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Bern - die Hauptstadt mit Charme Gaswerk Aarstrasse 96 und Weihergasse 1-3 Die Gasbeleuchtungsgesellschaft erstellte in den Jahren 1841/43 das erste Gaswerk der Schweiz im Marzili (Weihergasse 1 und 3). Der seit 1860 von der Stadt geführte Betrieb wurde 1876 in den Neubau in der Lindenau (Sandrainstr. 17) verlegt, der 1905 und 1917/18 Erweiterungen erfuhr. Die Einführung des Gasverbunds bedingte 1967 die Einstellung der Produktion und 1968-1971 den Abbruch der alten Hochbauten. Zwei Gasometerfundamente wurden dabei in ein Jugendzentrum umgebaut. Lit.: Wullschleger B., 100 Jahre Gaswerk Bern, Bern 1943 Berchtold Weber: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Erstes städtisches Gaswerk Die Stadt Bern ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 593 Kreis III an der Aarstrasse 96. Auf dieser stand im 19. Jahrhundert das erste städtische Gaswerk. Es nahm im Mai 1843 seinen Betrieb auf, zunächst im Privatbesitz, ab 1860 als städtisches Unternehmen. Die Stadt Bern baute in der Folge die Produktionskapazitäten aus, musste die Gasproduktion dann aber 1876 auf das heutige Gaswerkareal zwischen Marzilibad und Schönau verlegen, weil sich die Anlagen an der Aarstrasse auf Grund der gestiegenen Nachfrage bald einmal als zu klein erwiesen. Während einer gewissen Zeit wurden die drei Gaskessel noch vom neuen Produktionsstandort aus gespiesen. Das Gaswerk mit den drei Gaskesseln wurde Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen; an seiner Stelle kam der Fabrikbau «Oktogon» zu stehen, welcher zehn Jahre später um den dreistöckigen südseitigen Anbau an der Aarstrasse erweitert wurde. Das Oktogon und der Anbau sind im Denkmalpflegeinventar als schützenswert eingestuft. Die Liegenschaft Aarstrasse 96 (Oktogon) im Marzili wurde in den letzten 30 Jahren als Schulgebäude durch die Lehrwerkstätten Bern genutzt. Nach der Verlegung der dort untergebrachten Spengler-Sanitärabteilung in den Gewerbepark Felsenau sollen die Gebäude einer neuen Nutzung als Wohn- und Arbeitsraum zugeführt werden. Zu diesem Zweck wurde nach einer öffentlichen Ausschreibung für die Abgabe im Baurecht mit der Baugenossenschaft «oktogon.ch» ein Baurechtsvertrag abgeschlossen. Strassenbeleuchtung Die Einführung der Strassenbeleuchtung war nicht unumstritten. Konservative Kräfte sahen im künstlichen Licht einen Eingriff in die göttliche Ordnung . Ein handfester Lampenstreit (1819-21) zwischen Liberalen und Konservativen ist aus Winterthur überliefert. Noch vor der Mitte des 19. Jh. führten die ersten Schweizer Städte die Gasbeleuchtung ein: Bern 1843, Genf 1844, Lausanne 1848. Basel folgte 1852, Zürich 1856. Die elektrische Beleuchtung mit Bogenlicht wurde der Schweizer Bevölkerung an Festen und Ausstellungen vorgeführt, z.B. 1877 an der Landwirtschaftsausstellung in Freiburg, 1880 am Eidg. Sängerfest in Zürich sowie selbenorts an der Landesausstellung 1883. Elektrische Beleuchtungen kamen in den 1880er Jahren v.a. in städtischen Zentren und an Fremdenverkehrsorten (z.B. St. Moritz 1879, Luzern 1886) auf, wo sie vorerst repräsentativen Zwecken dienten. Mit der Zeit wurde die öffentl. Beleuchtung immer weniger als Luxusgut betrachtet. An Anlässen wie der Zürcher Lichtwoche von 1932 wurden der Bevölkerung moderne Stadt- und Überlandstrassen-Beleuchtungen vorgeführt und die Fassaden historischer und repräsentativer Bauten angestrahlt. Zudem hielt die Lichtreklame (Neon) Einzug. Licht diente fortan auch städtischer Selbstdarstellung und der Werbung: Hell erleuchtete Etagen in finsterer Nacht laden zum Konsum ein, städtische Wahrzeichen und öffentliche Repräsentationsbauten werden nachts angestrahlt. Beleuchtung 1- Allgemeines Beleuchtung 2- Die Beleuchtung in der Schweiz Marzili: Gas ist versiegt Seit 1843 wurde im Marzili Gas produziert und gespeichert – nun zieht sich Energie Wasser