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Bern die Hauptstadt mit Charme Restaurant Harmonie Harmonie Hotelgasse 3. Um die Mitte des 19. Jh. eröffnetes Restaurant. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern Das Restaurant Harmonie Das oberste Haus an der Kesslergasse verrät schon durch seine Adresse die besondere Stellung: Hotelgasse 3 / Münstergasse 78 (ehedem Kesslergasse 48). Das Gebäude übereck am Eingang der Münstergasse behauptet seine markante Stellung in zurückhaltender Würde. Keine schreiende Reklame, lediglich eine schmale im Sommer belaubte Terrasse mit gedeckten Tischen weist auf eine Gaststätte hin, eine besondere allerdings, was jedoch das Äussere so gar nicht preisgeben will. Das Restaurant Harmonie – oder kurz: die Harmonie – ist nicht allein fester Bestandteil der Münstergasse wie die Bibliotheken oder das May-Haus, die Harmonie ist ein Stück Kulturgut der ganzen Stadt Bern. Verabredungen für einen Feierabend-Umtrunk, zu einem gemütlichen Fondue oder einem rassigen Beefsteak-Tartar mit feinem Wein vom Genfersee bedürfen nicht der näheren Spezifizierung durch genaue Strassenbezeichnung mitsamt Hausnummer Harmonie genügt und jedermann weiss, was gemeint ist. Ob Politiker, Künstler, Arbeiter oder Akademiker, alle finden sie mit nachtwandlerischer Sicherheit den richtigen Weg. In die Milchglasscheibe beim Eingang Münstergasse ist in schlichten Buchstaben eingeritzt: Cafe Harmonie Fritz Gyger. Das genügt. Frühe Spuren einer Wirtschaft an der Ecke Hotelgasse / Münstergasse reichen weit ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits in die ersten Jahre des liberalen bernischen Volksstaates, genauer ins Jahr 1836, fällt die erste Nennung eines Wirtes in der Harmonie – es war dies Rodolphe Jaccard. Bis zum Ersten Weltkrieg erlebte die Gaststätte in der Folge eine wechselvolle Geschichte. Nicht weniger als 12 Wirte und eine Wirtin sind für die Harmonie bis 1915 namentlich nachgewiesen. Seit bald hundert Jahren – exakt seit 1915 – ist nun der Name Gyger mit der Harmonie innig verbunden. Am 4. November 1915 nämlich pachtete Fritz Gyger I die Gaststätte durch Übertragung des Wirtschaftspatents. Die Familie Gyger, ursprünglich aus dem Simmental stammend, hatte in Wimmis das Bahnhofrestaurant betrieben. Fritz Gyger I liess sich, mit der Beharrlichkeit des Oberländers, im ersten Kriegsjahr in Bern nieder. Bereits sechs Jahre später konnte er die Liegenschaft an der Ecke Hotelgasse / Münstergasse käuflich erwerben. Gyger war ein findiger und geschäftstüchhtiger Mann. Er betrieb die Wirtschaft 'über dreissig Jahre und legte so den Grundstein für das weitere Gedeihen des Betriebes. Selbst in den schwierigen Kriegsjahren war er nicht um Ideen verlegen, die sein Geschäft beleben konnten. So stellte er 1917 das Gesuch, zwei Zimmer im ersten Stock, die wohl schon vor dem Krieg als Vereinslokal gedient haben mochten, dem Fussballclub Young Boys als Clublokal zur Verfügung stellen zu dürfen. Dem Ansuchen wurde stattgegeben, dies jedoch nicht ohne gleichzeitig den jährlichen Pachtzins um hundert Franken zu erhöhen. Vier Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges ging die Harmonie an die zweite Generation Gyger über und Fritz Gyger II übernahm am 21. Juni 1949 den Betrieb. Auch Fritz Gyger II betrieb die mittlerweile bestens eingeführte Gaststätte während rund 27 Jahren erfolgreich weiter. Im Jahre 1976, nach dem Tod ihres Mannes, übernahm die Witwe Ruth Gyger-Nyffenegger das Szepter. Zum traditionellen Angebot traten einige Neuerungen hinzu. Sanft wurde die Speisekarte erweitert, die Gästeschar nahm es mit gutem Humor auf. Neue Kreise wurden damit angesprochen, die Stammgäste indes blieben ihrer Harmonie nach wie vor treu. 1981 übergab Mutter Gyger die Harmonie an die dritte Generation, ihr Sohn Fritz Gyger III trat in den Betrieb ein. Obwohl so gar kein Wirt von Profession – Gyger hatte Chemie studiert und sein Studium im gleichen Jahr mit einem Doktorat abgeschlossen – wurde die Harmonie auch für Jimi Gyger (wie ihn ganz Bern kennt und nennt) zur Berufung. Im Jahre 1994 sodann trat Walter Aebischer als begabter Chef de cuisine an seine Seite und seither betreiben beide gemeinsam die wohl berühmteste Gaststätte Berns mit Erfolg weiter. Jimi Gygers Credo «Die Harmonie ist ein kosmopolitischer, neutraler Boden, auf dem alle gleich behandelt und bedient werden» wird mit Überzeugung nachgelebt (zitiert nach Mauerhofer 2004, p. 14). Die Treue zur Harmonie, zum Betrieb, zu den Gästen halten auch die Mitarbeitenden – man kennt sich und man schätzt sich. Anekdoten und Geschichten ranken sich mittlerweile um die Harmonie. Sie indes hat ihren Charakter und ihre Einmaligkeit über alle Zeitläufe hinweg bewahrt. Wenn renoviert werden musste, dann geschah das stets mit äusserster Zurückhaltung, das Täfer blieb erhalten und erhielt höchstens einen neuen Anstrich, Einrichtung und Mobiliar wurden klugerweise niemals dem Götzendienst am kurzlebigen Designer-Zeitgeist geopfert. Indes, ebenso macht das Nicht-Fassbare, Atmosphärische, das einfach zur Harmonie gehört, bis heute ihre Unverwechselbarkeit aus. Und gerade deshalb ist die Harmonie auch ein Stück Berner Geschichte. Familiär geht es zu und her an der Hotelgasse 3 – und so soll es auch bleiben. Literatur zur Harmonie: Carol Mauerhofer: Die Geschichte des Restaurants Harmonie, Bern 2004 Brunne Zytig (Hy) 07.09.2007 ![]() |