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Bern - die Hauptstadt mit Charme Der Holländerturm Holländerturm Waisenhausplatz 15. Der 1623 erstmals erwähnte H. diente mit seinem Obergeschoss lange als Rauchsalon für aus holländischen Diensten zurückgekehrte Offiziere. Bei der Renovation von 1885 verschwanden die Vordächlein unter den Fenstern des Riegaufbaues. Die Restauration von 1975 brachte den Nachweis, dass der H. ein Wehrturm an der äussern Mauer der 2. Stadtbefestigung war. Lit.: Hofer, Wehrbauten Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Der Holländerturm Der Holländerturm war und ist ein Ort geheimer Treffen. Einst stiegen die Herren des Tabakleists ins Turmzimmer, um klandestin ein Pfeifchen zu rauchen. Heute werden dort ganz diskret diffizile Geschäfte abgewickelt. Hoch über den Dächern der Stadt Bern steigt verräterischer Rauch aus einem Turmzimmer. Wir schreiben das Jahr 1707. Nikotin hat im puritanischen Bern des 18. Jahrhunderts keinen guten Ruf. Seit Jahrzehnten schon versucht die Regierung dem Laster des «Tabaktrinkens» beizukommen. Mit hohen Bussen oder Gefängnis hat darum zu rechnen, wer sich beim Kauen, Schnupfen oder Rauchen erwischen lässt. Auch Wirte, die den Tabakkonsum in ihren Lokalen tolerieren, werden bestraft. Doch aller Repression zum Trotz frönen immer mehr Bernerinnen und Berner dem neuen Genussmittel. Die Unsitte ist aus der Fremde nach Bern gekommen. Patrizier, die in Holland als Offiziere gedient und dort das Rauchen kennen gelernt haben, wollen auch nach ihrer Heimkehr nicht mehr auf den Duft der weiten Welt verzichten. Und so stehlen sie sich gelegentlich heimlich in das Turmzimmer des Holländerturms, um dort gemeinsam aus den langen, aus den Niederlanden bekannten Tonpfeifen zu schmauchen. «Hier oben waren sie wenigstens vor ungebetenen Zuschauern sicher, wenn sie sich nicht mit der Pfeife im Munde an den Fenstern gegen die Gasse sehen liessen», schreibt Chronist und Pfarrer Karl Howald in seinen «Memoires». Das Bild der Turmstube, aus der oft bis spät in die Nacht hinein Rauch gestiegen ist, blieb in der Erinnerung einiger geschichtsbewusster Berner bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Sie nannten das Refugium der Raucher fünf Stockwerke über dem Waisenhausplatz einfach Holländerturm. Der Spanier-Turm Die Geschichte des Holländerturms geht allerdings viel weiter zurück. Errichtet wurde der markante Rundturm bereits im Mittelalter – als Wehrturm der dritten Ringmauer. Allerdings hatte er diese Funktion nur knapp neun Jahrzehnte lang, denn weil die junge Stadt schnell wuchs und 1346 bereits wieder erweitert wurde – diesmal bis zur Höhe des heutigen Bahnhofs – befand sich der Holländerturm bald einmal im Innern der Stadt und wurde nach und nach zum Wohn- und Arbeitsort umfunktioniert. Der erste aktenkundige Eigentümer des Hauses war der Berner Hufschmied Christian Jenzer (1660–1731). Zu seiner Zeit erhielt der Turm seine heutige Gestalt: Anstelle des Spitzhelms entstand auf dem Zinnenkranz die Riegelkonstruktion der Turmstube, des späteren Raucherstübli. Bis 1781 gehörte die Liegenschaft der Familie Jenzer, danach ging sie an den «Edelgeborenen Johannes Wäber», ebenfalls Mitglied der Schmiedezunft. Als «Oberländer Schmidte» wurde die Liegenschaft später aktenkundig, da sie nacheinander verschiedenen Eigentümern aus Frutigen gehörte. Der Letzte von ihnen war der Hufschmied Adam Studer. Dessen Erbengemeinschaft verkaufte den Besitz 1890 an den spanischen Weinhändler José Cardoner. Auch nach Cardoners Tod blieb der Holländerturm in der Hand der Spanier. Der Bernburger-Turm Der Raum ganz oben im 700-jährigen Wehrturm blieb nach der Blütezeit des blauen Dunstes jahrzehntelang verwaist und vernachlässigt. Erst 1970 kam wieder Leben in das Gemäuer, als die spanische Besitzerfamilie die Liegenschaft an Charles von Graffenried übertrug. In der Folge wurde das alte Gemäuer umfassend saniert. Heute befinden sich über den Ladenlokalen im Erdgeschoss drei kleine Einzimmerwohnungen. Das Turmzimmer hoch oben unter dem Giebel dient der Von Graffenried AG als Empfangs- und Konferenzraum. Diffizile Geschäfte, die ein grosses Mass an Diskretion erfordern, werden hier abgewickelt. Ein bisschen geheimnisumwittert ist der Holländerturm somit bis heute. Holländerturm Bern, Markus F. Rubli, Bern 1994, Benteli.
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