g26.ch
HOME
EVENTS
MUSEEN
GALERIEN
BIOGRAPHIEN
G26.CH NEWS
BLACKBOARD
BERN INFO
KUNST
|
Bern - die Hauptstadt mit Charme
Kanalisation
Abwasserbeseitigung
unterirdisch verlegtes Abwasserkanalsystem zur Aufnahme des anfallenden häuslichen und gewerblichen Abwassers sowie des abzuleitenden Niederschlagswassers. In mit leichtem Gefälle verlegten Rohren und Bauwerken aus Steinzeug, Beton, Stahlbeton, Asbestzement, Mauerwerk, Gusseisen oder Kunststoff wird das Abwasser durch natürliche Schwerkraft in Freispiegelleitungen oder auch mittels Druck oder Vakuum zur ? Kläranlage geleitet. Es wird unterschieden: Mischsystem (häusliche und gewerbliche Abwasser und Niederschlagswasser in einem Kanal) und Trennsystem (Abwasser und Niederschlagswasser in getrennten Kanälen). Bauwerke der Ortsentwässerung sind: Strassenabläufe, Schacht-, Verbindungs-, Untersturz- und Kreuzungsbauwerke, Regenwasserrückhaltebecken, Entlastungsbauwerke, Abwasserpumpwerke, Kanalausmündungen, Kläranlagen u. a.
www.wissen.de
Die Bundesstadt und ihr Kanalisationssystem
Ehgräben, Morastsammler und Kloaken - die Wege der bernischen Abwässer
«Dert wo Bärn würklech dräckig isch»
Von der «Cloakenfrage» zur Schwemmkanalisation
Bern - Stadtbach
Bern - Brunnenordnung und Konzessionen
Tropfsteinhöhle am Klösterlistutz
Bern - Tiefbauamt
Die Bundesstadt und ihr Kanalisationssystem
Ein zentrales Element städtischer Infrastruktur war schon immer die Versorgung mit Wasser. Die einfachste Art, nämlich Wasser aus einem offenen Gewässer zu schöpfen, wurde bald problematisch, da ihre Bewohnerinnen und Bewohner Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Reinigen, Spülen und Entsorgen von Haushalt- und Gewerbeabfällen verwendeten. Demgemäss bestand in einer mittelalterlichen Stadt Bedarf für verschiedene Wassersorten mit unterschiedlichen Qualitätsanforderungen. Dies verlangte den Aufbau und Unterhalt einer entsprechenden Infrastruktur. Für die zähringische Gründungsanlage Berns bemerkenswert ist daher die von römischen Städten her bekannte, fortschrittliche Einrichtung von Leitungen für Brauchwasser (Stadtbach), Abwasser (Ehgräben), sowie die verschiedenen stehenden und fliessenden Brunnen.
In der Stadt Bern gab es schon im Mittelalter ein am Stadtbach angeschlossenes Kanalisationssystem: Die Ehgräben. Die ältesten Abwasserkanäle führten zwischen den Häuserreihen hindurch und markierten die gesetzlichen Grundstückgrenzen (Gesetz = Eh). Mit der Erweiterung der Stadt wurde auch das Kanalnetz grösser und grösser.
Anfangs waren die Ehgräben noch offen. Um sie von hängen gebliebenem Schmutz zu reinigen, wurden sie täglich durchgespült, indem man über ein ausgeklügeltes (auch heute noch bestehendes) Schleusensystem Stadtbachwasser in die Gräben leitete.
Die Stadtentwicklung, die Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse, Geruchsemissionen, zwei Typhusepidemien (1866 und 1873) und der Bau der ersten Drückwasserversorgung (1870) zwangen zu einer raschen Erweiterung der Kanalisationsanlagen und zu weiteren Massnahmen zur Bewältigung des Abwasserproblems. Vom 1872 bis 1875 wurde das gesamte Ehgrabensystems aufgenommen und ein Kloakenplan erstellt. Nach umfangreichen Vorbereitungen konnte dann am 20. Oktober 1875 die Kloakenverordnung der Stadt Bern erlassen werden.
Heute wird in der Agglomeration Bern hauptsächlich im Mischsystem entwässert.
