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Bern - die Hauptstadt mit Charme Inselspital Inselspital, kurz Insel genannt ¹ Nach der Reformation wird das Seilerinspital ins Inselkloster verlegt, dessen Namen es nach der Vereinigung mit dem Bröwenhaus (1526) annimmt. 1658 umfasst das Inselspital 39 Betten, von 1643 an nimmt es keine Pfründer, sondern nur noch Kranke auf (Wund-Spital). Nach einem Brand im Inselspital von 1713 wird der Neubau nach Plänen F. Beers 1718-1724 unter Abraham Dünz ausgeführt. Die einspringenden Winkel der Südseite werden 1836-1841 überbaut. 1878 umfasst das Inselspital 206 Betten. Nach dem Umzug auf die Kreuzmatte ² wird das Inselspital 1888 abgebrochen. Standort: Bundeshaus-Ost (Kochergasse 9) ohne östlichsten Teil Lit.: KDM. 1; Rennefahrt und Hintzsche, Sechshundertjahre Inselspital, Bern 1954 ² In 7 Gebäuden entsteht 1881/84 nach Friedrich Schneiders Plänen auf der Kreuzmatte das neue Inselspital, das immer wieder erweitert, in den Sechzigerjahren des 20. Jh. vollständig durch Neubauten ersetzt wird. Ursprünglich gehörten dazu die heute abgebrochenen Häuser Freiburgstrasse 12, 14, 18, 20, 24, 26 und 32. Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Geschichte Um 1350 Auch in Bern wütet mit verheerenden Folgen die Pest. Das Erleben dieser Seuche dürfte Einfluss auf Frau Anna Seiler, die spätere Gründerin des Inselspitals, gehabt haben. Die verwitwete Frau Seiler, vermögende Burgerin von Bern, doch kinderlos, betreute zu jener Zeit Kranke im Spital vor den Predigern in Bern. 1354 Anna Seiler legt am 29. November 1354 (Original im Staatsarchiv) ihr Testament ab: In Anbetracht, dass nichts gewisser ist als der Tod, aber nichts ungewisser als die Stunde des Todes, habe ich, von niemandes Arglist bewogen, sondern wissend, gesund und wohlbedacht und nach reiflicher Überlegung, sowie mit dem Rat und der Erlaubnis des Schultheissen, des Rates und der Zweihundert, lediglich um Gottes Willen und zum Heil und Trost und stetem ewigem Glück meiner Seele und der Seelen meiner Vorfahren und aller Gläubigen, zum Trost der Stadt und Burgerschaft Berns, und damit die sechs Werke der Barmherzigkeit um so besser erfüllt werden, ein ewiges Spital gestiftet. In diesem Spital sollen ständig dreizehn bettlägerige und dürftige Personen aufgenommen sein, sowie drei weitere ehrbare Personen, die den Dienst als Pfleger der armen Bettlägerigen versehen sollen.... Anna Seiler bedachte ihr Spital mit viel Besitz, Häusern und Grundstücken, und sie rief andere dazu auf, gleiches zu tun. 1360 Kurz vor dem 14. August (das genaue Datum ist nicht überliefert) stirbt Anna Seiler. Das Spital vor den Predigern, bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts an der heutigen Zeughausgasse in Bern gelegen, wird unter dem Namen Seilerin Spital weitergeführt. 1480 Der Wille von Anna Seiler, wonach das Spital ausschliesslich der Betreuung und Unterkunft bedürftiger, armer Kranker dienen soll, gerät in Vergessenheit. Am Seilerin Spital entwickeln sich pfrundähnliche Verhältnisse, das Spital wird zum Altersheim für vermögende Leute. 1531 Die Reformation rüttelt das Gewissen der Bernischen Obrigkeit wach: die Pfrundverhältnisse im Seilerin Spital werden aufgelöst, das Spital wieder seinem Stiftungszweck zugeführt. Gleichzeitig übersiedelt das Seilerin Spital mit seinen 34 Krankenbetten in das leerstehende Kloster der Dominikanerinnen St. Michaels Insel. Das Gebäude befindet sich dort, wo heute der Ostflügel des Bundeshauses steht. Mit dem Umzug des Seilerin Spital in das Kloster bürgert sich auch der Name Insel ein. 1561 Einmal monatlich besichtigen Doktoren und Apotheker die Patienten des Krankenhauses Insel; sie bestimmen, welche zu entlassen sind und was für die Verbleibenden vorzukehren ist. Dieser regelmässige Dienst spricht sich rum; die Insel entwickelt sich zum Landeskrankenhaus, zieht Patienten aus der Stadt Bern wie auch aus den übrigen bernischen, deutschen und welschen Gebieten an. 1583 Schultheiss und Rat von Bern strukturieren die Insel um, legen eine Spitalordnung und die Pflichten des Ärztestabes fest. Grund dafür: durch die Doctores, Schärer, Bruch- oder Steinschneider verursachte Missstände. Sie blieben oft tagelang ganz aus und untersuchten und verbanden ihre Kranken nicht ordentlich oder überliessen diese ihren unerfahrenen Knechten und Dienern, sassen selber beim Wein oder gingen anderen Geschäften nach. 1713 Das Insel-Spitalgebäude brennt nieder. An gleicher Stelle wird 1718 mit dem Spitalneubau begonnen, der sechs Jahre später eröffnet wird. Das neue Spital, einem königlichen Palast ähnlicher denn einem Hospital, bietet Platz für 70 Erwachsene und 12 Kinder. 1750 Dank privaten Spenden und Unterstützung der Obrigkeit verbessert sich die Behandlung und Pflege der Insel-Patienten markant. Vielen kann eine Badekur angeboten werden, jene, die aus dem Spital austreten, jedoch noch nicht arbeitsfähig sind, erhalten zur Überbrückung ein Zehrgeld. 1798 Untergang des alten Bern. Die Insel dient der französischen Besatzung als zentrales Militärspital, fehlt dadurch der Berner Bevölkerung, die rund 180'000 Menschen umfasst. 1809 Der entstandene, souveräne Canton Bern enteignet der Insel das Vermögen, sie verliert ihre Selbständigkeit. Doch kann das Spital wieder für die Zivilbevölkerung geöffnet werden. Die Zeit als Militärspital ist zu Ende. Im selben Jahr wird die medizinisch-chirurgische Societät, der Vorläufer der heutigen Kantonalen Ärztegesellschaft gegründet. 1841 Es gelingt der Insel ihre Selbständigkeit zurück zu erlangen. In einem Dotationsvertrag mit dem Staat Bern werden gegenseitig Rechte und Pflichten verankert. Diese haben in ihren Grundzügen heute noch Geltung. Als neue Aufgabe übernimmt die Insel die Ausbildung von Medizinstudenten. Täglich findet an der Insel eine Krankenschau statt, an der Heilkundige sowie Bruch- und Steinschneider teilnehmen. 1884 Die Insel platzt aus allen Nähten, die Spitalinfrastruktur vermag den gestiegenen Patientenzahlen und medizinischen Anforderungen nicht mehr zu genügen. Das alte Spitalgebäude wird für 750 000 Franken verkauft und auf dem der Stiftung gehörenden Kreuzmattareal mit dem Spitalneubau begonnen. Nahezu das gesamte Vermögen der Insel-Stiftung wird dafür eingesetzt. 1885 wird das neue Spital mit Platz für 340 Betten eröffnet und schon recht bald überbelegt (die Behandlung der Patienten ist unentgeltlich). 1888 Die Inselspitalstiftung und der Staat Bern erneuern den Vertrag von 1841. Es werden Regeln geschaffen, die sowohl dem Stiftungszweck als auch den Anforderungen der Medizinischen Fakultät gerecht werden. Am Grundsatz der unentgeltlichen Patientenbehandlung wird festgehalten, doch will der Staat die Leistungen der Insel angemessen entschädigen. Die Stiftung überlässt demgegenüber dem Staat die auf ihrem Boden erstellten, zur Bildung angehender Ärzte dienenden Bauten, so lange zur Benutzung, als eine Medizinische Fakultät in Bern besteht. 1958 - 78 Das Inselspital erfährt bedeutende bauliche Entwicklungen. Das Berner Volk stimmt einer Bauvorlage in drei Etappen zu, in deren Verlauf grosse Teile der Spitalbauten von 1884 abgebrochen werden. Das Inselspital erhält im wesentlichen sein heutiges Gesicht: es entstehen das Bettenhochhaus, der Operationstrakt, die Personalhäuser, das Wirtschaftsgebäude, das Labor- und Werkstattgebäude, der Polikliniktrakt 1 und die neue Kinderklinik. Das Spital wird zu einem der modernsten Europas. 