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Bern - die Hauptstadt mit Charme Bernische Drucker und Buchbinder Bern kam sehr spät zur ersten Buchdruckerei: 1537 richtete Matthias Apiarius an der Brunngasse seine Werkstatt ein. Mit seinen Söhnen Samuel und Siegfried betrieb er Druckerei und Buchbinderei. Zeitweise beschäftigte er weitere Buchdrucker- und Buchbindergesellen. Das Verzierungsmaterial für Einbände, das in seiner Werkstatt benutzt wurde, stammte teilweise noch aus seiner Basler Zeit. Um 1540 überliessen ihm die beiden Buchbinder Hans Leman und Johannes Chym ihre Stempel und Rollen. Von seinen Söhnen sind Rollen bekannt, eine mit 1548 datierte von Samuel und eine mit 1554 datierte wohl von Siegfried. Später wurde das «Apiarius-Material» von den Nachfolgern Ulmann und Stuber weiter verwendet. Es ist also schwierig, einen Berner Einband aus der hier besprochenen Zeitspanne einem bestimmten Buchbinder zuzuweisen. Matthias Apiarius hielt sich in Nürnberg, Basel und Strassburg auf, bevor er nach Bern kam, wo er 1554 verstarb. Samuel Apiarius besass ab 1548, der Zeit seiner «Meisterrolle», eine eigene Buchbinderei und übernahm nach dem Tode des Vaters die Buchdruckerei. Wegen Konflikten wurde er 15591563 und dann ab 1564 aus Bern verwiesen. Die beiden Brüder Siegfried und Samuel druckten zeitweise zusammen. Bendicht Ulmann, langjähriger Mitarbeiter bei den Apiarius, eröffnete 1559 oder 1560 eine eigene Druckerei mit Buchbinderei und übernahm 1565, als Siegfried starb, auch dessen Betrieb. Zur selben Zeit wirkte der Buchbinder Hans Stuber in Bern, der vorher in Aarau oder Solothurn einiges Stempelmaterial von Samuel Apiarius erworben hatte. Musculus stand in freundschaftlicher Beziehung zum Drucker/Verleger Johann Herwagen d. Ae. in Basel. Deshalb liess er fast ausschliesslich in jener Offizin drucken. Bei Matthias Apiarius in Bern erschienen 1551 drei kurze deutsche Musculus-Texte, und 1553 kamen die Hymnen von Cosmas Alderheraus, versehen mit einem umfangreichen Vorwort von Musculus. Ein unfirmierter Druck von 1550 «Vom Uffgang des Wort Gottes» (DWV III, 11, a;A. D. 339:4 und A. D. 75:17) mit einer Einführung von Musculus wird der Druckerei von Matthias Apiarius zugewiesen. Vollständiger Text (*.pdf) Wolfgang Musculus Spurensuche in der Stadt- und Universitätsbibliothek Bern Von Margaret Eschler Matthias Apiarius Geboren um 1500 (eigentl. Matthias Biener) in Berching (Bayern),gestorben 1554 Bern. Ab 1539 von Bern. 1525 erstmals in Basel als Buchbinder erwähnt. 1537 eröffnete er - als Humanist unter dem latinisierten Namen Apiarius bekannt - die erste Druckerei in Bern. Aus seiner vielfältigen Druckertätigkeit sind v.a. die Lieddrucke im Umfeld der Reformationskriege zu erwähnen. Gemeinsam mit Peter Schöffer in Strassburg wirkte er als ein Pionier des Musikdrucks (Compendium musices 1537), insbesondere der Werke Cosmas Alders. Von Apiarius selbst sind zwei Liedkompositionen erhalten. Beschreibung eines Sammelbandes BOCCACCIO, Giovanni Insigne opus de claris mulieribus. Mit der Druckermarke Apiarius' auf dem Titel und einem anderen auf dem letzten Bl., sowie 15 grossen Holzschnitten (2 wiederholt), wovon 9 signiert von Jakob Kallenberg. [6], LXXXI, [1] Bl. Bern, Matthias