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Bern Kanton Bern Kanton Bern zweitgrösster Kanton der Schweiz, reicht vom Nordwestrand des Schweizer Jura bis zum Kamm der Berner Alpen; 5959 km²:, 947'000 Einwohner (davon sprechen 84% Deutsch und 8% Französisch); Hauptstadt ist Bern. Von Nordwesten nach Südosten (über 140 km) umfasst der Kanton drei grössere Landschaftseinheiten: Der an Wäldern und Weiden reiche Jura mit überwiegend Französisch sprechenden Bewohnern umfasst hauptsächlich das Flussgebiet der Birs und ihrer Zuflüsse. Hauptwirtschaftszweig ist die Uhrenindustrie. Im Mittelland und Alpenvorland dominiert die Viehwirtschaft, im nördlichen Teil auch Ackerbau (Weizen, Zuckerrüben, Tabak, Gemüse), ferner Obst und Wein. Das Emmental war ein altes Zentrum der Leinenweberei; daneben Metall-, Maschinen- u. a. Industrie. Im Berner Oberland (Berner Alpen) spielt neben der Viehzucht und der Elektrizitätsgewinnung der Fremdenverkehr eine wichtige Rolle. Kanton Bern Ur- und frühgeschichtliche Siedlungen sind über das ganze Gebiet des heutigen Kantons Bern verstreut, vom Jurafuss bis ins Oberland. – Ein kelto-römisches Oppidum erhob sich auf der Engehalbinsel bei Bern, die ersten frühmittelalterlichen christlichen Kirchen in der Thunerseeregion. Das Kantonsgebiet gehörte seit 888 zum hochburgundischen, seit 1032 zum deutschen Reich. 1191 gründete Herzog Berchtold V. von Zähringen in einer Aareschleife eine Stadt, Bern, die mit dem Erlöschen der Zähringer 1218 an den deutschen König fiel. Sie wuchs rasch als Zentrum zwischen Jura und Alpen, zwischen savoyischem und kyburgisch-habsburgischem Machtbereich und führte seit dem 13./14. Jahrhundert ein ins französische Sprachgebiet übergreifendes Bündnissystem von Städten an (Bern, Freiburg i. Üe., Payerne, Murten, Biel, Solothurn). Um 1300 begann die Stadt durch Kauf und Eroberung sich ein Territorium zu schaffen (21. Juni 1339 Sieg der Berner bei Laupen über den Adel und die Stadt Freiburg). Bei den Waldstätten fand Bern Verbündete im Kampf gegen die adeligen Mächte seines Umfelds – eine Verbindung, die 1353 durch den «ewigen Bund» bekräftigt wurde. Der Zusammenbruch des Hauses Kyburg (Burgdorferkrieg 1384) und die Eroberung des habsburgischen Aargaus 1415 lösten Berns Entwicklung zum Territorialstaat aus. Die wachsende politische Macht, die es Bern erlaubte, sogar den mächtigen Herzog von Burgund zum Kampf herauszufordern (22. Juni 1476: Schlacht bei Murten), wurde begleitet von einer aussergewöhnlichen kulturellen Blütezeit (Chronistik, Literatur, Malerei, Plastik): Der verheerende Stadtbrand von 1405 wurde zum Auftakt zu einer baulichen Erneuerung, welche die Berner Altstadt bis heute prägt («Versteinerung» der Altstadt, 1406–17 neues Rathaus, 1421 Beginn des Münsterbaus, Umnutzung des Zeitglockenturms). Nach einer krisenhaften Übersteigerung zu Beginn des 16. Jh. (Mailänderkriege) brachte dann die Reformation einen tiefen politischen und kulturellen Einschnitt. Im Kampf um den rechten Glauben trat Bern relativ spät, erst 1528, auf die Seite Zwinglis und der Reformierten. Die Stadt Bern überführte nicht nur Kirchengüter und Klöster in ihre Verwaltung, auch bei den geistlichen und sozialen Aufgaben der alten Kirche übernahm die städtische Obrigkeit nun energisch die Verantwortung. Die Eroberung der Waadt 1536 hatte weitreichende Konsequenzen, nicht nur für die Republik Bern, sondern für die ganze Schweiz, die sich erst dadurch zu einem mehrsprachigen Staatswesen entwickelte. – Die politische Macht konzentrierte sich jedoch in Bern zunehmend in der Hand einer kleinen Führungsschicht, die ein patriarchalisches Regiment übte, gegen das sich 1653 die Bauern (Bauernkrieg) und 1749 die Stadtbürger (Henzi-Verschwörung) vergeblich erhoben. Kulturell erlebte die selbstbewusste patrizische Stadtrepublik im 18. Jh. ihr goldenes Zeitalter. Das Landvolk hatte keinen Anteil an der Politik, die Obrigkeit griff jedoch wenig in den Alltag und die hergebrachte Ordnung der Untertanen ein, so dass die Ideen der Französischen Revolution zunächst wenig Echo fanden. Erst die militärische Übermacht der im Frühjahr 1798 einmarschierenden französischen Revolutionsheere und die mangelnde Abwehrbereitschaft der Eidgenossenschaft führten zum Zusammenbruch der alten Ordnung, zum Sturz des patrizischen Regiments und zur Abtrennung der Waadt und des Aargaus. Nach der Helvetik (1798–1803) und der von Napoleon aufgezwungenen Mediation (1803–1814) versuchte Bern eine Restauration der vorrevolutionären Verhältnisse. Für den Verlust wesentlicher Teile des alten Staatsgebietes (Waadt und Aargau) entschädigte der Wiener Kongress 1815 Bern durch die Angliederung des säkularisierten Fürstbistums Basel, des Jura. Bei dieser politischen Transaktion wurden die Jurassier nicht gefragt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden sie sich ihrer sprachlich-kulturellen Eigenart bewusster, was nach dem Zweiten Weltkrieg eine Separationsbewegung auslöste, die 1979 nach mehreren Plebisziten zur Abtrennung des vorwiegend katholischen Nordjuras als neuer Kanton der Eidgenossenschaft führte. Von den fünf Verfassungen (1815, 1831, 1846, 1893 und 1993), die sich der Kanton Bern bis heute gab, bezeichnet diejenige von 1831 die Wende vom patrizischen Obrigkeitsstaat zum Volksstaat mit Rechtsgleichheit und direkter Volkbeteiligung. 1971 erhielten auch die Frauen volle politische Rechte. – 1834 wurde die Universität Bern gegründet. – 1848 erkor die Tagsatzung Bern ob seiner geographischen Lage und seiner historischen Leistung und Stellung zur Bundesstadt und damit zum Sitz der eidgenössischen Zentralgewalt. Dem noch zu Gotthelfs Zeiten (Jeremias Gotthelf, Pseudonym für Albert Bitzius, 1797–1854, bernischer Schriftsteller) fast rein bäuerlichen Kanton ist das Einschwenken in das technisch-industrielle Zeitalter nicht leicht gefallen. Aus Mangel an privatem Kapital trat der Staat als Unternehmer auf beim Bau der Lötschbergbahn (Berner Alpenbahn, erb. 1907–13) und der so genannten bernischen Dekretsbahnen, wie auch in gemischtwirtschaftlicher Form im 20. Jahrhundert beim Ausbau der bernischen Energiepolitik (Bernische Kraftwerke usw.). Kunstführer durch die Schweiz – Band 3 – 1. Auflage © 2006 Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte
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