1990 Das Inselspital gibt sich eine neue Struktur und betritt mit dem gewählten Modell Neuland. Mit dem Projekt Insel-90 will man weg von der administrativen Spitalverwaltung hin zum nach unternehmerischen Grundsätzen geführten Spitalbetrieb. Die ärztlichen und pflegerischen Bereiche werden sowohl auf der Ebene der Kliniken und Institute als auch des Gesamtspitals in die Führungsverantwortung eingebunden. 1999 Das Inselspital organisiert sich neu. Die fast 40 Kliniken und Institute werden in neun teilautonomen Departementen zusammengefasst. So hofft man, rascher und flexibler auf sich verändernde Rahmenbedingungen und Marktlagen reagieren zu können. Profitieren sollen von der Reorganisation auch die Patienten: die Behandlungsprozesse sollen ganzheitlicher und die interdisziplinäre Lehre und Forschung ausgebaut werden. Die Beziehungen zur Medizinischen Fakultät werden überarbeitet und mit gegenseitigen Leistungsvereinbarungen auf eine neue Basis gestellt. Gegenseitig nehmen Vertreter in wichtigen Gremien Einsitz. 1994 - 2002 Das Inselspital wächst: 1994 wird der neue Polikliniktrakt 2 eröffnet, 1997 werden die Psychiatrische Poliklinik sowie das Kantonale Frauenspital in das Inselspital integriert. Die Integration des Frauenspitals ist erst eine organisatorische, 2002 auch eine räumliche, mit dem Bezug des Neubaus auf dem Areal des Inselspitals. Regierung und Parlament verabschieden 1995 einen 215 Mio. Kredit zur Sanierung des Kernbereiches der Insel, dem Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum. Mit dem INO-Projekt will man dem Spital die Konkurrenzfähigkeit für die Zukunft erhalten. 100 Jahre alte Kapelle den Bedürfnissen angepasst Platz für Rückzug, Rituale und Verkündigung: Die 100-jährige Reformierte Inselkapelle neben dem neuen Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum INO erhält eine sanfte Renovation. Seit der damalige Stararchitekt Karl Indermühle 1908 die Inselkapelle als einschiffigen Sakralbau mit Kanzel und Chor konzipierte, haben sich die Bedürfnisse der Benutzer geändert: Ging es früher einzig um die Verkündigung des Evangeliums, sind heute der individuelle Rückzug oder das gemeinschaftliche Begehen von Ritualen ebenso wichtig. Mit einer sanften Renovation des Innenraums hat das Inselspital diesem Bedürfniswandel bei Besuchern, Patienten und Personal nun Rechnung getragen. Die städtische Denkmalpflege wurde erfolgreich in die Umbauplanung einbezogen. Der Berner Architekt Patrick Thurston und die Seelsorge des Inselspitals entwickelten zusammen die Gestaltungsidee von zwei Räumen in einem. Der Chorraum dient Einzelnen oder kleinen Gruppen zur stillen Einkehr, mit schlichten, bequemen Fauteuils und einer grossen Kerzenschale. Das Kirchenschiff ist nur noch zu einem Viertel mit fest installierten Bänken bestückt. Diese bilden mit Lesepult und Osterkerze eine Art Kapelle in der Kapelle. Ein Tisch für die Mahlfeier und ein Kronleuchter markieren das Zentrum des neu gestalteten Raumes. Wie alle neuen Sakralmöbel wurden sie von Patrick Thurston entworfen und von Handwerkern aus dem Einzugsgebiet des Inselspitals hergestellt. Im Schiff ist viel Freiraum für eine erweiterte Nutzung entstanden, mit flexibler mobiler Bestuhlung für zahlreiche Gäste. Darin können neue und traditionelle Formen von sakraler Gemeinschaft gelebt werden: Bewegung, Tanz, Installationen, Gesprächskreis, Feiern, Konzerte und der sonntägliche Gottesdienst, der weiterhin via Radiokanal auch in die Patientenzimmer übertragen wird. Der neu gestaltete reformierte Kirchenraum im Inselspital Bern hat so in seinem hundertsten Jahr eine neue Ausrichtung erhalten. Sie steht für eine weitere Öffnung der Kirche und kommt den Bedürfnissen der Seelsorge im Spital entgegen. ![]() ![]() |