmesser von 21 m und eine Höhe von 10 m auf. 1968/69 lancierte die «Arbeitsgruppe Berner Jugendzentrum», die aus Vertretern der Behörden und Jugendlichen bestand, unter den Hochbauzeichner-Lehrlingen der Gewerbeschule einen Ideenwettbewerb zur Ausgestaltung der Gaskessel. Die Ausarbeitung der Projektvorschläge und die Bauarbeiten dauerten bis Ende Oktober 1971, als das «Jugendzentrum Gaskessel» eröffnet und dem «Verein Berner Jugendzentrum» übergeben werden konnte. Die Umnutzung der Gasometer-Bestandteile in ein Jugendhaus, besonders zu diesem frühen Zeitpunkt, rundete als weitere Pioniertat die Berner Gaswerk-Geschichte ab. Das Jugendzentrum besteht aus drei Volumen, dem Tanzkessel, dem flachgedeckten Mitteltrakt mit Eingangshalle, Büro und Sanitäranlagen und dem Diskussionskessel. In origineller Konstruktion nutzt der Tanzkessel den Raum mittels einer sternförmigen Galerie mit sechs Zacken aus. Der Diskussionskessel weist eine arenaartige, ansteigende Bestuhlung auf, die im unteren Bereich eine zusätzliche Ausstellungs- und Galeriefläche ermöglicht. Die grösste Veränderung des Zustandes von 1971 fand in den achtziger Jahren statt, als der Verbindungstrakt nach dem Entwurf des Architekturbüros Brugger&Jaberg aufgestockt wurde (Mehrzweckraum mit Küche). Nach seinem 25-Jahr-Jubiläum blickt der «Gaskessel» auf eine bewegte, spannende Geschichte zurück. Nach wie vor bildet er einen notwendigen und beliebten Jugend-Treffpunkt, der vielfältige kulturelle Veranstaltungen bietet, sich im sozialen Gebiet betätigt und die Möglichkeit schafft, aktiv mitzuarbeiten. Die betriebliche Organisation ist bis heute in den Händen der jugendlichen Benützer; übrigens wurden 1984 erstmals Stellen für Festangestellte geschaffen. 1997 präsentiert sich der Gaskessel selbstbewusst und ungeschminkt: Nicht mehr «Flower-Power»-Bemalung soll die Eisenkuppeln bedecken, sondern der ursprüngliche, industrielle Charakter wiederhergestellt werden. Regula Hug Stadtführer - Umnutzen von Industriebauten Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Bern, 1997 ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |