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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Gasthof «Zum Falken - Au Faucon»

Marktgasse 11/ Amthausgasse 6

Falken
Seit dem Beginn des 16. Jh. Gasthof des Bischofs von Lausanne. Der Name geht auf die beiden letzten kirchlichen Besitzer, Aymon und Sebastien de Montfaucon, zurück. 1536-1546 in städtischem Besitz, bis 1722 privat, dann Gesellschaftshaus zu Mittellöwen , welche den Gasthof nur noch im 1732/36 von Samuel Baumgartner neu errichteten Nordteil der Liegenschaft führt. 1905 wird dieser Teil des Hauses von Lindt und Hofmann neu gebaut. Von der Mitte des 17. bis in die Mitte des 19. Jh. war der Falken das erste Haus Berns. Es verschwindet 1904.

Berchtold Weber: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Gasthof «Zum Falken - Au Faucon»
  • Bern - Bildnis einer Stadt
  • Die Stadt Bern von 1870-1920



    Gasthof «Zum Falken - Au Faucon»

    Zu allen Zeiten gab es öffentliche Gaststätten in Bern. Zum Teil dienten zwar auch die Zunfthäuser der Öffentlichkeit, indem sie fremde Gäste beherbergten und verköstigten, doch fand sich daneben eine beachtliche Zahl von Herbergen und Wirtschaften, die für das leibliche Wohl der Fremden oder auch der auswärts speisenden Einheimischen besorgt waren.

    Wir finden eine vielfältige Skala von verschiedenen Gaststätten: Da waren einmal die vielen Weinkeller, wo zum Wein nur kalte Speisen serviert werden durften. Zu den gewöhnlichen Wirtschaften gehörten auch die Pinten, Tavernen und Wirtshäuser, die einfache Mahlzeiten offerierten, bei denen aber das Hauptgewicht auf dem Ausschank von Getränken lag.

    Im 18. Jahrhundert gab es in Bern zwei Gasthöfe, die ein internationales Renommee genossen: die «Krone» und den «Falken». Besonders der «Falken» galt als einer der besten Gasthöfe der ganzen Schweiz. Er lag zwischen der heutigen Amthausgasse und der Marktgasse. Noch lange erinnerte die Inschrift «Zum Falken - Au Faucon» an die alte Herrlichkeit. Im Mittelalter war das Haus die bernische Residenz des Bischofs von Lausanne gewesen. Bern gehörte zum Bistum Lausanne, und so musste der Bischof doch gelegentlich nach Bern kommen. Da mehrere Bischöfe von Lausanne im späten Mittelalter aus der Familie der Montfaucon stammten, dürfte das Haus seinen Namen von da erhalten haben.

    Nach der Reformation ging das Haus durch verschiedene Hände und gelangte schliesslich 1722 an die Zunft zum Mittellöwen. Die Zunft liess die Fassaden neu herrichten, und im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde der «Falken» zum ersten Gasthof der Stadt.

    Als Luxusgasthof Berns war der «Falken» auch recht teuer. Bezahlte man in einer gewöhnlichen Gaststätte wie dem «Storchen» oder in einer Zunftstube etwa 6 bis 8 Batzen für ein Abendessen mit einer Flasche Wein, so musste man im «Falken» gut das Doppelte rechnen.

    Alles, was Rang und Namen oder auch nur Geld hatte, stieg im «Falken» ab. Jeden Tag versammelte sich eine erlesene Gesellschaft zum Mittags- und Abendtisch. Sie wusste, dass sie hier unter ihresgleichen war.

    Die Liste der prominenten Gäste ist lang. Nur einige seien erwähnt, um zu zeigen, welche Bedeutung diesem Gasthof zukam. 1777 reiste Kaiser Joseph II. nach Frankreich, um die politischen Interessen Frankreichs und Österreichs aufeinander abzustimmen. Die schweizerischen Regierungen waren von solchen Vorhaben immer ein wenig beunruhigt, denn ein Interessengegensatz zwischen Frankreich und Österreich garantierte, dass sich die beiden mächtigen Nachbarn nicht in die schweizerischen Angelegenheiten einmischten. Als aufgeklärter Monarch wollte Joseph Il. die Reise durch die Schweiz zu einem Besuch bei Albrecht von Haller benutzen. Haller stand in seinem letzten Lebensjahr, und sein Ruf als Universalgelehrter erfüllte die ganze Welt.

    Der Kaiser reiste inkognito unter dem Namen Graf von Falkenstein. Jedermann wusste aber, wer der Graf von Falkenstein in Wirklichkeit war, der mit drei sechsspännigen Kutschen angereist kam. Joseph II. war gar nicht erbaut über die riesige Schar von Schaulustigen, die ihn empfingen, und er zog sich in seine Zimmer im «Falken» zurück. Er blieb fast die ganze Zeit seines Aufenthaltes im Gasthof versteckt. Nur ein Besuch im Zeughaus und natürlich ein solcher bei Albrecht von Haller holten ihn aus seiner Isolation. Um der Menschenmenge zu entgehen, verlegte er einen Spaziergang auf die Münsterplattform auf den nächsten Morgen um vier Uhr, wo er ungestört die Gegend bewundern konnte. Von der Stadt Bern hatte der Kaiser somit fast nur den Gasthof zum «Falken» gesehen.

    Dem Kaiser folgte noch eine lange Reihe gekrönter Häupter, die im «Falken» abstiegen. 1779 war es zum Beispiel Herzog Karl August von Sachsen-Weimar, der mit grossem Gefolge hier Logis nahm. Erwähnenswert ist unter seinen Begleitern der Geheimrat Johann Wolfgang Goethe.

    Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte der Gasthof seinen Ruhm halten, dann zerfiel die Herrlichkeit, und 1904 beschloss die Gesellschaft zu Mittellöwen, den «Falken» aufzuheben.

    Quelle: Die grossen Essen im «Falken» um 1800 (Auszug)
    Festliches Essen und Trinken im alten Bern
    François de Capitani, Benteli Verlag Bern




    Napoleon Bonaparte (1769-1821 ) in Bern

    Die Höflichkeitsvisite beim Schultheissen überliess er General Junot. Und da ihm Bern «unausstehlich» war, beschloss er nach kurzer Rast im «Falken», seine Kutschenreise ohne Aufschub fortzusetzen. Ob er damals schon an die Erbeutung des berühmten Berner Staatsschatzes gedacht hat, kann nur vermutet werden. Fest steht, dass wenige Wochen später französische Invasionstruppen in die Westschweiz vordrangen und im März 1798 Bern zur Kapitulation zwangen. Der gewonnene Staatsschatz aber diente Napoleon, der am 5. Dezember 1797 nach Paris zurückgekehrt war, zur Finanzierung seiner Expedition nach Ägypten.
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    Zunft zu Mittellöwen

    Um 1430/40 erscheint neben den Ober- und den Nieder-Gerbern eine dritte Gerbernstube. Weil ihr Haus in der Mitte zwischen den beiden älteren Stuben gelegen war, wurde sie «Zum Roten Löwen» oder auch «Zu Mittellöwen» genannt. Alle drei zusammen bildeten die Gerbern-Vennerzunft. In seiner «Geschichte der Berner Zunft zu Mittellöwen» (1984) bezeichnet Urs Martin Zahnd diese Zunft als um 1450 voll ausgebildete Gerbernstube. Die älteste erhaltene Original-Urkunde, die sich auf die Stube zum Roten Löwen bezieht, geht auf 1467 zurück.

    Nach Zahnd handelt es sich bei Mittellöwen vorwiegend um einen Zusammenschluss von erfolgreichen Kaufleuten und Adligen, die durch Beitritt in diese Vennerzunft einen Einstieg in die politische Ämterlaufbahn (Venner, Säckelmeister, Schultheiss) suchten. Zu dieser wirtschaftlichen und politischen Oberschicht (u.a. Bartholomäus May, Adrian von Bubenberg) stiessen im Laufe der Zeit Künstler (u.a. Glasmaler Hans Noll, die Maler Josef Werner und Rudolf Münger) und Wissenschaftler (so der Nobelpreisträger Theodor Kocher).

    Die früheren Stuben befanden sich in Zunfthäusern an der Kramgasse. 1722 erwarb Mittellöwen den «Falken». Er war ursprünglich Privathaus mit Tavernenrecht, dann Berner Sitz der Bischöfe von Lausanne, nach der Reformation Gasthof und nach Renovationen 1732/66 als «Hotel du Faucon» erstes Haus am Platz. 1905/08 erfolgte der Umbau zum Geschäftshaus.


    Der «Rote Löwe» (Fassade rechts) der Gesellschaft zu Mittellöwen, der 1597 ein neues Kostüm aus rotem Zwilch mit Seidentroddeln und einen kunstvoll getriebenen Maskenkopf bekam erinnert an den Standort des ehemaligen Falken. Heute ein Geschäftshaus. Foto: Kevin M. Matulef
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