Das heisst Schmutzwasser und Regenwasser (Meteorwasser) werden gemeinsam durch einen Kanal abgeleitet. Ein Trennsystem besteht meist nur in Aarennähe, wo das Regenwasser direkt abgeleitet werden kann. Zu den öffentlichen Abwasseranlagen gehören auch Spezialanlagen wie Abwasserpumpwerke, Regenbecken, Niveaumesstellen, Regenmessstationen, Regulier- und Entlastungsschützen und Rechenanlagen.
Die Hauptdaten des Kanalisationssystems der Stadt Bern umfassen heute: Gesamtlänge: 320 km, Profilgrössen: 30 cm bis 370 cm Durchmesser, 80000 Kontrollschächte und ca. 100 Sonderbauwerke.
Auszüge: Schulpraxis 4/98 und eine Informationsschrift des Tiefbauamtes zusammengestellt von Rahel Erny
Ehgräben, Morastsammler und Kloaken - die Wege der stadtbernischen Abwässer
Ruth Stalder zeigt in ihrer Arbeit auf der Grundlage von intensiven Quellenstudien die Umstände auf, unter denen die bis in das Mittelalter zurückreichenden Systeme der Abwasserentsorgung in der Stadt Bern zwischen 1850 und 1900 durch das moderne System der Schwemmkanalisation abgelöst wurden.
In einer um 1868 eingereichten Petition ersuchen drei Bewohner der Matte die Stadt, an der Gerberngasse «Kloaken» zu erstellen. Die drei Bittsteller ergänzten ihre Unterschriften mit dem Satz «Bereits das Wasser im Hause aber kein Abfluss». Diese Anmerkung - welche von der Autorin als Titel für ihre Arbeit gewählt wurde - markiert auf der Suche nach der Lösung der Abwasserproblematik einen Höhepunkt im Handlungsdruck, der auf der Stadt lastete. Die Frage nach der Ableitung der Abwässer stellte sich jedoch bereits im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Ausbruch von Typhus, drohende Cholera..
Wie andere europäische Städte beschäftigte sich auch Bern erstmals verstärkt mit dem Problem der Abwasserentsorgung, als der Ausbruch von Choleraepidemien drohte und vermehrt Typhusepidemien auftraten. Bei einer Typhusepidemie zwischen Oktober 1866 und März 1867 erkrankten 178 Personen in der Stadt Bern. Um den Ausbruch von Epidemien zu verhindern, wurde die Berner Stadtbevölkerung nach der Jahrhundertmitte vor «gesundheitsschädlichen Übelständen» gewarnt: die Menschen wurden zu mehr Sauberkeit aufgerufen und ermahnt, «namentlich den Zustand der Abtritte, Abläufe, Höfe, Gruben usw. sorgfältig zu beaufsichtigen, und Übelstände ohne säumen zu beseitigen». Die Autorin zeigt auf, wie neben den Aufrufen des Gemeinderates in der Folge zunehmend auch die warnenden Stimmen der Mediziner laut wurden. Die Hygieniker nahmen direkten Einfluss auf die politische Diskussion über die gesundheitlichen Verhältnisse in der Stadt und über zur Wahl stehende Abwasserentsorgungssysteme: 1867 publizierte der praktizierende Arzt und führende Kopf der bernischen Hygienebewegung, Adolf Vogt, einen Aufsatz mit dem Titel «Über die Kloakenverhältnisse der Stadt Bern», in dem das existierende Entsorgungssystem von Morastsammlern, Ehgräben und Senkgruben als gesundheitsgefährdend kritisiert wurde. Mit der Aufklärung der Bevölkerung über die mögliche Übertragung von Krankheiten einher ging eine Sensibilisierung gegenüber den gestankerzeugenden Senkgruben und Ehgräben. Die Haltung gegenüber den menschlichen Fäkalien, die noch vor der Jahrhundermitte durch die Verarbeitung zu Fäkaldünger als gewinnbringende Einnahmequelle geschätzt wurden, veränderte sich dahingehend, dass Fäkalien vermehrt als Gefahrenquelle für Krankheiten wahrgenommen wurden. Ausserdem wurde der Fäkaldünger zunehmend durch künstliche Düngstoffe konkurrenziert.
