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Bern - die Hauptstadt mit Charme Marzilibahn Marzilibahn Die im Juli 1885 eröffnete Drahtseilbahn Marzili-Stadt Bern (DMB) ist mit 106 m schiefer Länge die kürzeste öffentliche Standseilbahn Europas. Der Antrieb der zwei Wagen erfolgte bis 1973 mit einer Wasserfüllung des talwärts fahrenden Wagens. Die jeweils notwendigen 3,5 m3 lieferte ursprünglich der Stadtbach. Seit dem Umbau 1974 erfolgt der Antrieb elektrisch. Standorte: Bergstation: Bundesterrasse 7; Talstation: Münzrain 20. Höhendifferenz 31 m Lit.: A. Heimann/F.Thierstein, d Marzilibahn, Bern 1974 Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern von Berchtold Weber (1976) Marzilibahn Die kürzeste Drahtseilbahn Europas «D's Marzili isch vo Alters her, E chley es Stiefchind gsy; Mir aber nähme-s nit so schwer, U sy glich ging derby.» Mit dieser Festinschrift stellte sich das Marzili-Quartier am Eidgenössischen Schützenfest. von 1885 in Bern vor. Die Festteilnehmer konnten sich gleich selbst vorn unternehmerischen Geist seiner Bewohner überzeugen: Just zum Festbeginn hatte nämlich clic auf Initiative der Quartierbevölkerung gebaute Drahtseilbahn Marzili-Stadt Bern ihren Betrieb aufgenommen. Der Bau einer Bahnverbindung vorn Marzili hinauf zur Bundesterrasse - den Anwohnern sollte damit der anstrengende Anstieg zu Fuss über den Bundesrain oder den Münzrain erspart werden - wurde vom eidgenössischen Staatskassier Robert Schnyder, selbst. im Marzili wohnhaft, und von Ingenieur Emil Pümpin angeregt. Am 12. Juli 1884 bildeten sieben, mit einer Ausnahme im Marziliquartier ansässige Männer ein Initiativkornitee zur Verwirklichung des Planes. Bereits im November desselben Jahres war das Aktienkapital von 60'000 Franken gezeichnet, was mit einem Feuerwerk gebührend gefeiert wurde. Noch vor Jahresende erteilte die Bundesversammlung die nötige Konzession zum Bau und Betrieb der Drahtseilbahn. Nur knapp drei Monate dauerten die eigentlichen Bauarbeiten, und am 18. Juli 1885, genau einen Tag vor Beginn des grossen Schützenfestes, konnte das 105 Meter lange «Bähnli» - zur Freude der Stadtberner - eingeweiht werden. Vom Land her tönte es eher spöttisch: Ulrich Dürrenmatts «Berner Volkszeitung» in Herzogenbuchsec sprach von einem teuren Kinderspielzeug und berichtete über sogenannte «Blitzzüge» für Bundesbeamte, «damit gewisse Herren früher an die Arbeit sich machen können, als es bisher der Fall war». Mit der Marzilibahn kam die Stadt Bern zu einer neuen Attraktion, der kürzesten öffentlichen Drahtseilbahn Europas - und, ihre Artgenossin bei den Niagara-Fällen ausgenommen, gar der Welt. Besonderes Interesse erweckte - bis zur Elektrifizierung im Jahre 1973 - ihr origineller Antrieb zur Überwindung der Höhendifferenz von 31 Metern: Ein grosser Tank unterhalb der Kabine wurde in der Bergstation mit Wasser aus dem Stadtbach gefüllt und in der Talstation wieder entleert; der dadurch viel schwerere abwärtsfahrende Wagen zog den anderen mühelos empor (der Fachmann spricht vom Wasserballastprinzip). Die Nutzung billiger und zudem umweltfreundlicher Energie war schon vor einhundert Jahren nicht unbekannt. 1973 war es mit der «Wasserromantik» vorbei. Die ganze Bahnanlage musste vollständig erneuert und elektrifiziert werden, damit der Betrieb rationeller, leistungsfähiger und kostengünstiger geführt werden konnte. So wurden auch die beiden braunen Wagen ausrangiert. Sie waren im Jahr 1914 im Hinblick auf die Landesausstellung in Bern angeschafft worden und hatten während ihres 60jährigen Dienstes rund 24,5 Millionen Fahrgäste befördert. Was sollte nun mit den zwei vertrauten Fahrzeugen geschehen? Der alte Marzilibahnwagen - Das erste technische Denkmal Standort: vor dem Eidgenössischen Verwaltungsgebäude am Bundesrain DMB-Wagen Nr.2 hatte Glück; er wurde vom Verkehrshaus Luzern als Museumsexponat übernommen. Wagen Nr. 1 hingegen wurde vorläufig bei der Firma von Roll in Bern deponiert, und sein Schicksal blieb ungewiss. Da erinnerten sich seiner die Architekten des neuen Bundesverwaltungsgebäudes an der Taubenhalde und schlugen vor, ihn als «Schauobjekt» und nostalgisches Erinnerungsstück auf dem Vorplatz mit Sichtverbindung zum neuen Marzili-Bähnli aufzustellen. Die DMB-Direktion war natürlich einverstanden und übergab das Gefährt der Eidgenossenschaft als Geschenk. Für seine sachkundige Aufstellung sorgte das SBB-Depot Bern. Seit Juli 1975, als das Gebäude bezogen wurde, steht Nr. 1 am Weg zur Talstation auf einem Stück seines alten Gleises, umgeben von seinem einstigen Lebenselement Wasser - als Berns erstes technisches Denkmal. Peter Hurni Bernische Denkmäler Ehrenmale in der Gemeinde Bern und ihre Geschichte Karl F. Wälchli, J. Harald Wäber, Peter Martig, Peter Hurni Bearbeitet vom Staatsarchiv des Kantons Bern Verlag Paul Haupt Bern und Stuttgart ![]() |