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Bern - die Hauptstadt mit Charme Konsummolkerei Konsumstrasse 16-20 Freistehendes Sichtbacksteingebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende. Im Jahre 1988/1989 ist die Liegenschaft total umgebaut und 1998 gesamthaft renoviert worden. Kontraste der besonderen Art verbinden sich hier zu einem harmonischen Ganzen. Alte Bausubstanzen kombiniert mit modernen Materialien verleihen der historischen Liegenschaft eine einzigartige Eleganz. Das gesamte Gebäude - ausser einer 4-Zimmer-Wohnung - wird auf vier Stockwerken zu Bürozwecken genutzt. Molkerei des Konsumvereins Der Architekt und Bautechniker Johann Jakob Rüegg erstellte 1906/07 die Konsum-Molkerei, die aus dem Haupt- und dem L-förmigen Nebengebäude bestand. Die Raumaufteilung wies eine vielfältige Nutzung auf: Das Erdgeschoss umfasste im Mitteltrakt eine grosse Halle, im rechten Gebäudeteil befand sich die Milchverarbeitung, im linken waren Verkauf, Administration und Labor untergebracht. Der Dampfkesselraum und der Hochkamin lagen auf der Rückseite. Die Grundriss-Aufteilung ist im Aufriss wiederzufinden. Die strassenseitige Fassade scheint nahezu symmetrisch mit übergiebeltem Mittelteil. Verschiedenartige Materialien gliedern die Sichtbackstein-Fassaden. Vor allem fallen die sparsam gestalteten Beton-Elemente auf. Die Fensterstürze und -bänke sind teilweise zu Bändern vereinigt und das Gurtgesims zwischen Erd- und Obergeschoss macht die im Innern verwendete Eisenbeton-Konstruktion der Decken sichtbar. Treppengeländer und Türgitter sind dem Jugendstil verpflichtet. Das Nebengebäude war seiner Nutzung als Remise und Pferdestall entsprechend weniger aufwendig gestaltet. Seine Stellung und der vorzügliche, gepflästerte Innenhof geben der Anlage die nötige Luft zum Atmen. Die Errichtung der Molkerei dokumentiert die erste Bebauung des Mattenhof-Quartiers, zusammen mit der 1904 von Rüegg erbauten, heute abgebrochenen Konsum-Bäckerei. Das qualitativ wertvolle Gebäude ist ein fortschrittlicher Vertreter der Industriearchitektur kurz nach 1900. In den achtziger Jahren erstellte die Firma Xerxes AG ein Projekt, das den Abbruch aller Gebäude und eine Neuüberbauung vorsah. Nachdem eine Einigung an unterschiedlichen Verkaufspreis-Vorstellungen gescheitert war, folgte ein - anfangs - unerfreuliches und langwieriges Kapitel, das mehrere Gerichtsurteile sowie den wegweisenden Beschluss des Bundesgerichts beinhaltete. Dieser hielt 1986 erstmals fest, dass Industriebauten geschützt werden können: «Die Bewahrung von Objekten, die wie etwa Industrie- und Fabrikbauten oder technische Anlagen Zeugnis für eine künstlerische, historische, wirtschaftliche, technische oder städtebauliche Entwicklung ablegen, liegt grundsätzlich im öffentlichen Interesse.» Das Urteil - es hat Präjudiz-Charakter - zog einen Schlussstrich unter das Abbruchvorhaben. Das von der Helfer Architekten AG 1987 entwickelte Konzept sah vor, die alte Bausubstanz, auch durch die Bebauung der angrenzenden Grundstücke, nicht zu tangieren. Anstelle des kurz danach abgebrannten Nebengebäudes projektierten sie einen Neubau, der Grundriss und Gestaltung des Vorgängers übernahm. Die Molkerei-Aussenhülle wurde saniert. Der Ausbau des Dachgeschosses sowie Stahlkonstruktionen in den unteren Geschossen bewirkten eine Erhöhung der Nutzfläche des zukünftigen Bürohauses. Die Treppenhäuser sind in ihrer Ausprägung und mit den Jugendstil-Elementen wiederhergestellt. Die ursprüngliche Grundrissgestalt - die Hallen mit Gusseisensäulen und Granitpfeilern blieben grossenteils transparent - konnte gut mit den Anforderungen der Besitzer, seit 1990 der Firma CSD Colombi Schmutz Dorthe AG, kombiniert werden. Die Umformung des Altbaus von einer Molkereifabrik in eine Denkfabrik für Ingenieure und Geologen fand ohne grosse Nachteile für denselben statt. Regula Hug Stadtführer - Umnutzen von Industriebauten Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Bern, 1997 Konsumgenossenschaft Bern Als Vorläufer von Coop bildeten sich in Bern ab 1853 mehrmals Konsumgenossenschaften, die wieder eingingen. Erst 1890 war die Gründung der Konsumgenossenschaft Bern (KGB) erfolgreich. Die aus der Gewerkschaftsbewegung stammenden Gründer führten den ersten Laden ehrenamtlich in einem Hinterhof der Marktgasse. Das Geschäft war vorerst nur von Mittwoch bis Samstag zwischen 19 und 21 Uhr geöffnet und hatte bloss etwa zehn wichtige Lebensmittel sowie Seife im Sortiment. Nach und nach dehnte man die Öffnungszeiten und die Warenpalette aus. Die Gewinne wurden der Kundschaft zum grössten Teil zurückerstattet. 1892 entstand die erste Filiale am Seidenweg. Das Unternehmen wuchs langsam, aber stetig und gründete eigene Produktionsbetriebe, so zum Beispiel 1892 gemeinsam mit der Arbeiterunion eine Bäckerei und 1907 eine Molkerei. Die Zahl der Filialen stieg auf 46 im Jahr 1933 und erreichte 1957 mit 73 Filialen in der Region Bern ihren Höhepunkt. Danach straffte die KGB ihr Filialnetz. Läden mit grösserer Fläche und Selbstbedienung - 1950 zuerst in der Filiale Breitenrain - lösten die Vielzahl kleiner Geschäfte ab. 1964 öffnete das Kaufhaus Ryfflihof seine Tore, das bis heute das Flaggschiff des Unternehmens in Bern ist. 1966 änderte die KGB ihren Namen in Coop Bern und fusionierte 2001 mit den übrigen regionalen Genossenschaften zur Coop Schweiz mit Sitz in Basel.129 Auszug aus «Warenhäuser: Das Einkaufen wird zum Erlebnis» Christian Lüthi Bern - die Geschichte der Stadt im 19. Und 20. Jahrhundert Stämpfli Verlag AG Bern 2003 ISBN 3-7272-1271-3 ![]() |