Bern gehörte zu den «ungesundesten Städten Europas»
Als Druckmittel in der Diskussion um die Abwasserproblematik wirkte eine von Vogt erstellte Mortalitätsstatistik für die Jahre 1855 bis 1867, worin eine «mittlere Sterblichkeit von 35 pro mille» nachgewiesen wurde. Daraus zog Vogt den Schluss: «Bern gehört somit zu den ungesundesten Städten Europas».
Die als vorbeugende Massnahmen gegen die Cholera postulierte erhöhte Sauberkeit und die Reinhaltung von Luft, Boden und Wasser sollten unter anderem durch eine verbesserte Wasserzufuhr und Abwasserentsorgung erreicht werden. Zuerst in Angriff genommen wurde die Verbesserung der Wasserzufuhr: 1869 wurde das neu erstellte Hochdruckleitungsnetz in Betrieb genommen. Die Problematik der Abwasserentsorgung wurde dadurch jedoch deutlich verstärkt - es floss eine grosse Menge an Wasser in die Stadt, die die Abwassermenge zusätzlich erhöhte. Nach langwierigen Diskussionen und dem Abwägen zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Abwasserentsorgung entschied man sich 1872 in Bern für die Einführung der Schwemmkanalisation, welche sich durch die leicht erhöhte Lage der Innenstadt und dem natürlichen Gefälle zur Aare hin am besten umsetzen liess. Die in Europa zu dieser Zeit als sehr innovativ eingestufte Lösung der Abwasserproblematik durch die Schwemmkanalisation knüpfte in Bern an das bereits im Mittelalter erstellte Abführsystem der Ehgräben an, welche die Abwässer direkt in die Aare leiteten. Die Ehgräben konnten - mit gewissen Verbesserungen - in das neue System integriert werden. Mit dem kontinuierlichen Ausbau des Kanalnetzes bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts verfügte die Stadt Bern über ein Abwassersystem, das sich während fast hundert Jahren - bis zur Einführung der Abwasserreinigungsanlage 1968 - bewährte.
Erwachendes Bewusstsein für die Wasserqualität
Die historische Untersuchung von Ruth Stalder zeigt die Anfänge des Bewusstseins um die Problematik der Wasserqualität und der Abwasserentsorgung auf - ein Problemkomplex, welcher heute angesichts der in Abwässern zunehmend enthaltenen kritischen Substanzen (Umweltgifte, Hormone) immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das Gutachten zur Untersuchung von Ruth Stalder hebt deren gesellschaftliche Bedeutung hervor: als historische Untersuchung stellt sie aus der zeitlichen Distanz die Entstehungsbedingungen von Problemen und deren Lösungen in einem logischen Argumentationszusammenhang dar. Die Arbeit zeigt am Beispiel der Fäkalien in vorbildlicher Weise, wie geschlossene Kreisläufe von Produktion und Rezyklierung durch Industrialisierung und Urbanisierung aufgebrochen wurden.
Ruth Stalder:
«Bereits das Wasser im Hause aber kein Abfluss»
Die Abwasserentsorgung in der Stadt Bern - «Von den mittelalterlichen Ehgräben, Morastsammlern und Senkgruben zum grosstechnischen System der Schwemm-kanalisation 1850-1900»
Lizentiatsarbeit in Schweizer Geschichte an der Universität Bern
«Dert wo Bärn würklech dräckig isch»
Wir stehen an der Schütte unterhalb des Rathauses. Obwohl längst die Nacht hereingebrochen ist, hellt ein milchiges Licht die Szene auf. Die Helligkeit der Strassenlaternen wird durch den Schneefall gedämpft. Zugleich hellt der auf dem Boden liegende Schnee die Umgebung auf.
Einzig das Loch im Trottoir ist tiefschwarz. Der Dolendeckel ist zur Seite geschoben und öffnet so einen Zugang in Berns Unterwelt. Daneben steht breitbeinig Hans-Ulrich Wingeier und schildert uns neben den nackten Zahlen den strengen Arbeitsalltag der Kontrolleure, die für den Kanalnetz-Betrieb zuständig sind. Man hört es aus seinen Erzählungen heraus: Hans-Ulrich Wingeier liebt seinen Beruf, und er liebt seine Kanalisation. Die Frauen würden die grössten Probleme schaffen, weiss er zu berichten. Denn der Grund für verstopfte Kanalisationsleitungen seien fast immer Damenkleider: Allen voran Strümpfe, aber auch Unterwäsche, BHs und dergleichen.