Apiarius, (1539). Bern, Matthias Apiarius, (1539). Folio. [Vorgebunden:] MUTIUS, Huldericus [d. i. Ulrich Hugwald]. De Germanorum prima origine, moribus, institutis, legibus et memorabilibus pace et bello gestis ... libri chronici XXI ex probatioribus Germanicis scriptoribus in Latinam linguam tralati. Basel, Heinrich Petri, (1539). [32], 363 S. Mit Druckermarke auf dem Titel und wiedrholt am Schluss sowie zahlreichen Zierinitialen in Metallschnitt. [Und:] PLATINA, Bartholomaeus. De vita et moribus summorum pontificum historia ... Eivsdem de falso et uero bono dialogi tres ... Panegyricus in bessarionem... Oratio ad Paulum II. Pon. Max. Köln, Eucharius Cervicornus für Gottfried Hittorp, 1529. [12], 284, [99] S. Titel innerhalb Holzschnitt-Titelbordüre, mit hübschen Zierleisten, einer grossen Zierinitiale sowie 11 weiteren Holzschnitt-Initialen. Ausserordentlich gut erhaltener Holzdeckelband d. Z. über vier erhabenen Bünden, mit reich blindgeprägtem Schweinslederbezug und Messingschliessen (geringfügig fleckig und beschabt, oberes Kapitalleder vermutlich weggeschnitten). Hervorragend erhaltener Sammelband mit drei seltenen Frühdrucken, im vorzüglich erhaltenen Originaleinband. Einer der frühesten Drucke aus der Offizin des Berner Erstdruckers Matthias Apiarius (1500-1554) und eine vorzüglich illustrierte Ausgabe von Boccaccios klassischen Lebensbeschreibungen berühmter Frauen. Die mit den Initialen "IK" signierten Holzschnitte werden dem Berner Maler und Formschneider Jacob Kallenberg (c.1500-c.1565) zugeschrieben. Die Illustrationen zeugen von einem gewissen Einfluss durch Holbein. Nebst den vorliegenden Holzschnitten lieferte Kallenberg auch Illustrationen zu weiteren Werken des Berner Erstdruckers, darunter für den Catalogus von Abraham Ryd (1540) sowie für Paulis Schimpf und Ernst von 1546. - Gelegentlich minimal stockfleckig, vereinzelt alte Marginalien in Tinte, Besitzereintrag auf Innendeckel und Titelblatt. - Lonchamp S. 140 und Nr. 356; VD16 B 5814; Adams B-2141; Fairfax Murray 78; Bloesch 35. Ad I) Einzige Ausgabe des national gesinnten Geschichtswerkes. Der aus Wilen stammende Hugwald (genannt Mutz oder Mutius) immatrikulierte sich 1519 an der Universität Basel, veröffentlichte von 1520-22 mehrere reformatorische Streitschriften und schloss sich vorübergehend den Wiedertäufern an. Als Lehrer und Rektor der Lateinschule auf Burg, dozierte seit 1541 an der artistischen, und inskribierte er sich 1542 an der theologischen Fakultät. Das vorliegende Werk ist, wie der Titel hinweist, durchwegs eine Kompilation. "Bemerkenswert ist dagegen die Gesinnung, da der deutsch national denkende Verfasser sich zugleich als Eidgenosse fühlt und mit freudigem Stolze auf die kriegerische Thätigkeit, die Siege der Schweizer hinblickt." (Wyss 231). In religiöser Hinsicht hofft er auf eine Vereinigung der Bekenntnisse, ähnlich wie Erasmus. - VD16 H 5861. Feller/Bonjour I,254. Barth 10215. Ad II) Schöne Ausgabe der klassischen Papstbiographien des Humanisten Bartolomeo Platina (= de Sacchi, 1421-1481), seit 1475 Bibliothekar der Vaticana. - Die schöne Titeleinfassung von Anton Woensam zeigt Christus, die Evangelisten, Petrus und Kirchenväter. Bibliopoly ![]() |