Bern vom Standort zurück. Bis Mitte September werden die zwei Gaskugelspeicher an der Aare restlos verschwunden sein. Und mit ihnen zwei Zeugen einer Ära, die dort vor 165 Jahren mit der Inbetriebnahme des ersten Gaswerks in einer Schweizer Stadt begann. Der fortschreitende Abbruch der beiden Gaskugelspeicher unterhalb der Sandrainstrasse ist derzeit unübersehbar. Und auch unüberhörbar: Selbst im Kirchenfeld ist tagsüber zu hören, wie die mit dem Schneidbrenner abgetrennten Stahlelemente durch die offenen Kugeln zu Boden donnern. Lange dauern die Arbeiten nicht mehr: Voraussichtlich bis Ende nächster Woche sei der Abriss der Stahlkugeln abgeschlossen, sagt Michaela Eicher, Sprecherin von Energie Wasser Bern (EWB). Anschliessend würden noch die Betonfundamente weggespitzt. Mitte September soll auf dem Gaswerkareal gemäss Zeitplan nichts mehr an die beiden Speicherkugeln erinnern. Helles Bern dank Kohle aus Boltigen Der Abbruch der Kugeln ist Sinnbild für das Ende einer 165 Jahre dauernden Ära: EWB zog diesen Frühling vom Standort beim Marzilibad fort und im neuen Technischen Zentrum in Holligen ein. Das Unternehmen verliess damit die historische Stätte der Stadtberner Gasversorgung. 1843 wurde das Gaswerk im Marzili in Betrieb genommen. Bern verfügte damit als erste Schweizer Stadt über ein solches Werk. Das Gas diente damals vorab der Stadtbeleuchtung; das hellere Gaslicht ersetzte die alten Öllampen. Das Gaswerk wurde zunächst entsprechend von einer Gasbeleuchtungs-Gesellschaft betrieben, bevor es 1860 in die städtische Verwaltung überging, wie im Buch «Bern – die Geschichte der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert» nachzulesen ist. Jahrzehntelang wurde das Gas aus Kohle gewonnen, die in einer frühen Phase aus Gruben bei Beatenberg und Boltigen per Schiff ins Marzili gebracht wurde. Erst in den späten 1960er-Jahren wurde die eigene Gasproduktion eingestellt, und wenig später wurde auf Erdgas umgestiegen. Das fossile Gas wird heute laut Eicher vorwiegend aus Deutschland und Holland angeliefert. Als die nun stillgelegten zwei Gasspeicherkugeln Mitte der 1960er-Jahre geplant wurden, erwuchs dem Vorhaben gemäss EWB starker Widerstand: Nachbarn sowie Heimat- und Naturschutzorganisationen hatten Sicherheitsbedenken und sorgten sich um das Stadtbild. Mit einiger Verzögerung wurden die neuen Hochdruck-Speicher schliesslich 1967 fertiggestellt und die je 5500 Kubikmeter grossen Behälter zum ersten Mal mit Erdgas gefüllt. Einigen ans Herz gewachsen Nach vierzig Betriebsjahren haben die Kugeln aber ausgedient: Der dieses Jahr erweiterte Gasspeicher beim Forsthaus Eymatt im Bremgartenwald sowie die 2007 fertiggestellte Ringleitung machten die zwei alten Speicher überflüssig. Ironie der Geschichte ist, dass die einst umstrittenen Kugeln unterdessen einigen Leuten ans Herz gewachsen sind: Wie der «Bund» 2007 publik machte, wehrte sich der Quartierleist Schönau-Sandrain eine Zeit lang mit einer Einsprache gegen den «voreiligen Abbruch». Und Architekten engagierten sich für eine Umnutzung der zwei kugelrunden, «perfekten Räume». Vergebens: EWB hielt eine Umnutzung rein schon aus finanziellen Gründen für unrealistisch. Das Unternehmen will seine rund 60000 Quadratmeter grosse Industriebrache an der Aare räumen, den Boden sanieren und dann das Land verkaufen – ohne Altlasten. Was auf dem Areal, für welches die Stadt Bern ein Vorkaufsrecht besitzt, künftig geschieht, steht noch in den Sternen: Das Stadtplanungsamt arbeitet seit 1999 an einem Nutzungs- und Gestaltungskonzept. Noch liegt das Papier nicht vor. Der Abbruch der Kugeln kostet laut Eicher rund 400'000 Franken. Da der Stahl aber wiederverwertet werden kann und dessen Preis derzeit hoch ist, bleiben für EWB unter dem Strich noch Kosten von rund 150'000 Franken. Der Bund, Ivo Gehriger [20.08.08] ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |