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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Bümpliz

Als Teil von Bern entwickelte sich Bümpliz zunehmend zur Vorstadt, vorerst mit der Entstehung von Süd- und Nordquartier bis um 1940, seit den 1950er Jahren mit der Überbauung der ehemaligen Bauerngüter durch die Grossquartiere Tscharnergut, Bethlehem, Neuhaus-, Schwab-, Feller-, Kleefeld- und Brünnengut mit Hochhäusern und Blöcken. Es folgten die Überbauung des restl. Bauernlandes in der Kernzone sowie die Aussenquartiere Gäbelbach-Holenacher und Riederenhang. Gleichzeitig entwickelte sich Bümpliz gewerblich-industriell -- teils durch einheim. Firmen (Telekommunikation, Kunststein-, Konfiseriefabrik, Transportgewerbe), teils durch Zuzug neuer Unternehmen (Brems- und Steuerungsanlagen, Lift-, Schokoladefabrik, graf. Gewerbe) -- v.a. in die Zonen längs der Bahnlinien. Gross war und ist der Aufwand für die Infrastruktur: sechs Primar- und drei Sekundarschulhäuser mit Sportplätzen im Ballungszentrum Bümpliz-Bethlehem, Sportzentren (Weyermannshaus, Bodenweid), Kirchen (kath. Kirche 1961 in Bümpliz, ref. Kirche 1960 und kath. Kirche 1969 in Bethlehem), Strassen und Buslinien im Ballungsgebiet, Wasser-, Gas-, Elektrizitäts- und Kanalisationsnetz.

Historisches Lexikon



  • Geschichte
  • Ortsarchiv Bümpliz
  • Bümpliz Siedlungsentwicklung
  • Bümpliz (HLS)
  • Neues Schloss Bümpliz



    Geschichte

    Die Eingemeindung von Bümpliz 1919

    Am 28./29. September 1918 nahmen die Stimmberechtigten der Stadt Bern den Vertrag über die Eingemeindung der Gemeinde Bümpliz in die Stadt Bern mit 7559 Ja gegen 2901 Nein deutlich an; eine Woche später sagten die Bümplizer fast einhellig Ja mit 631:17 Stimmen. Damit fanden unhaltbar gewordene Zustände nach langwierigen Verhandlungen ihre staatsrechtliche Lösung, und für beide Seiten begann eine neue Ära: Die Einwohnergemeinde Bümpliz wurde zum Vorstadtquartier - «Bern-Bümpliz» hiess es damals in der Botschaft des Stadtrates - und allmählich zum heutigen Stadtteil VI; die Stadt Bern vergrösserte ihre West-OstAusdehnung auf mehr als das Doppelte und gewann Siedlungs-, Landwirtschafts-, Natur- und Erholungsgebiet.

    Frühe Siedlung - mittelalterlicher Herrschaftssitz

    Das Gebiet des nachmaligen Bauerndorfes Bümpliz war in keltischer und römischer Zeit ein bedeutender Siedlungsort, der mit dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum auf der Engehalbinsel bei Bern in engem Kontakt stand. Auf dem Areal der späteren Kirche Bümpliz stand ein ausgedehnter römischer Gutshof mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und Angestelltenwohnungen.

    Im Mittelalter lag Bümpliz im französisch-deutschen Grenzraum zwischen Saane, Aare und Reuss. Im politischen Spannungsfeld zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich kam ihm die Stellung eines nordöstlichen Vorpostens des Königreichs Burgund zu. Der burgundische Königshof befand sich an der Stelle des heutigen Alten Schlosses. Darin residierten später burgerliche Familien aus Bern als Herren zu Bümpliz. Neben Schloss und Kirche bildeten ein Wirtshaus, kleinere Gewerbebetriebe wie Mühle, Säge, und Schmiede sowie einige Bauernhäuser den Kern des Dorfes entlang dem Stadtbach im Westen Berns.

    Vom Bauerndorf zum Stadtteil

    Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieben die Städte in der Schweiz territorial und bevölkerungsmässig klein. Erst nach 1870 wuchsen sie als Folge der Industrialisierung derart stark an, dass ihr bisheriges Gebiet für den Zustrom der Arbeitsuchenden und für die zu ihrer Aufnahme nötigen Bauten nicht mehr ausreichte. Das Wachstum erfasste daher auch die umliegenden Bauerngemeinden. Diese vermochten aber bald wegen ihrer geringen Steuerkraft die Kosten für den Ausbau der Verkehrsverbindungen, die Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, die Entsorgung der Abwässer und des Kehrichts, den Bau neuer Schulhäuser und die vermehrten Fürsorgeaufgaben nicht allein zu tragen.

    In Bümpliz entstand eine Arbeitersiedlung zuerst im Stöckacker, wo die Burgerholzgemeinde Land verkaufte und den Bau günstiger Wohnungen ermöglichte. Finanzielle Schwierigkeiten ergaben sich vor allem durch die von Jahr zu Jahr steigenden Schülerzahlen. Während in Oberbottigen die vorhandenen Schulklassen genügten, kamen in Bümpliz-Dorf selber jährlich neue Schüler und Schülerinnen hinzu, so dass von 1882 bis 1909 drei Schulhäuser gebaut werden mussten; ein viertes konnte nicht mehr aus eigener Kraft realisiert werden.

    Das damals im Kanton Bern geltende Steuergesetz verschärfte die Situation: Die Gemeindesteuern mussten nicht am Wohnort, sondern am Arbeitsort geleistet werden; somit hatte Bümpliz im Falle der auswärts Arbeitenden die Lasten zu tragen, ohne von den Einkünften zu profitieren. Da die Stimmberechtigten zweimal die Aufnahme eines dringend benötigten Darlehens verweigerten, leitete der Regierungsrat des Kantons Bern 1914 das Verfahren zur Eingemeindung in die Stadt Bern ein.

    Eine Eingemeindung gilt als radikalste Massnahme zur Lösung politischer Probleme benachbarter Gemeinden. Doch der Gemeinderat von Bümpliz kam nach Prüfung mehrerer Lösungsvorschläge zur Einsicht, dass «die Vereinigung der ganzen Einwohnergemeinde Bümpliz mit Bern das einzige Mittel» sei, «um eine allgemein befriedigende und für beide Gemeinden gerechte und annehmbare Lösung herbeizuführen.»

    Die städtischen Behörden dagegen gelangten zu der Überzeugung, dass der Stadt nicht zugemutet werden könne, «nur solche Vorstadtgemeinden mit sich zu vereinigen, die sich finanziell in einer schwierigen Lage befinden», sondern dass «das Eingemeindungsproblem auf breitester Grundlage gelöst werden müsse» und daher alle Gemeinden einzubeziehen seien, «die nach ihrer geographischen Lage zur Arrondierung des Stadtbezirkes geeignet sind, also neben Bümpliz und Ostermundigen auch Muri, Teile der Gemeinde Köniz und die Viertelsgemeinde Ittigen.»

    Der Regierungsrat schloss sich zwar dieser Ansicht an, verfügte aber gleichzeitig die vorgängige Erledigung der Verhandlungen über Bümpliz, dessen Eingemeindung damit die «erste Etappe des allgemeinen Eingemeindungsprojektes» darstellen sollte. Aufgrund des von beiden Seiten erarbeiteten Vertrags vollzog nach den Volksabstimmungen das Dekret des Grossen Rates vom 6.1.1919 die Eingemeindung von Bümpliz, die aber die einzige Vereinigung einer Gemeinde mit der Stadt Bern geblieben ist.

    Der letzter Gemeindepräsident, Friedrich Messerli, beschrieb die Entwicklung von Bümpliz im Rückblick: «Man kann wohl sagen, dass [...] sich seit hundert Jahren das Bild von Bümpliz wenig verändert hatte. Es wurde wenig gebaut. Die Bevölkerung blieb jahrelang immer ziemlich stabil. Auch die Gemeindeverwaltung war in Folge dessen eine sehr einfache. Der Gemeinderat hatte alle Monate 1 Mal Sitzung. Der Gemeindeschreiber besorgte allein die ganze Verwaltung. [...] Aus dem ruhigen Bauerndorf ist ein belebtes Vorstadtquartier geworden. Die neue Bevölkerung, die an städtische Verhältnisse gewohnt war, stellte bald grössere Anforderungen. Alles mögliche musste neu geschaffen werden und namentlich wurden die Schulen durch die rasch wachsende Kinderzahl schwer belastet. Dies alles machte sich umso fühlbarer, weil der grösste Teil dieser neuen Gemeindebürger nach dem alten Steuergesetz ihren Verdienst in Bern versteuern musste, so dass Bümpliz absolut leer ausging.»

    Quelle:
    Eine Stadt vor 100 Jahren
    Bern - Bilder und Berichte
    Peter Leuenberger *) und Emil Erne
    Sonderausgabe für Buchhandlung Stauffacher Bern

    Vorwort
    Die Stadt Bern vor hundert Jahren: das ist die Geschichte eines dramatischen Wandels: Der Übergang von der kleinstädtischen Behaglichkeit der Biedermeierzeit zum Verkehrs- und Verwaltungszentrum des industriellen Zeitalters. Seit 1848 ist «Bern» ein ganz besonderes Gebilde: die selbständige Stadtgemeinde, der Hauptort des gleichnamigen Kantons und die Bundesstadt, d. h. der Sitz der Behörden des schweizerischen Bundesstaates. Die äussere Erscheinung der Stadt und die Zusammensetzung der Bevölkerung veränderten sich.
    Der Historiker Peter Leuenberger verbindet Texte und Bilder zu einer anschaulichen Darstellung des Lebens in der Stadt Bern zwischen 1870 und 1920. So wie die Illustrationen beredte Zeugen ihrer Zeit sind, so sind die zahlreich eingestreuten Zitate originale Stimmen von Beobachtern der damaligen Zustände. Daraus entsteht ein facettenreiches Panorama der stadtbernischen Realität um die letzte Jahrhundertwende. Politische, bauliche und soziale Entwicklungen werden ebenso geschildert wie die Massnahmen zur Lösung der wachsenden Probleme. Berichte von ausserordentlichen und alltäglichen Ereignissen runden das Bild ab.
    Bern, im August 1997 Dr. Emil Erne, Stadtarchivar von Bern


    *) Peter Leuenberger, Historiker ist nicht identisch mit dem Inhaber dieser Homepage

    Literaturverzeichnis
    Aus loeblichen Zeiten, «Der Bund», Beilage Nr. 218, 18.9.1981 Beiträge zur Statistik der Stadt Bern, Heft 4, 1920, Untersuchungen über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse in der Stadt Bern/ Bern Chronik/ Bern und seine Volkswirtschaft 1905, Die Bundesstadt, 641-672, hrsg. Kantonale Bernische handels- und Gewerbekammer, Bern 1905/ Biland, Anne-Marie, Das Reihen-Mietshaus in Bern 1850-1920, Bern 1987/ Biographien, Bernisches Historisches Museum, 1996/ De Capitani, François: Musik in Bern. Musik, Musiker, Musikerinnen und Publikum in der Stadt Bern vom Mittelalter bis heute, Bern 1993/ «Der sanfte Trug des Berner Milieus». Künstler und Emigranten 1910-1920, Kunstmuseum Bern, 1988/ Die Burgergemeinde Bern. Gegenwart und Geschichte, Bern 1986/ Feiler, Richard: Die Stadt Bern seit 1798. Archiv des Historischen Vereins 46, 2, 1962, 253-306/ Feuz, Patrick; Tobler, Andreas: Schoggibaron. Das bittersüsse Leben Theodor Toblers (1876-1941), Bern 1996 Furrer Bernhard, Die Stadt Bern, Bern 1994 Gruner, Erich: Arbeiterschaft und Wirtschaft in der Schweiz 1880-1914, 1-3, Zürich 1987-1988/ INSA Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920, Bern, hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, 1986 Illustrierte Berner Enzyklopädie. Hg. Peter Meyer, 1-4, Bern 1981-1987/ Junker, Beat: Geschichte des Kantons Bern seit 1798, Bd. III Tradition und Aufbruch 1881-1995, Bern 1996/ Kranksein, Pflegen, Heilen in Bern vom Mittelalter bis heute, hrsg. Medizinhistorisches Institut der Universität Bern, Bern 1991/ Loosli, C.A.Mys Dörfli, Uf der Schützematt, 20-23, Langnau 1987/ Marti, Erwin, Carl Albert Loosli 1877-1959, Zwischen Jugendgefängnis und Pariser Boheme (1877-1907), Zürich 1996 Pfister, Christian: Geschichte des Kantons Bern seit 1798, Bd. IV.Im Strom der Modernisierung. Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt 1700-1914, Bern 1995/ Schweizer, Jürg: Das Kirchenfeld in Bern, Basel 1980/ Stadt Bern Präsidialdirektion/Stadtarchiv Bern (hrsg.): Die Entstehung der Stadtverwaltung Berns, Überblick und ausgewählte Dokumente von der Schaffung der Einwohnergemeinde 1832 bis zur Gemeindeordnung von 1920, Beiheft zur Ausstellung «... vom Amt uf botte ... », Bürgerschaft und Stadtverwaltung in Bern vor hundert Jahren, Stadtarchiv Bern, Bern 1996 Stadtführer Bern, Umnutzen von Industriebauten, hrsg. Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Bern, Bern 1997 Stauffer, Peter: 60 Mann und ein Befehl ..., Der «Käfigturmkrawall» vom 19. Juni 1893, Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde 1993, 203-232/ Ramseyer, Rudolf J.: Zibelemärit - Martinimesse, Langnau 1990 Tavel, Rudolf von: Bern. Seinen Besuchern geschildert, Zürich 1914/ Bernbiet, Der «Bourbaki», 174-195, Bern 1981/ Unserer Buben Erlebnisse und Betrachtungen. Von ihnen selbst erzählt und illustriert, hrsg. von Jakob Huber und Ernst Troesch, Olten 1917/ Wälchli, Karl (u. a.): Bernische Denkmäler, Bern 1987 Wullschleger, Bernhard: Die Einwohnergemeinde der Stadt Bern. Wie sie entstand und wie sich ihre Organisation entwickelte, Bern 1980/ 90 Jahre Hasler AG, Bern 1942




