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Matte und Marzili waren Stätten der Badelust

Vom Münsterplatz führt die Fricktreppe hinunter ins Mattequatier an der Aare. Früher eher noch als heute ist es ein Gang von einer Welt in die andere oben die herrschaftlichen Häuser der vornehmen Bernburger, unten die Behausungen der Armen. In der oft unter Hochwassern leidenden Matte siedelte ein rauhes Volk, das sogar eine eigene Geheimsprache entwickelt hat - Mattenenglisch.

In der Matte und im angrenzenden Marziliquartier (im Hintergrund) gab es bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts Badehäuser, von denen etliche nicht nur der Körperreinigung, sondern auch erotischen Vergnügungen dienten. Frauenheld Giacomo Casanova weilte 1760 drei Wochen lang in Bern und äusserte sich anerkennend über diese Kombination von Bad und Bordell. Weit weniger begeistert war Architekt Karl Friedrich Schinkel aus Berlin bei seinem Berner Aufenthalt im Sommer 1824. Für die Anlage der Stadt findet er zwar das Kompliment « reizend », doch die zur Schau getragene Sittenlosigkeit erschüttert ihn: «Entsetzlich war, dass wir gefragt wurden beim Eintritt ins Bad, ob wir ein 'Bain garni', das heisst eines mit einem Frauenzimmer, verlangten; auch zeigten sich viele dergleichen in den Corridoren.»

Von den Badehäusern in der Matte ist nur der Strassenname Badgasse geblieben. An dieser Badgasse stehen die auf dem unteren Bild sichtbaren Mietshäuser, nun natürlich in allen Ehren. Links aussen ist das Restaurant Schwellenmätteli zu erkennen, beliebt wegen seiner idyllischen Lage am Aareufer sowie wegen seiner Fischspezialitäten. Auch der Beginn der Schwellen ist gerade noch sichtbar. Die Anlage wurde erstellt, um einen Teil des Flusswassers ins Mattequartier zu lenken - anfänglich als Energielieferant für Mühlen, Sägen und weitere Gewerbebetriebe, später dann für die Turbinen des ersten Berner Kraftwerkes (Mattewerk, 1891 in Betrieb genommen). Das obere Bild stammt aus der Zeit um 1880, kurz bevor die elegante Kirchenfeldbrücke mit ihren beiden Eisenbogen erbaut wurde.

BERN. Gestern und heute aus dem gleichen Blickwinkel
Texte: Franz Auf der Maur
Fotos: Robert Hofer und Nicolas Crispini
SLATKINE VERLAG GENF 1989



  • Berner Bäder (g26.ch)
  • Marzili (Wikipedia)
  • www.aaremarzili.info
  • Matte und Marzili waren Stätten der Badelust
  • Marzili: Berns begehrteste Insel
  • Bern Info

    Marzili

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