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Bern - die Hauptstadt mit Charme

Klösterli-Areal

Klösterli

¹ Gasthof in den 1746 erbauten Häusern Klösterlistutz 16/18. Name nach dem alten Beginenkloster und dem spätem Niedern Spital. Pintenrecht 1688, Tavernenrecht 1759. Mansardendach des Hauptgebäudes nach einem Brand 1935 durch ein Satteldach ersetzt. Die Wirtschaft wird 1942 geschlossen.
Lit.: Haas, Nydegg

² Ein Haus gegenüber der Pinsel, wohin die dortigen Klosterfrauen nach der Reformation verbracht wurden. Später ging das Haus in Privatbesitz über. Standort: Südwestflügel des Bundeshauses Nord (Amthausgasse 15)
Lit.: Gruner, Deliciae

Klösterli-Friedhof

Der 1533 eingerichtete Friedhof des Niedern Spitals wurde 1708 erweitert. Er reichte damals vom Halsgraben des Untertors bis an den Kleinen Muristalden. Beim Bau des Gr. Aargauerstaldens fiel der obere Teil des Klösterli-Friedhof weg. Die Stadt erwarb als Ersatz den Rosengarten. Der Klösterli-Friedhof wurde 1826 aufgehoben.
Lit.: Haas, Nydegg

Berchtold Weber: Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern



  • Klösterli-Areal
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    Klösterli-Areal

    Das Gebiet des heutigen Klösterli-Areals ist wohl bereits wenige Jahrzehnte nach der Stadtgründung bebaut worden. Die 1255/56 als Holzkonstruktion erbaute erste Brücke, die eine vordem bestehende Fähre-Verbindung ersetzte, hat auf dem rechten Aareufer eine Wehranlage nötig gemacht. Der landseitige Tor-Turm, die heutige Felsenburg, dürfte in seinem Kern auf jene Zeit zurückgehen, obwohl er als Nieder Turm erst 1335 in den Schriftquellen erwähnt wird. Auch der Ursprung des heutigen Anbaues an die Felsenburg ist im 14. Jahrhundert zu suchen: Das Wighus ze der nideren brügg wird zur Unterbringung der auch für die Erhebung des Brückenzolls zuständigen Wachtmannschaft mit der Brücke entstanden sein.

    Unmittelbar nach einer für 1335 belegten Schenkung wird das zuvor an der unteren Gerechtigkeitsgasse domizilierte Niedere Spital vor dem Unteren Tor neben einem vermutlich bereits bestehenden Siechenhaus gebaut. Die Neubauten umfassen auch die 1344 geweihte, reich ausgestattete Kapelle St. Georg. Der Name Klösterli geht auf diese Zeit des von den Weissen und Grauen Schwestern, den Beginen, geführten Spitals zurück. Nach der Verlegung des Spitals in die Konventsgebäude des in der Reformationszeit aufgehobenen Predigerklosters 1528 werden die Spitalgebäulichkeiten aufgegeben. Das Grundstück wird seit 1533 im südlichen Teil als Ersatz für den aufgegebenen Friedhof auf der Münsterplattform genutzt; der neue Friedhof dehnt sich im Verlauf der Zeit bis zum heutigen Bärengraben aus. Während der Bauarbeiten an der Mahogany Hall wurden Gräber freigelegt. Einer älteren Periode von tieferliegenden Bestattungen, die dem Siechenfriedhof bis 1528 zuzuordnen sind, folgen Gräber des Stadtfriedhofes, der in diesem Bereich vor der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgegeben worden ist.

    Der Kern des heutigen Gebäudes Klösterlistutz 18, der heutigen Mahogany Hall, wurde im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts gebaut. Dem Niederen Spital, das offenbar noch Landeigentümerin war, wurde 1688 ein Pintenrecht verliehen. Ob dieses ein bestehendes Gebäude oder einen Neubau betraf, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden; immerhin weisen die Ansichten des frühen 17. Jahrhunderts, auf welchen die dargestellten Bauten am Klösterlistutz kaum mit dieser ersten Pinte in Übereinstimmung gebracht werden können, eher darauf hin, dass um 1688 ein Neubau erstellt worden sei. Die im Rahmen der Sanierung des Gebäudes 1988/89 im Auftrag der Denkmalpflege von Frau Randi Sigg-Gilstad, dipl. Arch. ETH / lic. phil. I, durchgeführte baugeschichtliche Untersuchung, auf welche sich diese Notizen stützen und wo die Quellen verzeichnet sind, weist diesen ersten Pintenbau als quer zum Hang stehendes, somit von Osten nach Westen orientiertes Gebäude auf leicht verzogenem rechteckigem Grundriss aus. Hangaufwärts ist ein älterer Mauerzug wiederverwendet, der zum vordem dort stehenden, 1528 aufgegebenen Niederen Spital gehört haben dürfte. Der Bau ist fassbar auf zwei Geschossen, dem heutigen Erdgeschoss und dem heutigen Untergeschoss, das, von Westen erschlossen, wohl als Hauptgeschoss diente. Der südlich angrenzende Friedhof lag somit um ein Geschoss höher als das Hauptgeschoss der Pinte, die talseitig als Riegbau konstruiert war. Die unter dem Gebäude liegenden Keller stimmen in den Grundrissen nur sehr bedingt mit dem erhaltenen Bau um 1688 überein - sie dürften von älteren Bauten übernommen worden sein (allerdings ist auch eine spätere Unterkellerung nicht auszuschliessen).