Der Dolendeckel gibt den Weg frei in einen Schacht, in den wir mit Hilfe einer Leiter hinuntersteigen.
Vorsicht Kopf. Hier unten ist es feucht und dunkel; die Lampen erhellen den Gang nur teilweise. Wir steigen hinunter zum Abwasserkanal. Es ist einer der ältesten der Stadt, er wurde ab dem 16. Jahrhundert erbaut und verläuft innerhalb der ehemaligen Stadtmauer. Der Kanal führt steil nach unten. In der Mitte befindet sich ein schmaler, erhöhter Gehsteig, links und rechts davon fliessen kleine Rinnsale hinunter. Quer zum Gehsteig angebrachte Metallschienen erlauben einem das Auftreten, verhindern trotz der Steilheit des Abstiegs das Ausrutschen.
Erstaunlicherweise stinkt es kaum. Der Kanal würde letztlich bis hinunter zur Aare führen, erklärt Hans-Ulrich Wingeier mit lauter Stimme. In alten Zeiten diente er als Fluchtweg aus dem Rathaus.
Plötzlich verengt sich der Schacht, ist nur noch rund einen Meter hoch. Es wird eng, Personen mit Platzangst leiden hier. Unvermittelt scheint der Kanal in einer Sackgasse zu enden, vermeintlich schiesst nur eine kleinere, nicht passierbare Leitung nahezu senkrecht nach unten.
Erst ganz vorne beim vermeintlichen Ende des Schachts ist der Ausweg erkennbar: Eine senkrecht dazu verlaufende Röhre führt nach oben. Mit einer Leiter steigen wir hinauf und verlassen die Unterwelt. Wir finden uns mitten im Aarehang wieder, weit unterhalb der Einstiegsstelle.
Keine Kanalisation ohne Ratten: Diese haben zwar eine Reinigungsfunktion, übertragen aber auch ansteckende Krankheiten, weshalb sie in Bern bekämpft werden. Hans-Ulrich Wingeier weiss, wovon er spricht: es sei schon vorgekommen, dass Ratten durch die Kanalisation in Wohnungen eingedrungen sind, die im ersten Stock eines Hauses lägen. Um den Tieren das Leben etwas weniger leicht zu machen, sollten Speisereste nicht durch den Spültrog hinuntergespült, sondern mit dem Kehricht entsorgt werden. Auch hier spricht Wingeier aus Erfahrung: Ratten seien intelligente Tiere, und wo immer wartende Ratten anzutreffen seien, würden regelmässig Speisereste in die Kanalisation hinuntergespült.
Eine weitere Attraktion des Kanalnetz-Betriebs ist die Tropfstenhöhle neben dem Klösterli-Areal. Sie wurde vor Jahrzehnten künstlich geschaffen, um einen Wartungsraum zur Verfügung zu haben. Das Grundwasser drückt langsam, aber stetig durch das Erdreich. Da das Wasser in Bern sehr kalkhaltig ist, bilden sich an der Decke Stalaktiten und formen sich zu bizarren Formen. Die Kalkzapfen wachsen sehr langsam, sind erst wenige Zentimeter lang.
Wir wähnen uns in einem Fantasy-Film, und in der Tat haben Sekten den Raum schon als Kultstätte genutzt. Hans-Ulrich Wingeier erzählt davon in blumigen Worten, ebenso von der Walliser Gruppe, die in der Höhle ihr Zvieri genoss. Die Führung endet hier. Wir sind beeindruckt von einer andern Welt unter unseren Füssen, auf die wir täglich angewiesen sind und die wir bis heute nicht gekannt haben.
Autor: Leider nicht bekannt
SP Sozialdemokratische Partei Bern Ost
Mitgliederversammlung vom 24. Januar 2005

g26.ch PLATTFORM FÜR KUNST KULTUR UND GESELLSCHAFT
|
|