    Ortsarchiv Bümpliz

    Das Ortsarchiv Bümpliz beherbergt eine ortsgeschichtliche Sammlung zur ehemals selbständigen Gemeinde Bümpliz und ergänzt die amtlichen Bestände des Stadtarchivs Bern und des Staatsarchivs des Kantons Bern. Es verdankt seine Existenz der privaten Initiative des pensionierten Optikers Paul Loeliger, der 1948 vom Baselbiet eher zufällig nach Bümpliz gezogen war.

    Im Laufe der Jahre trug er eine grosse Sammlung alter Fotos und Postkarten zusammen, aus der bisher zwei Bildbände hervorgegangen sind («Altes Bümpliz», 1983; «Bümpliz in alten Ansichten», 1999). Auch die anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Eingemeindung von Bümpliz in die Stadt Bern publizierte geschichtliche Darstellung «Bümpliz - Königshof, Bauerndorf, Stadtteil» (1994) schöpfte aus diesem reichen Fundus.

    Ab 1985 sind nach und nach wertvolle Archivalien hinzugekommen - Pläne, Kaufverträge, Vereins- und Familiennachlässe und weitere Unterlagen zur lokalen Geschichte - sowie Objekte aus dem bäuerlichen Haushalt, aber auch Telefonapparate und andere Produkte der beginnenden Industrialisierung, welche die Sammlung zum kleinen Museum erweitert haben. Eine umfassende Bibliothek des Schrifttums über Bümpliz und wichtige Dokumente (teils als Kopien aus andern Sammlungen) runden das fast 1000 Nummern enthaltende Verzeichnis der Bestände aus der Zeit vom 17. bis zum 20. Jahrhundert ab.

    Der Schlossverein Bümpliz übernahm 1989 die Trägerschaft des offiziell gegründeten Archivs, dem aber ein geeignetes Lokal fehlte. Erst der grosse Kulturpreis der Burgergemeinde Bern von 1994 ermöglichte es der Stiftung für Bümpliz/Bethlehem/ Bottigen/Riedbach, dem Ortsarchiv im renovierten Bauernhaus im Bienzgut nach jahrelangen unbefriedigenden Provisorien einen dauerhaften Standort einzurichten. Der oberhalb der Bibliothek gelegene Ausstellungs- und Arbeitsraum lädt zum Verweilen inmitten von Zeugen vergangener Zeiten und zum Studium der Lokalgeschichte ein. Ab September 2000 verfügt das Ortsarchiv im Untergeschoss des neuen Einkaufszentrums auf der gegenüberliegenden Strassenseite über einen Kulturgüterschutzraum zur sachgemässen Aufbewahrung heikler Bestände.

    Neben Anlässen im Archiv selber organisiert das Ortsarchiv Bümpliz periodisch auch Rundgänge durch Bümpliz, die dem Wandel der Siedlung vom alten Bauerndorf zum städtischen Vorort nachgehen oder durch den ländlich gebliebenen Westen des heutigen Berner Stadtteils führen.

    Emil Erne, Stadtarchivar von Bern

    Adresse:
    Bienzgut Bümpliz, Bernstrasse 77,
    3018 Bern (Bus 13 bis Haltestelle Post).
    Besuch und Führungen nach Vereinbarung
    mit Ortsarchivar Paul Loeliger,
    Tel. 031 901 16 18.
    Weitere Mitarbeiter:
    Max Werren, Tel. 031 991 13 25,
    Werner Augstburger, Tel. 031 991 45 72



    Neues Schloss Bümpliz
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