    Die bestehende einfache Pinte von 1688 (?) erfuhr nach der Mitte des 18. Jahrhunderts einen tiefgreifenden Umbau und wurde stark erweitert. In seiner Brunnen- Chronik schreibt Karl Howald Anno 1759 wurde das Klösterlihaus samt Scheune erbaut Und Hugo Haas ergänzt in seiner Schrift An den Aareübergängen bei der Nydegg in Bern, 1945, Das Klösterli.. erhält 1759 .. das Tavemen-, d.i. das Speisewirtschaftsrecht, sodass es nun auch warme Speisen auftragen darf. Die Erweiterung muss vor dem Hintergrund der Neuanlage des Aargauerstaldens 1750-58 durch den Piemontesen Mirani gesehen werden, die auch zu einer ersten Korrektur der Steigung am Klösterlistutz führte. Offenbar wurde der Friedhof für die Erweiterung der bestehenden Pinte verkleinert und es wurde eine neue, nach Süden verlegte Friedhofmauer erstellt. So konnte der Bau längs des Hanges und des Klösterlistutzes erweitert und mit einer repräsentativen Fassadenflucht versehen werden. Dabei wurden die Haupträume vom heutigen Untergeschoss in das heutige Erdgeschoss verlegt. Der Zugang verblieb aber gemäss der erwähnten baugeschichtlichen Untersuchung vorerst vom Klösterlistutz abgewandt: Der Eingang war nun auf der Südseite angeordnet. Der Besucher betrat den Bau unter einer im Grundriss vwnkelförmigen Laube, welche im Obergeschoss einen Teil der Südfront sowie die Westfront bis zum Abortanbau umschloss. Das neue Hauptgeschoss und das darüberliegende Obergeschoss waren je durch einen abgewinkelten Mittelkorridor erschlossen, an welchem unmittelbar beim Eingang von der Laube her die Erschliessungstreppe lag.

    Der repräsentative, barocke Bau dürfte 1759 oder kurz danach entstanden sein. Er weist auf der Ostseite, zum Klösterlistutz hin, eine repräsentative Fassade mit zweiachsigem Mittelrisalit auf und war durch ein stattliches Mansard-Dach gedeckt.

    Das benachbarte Stöckli (Klösterlistutz 16) wird kurze Zeit nach der Erweiterung der Klösterli-Taverne 1759 (?), jedenfalls vor 1764, entstanden sein. Auf den frühesten Ansichten der vergrösserten Wirtschaft erscheint nördlich noch ein grosser, scheunenartiger Bau, der offenbar später für den Neubau des Stöcklis abgebrochen worden ist. Das anmutige, gut proportionierte Gebäude ist quer zum Hauptbau ausgerichtet. Der Geländespickel zur Hangmauer, einem noch heute klar ablesbaren Bestandteil der zum Unteren Tor gehörenden Wehranlage, ist mit einem originell konzipierten Anbau auf dreieckigem Grundriss ausgenutzt. Mit seinen sorgfältig profilierten Sandsteingliederungen und dem reizvollen Mansard-Dach, mit seiner interessanten Mischung von städtischen und ländlichen Architekturmerkmalen ist das Stöckli ein gutes Beispiel des bernischen Spätbarocks.

    Die Eingangssituation des barocken Neubaus von 1759 (?) scheint sich bald als ungünstig erwiesen zu haben. Offenbar wurde vorerst eine neue Zugangsmöglichkeit in der obersten Fensterachse zum Klösterlistutz angelegt. Kurz später wird der neue Hauptzugang in der Mittelachse des Risalites realisiert - eine ungewöhnliche gestalterische Lösung, welche durch eine kräftige Kartusche in den Gesamtbestand der Fassade eingebunden wurde. Eine genaue Datierung des neuen Eingangsportales ist nicht möglich; die Arbeiten dürften aber gegen 1840 ausgeführt worden sein.

    Der Bau der neuen Nydeggbrücke 1840-44 führte zu einer Erweiterung der bestehenden Wirtschaft durch einen Saal-Anbau (Klösterlistutz 18a) an der Südseite des bestehenden Gebäudes. Der neue Riegbau erhielt gegen die Brücke hin eine reich verzierte Giebelfassade; aareseits war ihm eine lauschige Terrasse vorgelagert. Bereits 1864 wurde die Giebelfront durch den Neubau der Brauerei Klösterli (Klösterlistutz 20) verstellt.

    Ein verheerender Brand zerstörte 1934 die Nordwest-Ecke des Gebäudes und vor allem den barocken Dachstuhl. Mit notdürftigen Reparaturarbeiten wurde das Gebäude wieder gebrauchsfähig gemacht und ein unförmiges Satteldach mit Abwalmungen ersetzte das charakteristische Mansard-Dach.

    Quelle: Bericht zum Umbau des Klösterliareals, 1987-1990, herausgegeben von der Finanzdirektion der Stadt Bern und der Planungs- und Baudirektion der Stadt Bern



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    Bern Klösterli. Pfoto: Martin Theimer
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